Gesundheit

Am 21.06.2018 ist Deutscher Lebensmittelallergie-Tag! Die Nahrungsmittelallergie ist gekennzeichnet durch eine spezifische Überempfindlichkeit gegen bestimmte Stoffe, die in der Nahrung enthalten sind. Laktoseintoleranz, Glutenunverträglichkeit, Meeresfrüchteallergie, Nussallergie...viele Menschen leiden darunter, bestimmte Lebensmittel nicht mehr konsumieren zu können, ohne unangenehme Begleiterscheinungen, schwerwiegende oder sogar lebensbedrohliche Erkrankungen zu befürchten. In Deutschland leiden zum jetzigen Zeitpunkt etwa vier bis sechs Prozent der Kinder und bis zu sieben Prozent der Erwachsenen an einer Lebensmittel-Allergie (lesen Sie hier mehr).Was hat es damit auf sich, und warum hat man den Eindruck, dass das Thema Allergie immer mehr in den Vordergrund rückt?Mit diesen und weiteren Fragen beschäftigten sich unter anderem auch die Teilnehmer der Deutschen Gesellschaft für Allergologie und Immunologie auf dem diesjährigen europäischen Allergiekongress EAACI (European Academy of Allergy and Clinical Immunology) vom 26.-30. Mai 2018 in München. Die meisten Ursachen für Allergien sind bekannt, allein 800 sind in einer offiziellen internationalen Allergen-Datenbank gespeichert, die 1984 angelegt wurde und von der WHO (World Health Organization) und der IUIS (International Union of Immunological Societies) geprüft wird.
Typische Lebensmittel, die Allergien hervorrufen können:
  • Kuhmilch
  • Fisch
  • Krusten- und Schalentiere
  • Weizen
  • Erdnuss
  • Baumnüsse

Die Milch macht's?

Sie kennen das vielleicht – Sie sitzen in einem Café, und Ihr Tischnachbar bestellt einen Kaffee, „aber bitte nur mit laktosefreier Milch“. „Die Milch macht's“ lehrt uns seit Jahren die Werbung. Hier müssen wir etwas ausholen, und die Meinungen gehen auch auseinander. Was Milchprodukte betrifft, so ist der Konsum weltweit insgesamt gestiegen. Auch Länder wie China oder Vietnam, in denen Milch üblicherweise gar nicht auf dem Speiseplan steht, sind auf den Geschmack gekommen. Dies hat zur Folge, dass auch dort Milch eine Massenware geworden ist, und Milchkühe in Folge zu Hochleistungstieren gezüchtet werden. Ohne Kalb keine Milch. Unzählige männliche Kälber werden jedes Jahr geschlachtet, da für sie keine Verwendung besteht. Anders aber ist der Bedarf der Menschheit an Milch scheinbar nicht zu decken. Wie gesund Milch wirklich ist, wird noch immer erforscht. Und wer verträgt Milch und wer nicht?

Was hat Milch mit der Sonne zu tun?

Schon 400 v. Chr. beschrieb Hippocrates eine Laktose-Intoleranz und hat von Verdauungsproblemen berichtet. Vor ca. 7500 Jahren hat der nordeuropäische Mensch die Fähigkeit entwickelt, Laktose auch im Erwachsenenalter zu verdauen. Diese Entwicklung ging mit der Domestikation des Rindes einher und betrifft nur 1/4 der Weltbevölkerung. Vermutet wird auch, dass die geringere Sonneneinstrahlung in nördlichen Ländern eine Rolle spielt. Sonne ist für die Produktion von Vitamin D wichtig. Milchzucker wiederum kann einen Mangel an Vitamin D auffangen und ausgleichen. Man kann also von einer genetischen Veränderung sprechen, einer Mutation, die sich im Laufe der Zeit gebildet hat. In nordischen Ländern können fast 90% der Bevölkerung Laktose verdauen, während in südlichen Ländern nur ca. 10-30% und in Äquator-Nähe und in Asien nur etwa 2% Laktose verdauen können. Der Wunsch nach Anpassung an westliche Standards hat viel im Bedarfsbereich verändert, sodass in Asien der Milchkonsum heutzutage verbreiteter ist, auch wenn die Laktose-Intoleranz weltweit hier am ausgeprägtesten ist.

