Die Divertikulitis ist eine Entzündung der Divertikel im Darm und zeichnet sich durch Schmerzen im Bauch und Verdauungsstörungen aus. In vielen Fällen treten häufig wiederkehrende Schübe auf. Als Komplikation kann es zu einer Darmperforation (Darmdurchbruch), Abszessen, Fisteln und Stenosen kommen. Die Diagnose wird auf Basis einer körperlichen Untersuchung und bildgebender Untersuchungen gestellt. Die Therapie ist stadienabhängig und besteht aus konservativen (zum Beispiel Antibiotikagabe) und gegebenenfalls einer operativen Massnahmen.
ICD-Codes für diese Krankheit: K57.02, K57.03, K57.12, K57.13, K57.22, K57.23, K57.32, K57.33, K57.42, K57.43, K57.52, K57.53, K57.82, K57.83, K57.92, K57.93

Artikelübersicht

Empfohlene Spezialisten

Was ist eine Divertikulitis?

Bei einer Divertikulitis sind die Divertikel, das heisst die beim Gesunden nicht vorhandenen Ausstülpungen der Darmwand im Bereich des Dickdarms (Kolon) entzündet. Meist treten die Divertikel im linksseitigen Kolonabschnitt, insbesondere im Sigma, auf. Das Sigma befindet sich zwischen dem absteigenden Dickdarm und dem Enddarm (Rektum). Aber auch in den anderen Bereichen des Dickdarms sowie im gesamten übrigen Magen-Darm-Trakt können Divertikel vorkommen. Das Vorhandensein solcher Divertikel im Dickdarm wird Divertikulose genannt, die aber, sofern sie keine Beschwerden verursachen, keinen Krankheitswert haben. Machen sich die Divertikel dann allerdings durch Beschwerden bemerkbar, wird von Divertikelkrankheit gesprochen. Divertikel können sich nicht zurückbilden.

Bei einem falschen Divertikel, auch Pseudoventrikel genannt, ist nur die den Darm auskleidende Schleimhaut, die Mukosa, und gegebenenfalls die darüber liegende Wandschicht, die Submukosa, nach aussen gestülpt. Dagegen liegt bei einem echten Divertikel eine Ausstülpung der ganzen Darmwand vor. Wie das Krankheitsbild in der Darmspiegelung aussieht, zeigt das Video: 

 

 

Symptome

Divertikel kommen bei vielen Menschen vor, ihre Häufigkeit nimmt mit dem Lebensalter zu. In den meisten Fällen sind die Divertikel symptomlos. Erst bei einer Entzündung der Divertikel, also bei einer Divertikulitis, kommt es zu Beschwerden wie starken Bauchschmerzen, insbesondere auf der linken Seite, und Verdauungsstörungen (Verstopfung, Durchfall, Blähungen). Weitere Symptome können druckschmerzhafte Verhärtungen und Fieber sein. Gefährliche Komplikationen stellen eine Darmperforation (Einriss der Darmwand und Austritt von Luft und Kot in den Bauchraum), bei der die Entzündung auf benachbarte Strukturen übergreift, und ein Darmverschluss durch die entzündungsbedingte Verdickung der Darmwand dar. Die Symptome treten häufig schubweise auf.

Das Vorhandensein von Divertikeln im Darm und deren krankhafte Veränderung können in verschiedene Klassen beziehungsweise Stadien eingeteilt werden:

  • Beim Stadium/Typ 0 (asymptomatische Divertikulose) sind lediglich Divertikel vorhanden, die keine Beschwerden verursachen
  • Beim Stadium/Typ 1 (akute unkomplizierte Divertikelkrankheit/Divertikulitis) liegt eine Entzündung der Divertikel ohne Komplikationen vor, das heisst, die Darmwand ist nicht perforiert (eingerissen)
  • Beim Stadium/Typ 2 (akute komplizierte Divertikelkrankheit/Divertikulitis) liegt eine Entzündung von Divertikeln mit Komplikationen vor, entweder ist die Darmwand frei perforiert (das heisst, es tritt Stuhl und Luft vom Darm in den Bauchraum über) oder gedeckt perforiert (das heisst, es hat sich ein Abszess ausgebildet)
  • Beim Stadium/Typ 3 (chronische Divertikelkrankheit/Divertikulitis) ist die Erkrankung chronisch, und es kommt zu anhaltenden oder immer wieder auftretenden Beschwerden; es kann auch zu Komplikationen wie Fisteln (Verbindungsgänge) oder Stenosen (Verengungen) kommen
  • Beim Stadium/Typ 4 kommt es zu einer Blutung der Divertikel

Ursachen und Risikofaktoren

Die genauen Ursachen für die Entwicklung von Divertikeln an sich sind nicht bekannt, ggf. könnten neben dem Alter bestimmte Stuhleigenschaften (insbesondere harter Stuhl bei ballaststoffarmer Ernährung) und dem dadurch erhöhten Druck im Darm bei der Entstehung von Divertikeln eine Rolle spielen. Durch Kotsteine und Bakterien, die sich in den Ausstülpungen sammeln, kann die Schleimhaut gereizt werden und sich entzünden. Durch die eingewanderten Bakterien können schwere Entzündungen entstehen, indem sie auf benachbarte Strukturen wie das Bauchfell übergreifen und so eine Bauchfellentzündung (Peritonitis) hervorrufen, sowie Fisteln und Abszesse ausbilden.

