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Zweimal wöchentlich Fisch: Interview mit der Ernährungsexpertin Dr. Krizia Ferrini

27.02.2020

Die topmoderne cereneo Klinik liegt direkt am Vierwaldstättersee nahe Luzern und hat sich auf Neuro-Rehabilitation bei Schlaganfall, Schädel-Hirn-Trauma und anderen neurologischen Erkrankungen spezialisiert. Die Klinik ist mit dem eleganten Park Hotel Vitznau verbunden und bietet mit nur sechzehn Betten ihren Patienten eine exklusive und zugleich sehr personalisierte Behandlung. Sage und schreibe drei medizinische Fachkräfte kommen auf einen Patienten, sodass zum einen perfekt auf die individuellen Wünsche eingegangen werden kann – zum anderen finden die Behandlungen in hochpersonalisierten und interdisziplinären Einzeltherapien statt.

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Dr. Krizia Ferrini, Ernährungsexpertin RDN MS.C. PHD der cereneo Klinik

„Zweimal wöchentlich Fisch!“

Das Konzept von cereneo basiert auf einer interdisziplinären Zusammenarbeit und beinhaltet drei Komponenten in der Schlaganfall-Therapie: die Physio- und Ergotherapie, die Sprach- und Schluck-Therapie und die Neuropsychologie. Nach einem Schlaganfall geht es vor allem um die Wiederherstellung verlorengegangener Körperfunktionen und der mobilen Selbstständigkeit. Dr. Krizia Ferrini, Ernährungsexpertin RDN MS.C. PHD der cereneo Klinik, stand dem Leading Medicine Guide Rede und Antwort.

Zur Vervollständigung der Therapie setzt cereneo ebenso auf Experten aus den Bereichen medizinische Therapie, Ernährungswissenschaft und Bewegungswissenschaft. Wichtiger Bestandteil der erfolgreichen Therapien ist die begleitende Beratung durch die Ernährungsexpertin Dr. Krizia Ferrini, die den Patienten einen individuellen Gesundheitsplan zusammenstellt. Die Redaktion des Leading Medicine Guide sprach mit Frau Dr. Ferrini über die Besonderheiten und Auswirkungen der Ernährung.

„Du bist, was du isst“

Die Mittelmeerdiät oder auch mediterrane Ernährung wird schon seit einer ganzen Weile empfohlen. Bestandteile sind dabei reichlich ungesättigte Fettsäuren in Form von nativem Olivenöl, frischem Gemüse und Fisch. Eine solche Ernährungsweise bietet laut neuesten Erkenntnissen Schutz vor Demenz und Depression. Auch Herzerkrankungen lässt sich mit einer solchen gesunden Ernährungsweise vorbeugen.

Aber kann eine ungesunde Ernährungsweise sich tatsächlich negativ auf Bereiche wie die Neurologie auswirken? „Eine unzureichende Menge an Essen und der Mangel an Vitaminen, Mineralstoffen oder Spurenelementen spielen eine grosse Rolle bei der Entstehung und Entwicklung von neurologischen Erkrankungen“, erklärt Dr. Ferrini und fügt hinzu: „Eine Mangelernährung hat direkte oder indirekte Auswirkungen auf eine Reihe von Organsystemen, und das schliesst das zentrale Nervensystem ein. Die meisten neurologischen Störungen, die mit einer Unterernährung zusammenhängen, lassen sich vermeiden“.

Natürlich gibt es auch eine Vielzahl an Nahrungsergänzungsmitteln auf dem Markt, die Mangelerscheinungen im Zweifelsfall ausgleichen können. Aber wenn jemand beispielsweise eine Schädel-Hirn-Verletzung erlitten hat, stellt sich die Frage, ob hier mittels einer unterstützenden Ernährungsweise der Heilungsprozess beeinflusst werden kann – und ob die Ernährung überhaupt Auswirkungen auf die neurologische Leistung des Gehirns hat.

