Schilddrüsenkrebs - Symptome, Ursachen, Behandlung | Finden Sie den richtigen Arzt

30.03.2021
Prof. Dr. med. Ulrich Mittelkötter
Medizinischer Fachautor

Schilddrüsenkrebs ist eine relativ seltene, bösartige Tumorerkrankung der Schilddrüse. In Deutschland erkranken etwa 5.000 bis 6.000 Menschen pro Jahr, wobei Frauen häufiger betroffen sind als Männer. Beschwerden treten erst spät im Krankheitsverlauf auf. Die teilweise oder auch vollständige operative Entfernung der Schilddrüse und, wenn erforderlich, der Lymphknoten am Hals ist die wichtigste Behandlungsoption. Im Anschluss erfolgt häufig noch eine Radiojodtherapie. In bis zu 90 Prozent der Fälle ist eine Heilung möglich; bei den zumeist weniger aggressiven Tumorformen in über 95 Prozent der Fälle.

Hier finden Sie alle Informationen über die Symptome, Ursachen, Diagnose und Therapie sowie empfohlene Spezialisten für die Behandlung von Schilddrüsenkrebs.

ICD-Codes für diese Krankheit: C73

Empfohlenen Spezialisten für Schilddrüsenkrebs

Kurzübersicht:

  • Was ist Schilddrüsenkrebs? Schilddrüsenkrebs ist eine bösartige Tumorerkrankung an der Schilddrüse, die relativ selten auftritt.
  • Formen: Schilddrüsenkrebs wird in vier verschiedene Typen unterteilt, die von dem Gewebe abhängen, von dem der Tumor ausgeht. Je nach Form unterscheidet sich auch der Verlauf sowie die Behandlung und Prognose der Erkrankung deutlich.
  • Ursachen: Die genauen Ursachen für Schilddrüsenkrebs sind bislang nicht geklärt. Angenommen wird eine genetische Veranlagung, aber auch Strahlungsdosen, etwa durch Röntgenuntersuchungen oder radioaktive Exposition, können die Tumorbildung begünstigen.
  • Diagnose: Eine Blutuntersuchung oder häufig die Routine-Ultraschalluntersuchung beim Hausarzt gibt erste Hinweise. Bei Tumorverdacht nach Abtasten der Schilddrüse folgt eine gezielte Ultraschalluntersuchung der Schilddrüse vom Spezialisten sowie ggf. eine Schilddrüsenszintigraphie und die Untersuchung von Gewebeproben.
  • Behandlung: Die wichtigste Behandlungsoption ist die teilweise oder vollständige Entfernung der Schilddrüse bzw. die Knotenentfernung mit Untersuchung des entnommenen Gewebes durch einen Pathologen. Eine abgestufte Operation anhand des Befundes wird so möglich. Eine Radiojodtherapie sowie eine Hormontherapie schliesst sich häufig an, ggf. selten unterstützt von einer Bestrahlung. Eine Chemotherapie kommt nur bei fortgeschrittenem Stadium in speziellen Fällen zum Einsatz.
  • Prognose: Je früher Schilddrüsenkrebs erkannt wird, desto besser die Prognose. Bis zu 90 Prozent und mehr in Abhängigkeit des Tumortyps aller Patienten können geheilt werden. Hat der Tumor jedoch bereits metastasiert, sinkt die 5-Jahres-Überlebensrate beträchtlich.

Artikelübersicht

Definition: Was ist Schilddrüsenkrebs?

Bei Schilddrüsenkrebs handelt es sich um eine seltene, bösartige Krebserkrankung, die durch entartete Zellen der Schilddrüse entsteht. Aber nicht jede Veränderung an der Schilddrüse ist auch eine bösartige Krebserkrankung. Die meisten Vergrösserungen der Schilddrüse sind auf einen Jodmangel zurückzuführen. Auch bei Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose)Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) oder gutartigen Zysten kann es zu einer Schilddrüsenvergrösserung (Kropf, Struma) kommen. Nur in seltenen Fällen handelt es sich tatsächlich um Schilddrüsenkrebs, den Mediziner auch als Schilddrüsenkarzinom oder Struma maligna („bösartiger Kropf“) bezeichnen.

Schilddrüsenvergrösserung Struma

Bei Schilddrüsenkrebs kann es zu einer Schilddrüsenvergrösserung (Struma) kommen © amazing studio | AdobeStock

Welche Typen von Schilddrüsenkrebs gibt es?

