Gesundheit

Warum Menschen an Multipler Sklerose (MS) erkranken, ist bis heute nicht eindeutig geklärt. Laut Schätzungen leben weltweit an die 2,5 Millionen Menschen mit MS, in Deutschland sind um die 200.000 Menschen daran erkrankt. Laut der Deutschen Multiple Sklerose Gesellschaft (DMSG) erkranken Frauen doppelt so häufig wie Männer. Ungewöhnlich und noch ungeklärt ist, warum nah zum Äquator weniger MS-Erkrankungen auftreten als in Ländern, die weiter von dort entfernt liegen.Der Welt-MS-Tag am 30. Mai 2018 bietet Gelegenheit, sich über Multiple Sklerose zu informieren.

MS – eine Krankheit mit „1000“ Gesichtern

Multiple Sklerose (Enzephalomyelitis disseminata) ist eine lebenslang bestehende Erkrankung des Nervensystems. Sie tritt selten im Kinder- und Jugendalter auf. Erstdiagnosen bei Menschen über 60 Jahren gibt es kaum. In der Regel wird MS zwischen dem 20 und dem 40 Lebensjahr diagnostiziert.Die ersten Anzeichen für eine Multiple Sklerose können
  • Koordinationsstörungen,
  • Sehstörungen,
  • Sprachstörungen,
  • Blasenprobleme,
  • Empfindungsstörungen und
  • extreme Erschöpfung (Fatigue)
sein.Des Weiteren treten oft noch weitere Anzeichen auf: Die Haut kann sich taub anfühlen, extrem schmerzempfindlich sein oder kribbeln. Auch „wackeliges“, unsicheres Gehen und Greifstörungen können Signale sein - genau wie das Sehen von Doppelbildern, eine verwaschene Sprache, Harndrang oder extreme Müdigkeit.Das alles sind Signale, die oft nicht als erste Anzeichen von MS erkannt werden. Im Krankheitsverlauf treten öfter Lähmungserscheinungen auf. Häufig kommt es auch zu Steifheitsgefühlen in den Beinen und zu Spastiken.MS wird als „Krankheit der 1000 Gesichter“ bezeichnet, da die Beschwerden vielfältig, oft nicht sichtbar und kaum erfassbar sind. Sie können sich in abnormer Müdigkeit ausdrücken, als Aufmerksamkeitsstörung, durch rasch nachlassende Konzentration, Vergesslichkeit, Schwindel, depressive Verstimmungen und sexuellen Funktionsstörungen.Es gibt so viele Symptome, die auch auf andere Krankheiten zutreffen können, dass es auch für sehr erfahrene Ärzte oft schwer ist, MS im Frühstadium zu erkennen.

Die MS-Diagnose gleicht oft einem „Puzzlespiel“

Oft dauert es viele Monate oder sogar Jahre, bis eine MS-Diagnose sicher ist. Bis dahin sind viele verschiedene Untersuchungen notwendig. Ein einziger Befund reicht nicht. Erst wenn mehrere Symptome mit dem Krankheitsbild übereinstimmen und zusammenpassen, herrscht Diagnosesicherheit.Die Anamnese umfasst laut der Deutschen Multiple Sklerose Gesellschaft labortechnische und bildgebende Untersuchungen. Dazu gehören
  • neurologisch-körperliche Untersuchungen,
  • eine Überprüfung der Nervenleitfähig- und Geschwindigkeit,
  • eine Nervenwassergewinnung (Lumbalpunktion) und
  • eine Kernspinresonanz-Tomographie des Gehirns und des Rückens (Magnetresonanztomographie = MRT).
Wer mit MS diagnostiziert wird, ist einer hohen Belastung ausgesetzt. Zu den körperlichen Beschwerden, die den Alltag der Erkrankten stark beeinträchtigen können und oft die Lebensqualität einschränken, kommen Ängste und Unsicherheiten.[caption id="attachment_6664" align="aligncenter" width="1000"]Welt-MS-Tag 2018 Motto des diesjährigen Welt-MS-Tages 2018 © DMSG[/caption]

Das Immunsystem greift den eigenen Körper an

Multiple Sklerose ist eine chronische entzündliche Autoimmunerkrankung, die zu Schädigungen und Narben (Sklerosen) im Gehirn und Rückenmark führt. Einzelne Teile des Nervensystems können nach und nach ihre Funktionsfähigkeit verlieren. Was genau MS auslöst, ist nicht eindeutig geklärt. Es wird vermutet, dass verschiedene Faktoren zusammenkommen. Wissenschaftler gehen davon aus, dass sowohl erbliche Voraussetzungen als auch Virusinfektionen oder Umweltfaktoren eine Rolle spielen können.Bei der Autoimmunkrankheit MS greifen fehlgesteuerte körpereigene Abwehrzellen, die uns normalerweise vor Eindringlingen schützen, das eigene Gewebe an. Dabei gelangen die Zellen ins Gehirn und attackieren die Isolierschicht (Myelin) der Nervenfasern. Es kommt zu einem Zerfall der isolierenden Hüllschicht und zu Entzündungen. Dadurch können Nervenimpulse nur noch verlangsamt weitergeleitet werden. Da die Entzündungen in verschiedenen Gehirnbereichen auftreten können, kommt es zu den oben beschriebenen unterschiedlichen Beeinträchtigungen der Körperfunktionen.Die Krankheit verläuft meist in Schüben. Ein Schub kann dabei mehrere Tage oder sogar Wochen anhalten.

Wer MS hat, braucht nicht immer einen Rollstuhl

Multiple Sklerose ist bis heute nicht heilbar, aber behandelbar. Der Verlauf lässt sich am besten verlangsamen, je früher die Krankheit erkannt wird. Es gibt medikamentöse Behandlungsmöglichkeiten und nicht-medikamentöse (Yoga, Entspannungsübungen, Bewegung).Laut der DMSG führt die Krankheit in weniger als 5% aller Fälle zu einer schweren Behinderung. Zu Beginn einer MS können entzündliche Herde noch abheilen und es kann zu einer Rückbildung der Krankheitszeichen kommen. Wenn das Krankheitsbild nach fünf bis zehn Jahren stabil ist, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass die MS weiterhin relativ gutartig verläuft.Entspannungsübungen und Bewegung helfen vielen MS-Erkrankten ihren Alltag langfristig besser zu bewältigen. Verschiedene Symptome wie Erschöpfung, Spastiken oder Koordinationsprobleme können sich dadurch verbessern. Vor allem Ausdauer, Kraft und Gleichgewichtstrainings wirken unterstützend. Dazu wird das Risiko für Krankheiten wie Osteoporose und Arteriosklerose verringertDer Welt-MS-Tag 2018 steht unter dem Motto „Unheilbar optimistisch“. Sich mit der Krankheit auseinanderzusetzen und sie als einen Teil des Lebens zu akzeptieren, ist ein wichtiger Schritt für Erkrankte und für Angehörige. Mehr Informationen zum Thema MS gibt es bei allen Veranstaltungen zum Welt-MS-Tag.