Als Wechseljahresbeschwerden werden krankheitsähnliche Symptome bezeichnet, an denen Frauen leiden, wenn sich der Hormonhaushalt wandelt. Obwohl sie de facto nicht als Krankheit im engeren Sinne aufgefasst werden dürfen, können Wechseljahresbeschwerden einen grossen Einfluss auf das Lebensgefühl und die allgemeine Stimmungslage haben. Die Behandlung und Linderung von Wechseljahresbeschwerden ist daher für Ärzte und ihre Patientinnen in den letzten Jahrzehnten immer wichtiger geworden.

ICD-Codes für diese Krankheit: N95

Artikelübersicht

Empfohlene Spezialisten

Wechseljahresbeschwerden: Definition

Das Klimakterium, wie die Wechseljahre im Fachjargon bezeichnet werden, tritt in der Regel zur Mitte des Lebens ein. Das Klimakterium wird in drei Abschnitte unterteilt:

  1. Der Zeitraum vor der letzten Monatsblutung ist die Perimenopause; er kündigt sich mit Zyklusstörungen (Verkürzung des Zyklus, unregelmässige Blutungsabstände) an und beginnt durchschnittlich mit 47,5 Jahren.
  2. Im Schnitt kommen Frauen im Alter von etwa 52 Jahren in die Menopause. Dieser Begriff bezeichnet die letzte Regelblutung (Menstruation) im Leben einer Frau. 
  3. Die Phase nach der Menopause ist die Postmenopause.

Die Zeit vor dem Klimakterium wird auch Prämenopause genannt. Die Eierstöcke produzieren in dieser Phase bereits weniger Hormone, was auch schon zu Zyklusunregelmässigkeiten führen kann. Das Verhältnis der weiblichen Geschlechtshormone Östrogen und Progesteron (ein Gestagen) sowie des männlichen Geschlechtshormons Testosteron zueinander verändert sich: Zunächst wird weniger Progesteron gebildet, es kommt in der Prä- und Perimenopause daher zu einer Östrogendominanz im Verhältnis zum Progesteron, das heisst einem relativen Östrogenüberschuss. Zeitverzögert wird weniger Östrogen produziert, was sich in einem absoluten Östrogenmangel während der fortgeschrittenen Peri- und der Postmenopause widerspiegelt. Schliesslich wird die Produktion der weiblichen Hormone komplett eingestellt, dadurch bleiben der weibliche Zyklus und die Menstruation aus. Die Bildung der männlichen Hormons nimmt dagegen nur allmählich ab.

Neun von zehn Frauen in den Wechseljahren leiden während dieser Hormonumstellung unter einem oder mehreren Symptomen. Diese werden als störend, ungewohnt und einschränkend wahrgenommen, sodass es auch zu psychischen Folgesymptomen kommen kann. Die Wechseljahre sind nicht nur ein Abschnitt hormoneller Wandlungsprozesse, sondern auch eine von den Betroffenen als belastend empfundene Zeit, in der es zu vielfältigen Problemen mit der eigenen Körpererfahrung kommt.

Die Symptomatik der Wechseljahresbeschwerden ist vielschichtig und hängt mit den relativen und absoluten Hormonkonzentrationen während der verschiedenen Phasen der Wechseljahre zusammen.

Erste Anzeichen von Wechseljahresbeschwerden

Wer in die Wechseljahre kommt, wundert sich zunächst meistens über Unregelmässigkeiten im Zyklus. Die Periode ist kürzer oder länger als gewohnt und die Blutung oftmals stärker. Die Östrogendominanz kann auch ein Spannungsgefühl in der Brust und Unterbauchschmerzen zur Folge haben. Manchmal gehen diese Beobachtungen mit einer erhöhten Trockenheit der Schleimhäute einher. Es kann, je nach individuellem Fall, aber auch vorkommen, dass sich der Beginn des Klimakteriums nicht ankündigt, sondern plötzlich und unvermutet eintritt.

Physische Symptome – Hitzewallungen und Co

Untrennbar mit den Wechseljahren verbunden ist der Begriff Hitzewallungen. Eine grosse Mehrheit von Frauen im Klimakterium berichtet von regelmässigen Hitzewallungen, also Ausbrüchen von extremer Wärmeempfindung. Diese breiten sich oftmals vom Kopf über den gesamten Körper aus, dauern meistens nur einige Minuten und sind nicht selten mit einem gesteigerten Herzklopfen verbunden. Gelegentlich ist die Wärmeempfindung so stark, dass der Körper beginnt, Schweiss zu produzieren. Die Hitzewallungen erzeugen nicht nur körperliches Unbehagen, sondern setzen die Betroffene auch einer grossen Stresssituation aus, zum Beispiel wenn die Symptomatik in der Öffentlichkeit auftritt. Nach der Menopause gehen die Hitzewallungen allmählich zurück, bei manchen Frauen hören sie allerdings nie ganz auf. Im Durchschnitt dauern die Hitzewallungen aber 5,2 Jahre an.

