Galaktorrhoe (Milchfluss außerhalb der Stillzeit)

07.09.2021
Leading Medicine Guide Redaktion
Autor des Fachartikels
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Als Galaktorrhoe bezeichnen Mediziner den Sekret- oder Milchausfluss aus der Brustwarze, ohne dass eine Schwangerschaft vorliegt oder die betroffene Frau ein Kind stillt. Auch eine milchige Absonderung aus der Brustdrüse ausserhalb der Stillzeit wird von Fachleuten als Galaktorrhoe bezeichnet. Ein Galaktorrhoe kann verschiedene Ursachen haben und sowohl bei Frauen als auch bei Männern auftreten. Im Folgenden finden Sie Informationen zur Diagnose und Therapie der Galaktorrhoe sowie Spezialisten für die Behandlung.

ICD-Codes für diese Krankheit: N64.3

Empfohlene Spezialisten

Artikelübersicht

Was ist eine Galaktorrhoe und was sind die Ursachen?

Eine Galaktorrhoe steht in den meisten Fällen in Zusammenhang mit einer vermehrten Produktion des Hormons Prolaktin. Das Hormon ist dafür verantwortlich, dass in der Stillzeit die Milch in den Milchdrüsen produziert wird. Normalerweise sind die Prolaktinwerte im Blut nur während der Schwangerschaft und der Stillzeit erhöht. Kommt es ausserhalb dieser Zeit zu einem hohen Prolaktinspiegel, steckt eine Krankheit dahinter.

Häufig ist der Auslöser eines krankhaften Brustmilchausflusses ein Prolaktinom. Dieser spezielle Hypophysentumor ist in der Lage, Prolaktin zu produzieren. Er ist einer der am häufigsten vorkommenden Tumore der Hirnanhangsdrüse. In den allermeisten Fällen sind diese Tumore gutartig. Nur sehr selten kommt es zu Hypophysenkrebs. Mediziner unterscheiden je nach Grösse zwischen Mikroprolaktinomen und Makroprolaktinomen.

Auch Medikamente können Galaktorrhoe auslösen. Dazu zählen vor allem

  • Antibabypillen
  • Psychopharmaka
  • Medikament
  • Neuroleptika
  • Opiate
  • einige Blutdruck-Medikamente
  • einige Medikamente zur Magen-Darm-Behandlung
  • Kreislaufmedikamente

Wichtig ist, dass solche Medikamente die Krankheit auslösen können, aber es nur gelegentlich tun.

Daneben führen in selteneren Fällen auch andere Krankheiten zu einer Erhöhung des Prolaktinspiegels und zu Galaktorrhoe. Dazu zählen unter anderem

Auch übermässiger Stress, egal, ob körperlich oder psychisch, kann einen krankhaften Ausfluss aus den Brustwarzen auslösen.

Das Zusammenspiel der Hormone - Stoffwechselstörungen durch und mit Galaktorrhoe

Der menschliche Körper ist ein Wunderwerk. Das zeigt sich nicht zuletzt im Zusammenspiel der Hormone. Sie reagieren auf Reize von aussen und auf Informationen von innen. Ist eine Situation angsteinflössend, schüttet der Körper Adrenalin aus und wir Menschen entwickeln dadurch erstaunliche Kräfte. Auch der monatliche Zyklus einer Frau wird von dem Anstieg und dem Rückgang von Hormonen begleitet. Die Botenstoffe beeinflussen den Stoffwechsel bei den verschiedensten Aufgaben.

Auch das Hormon Prolaktin nimmt im Wechselspiel der Hormone seinen Platz ein. Wenn es ausgeschüttet wird, trägt es unter anderem die Information weiter, dass eine Schwangerschaft vorliegen muss. Bei vielen betroffenen Frauen kommt es daher seltener zu monatlichen Blutungen oder zum kompletten Ausfall der Menstruation. Auch der Eisprung bleibt gegebenenfalls aus. Die Libido, die Lust am Geschlechtsverkehr, geht oft zurück und in manchen Fällen kann es zur Unfruchtbarkeit kommen. Bei Männern treten bei einem hohen Prolaktinwert im Blut gelegentlich Erektionsstörungen auf.

