Bauchspeicheldrüsenerkrankungen - Informationen & Spezialisten

02.12.2021
Leading Medicine Guide Redaktion
Autor des Fachartikels
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Bei der Bauchspeicheldrüse (medizinisch: Pankreas) handelt es sich um eine Drüse, die äusserlich einer Zunge ähnelt und über einen endokrinen und einen exokrinen Anteil verfügt. Der endokrine Teil der Bauchspeicheldrüse ist für die Hormonbildung und deren Abgabe ins Blut zuständig, der exokrine Teil für die Produktion von Verdauungssekret für den Darm. Die wenigsten Menschen wissen, wo dieses recht unscheinbare und doch lebensnotwendige Organ eigentlich liegt. Erst wenn es zu Erkrankungen an dem empfindlichen Organ kommt, spüren Patienten die Bauchspeicheldrüse.

Im Folgenden finden Sie weiterführende Informationen zu den häufigsten Bauchspeicheldrüsenerkrankungen sowie Spezialisten für deren Behandlung.

ICD-Codes für diese Krankheit: K86

Empfohlene Spezialisten für Bauchspeicheldrüsenerkrankungen

Artikelübersicht

Funktionen der Bauchspeicheldrüse

Zu 98 Prozent besteht die Bauchspeicheldrüse (Pankreas) aus dem exokrinen Teil und produziert Verdauungssekret, welches in den Zwölffingerdarm geleitet wird. Etwa 1,5 bis drei Liter des Sekrets werden täglich von der Bauchspeicheldrüse gebildet, es ist für die Verdauung der Nahrung erforderlich. Im endokrinen Teil werden zur Regulierung des Energiestoffwechsels die Hormone Insulin, Glukagon und Somatostatin gebildet.

Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse

Erkrankt die Bauchspeicheldrüse, verspüren betroffene Patienten häufig Schmerzen im Oberbauch. Diese können wie ein Gürtel bis in den Rücken ziehen. Je nach Erkrankung ist auch der Blutfluss in den Gefässen behindert. Kommt es zu einem Gallenstau in Folge einer Bauchspeicheldrüsenerkrankung, zeigt sich dies in Form einer Gelbsucht.

Zu den häufigsten Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse gehören

Bauchspeicheldrüsenentzündung (Pankreatitis)

Gastroenterologen unterscheiden zwischen akuter und chronischer Pankreatitis. Charakteristisch für eine Entzündung der Bauchspeicheldrüse sind Oberbauchschmerzen mit Ausstrahlung in Richtung Rücken und Schultern.

Handelt es sich um eine akute Pankreatitis, kommt es zur Freisetzung von Verdauungsenzymen, welche benachbartes Gewebe angreifen. Dies verursacht neben starken Schmerzen im Oberbauch auch Übelkeit und Erbrechen. Eine akute Pankreatitis ist ein Notfall, der sofortige ärztliche Behandlung erfordert. Verursacht wird sie durch Gallensteine oder übermässigen Alkoholkonsum.

Bei einer chronischen Pankreatitis ist die Symptomatik weniger stark ausgeprägt. Typische Anzeichen der chronischen Verlaufsform sind

  • wiederkehrende Oberbauchschmerzen,
  • Magen-Darm-Beschwerden,
  • Übelkeit und Erbrechen,
  • Appetitlosigkeit sowie
  • fettglänzender Stuhl.

Auf lange Sicht kommt es aufgrund einer Resorptionsstörung fettlöslicher Vitamine zu Mangelerscheinungen. Hauptursache der chronischen Pankreatitis ist langfristig übermässiger Alkoholkonsum, aber auch bestimmte Medikamente.

Bauchspeicheldrüsenkrebs (Pankreaskarzinom)

Beim Pankreaskarzinom handelt es sich um einen bösartigen Tumor, von dem vor allem Männer ab 65 Jahren mit chronischer Pankreatitis betroffen sind. Mitunter treten erst im fortgeschrittenen Stadium Symptome auf, die von einer chronischen Pankreatitis kaum zu unterscheiden sind. Je früher das Pankreaskarzinom erkannt wird, umso besser die Prognose. Sofern es noch nicht zur Bildung von Metastasen gekommen ist und sich der Tumor nicht übermässig ausgebreitet hat, ist eine operative Entfernung ausreichend.

Diabetes mellitus

Diabetes mellitus betrifft den endokrinen Teil der Bauchspeicheldrüse und wird in zwei Formen unterschieden.