Ohne Laktase kein Milchzucker

Wer eine Milch-Intoleranz hat, kann den mit der Nahrung aufgenommenen Milchzucker als Folge fehlender oder verminderter Produktion des Verdauungsenzyms Laktase nicht oder nur unvollständig verdauen. Das Enzym Laktase, welches das Disaccharid Milchzucker in die verwertbaren Einfachzucker D-Galaktose und D-Glukose spaltet, wird von allen neu geborenen Säugetieren während der Still- und Säugezeit gebildet. Bei unzureichender Laktase gelangt ungespaltener Milchzucker bis in den Dickdarm, wo er von Darmbakterien aufgenommen und vergoren wird. Im Ergebnis entstehen Laktat (Salz der Milchsäure) und die Gase Methan (CH4) und Wasserstoff (H2), die zu Darmwinden und Blähungen, Bauchdrücken und Krämpfen, Übelkeit, Erbrechen und häufig zu spontanen Durchfällen führen können. Durch die Reizung der Darmschleimhaut kann es längerfristig auch zu einer Schädigung des Dünndarms kommen.

Laktase-Ersatz – der Markt ist gross

Heilbar ist der Mangel an Laktase nicht. Hier hilft nur die Umstellung auf eine milchzuckerarme Ernährung. Mittlerweile ist die Auswahl an Ersatzprodukten aber riesig. Ob Soja-, Hafer- oder Mandelmilch – der Kaffee ist auch ohne Kuhmilch geniessbar. Bestimmte Käsesorten, säuerlicher Naturjoghurt ohne Zusätze, Dickmilch und Kefir können durchaus verträglich sein. Zur Herstellung werden hierbei Lactobazillen und Propioni-Bakterien verwendet. Das Enzym Laktase lässt sich heutzutage biotechnologisch durch Mikroorganismen herstellen und wird in Form von Tabletten oder als Pulver in Apotheken verkauft. Wer nicht ganz auf Milchprodukte verzichten möchte, nimmt vor der Mahlzeit eine Tablette oder streut das Pulver über das Lebensmittel. Dann darf es auch das leckere Stück Käse sein, und man fühlt sich wieder wie Gott in Frankreich. Bitte klären Sie dies aber in jedem Fall mit Ihrem Arzt oder Apotheker ab.

Meeresfrüchte – wenn Gaumenfreude auf den Magen schlägt

Sommer, Sonne, Meer und dazu ein schöner Salat mit Meeresfrüchten (Schalen- und Krustentierarten). Muscheln, Scampi und Krebse sind schmackhaft, leicht und vielseitig in der Zubereitung. Doch was passiert bei einer allergischen Reaktion? Hautreaktionen (Quaddeln, juckende Hautpartien), Übelkeit und Magenschmerzen sind die häufigsten Symptome, die Allergiker entwickeln, die sich meist ca. 30 Minuten nach dem Verzehr bemerkbar machen. Auch Ekzeme und ein allergischer Schnupfen können die Folge sein. Auslöser hierfür sind die im Fisch enthaltenen komplexen Proteinverbindungen (Tropomyosine), die auch durch Erhitzen nicht zerstört werden. Im schlimmsten Fall kann es zu einer anaphylaktischen Reaktion (Atemnot oder Kreislaufschock mit möglichem Organversagen) kommen. Bei sehr empfindlichen Menschen reicht bereits das Einatmen des Dampfes, der etwa beim Kochen von Muscheln entsteht, um eine allergische Reaktion auszulösen. In Europa reagieren etwa 0,1 Prozent der Menschen in sogenannten Provokationstests auf Krebs- und / oder Weichtiere allergisch. Machen kann der Betroffene bei einer festgestellten Allergie gegen Meeresfrüchte nichts, ausser die Lebensmittelgruppe zu meiden. Dazu zählt dann auch der Verzicht auf Fischkonserven mit Salzwasserfischen, Lachsersatz, Krabbenbutter, Fischsaucen, asiatische Krabbenchips oder Surimi. Interessant ist, dass Menschen, die eine Allergie gegen Schalen- und Krustentiere haben, auch schneller eine Hausstaubmilbenallergie entwickeln, da Hausstaubmilben so wie Krebse auch zum Stamm der Gliederfüsser gehören und ebenfalls über Tropomyosine verfügen.

