Mastdarmkrebs | Spezialisten und Informationen

29.09.2020
Dr. rer. nat. Marcus Mau
Autor des Fachartikels

Das Rektumkarzinom, wie der Mastdarmkrebs ebenfalls genannt wird, entsteht innerhalb der letzten 15–20 Zentimeter des Dickdarms. Ursächlich sind meist Veränderungen der Schleimhaut, die sogenannten Polypen. Früh erkannt, besteht jedoch eine gute Chance, diesen Krebs zu heilen. Daher ist es sehr wichtig, die regelmässige Darmkrebsvorsorge wahrzunehmen. Doch was passiert, wenn ein Mastdarmkrebs diagnostiziert wird?

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Kurzübersicht:

  • Was ist Mastdarmkrebs? Eine bösartige Tumorerkrankung des Mastdarms, eines Teilbereichs des Darms. Die Häufigkeit der Erkrankung in Deutschland nimmt zu, die Sterblichkeit sinkt gleichzeitig.
  • Ursachen: Der Tumor entsteht über längere Zeit hinweg aus Veränderungen der Darmschleimhaut heraus. Solche Darmpolypen können durch Vorsorgeuntersuchungen entdeckt und entfernt werden, bevor sie entarten.
  • Symptome: Beschwerden treten erst im späteren Stadium auf. Vor allem Veränderungen im Stuhl, bei den Stuhlganggewohnheiten sowie dabei auftretende Schmerzen sollten abgeklärt werden.
  • Diagnose: Mittels Mastdarmspiegelung können Mastdarmtumoren nachgewiesen werden. Zusätzlich kommen häufig eine Dickdarmspiegelung, Ultraschalluntersuchung, eine Biopsie und eine MRT zum Einsatz.
  • Therapie: Je nach Grösse und Stadium führen Onkologen eine OP, eine Strahlentherapie, eine Chemotherapie oder Kombinationen aus diesen Möglichkeiten durch.
  • Prognose: Der Verlauf hängt vor allem vom Stadium ab. Bei einer Behandlung im Frühstadium sind die Chancen am besten, hat der Tumor bereits metastasiert, sinken die Heilungschancen.

Artikelübersicht

Definition: Was ist Mastdarmkrebs?

In der überwiegenden Zahl der Fälle entsteht das Rektumkarzinom (= Mastdarmkrebs) auf der Grundlage einer Veränderung der Darmschleimhaut. Aus Polypen – kleinen Auswüchsen der Darmschleimhaut – bilden sich Adenokarzinome, die eigentlichen Krebsgeschwüre. Die Polypen entstehen in 95% der Fälle spontan im Verlauf des Lebens, lediglich 5% gehen auf eine erbliche Komponente zurück.

Darmkrebs ist heutzutage eine der häufigsten Krebserkrankungen bei Männern und Frauen weltweit, Tendenz steigend. Falsche Ernährung und mangelnde Bewegung sind dabei die Hauptursachen dieser Entwicklung. Hauptrisikofaktoren sind z. B. der Verzehr grosser Mengen roten Fleisches, Diabetes mellitus, Übergewicht/Fettleibigkeit oder auch das Rauchen und vermehrter Alkoholkonsum sowie ein höheres Alter.

Obgleich die Sterblichkeit am Darmkrebs bei uns seit nunmehr 30 Jahren rückläufig ist, steigen die Neuerkrankungsraten weiter an. Mittlerweile ist Darmkrebs sogar für beide Geschlechter die zweithäufigste krebsbedingte Todesursache.

Je nach Lage des Tumors bildet der Mastdarmkrebs in unterschiedlichen Organen Tochtergeschwülste (= Metastasen). Weiter in Inneren des Rektums gelegene Tumorherde streuen vergleichbar dem Dickdarmkrebs vor allem in die Leber. Näher am Ausgang des Rektums streut der Mastdarmkrebs überwiegend lymphogen, d. h. über die Lymphgefässe in die Leistenlymphknoten sowie über das Blut bis in die Lunge.

Mastdarmkrebs

Die Lokalisierung eines Rektumkarzinoms © bilderzwerg #247748992 | AdobeStock

Welche Symptome treten bei Mastdarmkrebs auf?

Wie bei vielen Krebsarten auch entwickelt sich das Rektumkarzinom über einen längeren Zeitraum hinweg, der in der Regel völlig symptomlos verläuft. In der Darmkrebs-Vorsorge lassen sich jedoch meist auch im frühen Stadium kleinste Blutungsrückstände finden, die einen Hinweis auf das Rektumkarzinom geben können.

Im fortgeschrittenen Stadium wird der Mastdarmkrebs meist symptomatisch und äussert sich beispielsweise durch Blut- und Schleimabgänge, durch wechselnde Stuhlkonsistenz, d. h. einem Wechsel zwischen festen und weichen Stühlen, durch ungewollten Gewichtsverlust sowie eventuell durch Schmerzen beim Stuhlgang. Dies sind erste Anzeichen, bei denen Sie in jedem Fall einen Arzt zur weiteren Abklärung aufsuchen sollten.

Wie wird Mastdarmkrebs diagnostiziert?

Bei Verdacht auf Mastdarmkrebs wird immer eine Bildgebung zur Abklärung durchgeführt. In der Regel ist dies eingangs die Mastdarmspiegelung zusammen mit einer Dickdarmspiegelung (= Koloskopie). Die Dickdarmspiegelung soll dabei Zweittumoren aufspüren, die sich möglicherweise weiter oben im Darmtrakt gebildet haben. Etwa 7% der Patienten mit Mastdarmkrebs haben solche Zweittumoren im Dickdarm.

