Rektumprolaps: Informationen und Rektumprolaps-Spezialisten

25.10.2021
Dr. med. Tilman Laubert
Medizinischer Fachautor
Bei einem Mastdarmvorfall, auch Rektumprolaps genannt, handelt es sich um einen Vorschub des Enddarms nach unten in Richtung des Analkanals. Für die Operation eines Mastdarmvorfalls stehen viele verschiedene Techniken zur Verfügung. In mehreren wissenschaftlichen Untersuchungen konnte die Effektivität und die Sicherheit der laparoskopischen Resektionsrektopexie untermauert werden. Hier finden Sie weiterführende Informationen sowie ausgewählte Rekturmvorfall-Spezialisten und Zentren.
ICD-Codes für diese Krankheit: K62.3

Empfohlene Spezialisten

Artikelübersicht

Was ist ein Rektumvorfall?

Das Rektum, auch Mastdarm genannt, ist ein Teil des Enddarms. Es führt vom Dickdarm zum Analkanal und damit zum After.

Der Rektumvorfall ist entsprechend auch als Mastdarmvorfall bekannt. Er ist charakterisiert durch den teleskopartigen Vorschub des Enddarms nach unten in Richtung des Analkanals.

Darm-Anatomie
Übersicht über die Abschnitte des Darms © FGWDesign | AdobeStock

Hierbei lassen sich verschiedene Schweregrade unterscheiden:

  • der beginnende, partielle Rektumprolaps (Grad I),
  • der innere Rekumprolaps, der wie Grad I von aussen nicht zu erkennen ist (Grad II) und
  • der komplette, nach aussen hervortretende Vorfall (Grad III).

Letzterer tritt häufig im Rahmen des Pressvorganges beim Stuhlgang auf und ähnelt vom Aspekt einem Bienenkorb.

In über 90 % der Fälle sind Frauen betroffen, wobei die Häufigkeit der Erkrankung mit zunehmendem Lebensalter ansteigt.

Die Beschwerden, die mit einem Mastdarmvorfall einhergehen, sind vielfältig:

  • Juckreiz,
  • Schleimabsonderung,
  • Fremdkörpergefühl,
  • Eindruck der inkompletten Darmentleerung nach dem Stuhlgang,
  • Störung der Kontinenz und
  • chronische Verstopfung

können einzeln oder in Kombination die Lebensqualität der Betroffenen erheblich einschränken.

Zahlreiche anatomische Veränderungen gehen mit dem Mastdarmvorfall einher. Letztlich ist nicht geklärt, was Begleiterscheinungen und was ursächliche Veränderungen sind.

Es kommt unter anderem zu

  • einem Absinken des Beckenbodens,
  • einer Dehnung des Schliessmuskelapparates,
  • einer Lockerung der bindegewebigen Aufhängung des Mastdarms und
  • einer relativen Verlängerung von weiter oben liegenden Abschnitten des Dickdarms.

Verschiedene Operationstechniken bei Mastdarmvorfall

Während der letzten Jahrzehnte sind über 100 Variationen an chirurgischen Verfahren für die Therapie des Mastdarmvorfalls durchgeführt worden.

Die unterschiedlichen Techniken der Operation lassen sich in folgende übergeordnete Kategorien einteilen:

  1. Operation vom Beckenboden / After ausgehend (perineale Operationen) oder Operationen durch den Bauchraum (abdominelle Operationen)
  2. Offene, konventionelle Operation oder per Schlüsselloch-Verfahren (lapasokopisch / minimal-invasiv)
  3. Operationen mit oder ohne Fixierung des Mastdarms (mit / ohne Pexie)
  4. Operationen mit oder ohne Entfernung des überschüssigen Dickdarms (resezierende / nicht-resezierende Operationen)

Aufgrund der aktuellen Studienlage konnte bislang keine generelle Leitlinie für die Wahl des Verfahrens etabliert werden.

Dennoch lässt sich feststellen, dass die Operationen vom Beckenboden / After ausgehend etwas schonender sind. Sie gehen ausserdem mit leicht geringeren Komplikationsraten einher. Im Vergleich mit den Operationen durch den Bauchraum werden dadurch die Beschwerden langfristig gesehen jedoch nicht so effektiv behandelt.

Zu einer perinealen Operation raten wir demzufolge

  • Patienten in sehr fortgeschrittenem Lebensalter sowie
  • Patienten mit erheblichen Nebenerkrankungen, die ein grosses Risiko für eine ausgedehntere Operation darstellen.

Dem Aspekt des schonenden Operierens wird jedoch gerade in der minimal-invasiven Chirurgie verstärkt Rechnung getragen.

Zentren mit einem Schwerpunkt in der minimal-invasiven Chirurgie können somit einem Grossteil der Patienten die laparoskopische Resektionsrektopexie anbieten. Hierbei wird in minimal-invasiver Technik durch den Bauchraum

  • der überschüssige Darm entfernt,
  • die Kontinuität des Darmes mit Hilfe eines Klammernahtgerätes wieder hergestellt,
  • der Beckenboden angehoben und
  • der Mastdarm in seiner ursprünglichen Lage mittels einer Naht fixiert.

Andere Operationsverfahren sehen die Fixierung mit Kunststoffnetzen vor. Das birgt unserer Meinung nach jedoch einige zusätzliche Risiken und begüngstigt zudem nicht die funktionellen Ergebnisse.

Mögliche Komplikationen und Risiken bei der laparoskopischen Resektionsrektopexie

Jede Operation birgt generell Risiken, wie etwa Wundheilungsstörungen und weitere. Darüber hinaus ist vor allem die (sehr seltene) Undichtigkeit der Darmnaht zu erwähnen (Anastomoseninsuffizienz). Daraus kann sich die Komplikation einer Bauchfellentzündung ergeben.

Die Rate, mit der eine Anastomoseninsuffizienz bei diesem Eingriff an unserer Klinik auftritt, liegt bei ca. 0,5 %.

Patientin und Ärztin im Krankenhaus
Bereits am Tag der OP können die Patienten wieder aufstehen © rocketclips | AdobeStock

Vor und nach der Operation

Die Patienen werden in der Regel einen Tag vor dem Eingriff stationär aufgenommen.

Am Folgetag wird die Operation in Vollnarkose durchgeführt. Sie dauert zwischen 90 und 150 Minuten.

Bereits am Tag der Operation können und sollen die Patienten aufstehen und nach fünf bis sechs Tagen können sie die Klinik verlassen.

Die deutliche Verbesserung einer zuvor bestehenden Darmentleerungsstörung tritt in der Regel sehr rasch und in rund 70 % der Fälle ein. Eine zuvor bestehende Inkontinenz bessert sich jedoch meist erst im Laufe der folgenden Monate.

Auch für die Inkontinenz liegt die Erfolgsrate hier bei ca. 70 %.

Fazit zur laparoskopischen Resektionsrektopexie

Mehrere wissenschaftliche Untersuchungen, die von unserer Klinik veröffentlicht wurden, untermauern die Effektivität und Sicherheit der laparoskopischen Resektionsrektopexie.

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