Wenn Sekret nur auf einer der Seiten austritt, deutet das jedoch auf Veränderungen im Milchgang hin. Durch die Milchgänge wird die Muttermilch während der Stillzeit zur Brustwarze geleitet. Kommt es hier zu einer Zysten- oder Polypenbildung bis hin zum Milchgangkrebs, führt dies meist zum Ausfluss aus der betroffenen Brust.

Diagnose - So stellen Ärzte fest, was die Ursache der Galaktorrhoe ist

Wenn Sie einen Ausfluss an ihren Brustwarzen entdecken, ist es dringend notwendig, dass Sie das von einem Arzt abklären lassen. Nur er kann die richtige Diagnose stellen und die entsprechende Behandlung einleiten. Ihr Hausarzt wird Sie gegebenenfalls an einen Spezialisten überweisen.

Vorrangig wird ein Arzt Ihr Blut untersuchen, um festzustellen, ob ein erhöhter Prolaktinspiegel vorliegt. Dabei überprüft er häufig auch die Werte von Östrogen und Gestagen bei Frauen und Testosteron bei Männern. Ihr Arzt wird Sie befragen, welche Medikamente Sie einnehmen. Er kann dadurch feststellen, ob die Galaktorrhoe als Nebenwirkung eines Medikamentes auftritt. Ist der Prolaktinwert in Ihrem Blut zu hoch, wird Ihr Arzt durch eine Computertomographie oder Magnetresonanztomographie überprüfen, ob ein Prolaktinom vorhanden ist.

Sind die Absonderungen nur einseitig, erfolgt in der Regel eine Untersuchung durch Mammographie oder eine Röntgenuntersuchung der Milchgänge mit Kontrastmittel. Auch eine Milchgangsspiegelung oder eine Zelluntersuchung kommen in Betracht.

Mediziner teilen eine Galaktorrhoe in vier verschiedene Grade ein:

  • Bei Grad 1 sind nur wenige Tropfen der Absonderung vorhanden
  • Bei Grad 2 sind mindestens ein Milliliter Flüssigkeit auspressbar
  • Bei Grad 3 erfolgen zeitweise unvorhersehbar auftretende Ausflüsse
  • Bei Grad 4 tritt ein ständiger Milchfluss auf

Behandlung - Wie Sie von Galaktorrhoe geheilt werden

Besonders leicht von einer Galaktorrhoe befreit werden Sie, wenn diese als Nebenwirkung von Tabletten aufgetreten ist. In diesem Fall muss Ihr Arzt lediglich das Medikament austauschen und einen neuen Medikamentenplan mit Ihnen erarbeiten.

Ein erhöhter Proklatinwert im Blut lässt sich leicht mit Medikamenten senken. Häufig lassen die Medikamente, die den Proklatinwert senken, auch einen vorhandenen Tumor schrumpfen. Ein operativer Eingriff ist dann nicht nötig. Nur in sehr seltenen Fällen, wenn Patienten weder auf Medikamente noch auf operative Massnahmen ansprechen, ist eine Bestrahlung des Tumors nötig.

Grundsätzlich sollten Sie mit einem Spezialisten die Risiken und den Nutzen der Behandlungsmöglichkeiten absprechen. So kann es beispielsweise sein, dass eine Frau, die nicht mehr schwanger werden möchte, gut damit leben kann, wenn der Eisprung und die monatliche Blutung ausbleiben. Auch ein Tumor muss nicht zwingend entfernt werden, wenn es sich um ein Mikroprolaktinom handelt. Sollten Sie sich gegen eine Operation entscheiden, ist es aber ratsam, jährlich durch eine Computertomographie oder eine Magnetresonanztomographie überprüfen zu lassen, ob der Tumor gewachsen ist.

Quellen

https://www.msdmanuals.com/de-de/heim/hormon-und-stoffwechselerkrankungen/erkrankungen-der-hirnanhangdr%C3%BCse-hypophyse/galaktorrh%C3%B6
https://www.gynecology-guide.com/gynaekologie/galaktorrhoe/
https://www.endokrinologie.net/prolaktinom.php
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