Die Fettleber (Steatosis hepatis) ist eine vor allem in den westlichen Industrieländern häufig auftretende Lebererkrankung, die durch eine vermehrte Fetteinlagerung in den Leberzellen gekennzeichnet ist. Verursacht wird die Fettleber meist durch chronischen Alkoholmissbrauch, Fehlernährung sowie Zuckerkrankheit (Diabetes). So sind insbesondere Alkoholiker und übergewichtige Menschen von einer Fettleber betroffen. Eine Fettleber verursacht meist keine bzw. nur uncharakteristische Beschwerden. Hierzu gehören unter anderem ein leichtes Druckgefühl im rechten Oberbauch sowie Übelkeit und Appetitlosigkeit.

ICD-Codes für diese Krankheit: K76.0

Artikelübersicht

Empfohlene Spezialisten

Definition: Was ist eine Fettleber (Steatosis hepatis)?

Bei der Fettleber – auch Steatosis hepatis genannt – handelt es sich um eine krankhafte Veränderung der Leber, die entsteht, wenn der Körper mehr Fette bildet oder von aussen erhält, als er abbauen oder aus der Leber abtransportieren kann. Im Lebergewebe lagern sich dann vermehrt bestimmte Fette (so genannte Triglyceride) ab und führen so zu einer allmählichen Verfettung der Leberzellen (Hepatozyten). Dieser Überschuss an Fett in der Leber wird auch Leberverfettung oder Steatose genannt. Der Übergang von einer gesunden Leber zur Fettleber ist dabei fliessend. Im Allgemeinen wird erst dann von einer Fettleber gesprochen, wenn mehr als 50 Prozent der Leberzellen Fettablagerungen aufweisen oder der Gewichtsanteil der Fette in der Leber mehr als 10 Prozent des Gesamtgewichts der Leber ausmacht.

Je nachdem wie gross das Ausmass der Leberverfettung ist, unterscheiden Mediziner bei der Fettleber drei verschiedene Schweregrade:

  • Grad 1: die leichte bzw. milde Fettleber
  • Grad 2: die mässige Fettleber
  • Grad 3: die starke bzw. schwere Fettleber

Zudem wird je nach Ursache zwischen zwei verschiedenen Formen von Fettlebererkrankungen unterschieden: 

  • die alkoholische Fettleber und
  • die nicht alkoholische Fettleber.

Häufigkeit einer Fettleber (Steatosis hepatis)

Die Fettleber ist eine Erkrankung, die vor allem in den westlichen Industrieländern mit grosser Häufigkeit auftritt und dort zu den häufigsten Lebererkrankungen gehört. So sind in Deutschland schätzungsweise 20 bis 30 Prozent der Bevölkerung von einer nicht alkoholischen Fettleber betroffen, bei Diabetikern soll die Häufigkeit sogar bei bis zu 50 Prozent betragen. Die gesellschaftliche Bedeutung spiegelt sich auch darin wider, dass die Fettleber für etwa 10 bis 20 Prozent der Leberzirrhosen und der hepatozellulären Karzinome (Leberzellkrebs) verantwortlich ist.

Ursachen für eine Fettleber (Steatosis hepatis)

In den westlichen Industrieländern wird die Fettleber in den meisten Fällen durch zu häufigen und übermässigen Alkoholkonsum und das metabolische Syndrom, also einer Kombination aus Übergewicht (Adipositas), Diabetes mellitus vom Typ 2 und erhöhten Blutfettwerten, verursacht.

Ab welcher Alkoholmenge sich eine alkoholische Fettlebererkrankung entwickelt, ist individuell verschieden. Als kritische Obergrenze gilt ein täglicher Konsum bei Frauen von 10 Gramm und bei Männern von 20 Gramm Alkohol, dies entspricht einem Achtel bzw. einem Viertel Liter Wein oder 1 bzw. 2 Gläsern Bier (0,3 Liter). 

Weitere mögliche Ursachen für eine Fettleber sind andere Erkrankungen wie zum Beispiel Fettstoffwechselstörungen, Zöliakie (Glutenunverträglichkeit), chronische Virushepatitis, HIV-Infektion, Eisen- und Kupferspeicherkrankheit oder Morbus Gaucher.