Beeinflussbare Risikofaktoren für die Entstehung einer Divertikulitis sind laut der fachgesellschaftlichen Leitlinie zur Divertikelkrankheit der Verzehr von rotem Fleisch und Rauchen, ausserdem Übergewicht und bestimmte Grunderkrankungen, wie arterieller Bluthochdruck.

Untersuchung und Diagnose

Neben der Anamnese (Patientenbefragung zu Symptomen, durchgemachten Krankheiten und eingenommenen Medikamenten), der Untersuchung des Blut auf erhöhten Entzündungswerte (C-reaktives Protein = CRP, Leukozyten) und der körperlichen Untersuchung (zum Beispiel dem Abtasten des Bauchraums und der digital-rektalen Untersuchung) sind bildgebende Untersuchungen für eine Divertikulitis-Diagnose von Bedeutung. So können mittels Ultraschalluntersuchung und Computertomograhie (CT) die Divertikel dargestellt werden.
Eine Darmspiegelung sollte nur im entzündungsfreien Intervall durchgeführt werden, da bei der Divertikulitis ein erhöhtes Risiko für eine Darmverletzung (Perforation) besteht. Die Darmspiegelung wird vor allem eingesetzt, um Divertikelblutungen abzuklären und diese wenn möglich gleich zu stillen und um bösartige Erkrankungen auszuschliessen.

Allgemeines zur Divertikulitis-Behandlung

Spezialisten für die Behandlung von Divertikulits sind Fachärzte für Innere Medizin und Gastroenterologie (Magen-Darm-Erkrankungen) und viszeralchirurgische Experten für Darmoperationen. Hausärzte können die meisten leichten Formen ambulant behandeln, während die schweren Fälle stationär an speziellen Kliniken für Divertikulitis, meist Kliniken für Gastroenterologie oder Viszeralchirurgie, therapiert werden müssen.

Je nach Schwere beziehungsweise Stadium der Erkrankung bestehen verschiedene Behandlungsmöglichkeiten:

  • Konservative Massnahmen (Ernährungsumstellung, Antibiotikatherapie, Mesalazingabe)
  • Operative Eingriffe bei Krankheitsstadien, die nicht auf konservative Massnahmen ansprechen oder bei denen es zu Komplikationen wie einem Abszess oder einer Darmperforation gekommen ist oder ein erhöhtes Risiko für Rezidive oder Komplikationen besteht.

Therapie bei akuter unkomplizierter Divertikulitis (Stadium/Typ 1)

Leichte Beschwerden, wie Unregelmässigkeiten im Stuhlgang, können oft durch Regulierung des Stuhlgangs erfolgreich therapiert werden (Näheres dazu im Artikel Divertikel).
Sofern bei einer akuten unkomplizierte Divertikelkrankheit/Divertikulitis kein erhöhtes Risiko für eine Komplikation besteht, kann zunächst auf eine Antibiotikatherapie verzichtet werden, allerdings ist eine engmaschige Kontrolle des Patienten erforderlich. Bei Patienten mit arterieller Hypertonie (Bluthochdruck), chronischen Nierenerkrankungen, unter Immunsuppression oder allergischer Veranlagung ist das Risiko, dass sich eine Komplikation (zum Beispiel Perforation oder Abszess) entwickelt, erhöht. In diesem Fall wird der Arzt eine Antibiotikatherapie verordnen. Während der Antibiotikumeinnahme sollte der Darm „geschont“ werden. Daher wird während der Behandlung eine ballaststoffarme Kost empfohlen, die nach Abheilung der Entzündung wieder in eine ballaststoffreiche Kost umgestellt werden soll.

Therapie bei akuter komplizierter Divertikulitis (Stadium/Typ 2)

Patienten mit einer akuten komplizierten Divertikelkrankheit/Divertikulitis sollten stationär im Krankenhaus behandelt werden. Kommt es unter Antibiotikagabe nicht zur Besserung, sollte operiert werden. Abszesse können in der Regel mittels Punktion oder Drainage entleert werden. Schwere Verläufe, bei denen es bereits zu einer Darmperforation und Peritonitis (Bauchfellentzündung) gekommen ist, müssen umgehend durch einen erfahrenen Bauchchirurgen operiert werden (Notfall-Operation). Auch Patienten mit komplizierter Divertikulitis im Stadium Typ 2b, die erfolgreich mit Antibiotika behandelt wurden, wird zur Operation in der entzündungsfreien Phase geraten.