„Bei Patienten, die an einer akuten neurologischen Erkrankung wie Schädel-Hirn-Trauma, Schlaganfall, Gehirninfarkt, Wirbelsäulenverletzungen, Krebs oder an chronischen neurologischen Erkrankungen wie Alzheimer, Demenz oder Parkinson leiden, ist das Risiko einer Mangelernährung durch mehrere Faktoren der Nahrungsaufnahme erhöht: Unregelmässigkeiten des eigenen Energieverbrauchs, allgemeine Veränderungen des Essverhaltens, Veränderungen des Verdauungsprozesses und Nebenwirkungen von verabreichten Medikamenten spielen hier eine Rolle. Eine Unterversorgung verkompliziert den Heilungsverlauf. Daher sollte eine periodische Ernährungsanalyse Teil einer Rehabilitationsmassnahme sein“, empfiehlt die Ernährungsexpertin Dr. Ferrini.

Diätenwahn: „Was darf ich denn nun essen – und was nicht?“

Es gibt die verschiedensten Theorien rund um die optimale Ernährung. Das betrifft nicht nur Patienten in einem Genesungsprozess, sondern es geht uns alle an. Jahr für Jahr kramt jemand die neue, jetzt aber wirklich ultimative Diät hervor: Wir kennen die Ernährung nach Atkins (Low-Carb-Prinzip, also wenig bis keine Kohlenhydrate), die Steinzeitdiät „Paleo“ (viel Fleisch, kein Getreide, keine gesättigten Fettsäuren, keine Kuhmilchprodukte), die Glyx-Diät, die auf einem niedrigen glykämischen Index basiert – das meint die Verbindung zwischen Lebensmitteln und dem Blutzuckerspiegel. Und dann gibt es noch das allseits beliebte Heilfasten, um nur einige Varianten zu nennen. Die richtige Ernährungsweise zu finden: Das ist daher eine ganz spezielle Aufgabe.

Es ist zwar anregend, dass es so viele Optionen gibt, aber irgendwie blickt man da gar nicht mehr durch und ist verwirrt, wenn es darum geht, die bestmögliche Ernährung anzustreben. „Es ist während des gesamten Lebens wichtig, die richtige Nahrung zu sich zu nehmen, wenn man gesund und fit bleiben möchte. Auch ist es wichtig, eine gute Vielfalt an Essen zu sich zu nehmen und das in den richtigen Mengen“, erläutert Dr. Ferrini.

„Während einer neurologischen Erkrankung verändert sich zum Beispiel auch der Aktivitätspegel, sodass ein Patient weniger Energiezufuhr benötigt. Gleichzeitig liegt aber ein erhöhter Bedarf an bestimmten Nährstoffen vor, bei anderen ein geringerer. Insofern sollte deren Diät von hoher Qualität sein und weniger von Quantität“, führt Dr. Ferrini aus, die sich in der cereneo Klinik – dem „center for neurology & rehabilitation“ – genau um diese Herausforderungen bei der Betreuung der Patienten kümmert.

Auf die Dosierung kommt es an!

Es gibt viele Lebensmittel, die man grundsätzlich in kleineren Mengen zu sich nehmen oder auf die ganz verzichtet werden sollte. Natürlich – oft sind es gerade diese Lebensmittel, die uns besonders gut schmecken oder an die wir uns tatsächlich gewöhnt haben: In vielen gekauften Produkten ist zum Beispiel zu viel Salz, Zucker oder Fett enthalten. Die Folge: Wir nehmen das gar nicht mehr so wahr oder schmecken es heraus.

Wovon man wieviel essen darf, das kann also erst einmal ein Lernprozess sein. Aber letztlich tut man sich und seinem Körper Gutes. „Circa achtzig Prozent der chronischen Erkrankungen lassen sich durch einfache Veränderungen des Lebensstils vermeiden“, holt Dr. Ferrini aus und sagt: „Rotes und verarbeitetes Fleisch zum Beispiel ist gekoppelt mit Herz-Kreislauf-Risiken, zudem hängt es mit Diabetes Typ 2 und Darmkrebserkrankungen zusammen“.

