Analfissur - Medizinische Experten

Dr. Claus  Puhlmann
Medizinischer Fachautor

Eine Analfissur ist ein Einriss der Schleimhaut des Analkanals, also dem wenige Zentimeter langen Übergang zwischen dem Enddarm und dem Darmausgang. Diese relativ häufige Erkrankung - etwa acht Prozent aller Menschen leiden im Laufe ihres Lebens an dieser Wunde - verursacht meist keine Beschwerden, manchmal blutet sie aber auch und ist insbesondere bei Stuhlgang schmerzhaft. In seltenen Fällen haben die Patienten allerdings so starke Schmerzen, dass ihre Lebensqualität stark eingeschränkt ist.

ICD-Codes für diese Krankheit: K60

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Kurzübersicht:

  • Was ist eine Analfissur? Ein Einriss der Schleimhaut des Analkanals, der sich zwischen dem Enddarm und dem Darmausgang befindet. Eine Analfissur ist eine relativ häufige Erkrankung.
  • Formen: Je nach Dauer der Erkrankung spricht man von einer akuten oder chronischen Analfissur. Bei bekannter Vorerkrankung spricht man von einer sekundären Analfissur, ansonsten ist sie als primär einzustufen.
  • Symptome: Manchmal treten Schmerzen und kleine Blutungen auf, gelegentlich auch Ausschläge und Juckreiz. Bei der chronischen Form kann es zu weiteren Veränderungen um die Analfissur herum kommen.
  • Ursachen: Verstopfung und harter Stuhlgang gelten als Risikofaktoren für eine primäre Analfissur. Sekundäre Analfissuren können durch Verletzungen, nach einer Geburt oder nach spezifischen Vorerkrankungen auftreten. Auch Übergewicht, faserarme Ernährung und eine Schilddrüsenunterfunktion gelten als Risikofaktoren.
  • Diagnose: Manchmal ist eine Analfissur gut sichtbar. Ansonsten können eine digitale-rektale Untersuchung oder eine Enddarmspiegelung Aufschluss geben. In seltenen Fällen werden weitere bildgebende Verfahren empfohlen.
  • Konserverative Behandlung: Zunächst wird über die Ernährung der Stuhl reguliert. Mithilfe von Salben und Cremes und manchmal auch Analtampons oder Analdehner heilt eine Analfissur häufig in einigen Wochen ab. Ggf. werden Schmerzmittel gegeben.
  • Operative Behandlung: Tritt nach mehrwöchiger konservativer Therapie keine Besserung ein, ist eine kleine, meist ambulante OP angeraten. 
  • Prognose: Viele akute Analfissuren heilen spontan ab. Auch nach einer OP sind die Heilungsschancen sehr gut. Dennoch kann eine Analfissur erneut auftreten. In seltenen Fällen bleibt jedoch ein erhöhtes Risiko für eine Stuhlinkontinenz zurück.
  • Vorbeugung: Die Ernährung sollte so angepasst werden, dass kein zu harter Stuhl oder Verstopfungen auftreten.

Artikelübersicht

Frauen und Männer sind etwa gleich häufig betroffen. Obwohl die meisten Analfissuren bei beiden Geschlechtern zwischen dem 40. und 50. Lebensjahr auftreten, gibt es auch bereits Schleimhauteinrisse des Analkanals beim Kind. Auch eine Analfissur nach Geburt und während der Schwangerschaft kann vorkommen.

Die meisten Analfissuren heilen spontan ab, einige wenige Analfissuren heilen nicht. Es gibt aber heute gute medikamentöse und operative Möglichkeiten, die eine nicht heilende Analfissur in den meisten Fällen zur Ausheilung bringen können.

Formen

Je nachdem, wie lange der Schleimhauteinriss bereits besteht, wird von einer akuten Analfissur und von einer chronischen Analfissur gesprochen. Wenn der Einriss noch keine sechs Wochen besteht, leidet der Patient an einer akuten Analfissur. Bei einer Dauer von mehr als sechs bis acht Wochen liegt eine chronische Analfissur vor.