Des Weiteren ist ein gestörter Schlafrhythmus typisch für die Wechseljahre. Das Einschlafen fällt schwerer, der Nachtschlaf ist unruhig und die Wachphasen sind in der Nacht lang. Dementsprechend ausgeprägt ist morgens das Gefühl der Müdigkeit und Kraftlosigkeit. Der mangelnde und wenig erholsame Schlaf trägt dazu bei, dass auch Mattigkeit, eine abnehmende Leistungsfähigkeit und Erschöpfungsempfindungen zu den Wechseljahresbeschwerden gezählt werden. Ob diese Symptome von den Hormonschwankungen ausgelöst werden oder Folgebeschwerden des gestörten Schlafrhythmus sind, ist in medizinischen Fachkreisen nicht abschliessend geklärt. Es ist jedoch unbestritten, dass die Symptome auftreten und für Unbehagen sorgen.

Frau mit Schlafstörung

Aufgrund des Östrogenmangels werden die Schleimhäute schlechter durchblutet, was sich in in einer Trockenheit der Schleimhäute im Bereich der Vagina, der Harnröhre und Harnblase äussert. Durch die veränderte Schleimzusammensetzung kann es häufiger zu Harnwegsinfektionen und vaginalen Infektionen mit Pilzen und Bakterien kommen. Die Trockenheit der Scheidenschleimhaut kann auch zur Folge haben, dass Geschlechtsverkehr als sehr schmerzhaft empfunden wird. Gleitmittel auf Wasserbasis, die in jeder Apotheke gekauft werden können, können hier Abhilfe schaffen. Ein erhöhter Harndrang kann sich im Extremfall bis zu einer vorübergehenden Inkontinenz steigern. 

Durch den Hormonmangel nimmt auch das Risiko für Osteoporose, Gelenk- und Knochenproblemen sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu. Nicht selten kommt es auch zu einer Gewichtszunahme.

Psychische Symptome bei Wechseljahresbeschwerden

Die Wechseljahre sind ein kraftraubender Vorgang, der sich auch in der psychischen Konstitution niederschlägt. Oftmals ist der Zeitraum vor und nach der Menopause für die Betroffenen eine Phase der psychischen Belastung. Durch das vielfach chronische Erschöpfungsgefühl, die verschiedenen Schmerzempfindungen und das Hadern mit dem eigenen Selbstbild induzieren die Wechseljahre negative Stimmungen, die in vielen Fällen zu einer depressiven Verstimmung führen können.

Die nagenden Bedenken und hormonellen Unregelmässigkeiten führen eine verstärkte Reizbarkeit, Stimmungsschwankungen und Nervosität herbei, die in manchen Fällen die sozialen Kontakte erschweren.

Was tun bei Wechseljahresbeschwerden?

Der erste Ansprechpartner beim Problemkomplex Wechseljahre ist der Frauenarzt. Dieser ist bestens mit den Besonderheiten des weiblichen Hormonhaushalts vertraut. Eine Möglichkeit, die Symptome der Wechseljahre, wie die Hitzewallungen, zu lindern, ist die Hormonersatztherapie, auch HET genannt. Da durch sie in den Hormonhaushalt eingegriffen wird und damit Risiken bestehen, darf sie nicht ohne medizinische Notwendigkeit und Abwägung von Vor- und Nachteilen eingesetzt werden.

So empfehlen die aktuellen Leitlinien der wichtigsten deutschen und schweizerischen gynäkologischen Gesellschaften gesunden Frauen mit Gebärmutter bei medizinischer Notwendigkeit die HET zur Behandlung der Wechseljahresbeschwerden über einen Zeitraum von drei bis fünf Jahren, ggf. auch länger, in möglichst geringer Dosierung. Sie hätte eine positive Auswirkung auf Hitzewallungen, Scheidentrockenheit, Schlafstörungen, depressive Verstimmungen, Leistungs- und Gedächtnisverminderung sowie Knochen- und Gelenkprobleme. Die Autoren sind auch der Meinung, dass eine HET das Risiko für Darmkrebs, Diabetes, Herzinfarkt und Schlaganfall verringert. Das erhöhte Risiko für Brustkrebs und Gefässverschlüsse wird als gering eingeschätzt. Es wird aber auch betont, dass jährlich überprüft werden sollte, ob eine Hormontherapie überhaupt noch notwendig ist. Frauen über 60 Jahre sollten keine HET erhalten.