Mediziner unterscheiden beim Schilddrüsenkarzinom, je nach Gewebe, von dem der Tumor ausgeht, vier verschiedene Typen. Diese unterscheiden sich auch hinsichtlich ihrer Aggressivität, dem Verlauf und damit der Prognose:

  1. Das papilläre Schilddrüsenkarzinom ist der häufigste bösartige Tumor der Schilddrüse, dessen Altersgipfel zwischen 40 und 50 Jahren liegt. Die Heilungschancen sind sehr gut. Dieser Tumor bildet manchmal nicht nur einen Knoten, sondern mehrere Tumorherde in der Schilddrüse. Die Absiedlung von Tumorzellen geschieht primär über den Lymphweg.
  2. Das follikuläre Schilddrüsenkarzinom, das von den Follikelzellen ausgeht, kommt häufig im Alter zwischen 50 und 60 Jahren vor. Es ist ebenfalls sehr gut behandelbar. Dieser Tumor bildet meist nur einen einzelnen Knoten.
  3. Das anaplastische Schilddrüsenkarzinom ist selten, hat einen Altersgipfel jenseits der 60 Jahre, wächst sehr schnell und bildet bereits früh Metastasen.
  4. Das medulläre Schilddrüsenkarzinom (C-Zell-Karzinom), das von den Calcitonin-produzierenden C-Zellen ausgeht, ist ebenfalls deutlich seltener. Es wächst zwar langsam, befällt aber früh die Lymphknoten des Halses und später dann auch andere Organe.
Schilddrüsenkrebs

Das papilläre Schilddrüsenkarzinom kommt am häufigsten vor © bilderzwerg | AdobeStock

Häufigkeit von Schilddrüsenkrebs

Schilddrüsenkrebs gehört zu den seltenen bösartigen Tumorerkrankungen. So belegt das Schilddrüsenkarzinom bei Männern Platz 15 und bei Frauen Platz 14 der häufigsten Krebsneuerkrankungen. Das mittlere Erkrankungsalter liegt bei 55 Jahren, wobei Frauen mehr als doppelt so häufig an Schilddrüsenkrebs erkranken wie Männer. In Deutschland erkranken pro Jahr zwischen 5000 und 6000 Menschen an Schilddrüsenkrebs. Etwa 700 bis 800 Menschen sterben daran. Damit sind 0,2 bis 0,3 Prozent der krebsbedingten Todesfälle durch Schilddrüsenkrebs bedingt. Weltweit nimmt die Häufigkeit von Schilddrüsenkrebs in allen Altersklassen zu.

Entstehung von Schilddrüsenkrebs

Das Schilddrüsenkarzinom ist die Folge entarteter Schilddrüsenzellen. Zu den Zellen, die beim Schilddrüsenkrebs entarten können, gehören

  • Zellen, die Schilddrüsenhormone bilden, und
  • sogenannte C-Zellen, die um die schilddrüsenhormonbildenden Zellgruppen gelagert sind und das Hormon Calcitonin bilden.

Die Gewebeart ist für die Behandlung und Prognose von Schilddrüsenkrebs von grosser Bedeutung. Ein besonderes Augenmerk erfordern dabei knotige Schilddrüsenveränderungen. Sie stellen sich in der szintigraphischen Diagnostik als „kühle oder kalte Knoten“ (funktionsarmes oder funktionsloses Schilddrüsengewebe) dar und stehen gehäuft im Zusammenhang mit einem Schilddrüsenkrebs. Die Ultraschalluntersuchung bildet die Knoten, die ein erhöhtes Risikopotenzial besitzen, oftmals wenig echogen dar.

heisse und kalte Knoten - Schilddrüse

Bei sogenannten "kalten Knoten" ist eine nähere Untersuchung notwendig © bilderzwerg | AdobeStock

Schilddrüsenkrebs kann wie jeder bösartige Tumor in umliegendes Gewebe einwachsen. Ausserdem können sich Tochtergeschwülste (Metastasen) bilden. Sie entstehen durch Tumorzellstreuung über die Lymphgefässe in umgebende Lymphknoten und über die Blutbahn bevorzugt in Lunge (Lungenmetastasen) und Knochen.

Das medulläre Schilddrüsenkarzinom kann in 1/4 bis 1/3 der Fälle familiär gehäuft auftreten und zusätzlich mit der Neubildung von Tumoren des Nebennierenmarks sowie der Nebenschilddrüsen vergesellschaftet sein.

