Meningeosis neoplastica ist eine Erkrankung des Gehirns infolge von Metastasierung einer Krebserkrankung: Tumorzellen verbreiten sich im Bereich der Hirnhäute und verursachen dort Schmerzen und neurologische Ausfälle. Die Neubildungen werden operativ oder mittels Chemotherapie und Bestrahlung behandelt. Dabei ist die Prognose der Patienten besser, je früher die Meningeosis neoplastica erkannt wird. Insgesamt ist die Prognose gerade bei Patienten mit schwerwiegenden primären Krebserkrankung aber schlecht.

ICD-Codes für diese Krankheit: C79.3

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Was versteht man unter Meningeosis neoplastica?

Als Meningeosis neoplastica wird das Auftauchen und die Ausbreitung von Tumorzellen in den weichen Hirnhäuten bezeichnet. Diese umschliessen das Gehirn, um es vor äusseren Einflüssen wie Temperaturschwankungen zu schützen und spielen eine wichtige Rolle im Gehirnstoffwechsel. Sie gehen in die Rückenmarkshäute über und sind so, sowie über den den Liquor, mit diesem verbunden.

Auf diesem Weg gelangen auch die Tumorzellen in den Bereich der Hirnhäute, da die Meningeosis neoplastica in der Regel im Verlauf einer Krebserkrankung durch die Bildung von Metastasen auftritt. Diese verbreiten die Tumorzellen über das Blut oder die Lymphe im gesamten Körper. So siedelt dieser sich auch abseits der ursprünglich betroffenen Organe an und kann beispielsweise auch in der Hirnhaut Fuss fassen.

Etwa 3-5 % aller Krebspatienten entwickeln eine Meningeosis neoplastica. Ist bekannt, woher die Krebszellen stammen, wird die Erkrankung je nach Herkunft der Metastasen auch als

  • Meningeosis carcinomatosa: Karzinom – Krebserkrankung der Haut oder Schleimhaut
  • Meningeosis sarcomatosa: Sarkom – Krebserkrankung von Binde- oder Muskelgewebe
  • Meningeosis gliomatosa: Gliom – Hirn- oder Nerventumor
  • Meningeosis leukaemica: Leukämie – Blutkrebs
  • Meningeosis lymphomatosa: Lymphom – Tumoren des Lymphgewebes

bezeichnet. Auf die Symptome oder den Krankheitsverlauf hat die Herkunft der Tumorzellen aber keinen Einfluss.

Die wichtigsten Symptome bei Meningeosis neoplastica

Die Symptomatik bei einer Meningeosis neoplastica hängt sowohl vom Ausmass der Erkrankung als auch von der genauen Lokalisierung der Metastasen ab. Häufig klagen Betroffene über Kopf- und Nackenschmerzen oder Übelkeit. Sind die entsprechenden Nerven betroffen, treten Lähmungen im Gesicht, Sehstörungen, Hörminderungen oder Probleme beim Schlucken auf. Auch psychische Auffälligkeiten wie Verhaltensänderungen oder abnormes Verhalten können Folge einer Meningeosis neoplastica sein.

Durch den erhöhten Hirndruck und eventuelle Schädigungen des Rückenmarks treten bei einigen Patienten im ganzen Körper Schmerzen, Sensibilitätsstörungen oder Lähmungen auf. Gerade im frühen Stadium, wenn erst wenige Tumorzellen in die Hirnhaut gewandert sind, ist die Meningeosis neoplastica aber oft auch symptomlos. Erste leichte Anzeichen auf die Metastasierung werden ausserdem oft nicht ernst genommen oder richtig eingeordnet.

Diagnostisches Vorgehen bei Meningeosis neoplastica

Erste Massnahme bei Verdacht auf Meningeosis neoplastica ist das Anfertigen eines MRTs von Schädel und Wirbelsäule in der Neuroradiologie. Dabei kommt, wenn möglich, ein Kontrastmittel zum Einsatz, weil die Hirnstrukturen ansonsten nicht deutlich zu erkennen sind. Auf den MRT Bildern zeigt sich die Ausbreitung der Tumorerkrankung und welche Strukturen genau betroffen sind. Kann kein MRT durchgeführt werden, wird auf ein CT mit Kontrastmittel ausgewichen.