Glutenunverträglichkeit

Wer das Klebeeiweiss Gluten nicht verträgt, läuft Gefahr ein Reizdarmsyndrom zu entwickeln. Viele Menschen leiden nach einem Essen an Völlegefühl, Bauchschmerzen oder Übelkeit und führen dies oft auf eine getreidereiche Kost (Weizen, Roggen, Gerste, Dinkel, Grünkern, Hafer) zurück. Verwechseln Sie eine Unverträglichkeit nicht mit der Autoimmunerkrankung Zöliakie, eine chronische Darmerkrankung. Dann wiederum gibt es die Weizenallergie. Hierbei reagiert der Körper auf bestimmte Eiweisse im Weizen. Eine Gluten-Sensitivität oder Unverträglichkeit liegt nur vor, wenn Tests auf Zöliakie und Weizenallergie negativ verlaufen. Zur Überprüfung wird über einen Zeitraum von einigen Wochen ein glutenfreier oder glutenarmer Ernährungsplan umgesetzt. Eine Magen- und Darmspiegelung sollte vor Beginn der Diät durchgeführt werden, um eine chronische Darmerkrankung auszuschliessen. Da mit einer glutenfreien Diät auch die Saccharide (Kohlenhydrate/Zuckerverbindungen) gemieden werden, lässt sich die Ursache für mögliche Beschwerden oft nicht genau diagnostizieren. Wissenschaftler und Ärzte diskutieren, ob es so etwas wie Glutenunverträglichkeit überhaupt gibt. Meist liegt eher eine Weizenallergie vor. Im Zusammenhang mit einer Pollenallergie kann es auch zu einer Kreuzallergie auf Weizen kommen. Die Lebensmittelindustrie hat natürlich sofort reagiert und etliche Produkte auf den Markt gebracht mit der Aufschrift „glutenfrei“, da hier neue Absatzmöglichkeiten gewittert wurden. Lassen Sie sich in jedem Fall gut beraten!

Nüsse – eine unterschätzte Zutat

Einige Menschen reagieren mit allergischen Reaktionen auf Schalenfrüchte, Nüsse und Ölsaaten. Dies können Mandeln, Haselnüsse, Walnüsse, Cashewnüsse, Pekannüsse, Paranüsse, Pistazien oder auch Macadamianüsse (Queenslandnüsse) sein. Die Symptome einer Allergie zeigen sich oft in Form eines Kribbelns oder Brennens im Bereich der Lippen, des Mundes und der Schleimhäute. Auch Magen-Darm-Beschwerden, Neurodermitis Schübe und Asthmaanfälle wurden dokumentiert. Was hilft, ist eine nussfreie Ernährungsumstellung. Aufgepasst! Nüsse sind in mehr Lebensmitteln und Speisen enthalten als man zunächst annimmt. Hierzu zählen Backwaren, Süsswaren, Wurstwaren wie Mortadella oder Pasteten, Joghurt, Käse, Brotaufstriche, Müsli, Nougat, Marzipan, Sossen, Würzmittel wie Curry, Pesto, Waldorfsalat (klassisch mit Walnüssen), Eis, Pudding, Likör (z.B. Amaretto), aromatisierte Kaffeesorten.

Nussallergien treten oft als Kreuzallergien auf

Es ist nicht immer die Schalenfrucht selbst, die eine Allergie auslöst. Wenn z.B. eine Allergie gegen Pollen vorliegt, kann es passieren, dass das Immunsystem durch die Ähnlichkeit von Pollen und Schalenfrüchten am Ende auf beides reagiert. Die Zutaten verpackter Lebensmittel müssen per Etikett gekennzeichnet werden, welches erklärt, ob Nüsse oder Spuren davon enthalten sind. Prüfen Sie daher beim Einkauf genau nach, welche Inhaltsstoffe in Lebensmitteln enthalten sind.

Tipps für Sie

  • Lassen Sie sich bei einem Verdacht auf eine Allergie von Ihrem Arzt beraten, und lassen Sie im Zweifelsfall einen Provokationstest machen.
  • Grämen Sie sich nicht, wenn Sie eine Allergie entwickelt haben. Lernen Sie Schritt für Schritt, Ihre Lebensgewohnheiten umzustellen. Achten Sie auf die Inhaltsstoff-Angaben bei Lebensmitteln!
  • Gehen Sie bitte auf Nummer sicher: In Hotels, Restaurants und Cafés sollte jeder betroffene Allergiker bei der Bestellung von Speisen und Getränken auf seine Allergie hinweisen, um böse Überraschungen zu vermeiden.
In keinem Fall darf man sich verrückt machen lassen. Wenn eine Allergie festgestellt wurde, dann werden Sie mit ärztlicher Hilfe damit umzugehen lernen. Es gibt so viele verschiedene Lebensmittel, so dass ein Genuss ohne Reue für Jeden möglich ist!