Blasenerkrankung - Informationen & Spezialisten

26.10.2021
Leading Medicine Guide Redaktion
Autor des Fachartikels
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Entzündliche Prozesse und andere Funktionsstörungen der Harnblase verursachen gesundheitliche Probleme, die mit unangenehmen Beschwerden verbunden sind. Erfahren Sie hier alles Wissenswerte über verbreitete Blasenerkrankungen und ihre Behandlungsmöglichkeiten und finden Sie Spezialisten für die Behandlung von Blasenerkrankungen.

Empfohlene Spezialisten für Blasenerkrankungen

Artikelübersicht

Funktion der Blase

Die Blase (Kurzform für Harnblase) ist ein muskuläres Hohlorgan, das dafür sorgt, dass wir nicht ununterbrochen Wasser lassen müssen. Sie befindet sich im kleinen Becken und liegt auf dem Beckenboden auf. Ähnlich wie ein Ballon ist sie sehr dehnbar und in der Lage, den Urin (auch Harn genannt), der in den Nieren gebildet wird, zu sammeln und zu speichern. Sobald ein bestimmter Füllungsgrad erreicht ist, signalisiert sie uns über das Nervensystem, dass ein Gang zur Toilette ansteht.

Definition und Einteilung von Blasenerkrankungen

Krankheiten, die die normale Funktion der Blase beeinträchtigen, werden unter dem Begriff Blasenerkrankungen zusammengefasst. Die bekanntesten Erkrankungen der Harnblase sind

Symptome und Ursachen

Reizblase

Ein ständiger Druck auf der Blase, unabhängig vom Grad der Füllung, weist auf eine Reizblase hin. Eine Entleerung der Blase lindert den quälenden Harndrang nur kurzfristig. Gelegentlich treten Schmerzen im Unterleib oder beim Wasserlassen (Algurie) auf.

Für eine gereizte Blase gibt es häufig keine eindeutige Ursache. Bei Frauen begünstigen hormonelle Schwankungen in der Schwangerschaft oder der Menopause eine Reizblase. Auch eine Senkung des Beckenbodens kommt als Auslöser in Betracht. Bei Männern kann eine vergrösserte Prostata eine Reizblase zur Folge haben. Unterkühlung stellt eine weitere mögliche Ursache dar. Das Gleiche gilt für psychovegetative Beschwerden wie Nervosität oder Angst.

Inkontinenz

Inkontinenz tritt in unterschiedlichen Formen auf, die ausnahmslos die Lebensqualität der Patienten erheblich beeinträchtigen. Allgemein kennzeichnend für die Inkontinenz, die landläufig auch als Blasenschwäche bezeichnet wird, ist ein unkontrollierbarer Austritt von Urin. Die Dranginkontinenz beispielsweise äussert sich durch einen heftigen Harndrang, der so schlagartig auftritt, dass die Betroffenen es nicht mehr rechtzeitig zur Toilette schaffen.

Die Ursachen für die Inkontinenz sind vielfältig und reichen von Reizungen der Harnwege durch Infekte oder Steinerkrankungen bis hin zu neurologischen Erkrankungen. Inkontinenz betrifft überwiegend ältere Menschen. Bei diesen Patienten verursachen oftmals altersbedingte Veränderungen des Körpers wie eine Erschlaffung der Muskulatur oder eine Veränderung des Bindegewebes die Schwäche der Blase.

Blasenentzündung (Zystitis)

Eine Blasenentzündung macht sich durch einen brennenden Schmerz beim Wasserlassen (Algurie) bemerkbar. Hinzu kommt ein häufiger Harndrang. Der Urin ist getrübt und übelriechend, selbst Beimengungen von Blut sind möglich. Bleibt die Entzündung unbehandelt, kann sie sich über die Harnleiter ausbreiten und die Niere befallen. Schmerzen in den Flanken und Fieber sind Signale, die einen Arztbesuch unumgänglich machen.

Meistens sind Bakterien, die über die Harnröhre vom After in die Blase wandern, die Verursacher einer Blasenentzündung. Auch beim Geschlechtsverkehr können Bakterien in die Harnröhre gelangen. Da die weibliche Harnröhre deutlich kürzer ist als die männliche und ihre Öffnung näher am After liegt, erkranken Frauen viermal häufiger als Männer. Ist die Blasenmuskulatur geschwächt ist, verbleibt ein Restharn in der Blase, der als idealer Nährboden für Bakterien ebenfalls zu den Verursachern einer Blasenentzündung zählt.

Blasensteine

Patienten, die über Dysurie (schmerzhafte, erschwerte Harnentleerung) klagen, leiden möglicherweise unter Blasensteinen. Krampfartige Schmerzen im Unterbauch sind weitere Symptome einer Steinerkrankung.