Ursachen von Schilddrüsenkrebs

Die Ursachen von Schilddrüsenkrebs sind bislang nicht eindeutig geklärt. Da es in manchen Familien gehäuft zu einem Karzinom der Schilddrüse kommt, gehen die Schilddrüsenspezialisten davon aus, dass insbesondere beim medullären Typ eine genetische Veranlagung existiert.

Einen weiteren Risikofaktor stellt energiereiche Strahlung dar, wie sie beispielsweise bei der Röntgenuntersuchung auftritt. Als besonders problematisch gilt beispielsweise die Röntgenbestrahlung des Halsbereiches im Kindesalter. Auch nach der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl stellten Wissenschaftler in den besonders betroffenen Gebieten einen Zusammenhang zwischen der Intensität der Strahlung und der Häufung von Schilddrüsenkrebs bei Kindern fest.

Eine Vergrösserung der Schilddrüse (Struma, auch Kropf genannt) ist allein betrachtet kein Risikofaktor für eine Krebsentstehung. Erst bei bestimmten Veränderungen des Gewebes oder Knotenbildungen ist spezielles ärztliches Handeln erforderlich.

Symptome von Schilddrüsenkrebs

Im Anfangsstadium verursacht Schilddrüsenkrebs meist keine Beschwerden. Eine sofortiger Arztbesuch ist empfehlenswert, wenn eine Schilddrüsenvergrösserung (Struma, Kropf) innerhalb weniger Wochen entsteht und sich sehr derb anfühlt. Das gleiche gilt, wenn eine lange bestehende Struma plötzlich weiterwächst. Eine Zunahme des Halsumfanges lässt sich durch eine Messung feststellen. Meist fällt auf, dass sich der oberste Hemd- oder Blusenknopf nicht mehr schliessen lässt. Auch tastbare derbe Knoten im Halsbereich sind ein mögliches Symptom. Dies können Lymphknotenvergrösserungen sein.

Schilddrüsenvergrösserung

Eine Schilddrüsenvergrösserung und tastbare Knoten sind mögliche Symptome von Schilddrüsenkrebs © medistock | AdobeStock

In den meisten Fällen ist eine ärztliche Abklärung notwendig, um eine gutartige Struma von einem bösartigen Schilddrüsenkrebs zu unterscheiden. Einige Beschwerden erklären sich aus der Lage der krankhaft veränderten Schilddrüse auf der Luftröhre und der Nähe zum Kehlkopf, der Speiseröhre und dem Stimmbandnerv, der hinter der Schilddrüse verläuft. So muss ein Druckgefühl im Hals, Schluckbeschwerden, eine Luftnot oder Hustenreiz nicht zwangsläufig eine bösartige Erkrankung erklären. Eine sofortige Arztvorstellung sollte bei einer plötzlichen Heiserkeit erfolgen, um die Ursache dieses Symptoms abzuklären.

Diagnose von Schilddrüsenkrebs

Wie bei jeder Krebserkrankung ist auch bei Schilddrüsenkrebs eine frühzeitige Erkennung und Therapie wichtig und eine wesentliche Voraussetzung für gute Heilungschancen. Zunächst erhebt der Arzt im Rahmen eines Anamnesegesprächs Ihre Krankengeschichte. Wichtig sind dem Arzt Ihre Schilderung der Beschwerden und deren Dauer. Sehr nützlich sind Informationen zu Krebserkrankungen in Ihrer Familie oder eventuellen Belastungen mit ionisierender Strahlung aus der Kindheits- und Jugendzeit. Zu den Untersuchungsmethoden zur Abklärung von Schilddrüsenkrebs gehören:

  • Tastuntersuchung des Halses
  • Ultraschalluntersuchung der Schilddrüse
  • Szintigrafie der Schilddrüse
  • Laboruntersuchungen
  • Bildgebende Untersuchungsverfahren (Röntgen, CT, MRT)
  • Feinnadelbiopsie
  • genetische Analyse

Tastuntersuchung des Halses

Der Arzt ertastet mit den Fingern beider Hände die Schilddrüse. Dabei erhält er erste Informationen zur Grösse und Oberfläche des Organs. Wichtig sind dabei die Prüfung der Schluckverschieblichkeit der Schilddrüse sowie eine Aussage, ob sich die Knoten besonders derb anfühlen. Zudem tastet der Arzt die Halsregion nach auffälligen tastbaren Lymphknoten ab.