Darüber hinaus werden abhängig von der Ursache primäre von sekundären Analfissuren unterschieden. Bei den sekundären Formen liegt der Fissur eine andere Erkrankung zugrunde, bei den primären ist dies nicht der Fall.

Abzugrenzen von Analfissuren sind Rhagaden. Dies sind Einrisse der Haut um den After herum und keine Einrisse der Schleimhaut des Analkanals.

Symptome

Die meisten Analfissuren befinden sich an dem zum Rücken zeigenden, untersten Abschnitt der Analöffnung. Die Fissur kann von aussen sichtbar sein oder innen liegen und dann erst bei genauerer Inspektion des Analkanals gefunden werden.

Während des Stuhlgangs verspüren manche Patienten Schmerzen, die in der Regel einige Minuten, aber auch Stunden anhalten können. Am Toilettenpapier, manchmal auch auf dem Stuhl, befindet sich oft etwas hellrotes Blut. Ohne Stuhlgang haben die meisten Patienten aber keine Beschwerden, gelegentlich tritt ein Ausschlag und Juckreiz um den After herum auf.

Bei chronischen Analfissuren kann es zu Veränderungen um den Einriss der Schleimhaut kommen, wie beispielsweise zu vergrösserten Analpapillen. Das sind normalerweise etwa stecknadelkopfgrosse Knötchen in der Schleimhaut, die bei Analfissuren bis zu einer Grösse einer Kirsche wachsen können und dann auch Analpolypen oder Analfibrome genannt werden. Daneben können Marsiken auftreten. Marisken sind Hautfalten um den After und werden deshalb auch Analfalten oder Vorpfostenfalten bezeichnet.

Analfissur
Analfissur © bilderzwerg | AdobeStock

Ursachen und Risikofaktoren

In den meisten Fällen können die Ärzte keine Erkrankung feststellen, die für die Entstehung einer Analfissur verantwortlich gemacht werden könnte. Die Ärzte sprechen dann von einer primären Anafissur.

Wie solch eine primäre Analfissur entsteht, ist bislang noch nicht genau geklärt. Es wird aber vermutet, dass Verstopfung und harter Stuhlgang, aber auch ein über längeren Zeitraum bestehender weicher oder durchfallartiger Stuhl eine Rolle in deren Entstehung spielen.

Als Folge der durch den Einriss auftretenden Schmerzen zieht sich der Schliessmuskel - das ist der Muskel, der den Analkanal umgibt und die Entleerung des Stuhls reguliert - krampfartig zusammen. Durch diese Druckerhöhung des Schliessmuskels verschlechtert sich die Blutversorgung der Schleimhaut, was sich wiederum negativ auf die Wundheilung auswirkt. So kann sich aus einer akuten Analfissur ein chronischer Zustand entwickeln.

Sekundäre Analfissuren sind Einrisse, die aufgrund einer anderen Erkrankung oder Verletzung entstehen. So können nach mechanischen Verletzungen oder nach Geburt, durch Operationen sowie aufgrund von Entzündungszuständen (zum Beispiel bei Morbus Crohn) oder bakteriellen oder viralen Infektionen (zum Beispiel bei Syphilis oder Chlamydieninfektion) sekundäre Analfissuren entstehen.

Als Risikofaktoren gelten Umstände, die Verstopfung und harter Stuhl und damit einen erhöhten Druck im Schliessmuskel begünstigen, wie zum Beispiel

Weitere Risikofaktoren sind beispielsweise auch das Einführen von Fremdkörpern in den Analkanal sowie grober Analverkehr.

Untersuchung und Diagnose

Der Arzt untersucht zunächst Ihren After und Ihren Analkanal. Oft kann der Untersucher durch Spreizen der Gesässbacken die Analfissur bereits sehen. Auch lässt sich meist jetzt schon unterscheiden, ob eine Analfissur oder eine Hämorrhoide, was der Patient häufig als Grund der Beschwerden vermutet, vorliegt.

Eine digitale-rektale Untersuchung, bei der der Proktologe mit dem Finger Ihren Analkanal abtastet, ist bei akuter Analfissur meist schmerzhaft und auch nicht immer erforderlich. Dagegen kann mit dieser Untersuchung bei chronischer Analfissur, die weniger schmerzhaft ist, gegebenenfalls eine narbige Verhärtung festgestellt werden.