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cereneo ist eine der weltweit führenden Kliniken für Schlaganfall-Rehabilitation

Zucker und Salz konsumieren wir oft unwissentlich – oder wir denken nicht sehr viel darüber nach. Gesund sind beide Stoffe leider nicht. „Zucker und auch raffiniertes Getreide spielen eine signifikante Rolle bei der Beschleunigung von koronaren Herzerkrankungen, Herzinfarkten, koronar vaskulären Erkrankungen und Diabetes Typ 2. Sogenannte Softdrinks wie Cola, künstliche Limonadengetränke, Tonic-Wasser, sogenannte Energy-Drinks, Getränke, die mit anderen Süssungsmitteln versetzt sind wie Sirup, Fruchtsaftkonzentrat oder Saccharose, enthalten zu viele Kalorien und keine anderen Nährstoffe. Neben einer kontinuierlichen Gewichtszunahme können diese Getränke das Risiko für Diabetes Typ 2, für Herzerkrankungen und andere chronische Erkrankungen erhöhen. Salz kann zu Bluthochdruck führen. Es gibt wissenschaftliche Beweise, dass zu viel Salz das Herz, die Aorta und die Nieren schädigen kann, ohne dass sich der Blutdruck erhöht. Auch für die Knochen kann Salz schädlich sein“, warnt Dr. Ferrini. Vor allem Frauen haben laut der neuesten Studien bei erhöhtem Salzkonsum ein gesteigertes Risiko für Osteoporose und Knochenbrüche, vor allem während und nach der Menopause.

Fett macht nicht unbedingt fett

Viele übergewichtige Menschen, die abnehmen möchten, verzichten bewusst gänzlich auf Fett. Das aber ist gar nicht notwendig, wie Dr. Ferrini erklärt. Denn es kommt auf die Qualität der Fette an: „Statt eine fettarme Diät zu machen, ist es viel wichtiger, sich auf die guten Fette zu fokussieren. Wählen Sie Nahrungsmittel mit guten und ungesättigten Fettsäuren, reduzieren Sie Nahrungsmittel mit einem hohen Anteil an gesättigten Fettsäuren – und vermeiden Sie die mit Transfetten“.

„Gute Fette finden sich zum Beispiel in Olivenöl, Raps-, Mais, Soja- und Sonnenblumenöl, in Nüssen, Samen und Fisch“, empfiehlt Dr. Ferrini und führt weiter aus: „Schlechte Fette erhöhen auch in kleinen Mengen das Erkrankungsrisiko. Nicht ganz so stark wie Transfette, haben gesättigte Fettsäuren im Vergleich zu ungesättigten Fettsäuren einen negativen Effekt auf die Gesundheit. Gesättigte Fettsäuren finden sich zum Beispiel in rotem Fleisch, Butter, Käse oder Eiscreme. Einige pflanzenbasierte Öle wie Kokosnussöl oder Palmöl sind auch reich an gesättigten Fettsäuren“.

Trans-Fettsäuren sind ungesättigte Fettsäuren mit Doppelbindungen in sogenannter Trans-Konfiguration, die sowohl auf natürliche Weise wie auch durch lebensmitteltechnologische Prozesse entstehen und in zahlreiche Lebensmittel gelangen – oder auch in die damit hergestellten Produkte, z.B. Milch, Käse oder Fleisch von Wiederkäuern. Transfette finden sich vor allem in industriell produzierter Nahrung wie Backwaren, Chips und Fastfood. Im menschlichen Körper tauchen sie vor allem im Speicher- und Bauchfett auf. Transfette sind künstlich gehärtete Fette, können vom Körper nicht verarbeitet werden und gelten als herz- und kreislaufschädigend, da sie den Cholesterinwert im Blut erhöhen.

Mit gesunder Ernährung in ein gesundes Leben

Die cereneo Klinik am traumhaften Vierwaldstätter See sieht die Bedürfnisse jedes einzelnen Patienten – und in der gesunden Ernährung einen wichtigen Begleiter einer erfolgreichen Therapie. Teil einer jeden Behandlung ist daher ein individueller Gesundheitsplan. Und die Ernährung hat wirklich grosse Auswirkungen auf die Genesung der Patienten: „Der Effekt ist enorm,“ konstatiert Dr. Ferrini begeistert, „so zeigen einige Studien den gesundheitlichen Effekt einer Diät auf das Gehirn. Dem Gewürz Kurkuma etwa wurde eine Regenerationsfähigkeit für das Gehirn nach Traumata zugesprochen, vor allem wenn es um kognitive Fähigkeiten geht“.