Ultraschalluntersuchung der Schilddrüse

Besteht nach Abtasten der Schilddrüse der Verdacht auf einen Tumor, führt der Arzt im nächsten Schritt eine Ultraschalluntersuchung der Schilddrüse durch. Die Ultraschalluntersuchung gibt Informationen zur Lage, Grösse und Begrenzung der Schilddrüse und eventuellen Knoten in der Schilddrüse. Da Gewebeveränderungen das Ultraschallsignal unterschiedlich reflektieren, lassen sich über die Information „echoarm“ oder „echoreich“ erste Aussagen zu den krankhaften Veränderungen treffen. Eine definitive Klärung der Gut- oder Bösartigkeit der Knoten ist mit dieser Methode noch nicht möglich.

Unterschalluntersuchung der Schilddrüse

Untersuchung der Schilddrüse mittels Ultraschall © Alexander Raths | AdobeStock

Szintigrafie der Schilddrüse

Mit der Schilddrüsenszintigraphie lassen sich kalte und heisse Knoten unterscheiden. Hierfür verabreicht der Arzt eine schwach radioaktive Substanz (Technetium). Diese reichert sich im Schilddrüsengewebe an und gibt eine Aussage zur Stoffwechselaktivität. Knotige Areale mit reduzierter oder ohne Stoffwechselaktivität sind „kalte Knoten“ und erfordern eine besondere Kontrolle bzw. Abklärungspflicht. Auch eine zusätzliche weitere spezielle Szintigraphie (MiBi) kann zur besseren Einordnung der verdächtigen Bezirke beitragen.

Laboruntersuchung

Eine Blutuntersuchung auf Schilddrüsenhormone, insbesondere Triiodthyronin (T3) und Tetraiodthyronin / Thyroxin (T4), gibt bereits erste Hinweise auf eine Erkrankung der Schilddrüse und eine Aussage zur Aktivität der Schilddrüse.

Nur für eine Form des Schilddrüsenkarzinoms steht ein Tumormarker (Calcitonin) zur Verfügung, der die frühzeitige Erkennung dieser Tumorart ermöglicht. Gegebenenfalls schliesst sich noch ein Spezialtest zur Kontrolle dieses Wertes an. Die meisten Formen von Schilddrüsenkrebs sind jedoch nicht durch Laboruntersuchungen feststellbar.

Tastuntersuchung und Blutuntersuchung Schilddrüse

Tastuntersuchung der Schilddrüse und Blutuntersuchung auf Schilddrüsenhormone © Peakstock | AdobeStock

Bildgebende Untersuchungsverfahren

Mithilfe bildgebender Verfahren kann der Arzt bei entsprechender Notwendigkeit zusätzliche Informationen zum Karzinom erhalten:

  • Eine Röntgenaufnahme der Luftröhre- oder Speiseröhre gibt Auskunft über eine Einengung dieser Strukturen durch den Tumor.
  • Die Röntgenaufnahme des Brustkorbes gibt Auskunft über das Wachstum der Schilddrüse in den oberen Brustkorbbereich. Ausserdem dient sie bei Tumornachweis der Suche nach Tochtergeschwülsten in der Lunge.
  • Mit Spezialuntersuchungen, wie Computertomographie und Magnetresonanztomographie, erhält der Arzt bei grossen Tumoren detaillierte Informationen zum Einwachsen in umgebende Strukturen. Dies ist für die Therapieentscheidung wichtig.

Feinnadelbiopsie

Die Feinnadelbiopsie dient der Untersuchung des Gewebes auf bösartige Tumorzellen hin. Dabei punktiert der Arzt unter Ultraschallsicht verdächtige "kalte Knoten", um Zellen zur mikroskopischen Untersuchung zu gewinnen. In einigen Fällen lässt sich damit schon vor der Operation die Art des Schilddrüsenkrebses bestimmen. Dennoch hat diese Methode Grenzen, so dass nicht jede Untersuchung einen Schilddrüsenkrebs nachweisen oder sicher ausschliessen kann. In diesen Fällen erfolgt die endgültige histologische Untersuchung nach der operativen Entfernung der verdächtigen Schilddrüse.

Feinnadelbiopsie der Schilddrüse

Feinnadelbiopsie der Schilddrüse zur Gewinnung einer Gewebeprobe für die anschliessende mikroskopische Untersuchung © bilderzwerg | AdobeStock

Genetik

Handelt es sich um ein medulläres Schilddrüsenkarzinom, ist durch eine genetische Analyse (Nachweis der RET-Protoonkogen-Mutation) eine Aussage zur familiären Häufung und der Notwendigkeit der Untersuchung von Familienmitgliedern möglich. Ausserdem lassen sich mit dieser Analyse Informationen zum Zusammenhang dieser speziellen Schilddrüsenkrebs-Erkrankung mit anderen Erkrankungen, wie Tumoren des Nebennierenmarkes bzw. der Nebenschilddrüse gewinnen.

