Als Nervenkrebs werden in der Medizin alle Tumorerkrankungen bezeichnet, die das Zentralnervensystem oder das autonome Nervensystem betreffen. Häufigster Tumor des Nervensystems bei Kindern ist das sogenannte Neuroblastom. Es handelt sich hierbei um eine bösartige Neubildung im Bereich des sympathischen / autonomen Nervensystems.

ICD-Codes für diese Krankheit: C47

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Was ist Nervenkrebs?

Bei einer Krebserkrankung des Nervensystems entartet Nervengewebe oder Stützgewebe, das im Bereich der Nerven vorkommt. Zu den Nerventumoren gehören unter anderem das Glioblastom, das Astrozytom, das Ependymom, das Neurozytom und das Neuroblastom. Bei Kindern ist das Neuroblastom mit einer Häufigkeit von 7 bis 8 Prozent die dritthäufigste Krebsart. Hirntumore, die ebenfalls den Nervenkrebserkrankungen zugeordnet werden, sind nach den Leukämien sogar die zweithäufigste Krebserkrankung bei Kindern.

Ursachen

Die genauen Ursachen sind bisher nicht bekannt. Bei den meisten Krebserkrankungen des Nervensystems wird eine Vererbung ausgeschlossen. Dennoch gibt es Familien, in denen beispielsweise Neuroblastome gehäuft auftreten. Möglicherweise spielen bei der Entstehung Genveränderungen, sogenannte Mutationen, eine Rolle.

Insbesondere Hirntumore entstehen hingegen vermehrt nach Bestrahlungen des Schädels im Kindesalter. Solche Bestrahlungen werden beispielsweise zur Leukämiebehandlung durchgeführt. Einige ZNS-Krebserkrankungen treten zudem gehäuft im Zusammenhang mit angeborenen Fehlbildungskrankheiten wie der Neurofibromatose vom Typ 1 oder der tuberösen Sklerose auf.

Symptome

Welche Symptome bei einem Patienten mit Nervenkrebs auftreten, hängt vor allem von der Lokalisation des Tumors ab. So kann das Neuroblastom beispielsweise im Nebennierenmark, im Brust- oder auch im Kopf- oder Halsbereich auftreten. Ein Tumor im Bauchraum kann unter anderem Druck auf die Bauchorgane ausüben und so Beschwerden wie Harnstau verursachen. Ein Tumor im Kopfbereich sorgt hingegen für Blutergüsse rund um die Augen. Ist der Tumor im Bereich der Lunge lokalisiert, leiden die Kinder unter Atemnot. Ebenso können Knochenschmerzen, Schwellungen der Lymphknoten oder Bluthochdruck auftreten.

Bei Tumoren des Zentralnervensystems, insbesondere des Gehirns, klagen die Kinder über starke Kopf- oder auch Rückenschmerzen. Den Patienten ist schwindelig und sie müssen sich häufig erbrechen. Übelkeit und Erbrechen treten unabhängig von der Nahrungsaufnahme auf, insbesondere morgens und im Liegen besteht ein Brechreiz. Konzentrationsstörungen und auch Wesensveränderungen gehören ebenfalls zu den Symptomen eines Hirntumors.

Bei einem Hirntumor kommt es in den meisten Fällen durch die Raumforderung im Kopf zu einem zunehmenden Druck im Schädelinneren. Ist der Abfluss der Gehirn-Rückenmarksflüssigkeit (Liquor) gestört, kann sich ein Wasserkopf (Hydrocephalus) bilden. Bei Babys und Kleinkindern mit offener Fontanelle macht sich eine Drucksteigerung im Kopf auch durch eine Zunahme des Kopfumfangs bemerkbar. In der Medizin spricht man hier von einem Makrocephalus.

Zu den unspezifischen Zeichen einer Krebserkrankung des Nervensystems gehören zudem:

  • Müdigkeit
  • Schwäche und rasche Erschöpfung
  • anhaltendes Fieber ohne andere erkennbare Ursache
  • (nächtliches) Schwitzen
  • Appetitlosigkeit
  • Übelkeit und Erbrechen
  • Gewichtsverlust

Untersuchung und Diagnose

Bei Verdacht auf einen Tumor des Nervensystems führt der Arzt verschiedene Untersuchungen durch. Dazu kommen unter anderem bildgebende Verfahren wie die Computertomographie (CT) oder die Magnetresonanztomographie (MRT) zum Einsatz. Eine Gewebeprobe (Biopsie) kann die Diagnose zusätzlich sichern. Beim Neuroblastom ist zudem eine Punktion des Knochenmarks unerlässlich. Nur so kann der Arzt feststellen, ob der Tumor bereits das Knochenmark befallen hat.