Bei auffälligem MRT-Befund, erfolgt eine Liquorpunktion, um die Diagnose zu sichern. Dabei wird im Bereich der Lendenwirbelsäule Rückenmarksflüssigkeit entnommen und anschliessend auf das Vorkommen von Tumorzellen untersucht. Ist der erste Befund negativ, sind bis zu zwei weitere Testungen sinnvoll. Können die Ärzte auch dann keine Krebszellen nachweisen, kann eine Biopsie des veränderten Hirngewebes Aufschluss geben.

Therapie und Prognose bei Meningeosis neoplastica

Die Behandlung einer Meningeosis neoplastica ist eine besondere Herausforderung. Das Vorgehen hängt von der genauen Ausbreitung der Krebszellen ab. Sind auch Metastasen in anderen Körperbereichen als dem Gehirn vorhanden, erfolgt eine systemische Chemotherapie. Da die meisten Arzneimittel die Blut-Hirn-Schranke nicht überwinden können, hat diese jedoch eher geringe Wirkung auf die Meningeosis neoplastica selbst.

Zur Bekämpfung einzelner Tumorzellen im Hirnhautbereich kommt daher auch die sogenannte intrathekale Chemotherapie zum Einsatz. Dabei werden die Wirkstoffe entweder über eine Lumbalpunktion oder über einen Kanal direkt in die Gehirnflüssigkeit injiziert. Diese gezielte Therapie geht mit geringeren Nebenwirkungen einher, da die verwendete Dosis geringer sein kann.

Bei grösseren Hirn- und Rückenmarkstumoren erfolgt, falls möglich, eine operative Entfernung mit anschliessender Chemotherapie und/oder Bestrahlung. Um mehrere und kleinere feste Tumoren im Gehirn und an den Hirnhäuten effektiv zu behandeln, werden die betroffenen Areale bestrahlt. Diese Massnahme wird auch palliativ angewendet, da sie Schmerzen durch die entarteten Zellen lindern kann.

Ärzte und Patienten wägen bei der Behandlung einer Meningeosis neoplastica stets Kosten und Nutzen des Vorgehens ab. Die Prognose ist mit einer 1-Jahres-Überlebensrate von 5-25 % eher schlecht. Selbst wenn die Krebszellen im Gehirn erfolgreich therapiert werden, können andere Tumoren die Patienten zu sehr schwächen und schliesslich zum Tod führen. Die durchschnittliche Überlebenszeit beträgt selbst bei guter Prognose nur etwa sieben Monate.

Spezialisten und Fachleute für Meningeosis neoplastica

Die Meningeosis neoplastica fällt als Krebserkrankung in den Fachbereich der Onkologie. Die meisten betroffenen sind wegen des auslösenden primären Tumors sowieso schon in onkologischer Betreuung. Neu auftretende Beschwerden sollten Sie stets mit diesem besprechen, um Metastasierungen wie Meningeosis neoplastica möglichst früh zu erkennen.

Zur Diagnose und Behandlung der Erkrankung der Hirnhäute wird in der Regel ein Neurologe hinzugezogen. Dieser ist mit den Strukturen im Gehirn und ihrem Stoffwechsel bestens vertraut. In enger Zusammenarbeit mit dem behandelnden Onkologen stimmt er die Therapie der Meningeosis neoplastica ab und kontrolliert deren Verlauf.

Bildgebende Diagnostik mittels CT und eine Strahlentherapie führt ein Neuroradiologe durch. Dieser ist auf die Bestrahlung von Hirngewebe spezialisiert. Damit ist er ebenfalls fachkundig, was die Strukturen dieses Organs angeht. Gleichzeitig kennt er die richtigen Strahlendosierungen und kann aufgrund der angefertigten Bildgebung die Therapie durchführen.

Fazit

Wichtigster Risikofaktor für das Auftreten einer Meningeosis neoplastica ist das Bestehen einer anderen Krebserkrankung. Kommt es zur Bildung von Metastasen im Bereich der Hirnhäute, lassen sich diese desto besser bekämpfen, je früher sie erkannt werden. Aber selbst wenn die Meningeosis neoplastica selbst sich unter Kontrolle bringen lässt, besteht, auch aufgrund der primären Krebserkrankung, immer noch eine eher schlechte Prognose.

Quellen

  • https://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/030-060l_S2k_Hirnmetastasen_Meningeosis_neoplastica_2015-06-abgelaufen.pdf
  • https://www.aerzteblatt.de/archiv/52868/Meningeosis-neoplastica
  • https://de.wikipedia.org/wiki/Meningeosis_neoplastica
  • https://www.amboss.com/de/wissen/Meningeosis_neoplastica