Gallenchirurgie | Medizinische Spezialisten und Informationen

Sie oder jemand, der Ihnen nahe steht, hatte bereits einmal Gallenprobleme? Keine Sorge, Gallenbeschwerden sind gut therapierbar. Da das Verdauungsorgan nicht zu den lebenswichtigen inneren Organen gehört, können Sie auch ohne Gallenblase ein ganz normales Leben führen.

Die Gallenchirurgie oder biliäre Chirurgie ist ein Teilgebiet der Viszeralchirurgie, das heisst der operativen Behandlung aller Organe des Verdauungstraktes. Die Gallenchirurgie widmet sich der operativen Behandlung der Galle.

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Gallenchirurgie - Weitere Informationen

Definition: Was ist die Gallenchirurgie?

Spezialisten für Gallenchirurgie sind Fachärzte aus dem Bereich der Viszeralchirurgie, also Chirurgen für die Bauchorgane, mit besonderer Erfahrung in der Behandlung der Galle. Gallen-OPs sind in den allermeisten Fällen minimalinvasive Eingriffe an der Galle, also mit Hilfe kleinster Schnitte durchführbar. Bei manchen Arten von Beschwerden entscheidet sich der Arzt für die komplette Entfernung der Beschwerden auslösenden Gallenblase. Nach der Operation ist der Patient in der Regel beschwerdefrei.

Die Gallenblase misst etwa acht Zentimeter und sitzt als länglicher Sack gleich unter der Leber. Sie dient als Zwischenspeicher für die sogenannte Gallenflüssigkeit, die die Leber produziert. Sehr feine Gallenkanälchen sammeln den Gallensaft und leiten ihn über den Hauptgallengang in den Darm. Dort spalten die in der Flüssigkeit enthaltenen Stoffe die Nahrungsfette auf.

Behandlungsspektrum der Gallenchirurgie

Die am häufigsten auftretende Gallenerkrankung ist die Gallenblasenentzündung (Cholezystitis). Wenn Gallengang oder Gallenblasenausgang verstopfen und sich die Gallenflüssigkeit in der Gallenblase staut, kann es zu Entzündungsreaktionen kommen. Ursache ist meist ein Gallenstein, der in die Gallengänge gelangt ist und diese blockiert. Etwa 25 Prozent der Menschen, die Gallensteine haben, machen diese Erfahrung wenigstens einmal in ihrem Leben. Wenn keine Gallensteine vorliegen, ist die Gefahr einer Gallenblasenentzündung sehr gering. In der Regel tritt sie dann nur nach einem Unfall auf oder wenn schwere Infektionen vorliegen.

Neben der Gallenblasenentzündung gibt es weitere Erkrankungen der Galle sowie des hepatobiliären Systems, die ärztlicher Behandlung bedürfen. Letzteres bezeichnet die Funktionseinheit aus Leber mit der Leberchirurgie, Gallenwegen sowie Gallenblase. Im Folgenden beantworten wir die Frage, welche Diagnosetechniken und -verfahren sowie Therapieformen bei den verschiedenen Beschwerden Anwendung finden.

Gallensteine

An starken Schmerzen im Oberbauch sind häufig Gallensteine Schuld. Solche Krankheitszeichen sind auf jeden Fall Grund, einen Arzt aufzusuchen, denn Gallensteine, die solche Schmerzen verursachen, können zu weiteren Komplikationen und Erkrankungen führen. Lassen Sie sich nicht behandeln, können sich Gallenkoliken, -entzündungen oder sogar -tumore ungehindert entwickeln. Mediziner unterscheiden zwischen Cholecystolithiasis, also Steinen, die sich in der Gallenblase befinden, und Choledocholithiasis, Steinen im Gallengang.

Gallensteine können also auch harmlos sein. Viele Menschen mit Gallensteinen haben jahrelang oder ihr Leben lang keine Beschwerden. Erst wenn es zu einer Verklemmung kommt, wird es schmerzhaft. Die Folge sind Gallenkoliken und die damit verbundenen Schmerzen im rechten Oberbauch. Kolik meint hierbei, dass die Schmerzen wellenartig kommen und gehen und über Stunden hinweg anhalten. Die Betroffenen leiden ausserdem häufig unter starkem Fieber, begleitet von Brechreiz, Schüttelfrost und Übelkeit. Kommt es zu einer Rückstau der Gallenflüssigkeit in die Leber, kann es zu einer Gelbfärbung der Augen und Haut (Ikterus) kommen.

Haben Sie mit solchen Symptomen zu kämpfen, bleibt Ihnen nur noch der Weg zum Arzt. Die Diagnose und Therapie von Gallenerkrankungen übernehmen Spezialisten, die Expertenwissen in der Gallenchirurgie mitbringen. Der Arzt bestimmt je nach Lage der Steine das Diagnoseverfahren. Dabei reichen Abtasten und Ultraschall meist aus, um ein Gallenleiden sicher zu diagnostizieren, nur in manchen Fällen ist eine Spiegelung nötig. Auf dieser Grundlage legt der Gallenexperte eine geeignete Therapieform fest.

Gallenkolik

Um eine Gallenkolik festzustellen, ist die Ultraschalluntersuchung die Methode der Wahl. Nicht nur Gallensteine lassen sich hiermit gut erkennen, sondern auch andere Veränderungen der Gallenblase. Kombiniert mit der körperlichen Untersuchung stellt der Arzt meist sehr schnell fest, ob Gallensteine vorhanden sind oder ob Ihre Gallenblase entzündet ist.