Therapie bei chronischer Divertikulitis (Stadium/Typ 3)

Bei immer wieder auftretender (rezidivierender) Divertikulitis, auch bei häufigen leichten Entzündungen, kann es empfehlenswert sein, im entzündungsfreien Intervall die divertikeltragenden Darmabschnitte operativ zu entfernen. Stenosen werden dann operiert, wenn die Verengung zu einer Behinderung der Stuhlpassage führt. Fisteln sollten ebenfalls operativ behandelt werden. Neue Studien zeigen, dass Patienten mit wiederkehrenden Entzündungen eine erheblich bessere Lebensqualität nach einer Operation haben, als wenn Sie regelmässig Antibiotikum nehmen müssen. Referenz (Direct Trial).

Therapie bei Darmblutungen (Stadium/Typ 4)

Die meisten Darmblutungen kommen von selbst zum Stillstand. Ist dies nicht der Fall, müssen sie gestillt werden. Dies kann entweder im Rahmen einer Darmspiegelung, angiographisch (das heisst über ein Blutgefäss) oder operativ erfolgen.

OP bei Divertikulitis

Bei einer operative Divertikulitis-Behandlung wird der divertikeltragende Darmabschnitt (meist das Sigma) und/oder der rektosigmoidale Übergang des Dickdarms entfernt (so genannte Sigmaresektion). Diese Operation wird wenn möglich als minimalinvasiver Eingriff (Knopflochchirurgie, laparoskopische Operation) durchgeführt. Kam es bereits zur einer Perforation und zu einer Bauchfellentzündung wird häufiger ein offen-chirurgisches Verfahren für die Behandlung gewählt.
Die Anlage eines künstlichen Darmausganges (Anus praeter) ist heute in den meisten Fällen nicht notwendig.

Verlauf und Prognose bei Divertikulitis

Eine Divertikulitis kann sehr unterschiedlich verlaufen. Die Entzündung der Divertikel tritt häufig schubweise auf, das heisst, nach Abklingen der Beschwerden kommt es zu einer erneuten Entzündung. Davon sind je nach Schweregrad zwischen zwei und 35 Prozent der Patienten mit einer einmal durchgemachten Divertikel-Entzündung betroffen.
Während die meisten Patienten mit Divertikel symptomlos bleiben, kann es bei anderen schon im Rahmen des ersten Krankheitsschubs zu einer Darmperforation kommen. Bei anderen dagegen entwickeln sich auch bei wiederkehrenden Schüben keine Komplikationen. Das Risiko für eine Darmperforation ist während des ersten Schubes am grössten, mit jedem weiteren Schub reduziert sich dann das Risiko. Allerdings erhöht sich auch mit jedem Schub das Risiko für ein weiteres Rezidiv.

Nach einer Sigmaresektion können sich in anderen Darmabschnitten erneut Divertikel beziehungsweise eine Divertikulitis entwickeln.
Regelmässige körperliche Aktivität, ausreichende Flüssigkeitszufuhr, der Erhalt von Normalgewicht und ballaststoffreiche, vegetarische Ernährung werden zur Vorbeugung der Divertikulitis empfohlen.

Quellen:

Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs-und Stoffwechselkrankheiten (DGVS), Deutsche Gesellschaft für Allgemein-und Viszeralchirurgie (DGAV) (2013) Divertikelkrankheit / Divertikulitis. S2k-Leitlinie. AWMF Register-Nr. 021/20. https://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/021-020l_S3_Divertikelkrankheit_Divertikulus_2014-05-abgelaufen.pdf

Fischbach W. (2015) Divertikelkrankheit des Kolons. In: Lehnert H. et al. (eds) SpringerReference Innere Medizin. Springer Reference Medizin. Springer, Berlin, Heidelberg

Germer C-T, Lock JF (2017) Erste deutsche Leitlinie zur Divertikelkrankheit. Bayerisches Ärzteblatt vom 15.12.2017. https://www.bayerisches-aerzteblatt.de/inhalte/details/news/detail/News/erste-deutsche-leitlinie-zur-divertikelkrankheit.html

Bolkenstein H. E. et al. (2019) Long-term Outcome of Surgery Versus Conservative Management for Recurrent and Ongoing Complaints After an Episode of Diverticulitis 5-year Follow-up Results of a Multicenter Randomized Controlled Trial (DIRECT-Trial). In: Annals of Surgery, Vol. 269, No. 4, April 2019. Wolters Kluwer Health, Inc.

Kriening B., Anthuber M. (2019): Chirurgische vs. konservative Therapie bei Patienten mit rezidivierender Divertikulitis (DIRECT-TRIAL). In: Der Chirurg, 10 2019. Springer Medizin Verlag GmbH.