Behandlung

Die Behandlung von Nervenkrebserkrankungen bei Kindern hängt vor allem von der Art des Tumors, seiner Lokalisation und seiner Grösse ab. Ebenso spielt eine Rolle, ob Metastasen vorliegen. Falls möglich entfernt der behandelnde Arzt einen bösartigen soliden Tumor operativ. Insbesondere in den früheren Erkrankungsstadien wird eine operative Entfernung als Einzeltherapie angestrebt. Ist der Tumor zu gross, hat Metastasen gebildet oder ist nur schwer zu erreichen, kann eine Chemotherapie alternativ oder ergänzend zum Einsatz kommen.

Je nach Tumor bevorzugen die Ärzte eine Kombinationstherapie aus Operation, Chemo- und Strahlenbehandlung. In vielen Fällen erfolgt im ersten Schritt eine Operation, im zweiten Schritt erhält der Patient simultan Chemo- und Strahlentherapie. Ist eine Entfernung des Tumors nicht möglich, weil bei einer Operation beispielsweise zu viel gesundes Hirngewebe entfernt werden müsste, erhalten die Patienten eine Palliativbehandlung zur Linderung ihrer Beschwerden.

Verlauf und Prognose

Auch Verlauf und Prognose variieren je nach Tumorart, Lokalisation und natürlich auch Gesundheitszustand des Kindes. Lokalisierte und begrenzte Neuroblastome haben beispielsweise eine 5-Jahres-Überlebensrate von über 90 Prozent. Hat das Neuroblastom bereits Metastasen gebildet, leben 5 Jahre nach der Diagnosestellung nur noch 20 Prozent aller Patienten. Im Gegensatz zu anderen Tumoren hat das Neuroblastom eine recht hohe Spontanheilungsrate von bis zu 80 Prozent.

Auch bei den Hirntumoren schwanken die Zahlen. Kinder mit einem sogenannten niedrigmalignen Gliom haben eine sehr gute Prognose, beim hochmalignen Gliom gibt es hingegen Patienten, die nicht behandelt werden können und somit in jedem Fall an ihrer Erkrankung versterben.

Nach überstandener Krebserkrankung können Beschwerden verbleiben. Beispielsweise sind Schäden durch die Operation im Nervensystem möglich. Einige Patienten leiden unter Lähmungen oder anderen Bewegungsstörungen. Ebenso können Sprachstörungen auftreten. Eine Nachbetreuung ist deshalb in vielen Fällen unerlässlich. Ebenso erfolgen regelmässige Check-Ups, um mögliche Rezidive möglichst frühzeitig zu erkennen.

Welche Fachärzte sind Spezialisten für Nervenkrebs bei Kindern?

Die Neuropädiatrie, auch Kinderneurologie genannt, ist das medizinische Fachgebiet, das sich mit den Krankheiten des Nervensystems bei Kindern befasst. Ein Arzt, der sich auf diese Erkrankungen spezialisiert hat, wird somit auch als Kinderneurologe oder Neuropädiater bezeichnet.

Nach seinem Medizinstudium und seiner Facharztausbildung zum Kinder- und Jugendarzt durchläuft ein angehender Neuropädiater eine mindestens dreijährige spezialisierte Ausbildung.

Eine weitere medizinische Fachrichtung, die sich mit Nervenkrebserkrankungen von Kindern befasst, ist die Kinderonkologie (pädiatrische Onkologie). Um in diesem Fachbereich praktizieren zu dürfen, muss ein Arzt nach dem Medizinstudium eine Ausbildung zum Facharzt für Hämatologie und Onkologie absolvieren. Diese dauert 72 Monate. Anschliessend sind weitere Fortbildungen auf dem Gebiet der Kinderonkologie erforderlich.

Um Nervenkrebs bei Kindern schnell und effektiv behandeln zu können, arbeiten Ärzte verschiedener Fachrichtungen zusammen. So ist eine enge Zusammenarbeit mit dem Kinder- und Jugendarzt erforderlich. Die neurologischen Krankheitsbilder sind oft komplex und erfordern eine umfassende Betreuung. Um Folgeschäden vorzubeugen bzw. entgegenzuwirken kann die Zusammenarbeit mit Ergotherapeuten, Logopäden oder auch Physiotherapeuten sinnvoll sein.

Quellen

https://www.kinderkrebsinfo.de/erkrankungen/zns_tumoren/index_ger.html

https://www.kinderkrebsinfo.de/erkrankungen/weitere_solide_tumoren/pohneuroblpatinfo120120611/index_ger.html

https://www.kinderkrebsinfo.de/erkrankungen/weitere_solide_tumoren/pohneuroblpatinfo120120611/pohneuroblpatinfokurz120120611/index_ger.html

https://www.krebsgesellschaft.de/onko-internetportal/basis-informationen-krebs/krebsarten/andere-krebsarten/neuroblastom/symptome.html

 

Zuletzt aktualisiert am 24.10.2019