Scheidensenkung

24.11.2020

Die Scheide ist eine Struktur des weiblichen Körpers, die sich den verschiedenen Anforderungen sehr gut anpassen kann. So kann sich die Scheide beispielsweise bei der Geburt eines Kindes stark dehnen und sich anschliessend wieder zu ihrer ursprünglichen Weite zurückbilden.

Zu einer Senkung der Scheide (Deszensus vaginae) kommt es, wenn die Scheide aufgrund von Schäden an den Haltestrukturen aus Bindegewebe und der Beckenbodenmuskulatur nicht mehr in ihrer Position gehalten werden kann. Mögliche Auswirkungen betreffen die Blasenfunktion und die Darmentleerung. Auch können Schmerzen die Folge sein.

ICD-Codes für diese Krankheit: N81.2, N81.3, N81.4

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Kurzübersicht:

  • Was ist eine Scheidensenkung? Die Scheide ist ein Organ im Bauchraum, das sich unter Umständen nach unten verlagern und dadurch die Funktion von Blase und Darm beeinträchtigen kann.
  • Ursache: Beschädigung des Halteapparats von Gebärmutter und Scheide etwa durch eine Geburt oder auch durch eine Bindegewebsschwäche. Auch Übergewicht und Rauchen zählen zu Risikofaktoren.
  • Symptome: Blasen- und Darmfunktionsstörungen, Beeinträchtigung des Sexuallebens, Fremdkörpergefühl am Scheideneingang, in schweren Fällen Hervortreten der Scheide aus dem Scheideneingang.
  • Vorbeugung: Regelmässges Beckenbodentraining, Vermeiden unnötiger Belastungen, richtige Tragetechnik bei Lasten.
  • Diagnose: Eine Scheidensenkung fällt dem Gynäkologen bei der Routineuntersuchung auf. Mittels Ultraschall lässt sich die Lageveränderung genau erkennen. Gelegentlich wird eine urodynamische Untersuchung, eine Röntgenuntersuchung oder eine MRT empfohlen.
  • Behandlung: Konservative Methoden beinhalten vor allem Beckenbodentraining und die lokale Gabe von Östrogen. Auch Pessare kommen zum Einsatz. Eine OP ist bei ausgeprägter Senkung nötig, um die Lage der betroffenen Organe zu rekonstruieren.
  • Nachsorge: Training, die Anwendung von Östrogen, die richtige Ernährung und der richtige Umgang mit körperlichen Belastungen sind zwingend erforderlich.

Artikelübersicht

Entstehung einer Scheidensenkung

Durch den aufrechten Gang liegt der Geburtskanal im Becken mit seiner Öffnung unten. Das knöcherne Becken wird durch die Beckenbodenmuskulatur (hauptsächlich die Levatorgruppe) und durch Haltestrukturen aus Bindegewebe (Bänder und Faszien) verschlossen. Die Scheide bleibt als Öffnung. Diese wird beim Geburtsvorgang massiv gedehnt, um den Durchtritt des Kindes zu ermöglichen. Schon beim Gebärvorgang kann es zu Schäden an den Haltestrukturen und der Muskulatur kommen. Zerreissungen der Muskulatur und des Bindegewebes und Überdehnungen von Nerven sind möglich.

Durch den Druck der Organe im Bauchraum und chronische Belastung über viele Jahre wird der Beckenboden stark belastet und bei entsprechender Veranlagung geschädigt. Die Folge ist eine Scheidensenkung und/oder eine Senkung der Gebärmutter. Da die Harnröhre und die Blase direkt der Scheidenvorderwand anliegen, senken sich diese mit ab. Der Enddarm (Rektum) wird durch die Scheidenhinterwand in Position gehalten. Gibt diese nach, senkt sich auch dieser Darmanteil. Übergewicht und Rauchen sind weitere begünstigende Faktoren für eine Senkung der Scheide.

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Symptome einer Senkung der Scheide

Die Scheidensenkung kann durch die damit verbundene Veränderung der Lage der Nachbarorgane vielfältige Funktionsstörungen verursachen:

  • Häufig treten bei einer Scheidensekung Blasenfunktionsstörungen wie Belastungsharninkontinenz und verstärkter Harndrang auf.
  • Aber auch Blasenentleerungsstörungen durch Abknicken der Harnröhre sind möglich.
  • Stuhlentleerungsstörungen, Stuhlschmieren und Stuhlinkontinenz können aus der Senkung der hinteren Scheidenwand mit dem Rektum resultieren.
  • Auch das Sexualleben ist durch eine Scheidensenkung oft beeinträchtigt.

Bei ausgeprägten Senkungszuständen kommt es dann zum Vorfall der vorderen und hinteren Scheide oder der Gebärmutter vor den Scheideneingang. Bei längerem Bestehen eines Deszensus vaginae entstehen dann Ulcerationen (offene wunde Stellen), die auch etwas bluten können.

Vorbeugung einer Scheidensenkung

Durch regelmässiges Trainieren der Beckenbodenmuskulatur, Vermeidung unnötiger Belastungen und das richtige Tragen von Lasten kann man Senkungszuständen der Scheide manchmal vorgebeugen. Die angeborene Bindegewebeschwäche lässt sich leider nicht verbessern. Nach den Wechseljahren kann eine niedrig dosierte Estriolgabe in die Vagina das Gewebe günstig beeinflussen.