Beim Diabetes mellitus Typ 1 kommt es aus bislang ungeklärten Gründen zu einer Zerstörung der insulinproduzierenden Zellen durch das körpereigene Immunsystem. In der Folge wird kein Insulin mehr gebildet und es kommt zum Blutzuckeranstieg.

Liegt ein Diabetes mellitus Typ 2 vor, dann wirkt das blutzuckersenkende körpereigene Insulin immer schlechter. Zu Beginn kann die Bauchspeicheldrüse der Insulin-Unempfindlichkeit der Zellen durch eine erhöhte Insulinproduktion noch entgegenwirken. Im Laufe der Zeit kommt es allerdings zu einer dauerhaften Überbeanspruchung der Bauchspeicheldrüse, welcher es dann zunehmend schwerer fällt, Insulin zu produzieren.

Diabetes mellitus Typ 1 wird meist durch ein Zusammenspiel aus genetischer Veranlagung und unterschiedlichen Umweltfaktoren begünstigt, bei Diabetes mellitus Typ 2 sind neben Veranlagung Faktoren wie Übergewicht und Nikotinkonsum ursächlich.

Mukoviszidose

Bei einer Mukoviszidose (zystische Fibrose) handelt es sich um eine angeborene Stoffwechselerkrankung, welche die weisse Bevölkerung in Europa und den USA betrifft. Bei der Erkrankung sind auf den Zellen der Bauchspeicheldrüse, des Magen-Darm-Trakts, der Atemwege und an anderen Körperstellen bestimmte Kanäle für Chlorid defekt. Statt ein dünnes Sekret, produzieren diese Zellen einen zähen Schleim. Dadurch kommt es zu

  • Husten,
  • chronischem Durchfall sowie
  • Verdauungsstörungen.

Mukoviszidose ist bislang nicht heilbar.

Diagnose von Bauchspeichelerkrankungen

Die diagnostischen Massnahmen bei Bauchspeicheldrüsenerkrankungen umfassen neben der Anamnese unterschiedliche Untersuchungen. Seit dem Jahr 2016 erfolgt beim Neugeborenen-Screening auch ein Test auf Mukoviszidose, der erste Hinweise geben kann. Weiterhin wird zur Diagnosestellung bei Mukoviszidose ein Schweisstest durchgeführt, denn bei der Erkrankung ist der Salzgehalt im Schweiss erhöht. Der Test gilt als Goldstandard bei der Diagnose. Die folgenden Untersuchungen helfen ebenfalls bei der Diagnose einer Bauchspeicheldrüsenerkrankung.

Stuhl- und Urinuntersuchung

In der Pankreatitis-Diagnostik ist die Stuhluntersuchung ein wichtiges Mittel zur Erkennung krankhafter Veränderungen. Ist die Elastase-Ausscheidung verringert, dann kann von einer gestörten Hormonproduktion ausgegangen werden. Gleiches gilt für Chymotrypsin, welches wie Elastase ein wichtiges Verdauungsenzym ist. Ein deutlicher Hinweis auf eine Pankreaserkrankung ist ausserdem ein Fettstuhl.

Eine Urinuntersuchung spielt bei der Diagnose von Diabetes mellitus eine Rolle. So wird ab einer gewissen Menge Zucker im Blut Glukose über den Harn ausgeschieden. Ausserdem kann der Arzt eine Ketoazidose (Stoffwechselentgleisung durch Insulinmangel) mittels Urin feststellen.

Blutuntersuchung

Liegt der Verdacht einer Bauchspeicheldrüsenerkrankung nahe, kontrolliert der Arzt auch die Blutwerte. Ein deutliches Indiz für eine Entzündung oder einen Tumor der Bauchspeicheldrüse sind erhöhte Pankreasenzyme und vor allem eine erhöhte Lipase. Bei einem Diabetes mellitus sind die Blutzuckerwerte erhöht.

Problematisch sind chronische Entzündungen, da hier die Blutwerte nicht selten im Normbereich liegen.

Endoskopie

Mittels Endoskop, welches durch Speiseröhre und Magen in den Zwölffingerdarm geschoben wird, untersucht der Arzt den gemeinsamen Ausführungsgang von Bauchspeichel und Galle. Durch Gabe eines Röntgenkontrastmittels lassen sich hier mögliche Hindernisse wie Tumore darstellen.

Andere bildgebende Verfahren

Mit weiteren bildgebenden Verfahren wie Ultraschall können Verkalkungsherde aufgrund chronischer Entzündungen und andere Probleme erkannt werden. Computertomographie und Magnetresonanztomographie tragen ebenfalls zur Diagnose bei.