Mithilfe eines Analspreizers oder eines Proktoskops (kurzes Rohr mit einer Lichtquelle) kann Ihr Analkanal beurteilt werden. Diese Proktoskopie (auch Analspiegelung, Mastdarmspiegelung oder Enddarmspiegelung genannt) gibt Aufschluss über Veränderungen des Analkanals, die eine ähnliche Symptomatik wie Analfissuren zeigen und deshalb ausgeschlossen werden müssen.

Bei typischer Symptomatik und sichtbarem Schleimhauteinriss kann aufgrund der Schmerzen beim Einführen eines Proktoskops in den Analkanal und des erhöhten Schliessmuskeldrucks zunächst ein Therapieversuch unternommen und auf eine Proktoskopie verzichtet werden. Bestehen allerdings Zweifel an der Diagnose, muss eine Analspiegelung entweder unter Lokalanästhesie oder Narkose durchgeführt werden.

Nur in seltenen Fällen und zum Ausschluss anderer Erkrankungen beziehungsweise zur Diagnose von zugrunde liegenden Erkrankungen kommen weiterführende Untersuchungen in Betracht, wie Kernspintomographie (MRT), Ultraschalluntersuchung (Endosonographie), Darmspiegelung (Koloskopie) oder Gewebeentnahme (Biopsie).

Allgemeines zur Behandlung

Spezialisten für Analfissuren sind Proktologen. Sie befassen sich mit Erkrankungen des Enddarms, das heisst dem Mastdarm und dem Analkanal.

Neben der Regulierung des Stuhls über die Ernährung zielt die Behandlung, insbesondere bei der akuten Analfissur, darauf, die Schmerzen zu lindern und den Schliessmuskeldruck zu senken.

Ernährung

Ein wichtiger Baustein der Behandlung ist eine ballaststoff- und faserreiche Ernährung. Zusätzlich können beispielsweise Flohsamenschalen den Stuhlgang regulieren. Flüssig darf der Stuhl aber nicht sein, weshalb Sie starke Abführmittel zur Therapie nicht einnehmen sollten.

Medikamentöse Behandlung: Cremes, Salben, Tampons und Spritzen

Durch die lokale Anwendung von Salben oder Cremes heilen die meisten akuten Analfissuren innerhalb von sechs bis acht Wochen ab. In Studien besonders wirksam haben sich Kalziumkanalblocker (zum Beispiel Nifedipin und Diltiazem) erwiesen. Genauso wie Nitrate (zum Beispiel Glyceryltrinitrat) und Botulinum-Toxin A („Botox“, das aber direkt in den Schliessmuskel gespritzt wird) senken diese Medikamente den Druck im Schliessmuskel beziehungsweise entspannen den Schliessmuskel.

Ist zusätzlich zur Analfissur ein Ekzem vorhanden, wird auch die Anwendung von kortisonhaltigen Cremes oder Salben empfohlen. Gegen die akuten Schmerzen können örtliche Betäubungsmittel (zum Beispiel Lidocain) verwendet werden.

Manche Medikamente werden mithilfe von Analtampons in den Analkanal eingebracht, wo sie über eine längere Zeit die Wirkstoffe abgeben.

Analdehner

Allein oder in Kombination mit oben genannten Medikamenten können auch in den Analkanal einzuführende Analdilatatoren (Analdehner) die Heilung unterstützen. Sie können die Analdehnung eigenständig und mehrmals am Tag vorsichtig durchführen.

Helfen Hausmittel, Sitzbäder und Co. gegen Analfissuren?

Sogenannte Hausmittel wie ein Sitzbad und Naturheilmittel können zwar angenehm für Sie sein, doch sie bewirken nicht, dass Ihre Analfissur abheilt. Zinksalben sollten Sie bei offenen Wunden wie einer Analfissur nicht anwenden. Bepanthen soll bei kleinen Einrissen die Wundheilung fördern, es wird aber nicht in den aktuellen Leitlinien als Therapieoption erwähnt.