Diagnostik bei Senkungszuständen der Scheide

Der Gynäkologe ist in der Regel der erste Ansprechpartner. Schon bei der routinemässigen Vorsorgeuntersuchung kann er die Scheidensenkung erkennen. Bei Blasenfunktionsstörungen suchen Betroffene oft auch den Urologen auf.

Eine konservative Therapie, d.h. zunächst keine Operation, wird oft schon in der Praxis eingeleitet. Wenn die Scheidensenkung oder die Funktionsstörungen so ausgeprägt sind, dass eine Operation ansteht, ist eine Vorstellung in einer urogynäkologische spezialisierten Klinik oder einem Beckenbodenzentrum sinnvoll.

Mit einer harmlosen Ultraschalluntersuchung kann die Lageveränderung von Harnröhre, Blase, Scheide, Gebärmutter und Darm genauer eingeschätzt werden. Manchmal ist auch eine urodynamische Untersuchung erforderlich. Damit kann die Speicherfunktion der Blase und eine Inkontinenz beurteilt werden. Bei komplexen Fällen wird auch eine Röntgenuntersuchung des Darmes oder der Blase oder eine Kernspinnuntersuchung des Beckens eingesetzt.

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Behandlung einer Scheidensenkung

Beckenbodentraining oder Pessare

Mit einem physiotherautisch betreuten Beckenbodentraining, das auch Rücken- und Bauchmuskulatur einschliesst, ist es manchmal möglich, die Scheidensenkung zu stabilisieren, vor allem wenn noch kein Vorfall vorliegt. Ergänzend erfolgt eine Östrogenapllikation in die Scheide, falls möglich.

Mit Pessaren (Ringe, Würfel oder Schalen aus Silikon) lässt sich der Deszensus vaginae zurückverlagern und die Position der Scheide stabilisieren. Diese werden in Fällen eingesetzt, wenn eine Operation noch nicht erforderlich oder gewünscht ist. Angestrebt wird der regelmässige Wechsel durch die Frau. Auch wenn eine Operation aus medizinischen Gründen zu riskant erscheint, ist die Anwendung von Pessaren möglich.

Plastische Rekonstruktion des Beckenbodens

Bei ausgeprägten Senkungszuständen und bei Beeinträchtigung der Lebensqualität durch die Funktionsstörungen der Blase und des Darmes lässt sich durch eine Operation die ursprüngliche Lage der Scheide mit Blase und Darm wiederherstellen.

Es gibt mehrere OP-Verfahren zur plastischen Rekonstruktion des Beckenbodens. Häufig erfolgt die Operation von der Scheide aus (vaginale Plastiken). Durch Raffung des Bindegewebes und Nützen der vorhandenen Bandstrukturen wird die Scheidensenkung behoben. In manchen Fällen wird ein Verfahren durch kleinen Bauchschnitt oder durch eine Laparoskopie (Bauchspiegelung) bevorzugt.

Kunststoffnetz

Früher beinhaltete die Operation einer Scheidensenkung auch immer eine Entfernung der Gebärmutter. Heute kann diese in vielen Fällen belassen werden. Bei sehr schwachem Bindegewebe oder nach einer schon erfolgten Operation bei einer erneut auftretenden Senkung der Scheide ist es möglich, das Gewebe mit Hilfe eines Kunststoffnetzes zu verstärken, was zu einer besseren Stabilität führt.

Das genaue OP-Verfahren wird in Abhängigkeit vom individuell vorliegenden Befund der Scheidensenkung und der Funktionsstörung gewählt, um ein möglichst stabiles Ergebnis und eine gute Wiederherstellung der Blasen- und Darmfunktion zu erreichen. Es gibt mittlerweile in Deutschland flächendeckend Kliniken, die sich auf Diagnostik und Therapie der Beckenbodenfunktionsstörungen und dessen wiederherstellende Chirurgie spezialisiert haben.

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Nachsorge bei einer Scheidensenkung

Eine Operation zur Behandlung eines Deszensus vaginae kann nur die Position der Organe rekonstruieren. Die Funktion der Muskulatur im Becken, der Blase und des Darmes bedarf jedoch einer andauernden Aufmerksamkeit. Das weitere Trainieren der Muskulatur, die lokale Anwendung von Östrogenen, das richtige Trink- und Essverhalten und der richtige Umgang mit körperlicher Belastung sind für einen dauerhaften Erfolg von grosser Bedeutung. Da es nicht möglich ist, die prinzipielle Schwäche des Stützgewebes zu ändern, kann es später zu einer erneuten Scheidensenkung kommen.

Fazit

Der Beckenboden ist ein Schwachpunkt des weiblichen Körpers. Ein Trainieren der Beckenbodenmuskulatur schon nach den Entbindungen kann das Entstehen einer Scheidensenkung zumindest verzögern. Wenn Beschwerden auftreten, ist zunächst der Frauenarzt der erste Ansprechpartner. Wenn eine Operation unumgänglich ist, ist eine Vorstellung in einer urogynäkologisch spezialisierten Klinik sinnvoll. Heute stehen unterschiedliche OP-Methoden zur Behandlung einer Scheidensenkung zur Verfügung, die je nach Befund und Beschwerdebild individuell zur Anwendung kommen.

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