Gesundheit

Schlafen: Mit innerer Ruhe ins Bett

Die meisten Menschen bei uns achten darauf, dass sie nachts 8 Stunden am Stück schlafen und dann 16 Stunden lang wach sind. Unsere Vorfahren hätten darüber ungläubig den Kopf geschüttelt. Sie schliefen nämlich in zwei Phasen. Bis zum 17 Jahrhundert, so der Historiker Craig Koslofsky, war es üblich, dass sich die Menschen abends für ein paar Stunden schlafen legten und dann gegen 2 oder 3 Uhr wieder aufstanden. Sie assen, plauderten mit den Nachbarn, gingen spazieren, hatten Sex und hauten sich dann bis zum Morgengrauen wieder aufs Ohr. Der bi-phasische Schlaf war damals ganz normal. Heute wird er neu entdeckt.

Gestresster Schlaf

Über ein Drittel aller Deutschen leidet Studien zufolge unter Schlafstörungen. Rücksichtslose Nachbarn, Strassenlärm oder Schmerzen sind die einen Ruhestörer. Immer häufiger aber rauben uns innere Angespanntheit, Kummer und Stress den Schlaf. Solche Schlafstörungen haben ihre Ursache gar nicht in der Nacht, sondern entstehen eigentlich am Tag: Der Ärger im Büro, der Streit mit dem Partner, die Sorgen um die Kinder und das Gefühl, komplett überlastet zu sein, lassen viele unruhig ins Bett gehen und mitten in der Nacht aufwachen. Der Körper ist zwar müde, aber der Geist findet einfach keine Ruhe. Früher waren es vor allem ältere Menschen, die nachts aufwachten. Heute ist es die Generation der 25- bis 40-Jährigen, die sich mitten in der Nacht grübelnd hin und her wälzt, während die Zeiger der Uhr immer weiter nach vorne rücken. Klingelt der Wecker dann am Morgen, steckt die bleierne Müdigkeit in unseren Knochen. Diese zunehmende Schlaflosigkeit ist, laut Schlafforschern, auch eine Folge einer immer schneller und effizienter werdenden Gesellschaft. Richtige Ruhephasen, in denen wir einfach nur abschalten und nicht erreichbar sind, gibt es selten.

Nächtliche Erholungskur

Dabei ist ein erholsamer Schlaf wichtig für uns. Während wir schlafen, sind zwar die Augen zu und wir ruhen, aber der menschliche Organismus ist trotzdem hochaktiv. Das Immunsystem regeneriert sich im Schlaf, das Gehirn speichert Erlerntes ab, der Darm verdaut das Essen, der Fettstoffwechsel reguliert und die Hautzellen erneuern sich. Im Schlaf finden also lebenswichtige Vorgänge in unserem Körper statt. Ohne Schlaf können wir nicht leben. Amerikanische Wissenschaftler haben in Versuchen Ratten den Schlaf entzogen. Die Ratten starben. Mal eine Nacht schlechter schlafen ist völlig normal. Mediziner sprechen erst von einer Schlafstörung, wenn der Tagesablauf über Wochen beeinträchtigt wird. Dann führt der fehlende Schlaf zu Kopfschmerzen, zu mangelnder Konzentration und einem Gefühl kompletter Erschöpfung. Das Wichtigste für einen guten Schlaf ist Entspannung. Wer abends noch eine Grundsatzdiskussion beginnt oder von einer langen anstrengenden Autofahrt nach Hause kommt, ist innerlich noch aufgewühlt. Erholsam wird der Schlaf dann meist nicht. Die innere Ruhe fehlt. Sie ist Voraussetzung für eine erholsame Nachtruhe.

Den eigenen Rhythmus finden

Wie viel Schlaf der Mensch braucht, ist sehr individuell. Die einen kommen mit 6 Stunden aus, andere brauchen 8. Die einen brauchen einen Mittagsschlaf, die anderen nicht. Generell gilt: Wer sich tagsüber fit fühlt, hat seinen Rhythmus gefunden. Jede Nacht wachen wir ungefähr 30 Mal auf, oft nur für wenige Sekunden. Erinnern können wir uns daran nicht. Es ist demnach ein Gerücht, dass nur diejenigen gut schlafen, die durchschlafen. Womit wir wieder bei unseren Vorfahren sind, für die längere Wachphasen zum Nachtablauf gehörten. Diese Gelassenheit haben wir verloren. Menschen, die nachts aufwachen, reagieren oft panisch, weil sie Angst haben, dass die Nachtruhe für sie zu Ende ist. Ein Teufelskreis. Der Druck, wieder einzuschlummern, ist dann so gross, dass genau das nicht mehr klappt. Vielleicht probieren wir es mal wie unsere Ahnen. Statt uns zu ärgern und im Bett herumzuwälzen, stehen wir auf. Wir lesen, putzen die Küche oder schauen einfach aus dem Fenster und betrachten den Mond. Ganz gelassen! Wenn es an der Zeit ist, weiter zu schlafen, kommt die Müdigkeit von ganz alleinAm 21. Juni, der kürzesten Nacht im Jahr, ist wieder der „Tag des Schlafes“.