Operative Therapie

Erst wenn nach sechs- bis achtwöchiger medikamentöser Behandlung keine Abheilung erfolgt, wird eine Operation (OP) empfohlen, was bei chronischen Analfissuren relativ häufig der Fall ist. Etabliert haben sich folgende operative Verfahren:

  • Fissurektomie (= Ausschneiden der Analfissur): Die Fissur wird zusammen mit dem entzündlichen und vernarbten Gewebe flach ausgeschnitten und die Wunde nicht vernäht; dabei bleibt der Schliessmuskel unverletzt. Manchmal wird über die herausgeschnittene Stelle ein Schleimhaut- oder Hautlappen gelegt und vernäht; dies wird dann als analer Advancement Flap (Verschiebelappen) bezeichnet. Die Fissurektomie weist eine höhe Erfolgsrate als die medikamentösen Therapieansätze auf.

  • Fissurektomie mit gleichzeitiger Botulinum-Toxin-Anwendung: Die zusätzliche Entspannung des Schliessmuskels mithilfe von „Botox“ könnte gegenüber dem alleinigen Ausschneiden der Fissur von Vorteil zu sein.

  • Durchtrennung des Schliessmuskels (Sphinkterotomie): Die Durchtrennung eines Teils des inneren Schliessmuskels hat zwar eine höhere Erfolgsrate als die Fissurektomie, aber es besteht auch ein höheres Risiko für eine Stuhlinkontinenz nach dem Eingriff.

Darüber hinaus gibt es weitere Verfahren, die sich allerdings noch nicht etabliert haben. Dazu gehört beispielsweise die Behandlung mit einem fraktionierten CO2-Laser.

Im Allgemeinen wird die OP ambulant und unter Kurznarkose durchgeführt. Nach der OP werden Sie vermutlich über einige Tage Schmerzen in der Analgegend haben, sie werden sich allerdings rasch bessern.

Die durch die OP entstandene offene Wunde müssen Sie für einige Wochen, bis zur vollständigen Abheilung, sauber halten. Dafür sollten Sie die Wunde drei- bis fünfmal am Tag und nach jedem Toilettengang ausduschen.

Verlauf und Prognose

Viele akute Analfissuren bilden sich spontan, das heisst ohne Therapie, zurück, und mithilfe von Medikamenten und physikalischer Therapie heilen bis zu 90 Prozent der akuten Analfissuren ab. Bei der chronischen Form beträgt die Heilungsrate unter dieser Therapie immerhin noch etwa 50 Prozent.

Aber auch mithilfe der operativen Behandlungsoptionen sind die Heilungschancen sehr gut. So wird bei der Fissurektomie von einer Heilungsrate von etwa 73 bis 80 Prozent und bei der Sphinkterotomie von etwa 80 bis 93 Prozent berichtet.

Zu beachten ist aber, dass ein erhöhtes Risiko für eine Stuhlinkontinenz besteht: So leiden nach Fissurektomie bis zu etwa elf Prozent der Patienten und nach Sphinkterotomie bis zu etwa 20 Prozent der Patienten darunter.

Vorbeugung

Einige Patienten entwickeln nach einigen Jahren erneut eine Analfissur (sogenanntes Rezidiv). Um einer Analfissur, aber auch einem Rezidiv vorzubeugen, sollten Sie darauf achten, dass Ihr Stuhl nicht hart ist und keine Verstopfung besteht.

Eine ballaststoff- und faserreiche Ernährung, eventuell unterstützt durch Flohsamenschalen, hilf Ihnen, die Konsistenz des Stuhls zu regulieren. Auch Analdehner können einem Rezidiv vorbeugen.

  • Ebinger SM et al. (2020) Patientenleitlinie: Erkennen und Behandeln von Rissen im Analbereich (Analfissur). Ein Ratgeber für Patientinnen und Patienten. AWMF-Registriernummer: 081-010.
  • Farke S (2018) Akute Analfissur. MMW Fortschritte der Medizin 9(160):47
  • Feisthammel J (2015) Analfissur. In: DGIM Innere Medizin. Berlin: Springer-Verlag
  • Marti L et al. (2020) S3-Leitlinie: Analfissur. AWMF-Registriernummer: 081-010. coloproctology 42:90–196
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