Aber auch die längerfristige Einnahme von leberschädigenden Medikamenten (etwa Kortison, Acetylsalicylsäure, Tetrazykline, Amiodaron, Methotrexat), eine falsche Ernährung und Stresssituationen des Körpers (wie langes Hungern oder künstliche Ernährung) sind Risikofaktoren für die Entwicklung einer Fettleber.

Insbesondere in den letzten Monaten einer Schwangerschaft kann ebenfalls eine Fettleber auftreten, die aber in der Regel harmlos ist. Dagegen müssen Patientinnen mit einer akuten Schwangerschaftsfettleber klinisch betreut werden.

Neben unbekannten Ursachen scheinen in manchen Fällen aber auch genetische Faktoren (wie Varianten des Genprodukts PNPLA3) bei der Entstehung der Erkrankung und insbesondere bei dem Fortschreiten hin zu einer Leberfibrose, Leberzirrhose und zum Leberzellkrebs eine Rolle zu spielen.

Symptome einer Fettleber (Steatosis hepatis)

Eine Leber mit nur geringen Fettmengen ruft keine Beschwerden hervor. Mit zunehmender Verfettung wird die Leber grösser. Zu den eher uncharakteristischen Beschwerden, die bei einer Fettleber auftreten können, gehören leichte Schmerzen oder ein Druck- bzw. Völlegefühl im rechten Oberbauch sowie Appetitlosigkeit, Blähungen, Übelkeit und Erbrechen. Auch Fieber und eine Gelbfärbung der Haut (Ikterus) können bei einer Fettleber auftreten. Meist treten diese Symptome aber erst dann auf, wenn die Fettleber in eine Fettleberentzündung (die so genannte Fettleberhepatitis bzw. Steatohepatitis) übergeht. Bei etwa 30 Prozent der Patienten mit Fettleber können Zeichen einer Fettleberentzündung nachgewiesen werden, bei adipösen Patienten mit Fettleber ist dies sogar bei 50 Prozent der Fall.

Als Komplikationen einer Fettlebererkrankung können Schädigungen des Herz-Kreislauf-System auftreten, die sich unter anderem in Gefässverkalkungen, Bluthochdruck und Durchblutungsstörungen zeigen können. Diese wiederum können zu ernsthaften Erkrankungen führen.

Diagnose einer Fettleber (Steatosis hepatis)

Die Diagnose einer Fettleber erfolgt in der Regel anhand der Krankengeschichte des Betroffenen (Anamnese), einer körperlichen Untersuchung, einer Blutuntersuchung und einer Ultraschalluntersuchung des Bauches. Bei der Erhebung der Krankengeschichte fragt der Arzt zunächst nach den Beschwerden und bestehenden Erkrankungen sowie den Ernährungsgewohnheiten und dem Alkoholkonsum des Betroffenen. Bei der körperlichen Untersuchung tastet der Arzt den Bauch ab, um festzustellen, ob die Leber krankhaft vergrössert ist.

Im Rahmen der labordiagnostischen Blutuntersuchung werden Leberwerte (Gamma-GT, GOT, GPT, alkalische Phosphatase), Blutfettwerte (Triglyzeride, Cholesterin, HDL-, LDL-Cholesterin) sowie weitere Blutwerte (wie Bilirubin, Nüchtern-Blutzucker oder HbA1c) untersucht. Über die Laborwerte alleine kann allerdings keine Fettleber nachgewiesen werden, da beispielsweise die Leberwerte nicht immer bei Patienten mit einer Fettleber erhöht sein müssen. Bestimmte molekulare Marker (zum Beispiel M30, M65, Adiponektin) können allerdings auch auf eine Leberschädigung hinweisen.

Die Ultraschalluntersuchung des Bauches zeigt die für eine Fettleber typischen Veränderungen. In manchen Fällen kann eine Magnetresonanztomografie weitere hilfreiche Informationen ergeben.