Blasensteine bilden sich aus Mineralsalzen, die eine zu hohe Konzentration im Urin aufweisen und deshalb nicht mehr löslich sind. In der Folge entstehen kristallartige Gebilde. Übergewicht, eine falsche Ernährung oder eine Störung des Urinabflusses, unter anderem bedingt durch eine vergrösserte Prostata, begünstigen die Entstehung von Blasensteinen.

Blasenerkrankungen treten allgemein auch als Folgeerkrankungen oder Begleiterscheinungen anderer Krankheiten auf. Dazu zählen beispielsweise Diabetes mellitus, Multiple Sklerose oder Parkinson.

Blasenkrebs

Blasenkrebs (auch Blasenkarzinom genannt) ist eine bösartige Tumorerkrankung der Blase. Zu den ersten Anzeichen gehört eine rötliche bis braune Verfärbung des Urins, ein verstärkter Harndrang oder ein Druckgefühl in der Blase. Schmerzen bereitet der Tumor erst in einem fortgeschrittenen Stadium. Blasenkrebs tritt zumeist in einem höheren Alter auf. Männer sind etwa dreimal so häufig betroffen wie Frauen.

Ein Blasenkarzinom entsteht aus entarteten Zellen. Neben erblichen Faktoren sind vor allem krebserregende Stoffe, die durch den Urin ausgeschieden werden, ursächlich für die Erkrankung. Raucher sind deshalb besonders gefährdet. Chronische Blasenentzündungen erhöhen ebenfalls das Risiko.

Untersuchung und Diagnose von Blasenerkrankungen

Wenn Sie eines oder mehrere der vorgenannten Symptome bemerken, konsultieren Sie zunächst Ihren Hausarzt, der Sie bei Bedarf an einen Facharzt für Urologie überweist.

Die Diagnostik richtet sich nach den Symptomen. Eine grundlegende Methode ist die Untersuchung des Urins. Auf diese Weise erfolgt unter anderem die Diagnose einer Blasenentzündung. Ein einfacher Harnstreifentest, der eine erhöhte Anzahl weisser Blutkörperchen und Nitrit (Abbauprodukt von Bakterien) nachweist, bringt Gewissheit.

Zur Abklärung unklarer Befunde stehen weitere Mittel zur Verfügung. Die Blasenspiegelung (Zystoskopie) ist eine ambulante Untersuchung, bei der unter Einsatz eines endoskopischen Instruments Harnröhre und Harnblase von innen betrachtet werden.

Beim Verdacht auf eine Erkrankung der Blase wird auch die Ultraschalluntersuchung (Sonografie) standardmässig zur Diagnose herangezogen.

Behandlung von Blasenerkrankungen

Für die Behandlung der Reizblase oder der Inkontinenz steht je nach genauem Befund ein breites Behandlungsspektrum zur Verfügung. Gute Erfolge werden zum Beispiel durch ein Blasentraining erzielt, das Elemente der Verhaltenstherapie beinhaltet.

Bei hartnäckigen bakteriellen Blasenentzündungen wird Ihnen der Arzt ein Antibiotikum verordnen.

Blasensteine, die nicht von selbst abgehen, werden bei einer Blasenspiegelung entfernt oder zerkleinert. Dazu setzt der Arzt alternativ auch Druckwellen ein. Kleine Steine lassen sich mithilfe von Medikamenten auflösen oder ausspülen, unterstützt durch eine erhöhte Flüssigkeitszufuhr. Eine offene Operation ist nur selten erforderlich. In jedem Fall wird der Arzt die Ursachen der Blasensteine behandeln, um neue Steinbildungen zu verhindern.

Oberflächlich wachsende Blasenkarzinome trägt der Arzt bei einer Blasenspiegelung ab. Im fortgeschrittenen Stadium ist die Heilung aber nur über eine vollständige Entfernung der Harnblase, eventuell in Kombination mit einer Chemotherapie, möglich. Die Patienten erhalten im Anschluss einen künstlichen Blasenersatz.

Das Ziel der Therapie von Blasenerkrankungen ist stets, die Beschwerden zu lindern und die Ursachen zu bekämpfen. Die ärztliche Behandlung führt in den meisten Fällen zu einer schnellen Besserung und Heilung der Blasenerkrankung. Eine Früherkennung ist die beste Voraussetzung dafür. Nutzen Sie deshalb die Möglichkeiten der gesetzlichen Vorsorgeuntersuchungen. Achten Sie zudem auf eine ausgewogene Ernährung und vermeiden Sie ihrer Blase zuliebe Übergewicht, Rauchen und übermässigen Alkoholkonsum.

Quellen

Deutsche Gesellschaft für Urologie e.V. - urologenportal.de
Manski D. - urologielehrbuch.de
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