Behandlung von Schilddrüsenkrebs

Für die Behandlung von Schilddrüsenkrebs stehen mehrere Therapien zur Verfügung. Die wichtigste Behandlungsoption für Schilddrüsenkrebs stellt die operative Entfernung der Schilddrüse dar (Thyreoidektomie). Im Rahmen dieser Schilddrüsenoperation entfernt der Chirurg in der Regel auch die Lymphknoten des Halses.

Schilddrüsenoperation

Im Rahmen einer Operation wird ein Teil der Schilddrüse oder diese vollständig entfernt © Bergringfoto | AdobeStock

Wenn die histologische Untersuchung des entfernten Gewebes bestätigt, dass es sich um einen bösartigen Tumor handelt, folgt ggfs. noch zusätzlich einige Wochen später eine Radiojodtherapie. Dabei reichert sich radioaktives Jod im etwaig verbliebenen Schilddrüsengewebe an, wodurch dieses abstirbt. Dieses Behandlungskonzept stellt die häufigste Therapieform bei einem Karzinom der Schilddrüse dar und ist sehr erfolgreich.

Da durch die Entfernung der Schilddrüse dem Körper wichtige Hormone fehlen, schliesst sich eine medikamentöse Hormontherapie an. Die zugeführten Schilddrüsenhormone, wie L-Thyroxin, ersetzen nun die Schilddrüsenfunktion. 

Eine Bestrahlung bei Schilddrüsenkrebs kommt dann infrage, wenn im Körper noch Reste von Tumorgewebe verblieben sind, die weder einer Radiojodtherapie noch einer Operation zugänglich sind.

Das Schilddrüsenkarzinom ist meist nicht empfänglich für eine Chemotherapie. Die Chemotherapie kommt daher nur für das fortgeschrittene Stadium von Schilddrüsenkrebs, d.h. wenn bereits Metastasen vorliegen, in Betracht.

Unterschiedliche Behandlungskonzepte je nach Form des Schilddrüsenkrebs

Welche Therapien bei Schilddrüsenkrebs zum Einsatz kommen, hängt grundsätzlich auch davon ab, um welchen Typ von Schilddrüsenkrebs es sich handelt.

Papilläres Schilddrüsenkarzinom

Dies ist die häufigste Form von Schilddrüsenkrebs. Es können in der Schilddrüse ein oder mehrere Herde nachgewiesen auftreten. Sollte dieser Tumor Tochtergeschwülste bilden, so erfolgt dies zuerst über die Lymphbahnen in die umgebenden Lymphknoten. Das papilläre Schilddrüsenkarzinom hat die besten Heilungschancen (Zehn-Jahres –Überlebensrate ca. 93 Prozent).

Aufgrund der Kenntnisse zur Tumorbiologie ist bei dieser Art von Schilddrüsenkrebs bei einem einzelnen kleinen Tumor (bis 1cm Grösse, genannt Mikrokarzinom) nicht die vollständige Schilddrüsenentfernung und Entfernung der Halslymphknoten erforderlich.

Schilddrüsenentfernung

Die teilweise oder vollständige Entfernung der Schilddrüse © bilderzwerg | AdobeStock

Bei grösseren Tumoren oder Nachweis mehrerer Tumoren besteht die Therapie aus

  • der operativen Entfernung der gesamten Schilddrüse mit der Entfernung der Halslymphknoten zwischen den beiden schrägen Halswendermuskeln und
  • nachfolgender Radiojodtherapie.

Ist der Krebsbefund ein Zufallsbefund nach einer normalen Schilddrüsenoperation, so erfolgt schnellstmöglich die Nachoperation.

Follikuläres Schilddrüsenkarzinom

Diese Form von Schilddrüsenkrebs ist ebenfalls häufig. Auch hier gibt es sehr gute Heilungschancen (Zehn-Jahres-Überlebensrate ca. 85 Prozent). Dies ist jedoch von einer weiteren Unterteilung in spezielle Untergruppen dieser Form von Schilddrüsenkrebs abhängig. Bevorzugt treten Krebsabsiedlungen über den Blutweg in Lunge und Knochen auf, aber auch Lymphknoten können befallen sein.