Besteht der Verdacht, dass sich bereits eine Leberfibrose oder eine Leberzirrhose entwickelt hat, kann eine Elastografie durchgeführt werden. Dies ist ein Diagnoseverfahren, mit dem die Steifigkeit und unter Umständen der Fettgehalt der Leber bestimmt werden kann.

Um die Diagnose der Fettleber bestätigen und die Ursachen und das Ausmass der Fettleber bestimmen zu können, ist eine Punktion der Leber (so genannte Leberbiopsie) notwendig. Hierbei entnimmt der Arzt unter örtlicher Betäubung mit einer speziellen Hohlnadel eine kleine Gewebeprobe aus der Leber, die er anschliessend im Labor mikroskopisch untersuchen lässt.

Für die Abschätzung des Risikos, dass sich die Fettleber im weiteren Verlauf der Erkrankung zur Leberfibrose, Leberzirrhose und zum Leberzellkrebs weiterentwickelt, kann heute ein so genannter PNPLA3-Genmarker eingesetzt werden.

Behandlung einer Fettleber (Steatosis hepatis)

Eine spezifische Behandlung der Fettleber selbst, etwa mit Medikamenten, ist zurzeit noch nicht möglich. Vielmehr geht es bei der Therapie der Fettleber darum, die Ursachen der Fetteinlagerung in der Leber zu beseitigen oder zu verringern, die Lebensgewohnheiten umzustellen und die Grunderkrankung zu behandeln, um so einem Fortschreiten der Erkrankung entgegenzuwirken. In der Regel bedeutet dies für Betroffene, dass sie, je nach Ursache der Fettleber, auf Alkohol verzichten und bei bestehendem Übergewicht ihre Ernährung umstellen und abnehmen müssen.

Wichtig ist auch eine ausgewogene, zuckerreduzierte Ernährung mit viel Eiweissen und ausreichend Bewegung. Diabetiker sollten zudem darauf achten, dass ihre Blutzuckerwerte gut eingestellt sind. Und auch eventuell bestehende Fettstoffwechselstörungen sollten behandelt werden, gegebenenfalls auch durch die Gabe von Fett- oder Cholesterinsenkern.

Bei massiv übergewichtigen Personen, bei denen konservative gewichtsreduzierende Massnahmen nicht erfolgreich waren, kann eine Adipositaschirurgie, wie zum Beispiel ein Magenbypass oder ein Magenband, erforderlich werden.

Patienten mit einer Leberzirrhose sollten mindestens alle 6 Monate eine Ultraschalluntersuchung erhalten, ob sich ein Leberzellkarzinom entwickelt hat.

Prognose bei einer Fettleber (Steatosis hepatis)

Die Prognose ist bei einer Fettleber in der Regel gut. So lassen sich die meisten Leberverfettungen in der Regel rückgängig machen und heilen, sofern die Ursachen möglichst schnell beseitigt und die Grunderkrankungen ausreichend behandelt werden. Ohne Gegenmassnahmen kann eine Fettleber aber in eine Fettleberentzündung und unter Umständen in eine Leberzirrhose und dann in ein Leberzellkarzinom, die sich nicht mehr rückgängig machen lassen, übergehen.

Quellen

  • Deutsche Leberhilfe (2017) Nicht-alkoholische Fettleber - NAFL und NASH. Deutsche Leberhilfe e.V., Köln
  • Rau M et al. (2016) Nichtalkoholische Fettlebererkrankung (NAFLD). In: H. Lehnert et al. (Hrsg.), DGIM Innere Medizin, Springer Reference Medizin. DOI 10.1007/978-3-642-54676-1_153-1
  • Roeb E et al. (2015) Nicht-alkoholische Fettlebererkrankungen. S2k Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) AWMF-Registernummer 021-025
  • Roeb E et al. (2017) Fettlebererkrankungen. Ratgeber. Deutsche Gesellschaft zur Bekämpfung der Krankheiten von Magen, Darm und Leber sowie von Störungen des Stoffwechsels und der Ernährung (Gastro-Liga), Giessen
  • Roeb E (2018) Fettleber mit Komplikationen. Pharmazeutische Zeitung 34 (8)