Sowohl Diagnostik als auch Therapie erfolgen über die endoskopisch retrograde Cholanigiopankreatikografie (ERCP). Dabei führt der Arzt einen dünnen Schlauch mit einer kleinen Kamera durch den Hals bis in den Zwölffingerdarm, wo das Gallengangsystem mündet. Mit Hilfe eines gespritzten Kontrastmittels lassen sich auf dem Röntgenbild krankhafte Veränderungen wie die Verklemmung eines Gallensteins gut erkennen.

Behandlung

Kleinere Gallensteine als Ursache der Koliken lassen sich teilweise medikamentös beheben. Wenn diese Behandlungsform nicht ausreicht, bleibt dem Arzt die Entfernung der Gallensteine beziehungsweise der gesamten Gallenblase durch das Einführen medizinischer Geräte über das Endoskop (ERCP). Diese Behandlungsform zählt zur laparoskopischen Chirurgie, auch Schlüsselloch-Chirurgie genannt, die wiederum Teil der minimalinvasiven Chirurgie ist. Grosse Bauchschnitte sind nur selten nötig, um die Gallenblase zu entfernen. Mit Hilfe eines Stents beziehungsweise Röhrchens können so auch Gallenverengungen geweitet werden.

Gallenabflussstörung

Eine chronische Gallenabflussstörung bringt ähnliche Beschwerden wie eine Kolik mit sich, allerdings meist in abgeschwächter Form. Kennzeichnend sind uncharakteristische Symptome wie Bauchschmerzen, Völlegefühl, Blähungen, Diarrhö und Aufstossen. Die Ursache sind entzündliche Veränderungen der Gallenwege.

Ein Facharzt stellt die Abflussstörung an erhöhten Blutwerten des gelben Blutfarbstoffs Bilirubin fest. Neben dem Blutbild kommt ausserdem die Sonographie zum Einsatz, um eine Gallenabflussstörung zu diagnostizieren. Die Wahl der Therapie orientiert sich an der Ursache des Gallenleidens. Wird die Störung durch Gallensteine verursacht, kommen die schon erwähnten Behandlungsformen zum Einsatz. Liegt den Schmerzen jedoch ein Tumor der Gallenwege oder der Gallenblase zugrunde, sind umfänglichere Behandlungen nötig.

Gallenblasenkrebs

Seltener als Gallensteine und -blasenentzündungen treten Gallenwegs- und Gallenblasentumore auf. Da die entsprechenden Symptome erst spät festgestellt werden, ist die Erkrankung zum Zeitpunkt der Diagnose meist schon sehr weit fortgeschritten. Erkennbar ist sie beispielsweise an einem Rückstau der Galle in die Leber und der damit einhergehenden Gelbfärbung der Haut und der Augen. Auch kann es zu Juckreiz, Stuhlentfärbung und Urinverfärbung kommen.

Behandlung

Auch bei Krebserkrankungen der Gallenwege sowie der Gallenblase spielt die endoskopische Darstellung mit Hilfe eingespritzter Kontrastmittel (ERCP) eine Rolle. Weitere Diagnoseverfahren sind Ultraschall, Computertomographie (CT) und Magnetresonanztomographie (MRT).

In einem frühen Entwicklungsstadium ist es meist noch möglich, die Ausbreitung des Tumors durch die operative Entfernung der Gallenblase beziehungsweise der Gallenwege aufzuhalten. Manchmal ist dabei auch ein teilweises Entfernen der Leber nötig.

Ist das Tumorwachstum bereits so weit fortgeschritten, dass eine Heilung nicht mehr möglich ist, geht es bei der Therapie lediglich noch darum, Beschwerden zu lindern und die Lebenszeit zu verlängern. Dabei spielt die Entlastung gestauter Gallenwege mittels endoskopischer Drainage und Stentimplantation eine wichtige Rolle. Für Patienten mit einem guten Allgemeinzustand ist eine Chemotherapie ebenfalls eine Möglichkeit.

Spezialisten für Gallenchirurgie

Wo finden Sie als Patient Fachärzte der Gallenchirurgie beziehungsweise Gastroenterologie? Eine einzige Klink oder nur einen Facharzt als beste Anlaufstelle im Falle eines Gallenleidens zu nennen, ist nicht möglich. Es gibt aber Kliniken sowie spezialisierte Zentren und niedergelassene Ärzte, die auf die operative Behandlung von Gallenerkrankungen spezialisiert sind und viel Erfahrung in dem Fachgebiet haben.

Achten Sie bei der Behandlung von Tumoren ausserdem immer auf eine enge Absprache zwischen Gallenspezialisten, Gastroenterologen sowie Onkologen und Radiologen.

Fazit

Krampfartige Schmerzen im Oberbauch, die sogar in Rücken oder Schultern ausstrahlen – Gallenbeschwerden und ihre Auswirkungen sind nicht nur unangenehm und belastend, sondern können auch gefährlich werden. Die Behandlungsform richtet sich nach dem

Beschwerdebild: So kann es sich um problemlos zu entfernende Gallensteine handeln, aber auch um lebensgefährliche Karzinome. In jedem Fall ist es beim Auftreten von Schmerzen und weiteren Beschwerden wichtig, sich eine Diagnose bei einem Facharzt einzuholen.

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