Wird Mastdarmkrebs diagnostiziert, erfolgt eine Ultraschalluntersuchung mithilfe einer speziellen Sonde – für die pathologische Feindiagnostik („Grading“, Einteilung nach TNM Stadien) wird in der Regel eine Gewebeprobe (= Biopsie) entnommen. Darüber hinaus klären die Experten mittels Ultraschall ab, ob weitere Organe befallen sind, z. B. von Tochtergeschwüren (= Metastasen). Hier kommen beim Rektumkarzinom vor allem Lunge und Leber in Betracht.

Mithilfe der Magnetresonanztomographie (MRT) werden der untere Bauchraum sowie das kleine Becken auf bereits vorhandene Lymphknotenmetastasen untersucht. Dabei wird das MRT der Computertomographie (CT) vorgezogen, da letzteres eine deutlich höhere Strahlenbelastung verursacht.

Die Messung der Tumorausbreitung hat zudem Auswirkungen auf die weitere Behandlung des Mastdarmkrebses.

Therapie des Mastdarmkrebses

Für die Behandlung von Mastdarmkrebs stehen im Wesentlichen drei Methoden zur Verfügung:

bzw. Kombinationen dieser Ansätze.

Je nach Stadium des Tumors lassen sich diese Behandlungsmethoden weiter anpassen. So ist z. B. bei kleinen, lokal begrenzten Rektumkarzinomen < 3 cm mit geringem Rückfallrisiko eine operative Entfernung des Tumorherdes ausreichend.

Bei grösseren lokalen Tumoren oder bei hohem Rückfallrisiko werden die Experten indes eine teilweise (partielle Mesorektumexzision) oder die komplette Entfernung (totale Mesorektumexzision) des Rektums favorisieren. In diesen Fällen muss anschliessend ein künstlicher Darmausgang angelegt werden, ein sogenanntes Stoma oder auch als Anus praeter bezeichnet.

Hat sich der Mastdarmkrebs bereits in umliegende Gewebe und Lymphknoten ausgebreitet, so wird das Rektum entsprechend teilweise oder komplett entfernt, ebenso wie die angrenzenden Lymphgefässe. Ein künstlicher Darmausgang muss angelegt werden.

Bei grösseren Tumorherden wählen die Ärzte häufig auch eine der Operation vorausgehende Bestrahlung, um das Tumorgewebe vor der Operation bereits merklich zu verkleinern. In der Regel wird sich im fortgeschrittenen Stadium des Mastdarmkrebses an die Operation eine Chemotherapie anschliessen. Diese soll vor allem eine weitere Ausbreitung (Metastasierung) des Rektumkarzinoms verhindern.

Im Endstadium der Erkrankung reicht die operative Versorgung des Rektums allein nicht mehr aus. Liegen operable Lungen-, Lymphknoten- oder Lebermetastasen vor, so werden diese zusätzlich entfernt und die Patienten nach Anlage eines Stomas ebenfalls wieder chemotherapeutisch behandelt.

In vielen Fällen jedoch ist in diesem Erkrankungsstadium aufgrund der breiten Metastasierung eine Heilung nicht mehr zu erreichen, so dass Patienten dann meist nur noch palliativ und schmerzlindernd begleitet werden können.

Heilungschancen bei Mastdarmkrebs

Die Langzeitprognose bei Mastdarmkrebs hängt sehr stark vom Stadium und von möglichen Fernmetastasen ab. Ohne Fernmetastasen und bei lokal begrenztem Tumorherd sind im Frühstadium der Erkrankung 5-Jahres-Überlebensraten von bis zu 75% möglich. Dies bedeutet, dass in diesem Stadium 75% der Betroffenen nach 5 Jahren noch immer am Leben sind.

Treten hingegen begrenzt Fernmetastasen in Lunge und/oder Leber auf, die sich noch operativ entfernen lassen, sind bis zu 30% der Patienten von ihrem Mastdarmkrebs heilbar. Jedwede Metastasierung verschlechtert die Prognose jedoch im Allgemeinen spürbar, ebenso wie ein Wiederauftreten der Erkrankung. Eine enge Nachsorge ist deshalb in allen Fällen zu empfehlen.

Welche Ärzte sind Experten für den Mastdarmkrebs?

Experten für die Behandlung von Mastdarmkrebs (Rektumkarzinom) sind Fachärzte für Innere Medizin, Proktologie sowie Onkologie. Für die Behandlung sollten Sie sich an erfahrene, spezialisierte Darmkrebszentren wenden, die Sie unter anderem hier finden.

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Die Qualitätssicherung des Leading Medicine Guide wird durch 10 Aufnahmekriterien sichergestellt. Jeder Arzt muss mindestens 7 davon erfüllen.

  • Mindestens 10 Jahre Operations- und Behandlungserfahrung
  • Beherrschung moderner diagnostischer und operativer Verfahren
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  • Herausragender Behandlungsschwerpunkt innerhalb des eigenen Fachbereiches
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  • Leitende berufliche Position
  • Aktive Teilnahme an Fachveranstaltungen (z.B. Vorträge)
  • Aktiv in Forschung und Lehre
  • Ärzte- und Kollegenakzeptanz
  • evaluatives Qualitätsmanagement (z.B. Zertifizierung)
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