Behandlungsmöglichkeiten bei Bauchspeicheldrüsenentzündungen

Die Therapie richtet sich nach der zugrundeliegenden Erkrankung:

Erkrankung

Behandlung

akute Pankreatitis

konservative Therapie mit Überwachung des Patienten sowie Behandlung der Schmerzen und ausreichend Flüssigkeitszufuhr durch Infusionen, bei schweren Fällen ist mitunter eine Drainage sowie Spülung und Ausräumung von abgestorbenem Gewebe erforderlich, bei Multiorganversagen wird eine OP notwendig

chronische Pankreatitis

Schmerzbehandlung, konservative und interventionelle Therapie mit Stenteinlage, OP bei weiterhin starken Schmerzen

Pankreaskarzinom

ohne Streuung Entfernung des Tumors in Kombination mit Strahlentherapie

Diabetes mellitus

Regulierung des Blutzuckers mit Medikamenten oder Insulintherapie (Typ 1 und Typ 2) oder durch Umstellung der Ernährung und Gewichtsreduktion (nur bei Typ 2 möglich)

Erkrankungsverlauf und Prognose

Ebenso wie die Therapie ist auch der Verlauf von der konkreten Erkrankung abhängig.

Prognose bei Bauchspeicheldrüsenentzündung

Liegt eine schwere Form der akuten Pankreatitis vor, dann ist die Prognose vom Zerstörungsgrad des Gewebes und möglichen Komplikationen abhängig. Sofern ein grosser Teil des Organgewebes abgestorben ist, liegt die Überlebenschance bei etwa 20 bis 60 Prozent. Häufig führt Multiorganversagen aufgrund einer Sepsis allerdings zum Tod. Die milde Form einer akuten Pankreatitis heilt in 90 Prozent der Fälle vollständig aus, sofern die Ursache beseitigt wird. Hier liegt die Sterblichkeit bei weniger als einem Prozent.

Die chronische Pankreatitis schreitet schleichend voran. Wird die Ursache beseitigt, kann der Verlauf verlangsamt werden. Nur selten ist eine vollständige Ausheilung möglich. In den meisten Fällen ist dennoch ein normales Leben für die Patienten möglich, hierfür werden die fehlenden Enzyme in Medikamentenform zugeführt. Bei einer chronischen Entzündung ist das Risiko für ein Pankreaskarzinom immer erhöht. Ist die Pankreatitis durch Alkohol verursacht, ist die Lebenserwartung aufgrund des generellen Lebenswandels geringer.

Prognose bei Bauchspeicheldrüsenkrebs

Das RKI gibt für Männer eine 5-Jahres-Überlebensrate von 6,4 Prozent und für Frauen von 7,6 Prozent an. Wie hoch die Chance auf Heilung tatsächlich ist, hängt davon ab, wann der Tumor entdeckt wird. Nur bei etwa 15 bis 20 Prozent der Patienten ist eine vollständige Entfernung durch Operation möglich, die 5-Jahres-Überlebensrate liegt dann bei 22 bis 37 Prozent. Bei den Patienten wird in diesen Fällen aber auch eine postoperative Chemotherapie durchgeführt. Im fortgeschrittenen Stadium sieht die Prognose deutlich schlechter aus, die Überlebenschance liegt bei 0,2 bis 0,4 Prozent.

Prognose bei Diabetes mellitus

Wenngleich Krankheitsverlauf und Prognose je nach Diabetes-Typ unterschiedlich sind, kann der Krankheitsverlauf bei jeder Form der Erkrankung durch Einhaltung der Therapieempfehlungen positiv beeinflusst werden. Dadurch lässt sich Komplikationen sowie dem Risiko für Folgeerkrankungen vorbeugen.

Regelmässige Kontrolluntersuchungen beim Arzt sind für Diabetiker unerlässlich, um Folgeerkrankungen zu erkennen.

Inwieweit eine Diabetes-Erkrankung heilbar ist, hängt von der Erkrankungsform ab. Typ-1-Diabetes ist derzeit nicht heilbar. Bei Typ-2-Diabetes kann im frühen Stadium eine konsequente Änderung des Lebensstils zu einer deutlichen Verbesserung beitragen.

Die Lebenserwartung von Diabetes-Patienten ist davon abhängig, ob der Blutzucker dauerhaft gut eingestellt werden kann. Einen grossen Einfluss hat hier die Bereitschaft zur Anpassung des Lebensstils. Aber auch das Vorhandensein von Begleiterkrankungen (z. B. Bluthochdruck, erhöhte Blutfettwerte) spielt eine Rolle. Werden diese Erkrankungen fachärztlich behandelt, wirkt sich dies positiv auf die Lebenserwartung aus.

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