Etwas anders sieht es die amerikanische US Preventive Services Task Force (USPSTF). Zwar empfiehlt auch sie die HET für die kurzfristige Behandlung von Wechseljahresbeschwerden und bezeichnet sie in dieser Anwendung als sicher. In den aktuellen Empfehlungen lehnt sie aber die Gabe von Hormonpräparaten nach der Menopause zur Vorbeugung von Erkrankungen ab, da die Nachteile - wie erhöhtes Risiko für invasives Mammakarzinom (besonders bösartige Form des Brustkrebses), für venöse Gefässverschlüsse (Thromboembolien) etc. - die Vorteile überwiegen würden.

Eine Hormonersatztherapie sollte also immer mit Bedacht und eher zurückhaltend eingesetzt werden. Der Frauenarzt wird in jedem Einzelfall zusammen mit der Frau entscheiden, ob eine Hormonersatztherapie medizinisch indiziert ist oder nicht und ob der Nutzen das mögliche Risiko übersteigt.

Eine Hormonersatztherapie unterliegt keinem festen Schema, sondern muss auf die hormonellen Eigenheiten jeder Frau abgestimmt werden. Aus diesem Grund sollten Betroffene ihrem Frauenarzt bei der Planung einer HET möglichst mit allen relevanten Informationen zum Verlauf des Zyklus und etwaigen Besonderheiten weiterhelfen, damit dieser das richtige Mass der Behandlung findet. Beispielweise werden die Symptome bei Frauen nach Brustkrebs oder nach Gebärmutterentfernung anders behandelt.

Im Rahmen einer HET werden dem Organismus die vormals körpereigenen Hormone zumeist im Rahmen einer Kombinationstherapie (Östrogen und Gestagene) verabreicht. Auf diese Weise kann die Symptomatik der Wechseljahre wirkungsvoll eingedämmt werden, sodass Betroffene weniger oder im besten Falle nichts von den umwälzenden hormonellen Vorgängen im eigenen Körper spüren. Hormonpräparate gibt es in vielen verschiedenen Varianten. Sie werden als Tabletten, Cremes, Zäpfchen, Pflaster oder Spritzen verabreicht, wobei die deutsch-schweizerischen Gesellschaften die Anwendung von Cremes empfehlen.

Als Alternative für eine medikamentöse HET gibt es pflanzliche Arzneimittel wie Mönchspfeffer oder Traubensilberkerze, gegen die Schlafstörungen Baldrian. Allerdings ist der Nutzen von pflanzlichen Präparaten wissenschaftlich nicht belegt. Hitzewallungen können unter Umständen auch mit speziellen Serotonin-Wiederaufnahmehemmern behandelt werden, aber auch hier sind wie bei den pflanzlichen Arzneimitteln die Langzeitrisiken bislang unbekannt. Je nach Beschwerdebild können weitere Präparate zur akuten Behandlung von Symptomen infrage kommen.

Valeriana officinalis Echter Baldrian

Auch Änderungen des Lebensstils, wie mehr Bewegung, bewusste Ernährung und ein Verzicht auf Rauchen, haben einen positiven Einfluss auf die Entstehung von Krankheiten, für die durch den Hormonmangel ein erhöhtes Risiko besteht, wie Übergewicht, Fettstoffwechselstörungen, Diabetes Typ 2 und Bluthochdruck. Leichte Kleidung, ein kalter Waschlappen oder ein Kühlpack in Nacken oder auf der Stirn können Hitzewallungen erträglicher machen. Frauen, die unter Schlafstörungen leiden, sollten nachmittags koffeinhaltige Getränke meiden und das Abendessen etwas früher einnehmen.

Mit dem richtigen Therapieansatz ist es möglich, die Wechseljahresbeschwerden auf ein sehr erträgliches Mass zu reduzieren und den Betroffenen mehr Lebensqualität zu ermöglichen.

Quellen

  • aerzteblatt.de (2017) Kein sicheres „Timing“: US-Leitlinie lehnt Hormone zur Krankheitsprävention nach der Menopause weiter ab. Ärzteblatt vom 13. Dezember 2017
  • Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe, Berufsverband der Frauenärzte, Deutsche Menopause Gesellschaft et al. (2015) Anwendungsempfehlungen zur Hormonsubstitution in Klimakterium und Postmenopause. Aktualisierte gemeinsame Empfehlungen. Frauenarzt 56(8): 657-660
  • Krebsinformationsdienst (2016) Hormone und Krebsrisiko. Für gesunde Frauen: Was tun gegen Beschwerden in den Wechseljahren? Deutsches Krebsforschungszentrum. https://www.krebsinformationsdienst.de/vorbeugung/risiken/hormonersatztherapie1/
  • NICE guideline (2015) Menopause: diagnosis and management. NICE, nice.org.uk/guidance/ng23
  • US Preventive Services Task Force (2017) Hormone Therapy for the Primary Prevention of Chronic Conditions in Postmenopausal WomenUS Preventive Services Task Force Recommendation Statement. JAMA 318(22):2224-2233. doi:10.1001/jama.2017.18261