Beherzt empfiehlt Dr. Ferrini bestimmte Nahrungsmittel, die nicht nur gut für das Gehirn sind, sondern gleichzeitig auch Herz und Blutgefässe schützen: „Grüne und blättrige Gemüsesorten wie Grünkohl, Spinat, Broccoli oder Blattkohl haben reichhaltige Nährstoffe wie Vitamin K, Lutein (ein Carotinoid), Folsäure und Betakarotin. Wissenschaftler suggerieren, dass diese pflanzenbasierten Nahrungsmittel dem kognitiven Verfall vorbeugen. Fetter Fisch ist reich an Omega-3-Fettsäuren, also gesunden, ungesättigten Fettsäuren, denen zugeschrieben wird, die Menge an Beta-Amyloiden im Blut zu reduzieren. Beta Amyloide produzieren Klumpen im Blut, die wiederum die Bildung von Alzheimer fördern“.

Dr. Ferrini empfiehlt, zweimal in der Woche Fisch zu essen, vor allem Lachs, Kabeljau, Thunfisch aus der Dose und Seelachs. „Wenn Sie kein Freund von Fisch sind, können Sie mit Ihrem Arzt auch über Omega-3-Ergänzungstabletten sprechen, oder Sie nehmen mehr Leinsamen, Avocados und Walnüsse zu sich“, schlägt Dr. Ferrini als Alternative vor.

Die Walnuss hat’s in sich

Walnüssen wird nachgesagt, dass sie das Erinnerungsvermögen schulen. „Walnüsse haben einen hohen Anteil an Omega-3-Fettsäuren, die dazu beitragen, den Blutdruck zu senken und Arterien zu schützen. Sie sind eine exzellente Quelle für Protein und gesunde Fette“, regt Dr. Ferrini an.

Kaffee- und Teetrinker aufgepasst!

Jetzt kommen richtig gute Nachrichten für alle, die sich Sorgen wegen ihres Konsums an Tee oder Kaffee machen: Sie müssen hier nicht sparen! Tatsächlich hat eine Studie aus dem Jahr 2014 ergeben, dass ein erhöhter Koffeinkonsum zu einer besseren mentalen Funktion führt. Laut einer anderen Studie hilft Koffein auch dabei, Erinnerungen zu verfestigen. Dr. Ferrini nennt hierzu eine Studie: „Wissenschaftler der John-Hopkins-Universität in Baltimore (USA) haben Probanden gebeten, eine Reihe an Bildern zu studieren und baten sie dann, entweder eine Koffeintablette von 200 mg oder ein Placebo einzunehmen. Am nächsten Tag konnten sich mehr derjenigen Probanden, die eine Koffeintablette genommen hatten, an die am Tag zuvor angesehenen Bilder erinnern“.

Schalten Sie auf den Modus „gesund“!

Die Bewegung, die Gedächtnisleistung oder die Sprache von Patienten, die eine Schädigung des Gehirns, des Rückenmarks oder der Nerven erlitten haben, erhalten mit dem Therapieangebot von cereneo die bestmögliche Behandlung zur Wiederherstellung ihrer Fähigkeiten. Innerhalb der Ernährungsberatung verfolgt Dr. Krizia Ferrini das Ziel, den Patienten keine kurzfristigen Ziele zu setzen, sondern sie verfolgt mit ihnen langfristig den Plan, das gesamte Konsum- und Essverhalten kontinuierlich zu verändern, sodass das neue Gesundheitsbewusstsein ein ganz natürlicher Teil des „neuen“ Lebens ist.

„Mein Beruf als Ernährungsexpertin bereitet mir grosse Freude, und ich geniesse es, Menschen dafür zu begeistern, gesund zu leben – sei es mental, physisch oder emotional. Für mich ist mein Beruf eine grossartige Möglichkeit, etwas zu tun, das ich liebe und womit ich einen Einfluss auf die menschliche Gesundheit habe“, erklärt Dr. Ferrini abschliessend, der wir für diese lehrreichen Einblicke danken.

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