Nach neuen Erkenntnissen ist auch bei dieser Krebsform in einer bestimmten Subgruppe bei Nachweis eines „Mikrokarzinom“ keine ausgedehnte Schilddrüsenentfernung und Lymphknotenentfernung erforderlich. Standardtherapie für alle anderen Tumoren ist auch hier

  • die vollständige Schilddrüsenentfernung mit den umgebenden Halslymphknoten sowie
  • die nachfolgende Radiojodtherapie.

Anaplastisches Schilddrüsenkarzinom

Dieser seltene Schilddrüsenkrebs ist sehr bösartig und tritt eher bei älteren Patienten auf. Aufgrund des sehr schnellen Tumorwachstums in die Umgebung sowie der Tochtergeschwülste ist eine heilende operative Behandlung nicht immer möglich. Zur Vermeidung von Komplikationen durch das Karzinom erfolgt eine Strahlentherapie.

Medulläres Schilddrüsenkarzinom

Diese Form von Schilddrüsenkrebs ist selten. Sie ist die einzige Krebsform, für die ein Tumormarker (Calcitonin) zur Verfügung steht, der sich durch eine Blutabnahme bestimmt lässt. Da sich diese Krebsart aus den sogenannten C-Zellen bildet, ist hier wegen fehlender Speicherung von Jod auch keine Radiojodtherapie möglich. Daher stellt die Operation die Methode der Wahl dar.

Aufgrund der frühzeitigen Lymphknotentochtergeschwülste ist neben der vollständigen Schilddrüsenentfernung noch eine umfangreichere Entfernung von Halslymphknoten und in einigen Fällen von Lymphknoten im Brustkorbbereich erforderlich. Nur bei fortgeschrittenen Tumoren werden umgebende Organe mitentfernt.

Die durchschnittliche Zehn-Jahres-Überlebensrate liegt bei 75 Prozent. Ausschlaggebend für die Prognose sind die schilddrüsenüberschreitende Tumorausbreitung und der Nachweis bzw. das Fehlen von Tochtergeschwülsten.

Bei dieser Form von Schilddrüsenkrebs ist eine genetische Analyse erforderlich. Sie dient der Abklärung, inwieweit eine familiäre Häufung bzw. die Kombination mit anderen Erkrankungen vorliegt. Die Behandlung von betroffenen Familienangehörigen erfolgt durch ein individualisiertes Therapiekonzept. Dieses richtet sich nach der speziell festgestellten genetischen Veränderung.

Heilungschancen bei Schilddrüsenkrebs

Der Verlauf und die Heilungsaussicht von Schilddrüsenkrebs hängen in erster Linie von der Form und der vorliegenden initialen Ausbreitung des Schilddrüsenkrebses ab. Ausserdem gilt die allgemeine Regel in der Krebsbehandlung: je früher ein Karzinom festgestellt und behandelt wird, desto besser sind die Heilungsaussichten. Der Befall der Lymphknoten scheint nur einen geringen Einfluss auf die Prognose zu haben. 

Bei den häufigsten Formen von Schilddrüsenkrebs (papilläres und follikuläres Karzinom) bestehen nach Durchführung des Behandlungskonzeptes von Operation und Radiojodtherapie in der Regel sehr gute Heilungsaussichten. Da das papilläre Karzinom und das follikuläre Karzinom selten metastasieren, können diese Patienten in 80 bis 90 Prozent der Fälle vollständig geheilt werden. 

Wird das medulläre Karzinom früh erkannt, sind die Heilungschancen ähnlich gut, bei Metastasen liegt die 5-Jahres-Überlebensrate bei 50 bis 60 Prozent.

Schwierig gestaltet sich die Heilung und Prognose bei den sehr schnell und sehr aggressiv wachsenden anaplastischen Schilddrüsenkarzinomen. Hier beträgt die 5-Jahres-Überlebensrate unter 10 Prozent.

Welche Fachärzte und Spezialkliniken behandeln Schilddrüsenkrebs?

Ein Schilddrüsenspezialist ist ein Facharzt der Onkologie, der in einem interdisziplinären Team mit Fachärzten anderer Gebiete (z.B. Endokrine Chirurgie, Nuklearmedizin) die Behandlung plant und durchführt. Patienten sollten sich in spezialisierten Kliniken für Schilddrüsenkrebs behandeln lassen. Dort ist eine hohe Qualität der Behandlung gewährleistet. Ausserdem können Patienten ggf. durch die Teilnahme an klinischen Studien von den neuesten Therapien profitieren.

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