Experteninterviews

nikolProf. Dr Nikol ist Chefärztin der Klinischen und Interventionellen Angiologie (Gefässmedizin) an der Asklepios Klinik St. Georg bei Hamburg. Sie ist Professorin für Molekulare Kardiologie und Leading Medicine Guide ExpertinProf. Nikol, Sie sind Leiterin des Fachbereichs Angiologie. Was versteht man darunter? Die Angiologie ist Teilbereich der Inneren Medizin und ein vergleichsweise junges Fach, welches sich in den letzten 15 Jahren insbesondere in Hinblick auf die Gefässintervention, also minimal-invasiver Katheterbehandlung von Gefässen, entwickelt und damit weiter spezialisiert hat. Die Angiologie deckt die Diagnose und Therapie diverser Gefässkrankheiten ab, ausserhalb des Herzens und des Kopfes. Das sind Erkrankungen an den Arterien, Venen und Lymphgefässen. Ihr Behandlungsspektrum ist sehr umfangreich. Sie beschäftigen sich beispielsweise mit peripheren arteriellen Verschlusserkrankungen. Was ist damit gemeint und was kann man sich darunter vorstellen? Es handelt sich bei dieser Verschlusserkrankung um eine ernstzunehmende Durchblutungsstörung in den Beinen. Je älter die Menschen werden, desto häufiger kommt eine solche periphere arterielle Verschlusskrankheit – kurz pAVK – vor. Es ist wichtig, diese frühzeitig zu erkennen und medizinisch zu behandeln. Wenn man die pAVK nicht rechtzeitig behandelt, kann eine solche Erkrankung zum dauerhaften Pflegefall oder gar zur Amputation der Beine führen. Auch steigt das Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall, wenn die Patienten nicht mehr mobil sind. Sie sagen „schnell handeln“ - aber wie erkenne ich die Krankheit, was sind typische Symptome? Oft bemerkt man die Erkrankung durch Schmerzen in den Beinen durch Belastung. Der betroffene muss öfters Pausen einlegen, weil die Beine nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgt werden. Bei fortgeschrittenem Stadium leidet der Betroffene bereits am so genannten „Ruheschmerz“. Seine Muskulatur ist nur noch schlecht durchblutet, was sich sogar beim Sitzen oder Liegen bemerkbar macht. Schliesslich kann es im weiter fortgeschrittenem Stadium zu chronischen Wunden an den Beinen und Füssen kommen, die zur Verlust der Gliedmasse führen können. Kann man selbst irgendetwas dagegen tun? Selbstverständlich wirkt sich regelmässige Bewegung positiv aus. Man muss den Körper wortwörtlich „am Laufen“ halten. Dazu gehört neben dem Laufen auch ein Koordinationstraining. Beides bieten wir in Gehsportgruppen an. Wichtig ist, Durchblutungsstörungen frühzeitig zu behandeln, um Folgeschäden wie Gewebeschädigung oder das Absterben von Gliedmassen, entgegen zu wirken. Wie therapiert man eine solche Gefässerkrankung?Abhängig von der betroffenen Gefässregion und je nach Schweregrad der Erkrankung, gibt es verschiedene Therapieansätze: von der klassischen operativen Gefässrekonstruktion, bis hin zur konservativen Behandlung oder mithilfe einer minimal-invasiven interventionellen Therapieform. Zusätzlich ist eine medikamentöse Therapie ratsam, um etwa die Durchblutung zu unterstützen.  Sie behandeln neben der pAVK auch noch andere gefässbedingte Erkrankungen. Was zählt noch zu Ihrem Schwerpunktgebiet? hosiery-309056_1280Nachdem ich initial Herzkrankgefässe zunächst operativ und später mit Kathetertechniken behandelt habe, spezialisierte ich mich in den letzten 20 Jahren unter anderem auf nicht-invasive angiologische Untersuchungsmethoden und auf endovaskuläre, also kathetergestützte Behandlung aller Arterien (einschliesslich Aorta) und Venen ausserhalb des Herzes. Zu meinem Schwerpunkt gehört auch die konservative Gefässmedizin und die Angiogenese-Stammzelltherapie. Angeborene Gefässmissbildungen und Verschlüsse grosser Venen werden hier an der Asklepios Klinik St. Goerg von mir und meinem Team ebenso behandelt.