Beckenbodensenkung | Spezialisten und Informationen

22.09.2020
Dr. rer. nat. Marcus Mau
Autor des Fachartikels

Die Beckenbodenschwäche betrifft in der Mehrzahl Frauen, die durch Geburten, falsches Heben von Lasten oder aufgrund ungesunder Lebensführung unter diesem Krankheitsbild leiden.

In der Folge kann es zu Harn- und Stuhlinkontinenz kommen, oder Organe aus dem Beckenraum, wie beispielsweise die Gebärmutter oder die Harnblase, können sich soweit absenken, dass sie aus dem Scheidenbereich hervortreten. Mediziner sprechen dann von der Beckenbodensenkung oder einem Prolaps. Doch wie lässt sich die Beckenbodensenkung behandeln und und ihr vorbeugen?

ICD-Codes für diese Krankheit: N81.8

Empfohlene Spezialisten

Kurzübersicht:

  • Anatomie: Der Beckenboden ist der untere Bereich des Beckenkanals. Die hier befindliche Beckenbodenmuskulatur stützt und stabilisiert die inneren Organe.
  • Was ist eine Beckenbodensenkung? Durch geschwächte oder geschädigte Beckenbodenmuskulatur können sich die inneren Organe weiter nach unten verlagern oder sogar aus der Scheide hervortreten.
  • Risikofaktoren: Durch Schwangerschaft, Geburt, hohes Übergewicht, schweres Heben oder eine Bindegewebsschwäche wird die Beckenbodenmuskulatur geschwächt.
  • Symptome: Fremdkörpergefühl in der Scheide, unvollständiges Entleeren von Blase oder Darm, Blasenschwäche, Blasenentzündungen, Harninkontinenz.
  • Behandlung: Mittels Beckenbodentraining kann die Region gestärkt werden. Bessern sich dadurch die Symptome nicht, kommt eine OP in Betracht.
  • Vorbeugung: Präventives Beckenbodentraining kann dabei helfen, eine Beckenbodensenkung zu vermeiden. Ein gesundes Körpergewicht und der Verzicht auf das Heben schwerer Lasten mindert das Risiko weiter.
  • Fachärzte: Bei der Diagnose und Behandlung einer Beckenbodensenkung sind Fachärzte der Gynäkologie, Urologie und Inneren Medizin beteiligt.

Artikelübersicht

Wo befindet sich der Beckenboden?

Als Beckenboden wird der untere Bereich des Beckenkanals bezeichnet. Hier bildet die sogenannte Beckenbodenmuskulatur die Basis, um die inneren Bauch- und Beckenorgane nach unten hin abzusichern und in ihrer Lage zu stabilisieren.

Darüber hinaus ist die Muskulatur des Beckenbodens besonders wichtig für die Kontinenz, da sie die Schliessmuskeln für die Harnblase und den After in deren Arbeit unterstützt.

Wie entsteht eine Beckenbodensenkung?

Der Beckenboden als muskuläre Struktur kann durch Schwangerschaft, Geburt, schweres Heben und auch durch starkes Übergewicht geschwächt sein und nimmt dadurch Schaden. Doch ebenso führt eine erbliche Bindegewebsschwäche häufig zur Beckenbodensenkung.

Der geschwächte Beckenboden ist nicht länger in der Lage, seine Aufgabe vollumfänglich wahrzunehmen, sodass es anfangs meist zu ersten Problemen mit der Harnkontinenz kommt. Nachtröpfeln oder sogar Harninkontinenz treten auf.

Im weiteren Verlauf der Erkrankung senkt sich die Scheide ab und zieht dadurch weitere Beckenorgane mit, wie beispielsweise die Gebärmutter oder die Harnblase – Ärzte bezeichnen dies schliesslich als Prolaps oder Beckenbodensenkung.

Welche Symptome treten bei einer Beckenbodensenkung auf?

Eine Beckenbodensenkung kann je nach dem Schweregrad zu unterschiedlichen Symptomen führen. Häufig kommt es zu einem Fremdkörpergefühl in der Scheide, sowie zur unvollständigen Entleerung von Harnblase oder Mastdarm.

Blasenschwäche und wiederkehrende Blasenentzündungen werden ebenso beschrieben. Eine Harninkontinenz entwickelt sich meist aufgrund der Beckenbodenschwäche.

Werden die Symptome zu zahlreich oder beeinträchtigen sie die Betroffenen im Alltag stark, so wird ihnen in der Regel zur Operation geraten.

Gebärmuttersenkung

Gebärmuttersenkung infolge einer Beckenbodensenkung © Henrie #59249822 | AdobeStock

Diagnose Beckenbodensenkung

Für die Diagnostik einer Beckenbodensenkung ist zum einen die Anamnese (Krankheitsgeschichte) sehr entscheidend, denn sie gibt erste Hinweise auf die Erkrankung. Bestehen z. B. Beschwerden beim Wasserlassen (Harninkontinenz), Schmerzen beim Sex oder generelle Schmerzen im Bereich des Beckenbodens?

Die körperliche Untersuchung umfasst schliesslich die vaginale und rektale Untersuchung. Dabei können Störungen der Reflexe im Beckenboden oder im Analbereich nachgewiesen werden, ebenso wie Inkontinenz unter Pressen oder Husten.

Ergänzt wird die Diagnostik durch die Urodynamik oder eine Blasenspiegelung (Zystoskopie), um Miktionsbeschwerden und Inkontinenz nachzuweisen. In schweren Fällen stehen weitere bildgebende Verfahren zur Verfügung, wie beispielsweise das Miktionszysturethrogramm oder ein dynamisches Beckenboden-MRT.

Ist die Beckenbodensenkung behandelbar?

Wenn es die Symptome erfordern, sollte eine Beckenbodensenkung auch behandelt werden. Jedoch steht die operative Korrektur nicht im Vordergrund. Vielmehr wird primär versucht, den Beckenboden mithilfe eines gezielten Beckenbodentrainings zu schulen und zu stärken.

Dabei können sogenannte Biofeedback-Geräte eingesetzt werden, mit deren Hilfe, Betroffene lernen, den Beckenboden zu lokalisieren und gezielt für die Übungen ansprechen zu können. Häufig ist es nämlich eher so, dass viele Frauen – und auch Männer – nicht einmal wussten, dass der Beckenboden überhaupt eine Muskulatur besitzt, die trainiert werden kann.

Reicht das Training allein nicht aus oder ist die Beckenbodensenkung bereits zu weit fortgeschritten, bleibt lediglich die Operation als Therapieoption übrig. Allen verfügbaren Eingriffen gemeinsam ist, dass die abgesenkten Beckenorgane wieder zurückverlegt und in ihrer Position befestigt werden. Je nach Art des Eingriffes unterscheiden die ÄrztInnen:

  • Die vordere Scheidenplastik kommt vor allem bei einer Blasensenkung zum Einsatz. Um die Blase anzuheben und zu fixieren, wird das Bindegewebe, das die Blase umgibt, gestrafft.

  • Die hintere Scheidenplastik wird hingegen bei einer Mastdarmsenkung angewendet.

  • Bei der Sakrokolpopexie (Sakropexie) handelt es sich indes um eine Möglichkeit, eine Beckenbodensenkung mit nach unten verlagerter Gebärmutter zu korrigieren. Scheide und Gebärmutterhals werden dabei wieder nach innen geschoben und mithilfe eines Netzes in Position am Kreuz- oder Steissbein fixiert. Der Vorteil dieser Methode: Die Gebärmutter bleibt erhalten und muss nicht entfernt werden.

  • Die sakrospinale Fixation stellt eine Alternative Operation dar, bei der die Scheide an Sehnen des Beckens befestigt wird.

Beckenbodensenkung vorbeugen

Vorbeugen lassen sich Beckenbodenschwäche und Beckenbodensenkung insbesondere durch ein präventives Beckenbodentraining bzw. Beckenbodengymnastik unter erfahrener Anleitung eines Therapeuten.

Ferner empfiehlt es sich natürlich auch, ein gesundes Körperwicht zu halten sowie wiederholtes Heben schwerer Lasten zu vermeiden.

Welche Experten behandeln Beckenbodensenkungen?

Beckenbodensenkungen gehören zum Aufgabengebiet der Frauenheilkunde (Gynäkologie), berühren aber ebenso die Urologie und die Innere Medizin. Achten Sie bei der Suche nach geeigneten Fachärzten oder Kliniken auf die Erfahrung mit dem Krankheitsbild „Beckenbodensenkung“.

Erfahren Sie mehr zu unserem Auswahlverfahren

Die Qualitätssicherung des Leading Medicine Guide wird durch 10 Aufnahmekriterien sichergestellt. Jeder Arzt muss mindestens 7 davon erfüllen.

  • Mindestens 10 Jahre Operations- und Behandlungserfahrung
  • Beherrschung moderner diagnostischer und operativer Verfahren
  • Repräsentative Anzahl an Operationen, Behandlungen und Therapien
  • Herausragender Behandlungsschwerpunkt innerhalb des eigenen Fachbereiches
  • Engagiertes Mitglied einer führenden nationalen Fachgesellschaft
  • Leitende berufliche Position
  • Aktive Teilnahme an Fachveranstaltungen (z.B. Vorträge)
  • Aktiv in Forschung und Lehre
  • Ärzte- und Kollegenakzeptanz
  • evaluatives Qualitätsmanagement (z.B. Zertifizierung)
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