Bei Gliomen handelt es sich um einen Überbegriff für Hirntumore, die in den Gliazellen des Nervengewebes entstehen und – je nach Art und Lokalisation der Ursprungszelle – in verschiedene Arten unterteilt werden können. Was Sie über Anzeichen, Diagnose und Behandlung von Gliomen wissen müssen, haben wir Ihnen in diesem Artikel kurz zusammengefasst.

ICD-Codes für diese Krankheit: C71

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Gliome – eine kurze Definition

„Gliom“ ist die Bezeichnung für eine Reihe von Hirntumoren, die innerhalb des zentralen Nervensystem (ZNS) entstehen und bei Erwachsenen bevorzugt im Grosshirn wachsen, während sie bei Kindern eher im Hirnstamm und Kleinhirn entstehen. Gliome machen etwa 30 bis 50% aller intrakraniellen Hirntumore aus und entstehen im Verhältnis 6:4 bei Männern etwas häufiger. Die meisten Erkrankungen erfolgen im Alter zwischen 40 und 65 Jahren – der tatsächliche Grund für eine Erkrankung ist aber noch weitgehend unbekannt (lediglich ionisierende Strahlung ist in manchen Fällen als Risikofaktor genannt).

Gliome entstehen pathologisch dann, wenn es durch fehlerhafte Zellerneuerung zu Gewebsvermehrungen – also zur Bildung von abnormen, überschiessenden Neubildungen – kommt. Im Fachjargon spricht man in diesen Fällen von Neoplasie.

Gliome haben in vielen Fällen einen negativen Verlauf und stellen eine Art von Krebs dar, der sich auf vielfältige Art und Weise symptomatisch zeigen kann. Das liegt vor allem daran, dass Gliome an unterschiedlichen Orten des zentralen Nervensystems entstehen und somit verschiedene Funktionen beeinflussen können.

Die WHO-Klassifikation bestimmt den Malignitätsgrad von Gliomen

Nach der gängigen WHO-Klassifikation (World-Health-Organization-Klassifikation) ordnen Ärzte die Gliome in die Grade I bis IV ein, was bedeutet, dass es sowohl gutartige als auch bösartige Formen gibt. Die WHO-Klassifikation wird generell dann eingesetzt, wenn ein Malignitätsgrad bestimmt werden soll. Das heisst im Wesentlichen, dass der zellulare Ursprung, die Zellzusammensetzung und das Wachstums der Gliome bestimmt werden, um Aussagen darüber treffen zu können, wie gut- oder bösartig der Tumor tatsächlich ist.

Laut WHO-Klassifikation kann in vier verschiedene Malignitätsgrade unterschieden werden:

  • WHO-Grad I: gutartig (benigne Tumore);
  • WHO-Grad II: noch gutartig;
  • WHO-Grad III: bereits bösartig;
  • WHO-Grad IV: bösartig (maligne Tumore).

Gliome gehören zu jenen Tumorzellen, die in jeder der obigen WHO-Graden vorkommen können. Der Malignitätsgrad hängt vor allem davon ab, wo genau der Hirntumor lokalisiert ist und welche Ursprungszelle betroffen ist.

Gliome können in weitere Subkategorien unterteilt werden

Die Subgruppen von Gliomen werden dahingehend unterschieden, wo sich der Hirntumor genau befindet und aus welchen Zellen er gewachsen ist. Namensgebend für die meisten Subgruppen von Gliomen ist der Ursprungsort:

  • Astrozytome: Astrozytome entstehen aus Astrozyten. Diese Zellen haben im Stützapparat des zentralen Nervensystems die Aufgabe, das Nervengewebe gegenüber der Hirnoberfläche und den Blutgefässen abzugrenzen. Astrozytome werden noch in weitere Untergruppen dividiert, die sich aus dem Schweregrad nach der WHO-Klassifikation ergeben. Während pilozystisches Astrozytome den Grad I besitzen, gehören diffuse Astrozytome zum Grad II und anaplastische Astrozytome bereits zum Grad III.
  • Glioblastom: Diese Tumoren entstehen ebenfalls in den Astrozyten und stellen eine bösartige, zumeist sehr aggressive Form des Astrozytoms dar. Sie werden daher dem Grad IV laut WHO-Klassifikation zugeteilt. Während primäre Glioblastome aus gesunden Astrozyten entstehen, gehen sekundäre Glioblastome aus bereits vorhandenem Tumorgewebe in dieser Region des Gehirns hervor.
  • Oligodendrogliom: Wenn Oligodendrozyten, die die einzelnen Nervenbahnen im Gehirn ummanteln und als eine Art Isolierschicht wirken, ein Gliom bilden, handelt es sich dabei um ein Oligodendrogliom. Dieser Hirntumor kommt in den WHO-Graden II und III vor und hat zumeist eine bessere Prognose als Astrozytome des gleiches Grades.
  • Ependymome: Die Ependymzellen der inneren Gehirnkammern und des Zentralkanals im Rückenmark können ebenfalls Gliome bilden. In diesen Fällen wird von Ependymomen gesprochen, die zwischen WHO-Grad I und III vorkommen.
  • Gangliogliome: Sind hingegen Ganglien- oder Schwannzellen vom Tumorwachstum betroffen, handelt es sich um Gangliogliome. Da wir diese Zellen überall im zentralen Nervensystem besitzen, können Gangliome an vielen Stellen vorkommen. Bevorzugt wachsen sie allerdings im Kleinhirn, Hypothalamus oder in den Schläfenlappen. Sie sind zumeist dem Grad I zugeordnet, können aber auch in den Graden II und III vorkommen.

Darüber hinaus gibt es noch weitere diffuse Gliome und auch Mischformen der obigen Kategorisierungen.

Anzeichen und Symptome von Gliomen

Oftmals hat ein Wachstum von Gliomen bereits vor einiger Zeit begonnen, bevor Symptome sichtbar und spürbar werden. Anders als bei manchen anderen Krebserkrankungen ist eine Früherkennung fast unmöglich – so gibt es keine spezifischen Tumormarker für Gliome, sondern nur bildgebende (und ferner differentialdiagnostische) Verfahren.

Die ersten Anzeichen und Symptome von Gliomen sind vielfältig und oftmals sehr diffus, von Art und Lokalisation des Hirntumors abhängig und ausserdem nicht immer gleich sichtbar. Die folgenden Symptome können, müssen aber nicht in jedem Fall auftreten:

  • Kopfschmerzen (vor allem morgens und nachts);
  • Übelkeit und Erbrechen;
  • Müdigkeit und Schlaflosigkeit;
  • Sprachschwierigkeiten;
  • Burn-Out;
  • Leistungsverminderung;
  • Wesensveränderungen; sowie
  • Krampfanfälle und epileptische Anfälle.

So werden Gliome diagnostiziert

Sobald Sie eine Gliomerkrankung vermuten, stellt den ersten Weg der Gang zum Allgemeinmediziner dar. Lässt sich die Verdachtsdiagnose durch verschiedene Diagnostikverfahren bestätigen, ist in der Folge ein Onkologe oder Neuroonkologe für die weitere Behandlung dieser Erkrankung zuständig. Die Onkologie bildet das Fachgebiet der Krebserkrankungen und verfügt über Spezialisten zur Bekämpfung und Weiterentwicklung von Behandlungsmöglichkeiten bezüglich Gliomen.

Um ein Gliom zu diagnostizieren, werden in der Regel mehrere Schritte eingesetzt. Der Prozess beginnt mit einer allgemeinen Anamnese, in welcher Sie Ihre Symptome schildern können und der weitere Diagnoseverlauf bestimmt wird. In der Folge werden vor allem diese Diagnostikverfahren eingesetzt:

  • CT: Computertomografien stellen eine leicht verfügbare Bildgebung dar, mit welcher sich die Ärzte einen Überblick verschaffen können.
  • MRT mit Kontrastmittel: Hierbei wird eine Bildgebung unter einem Magnetresonanztomographen durchgeführt, bei welcher ein zuvor gespritztes Kontrastmittel die Tumorzellen sichtbar macht.
  • Biopsie: Die Entnahme von Zellen erfolgt im Zuge einer kleinen Operation. Die Zellen können danach im Labor untersucht und genau bestimmt werden.

Gliome behandeln und bekämpfen

Da manche Formen von Gliomen einen hohen Malignitätsgrad aufweisen und schnell wachsen können, ist eine frühzeitige Behandlung nach Bekanntwerden der Erkrankung elementar. Die Therapie ist bereits sehr individualisiert und auf die erkrankte Person zugeschnitten. Faktoren wie Alter, allgemeiner Zustand und Malignitätsgrad sowie Umfang des Tumors spielen dabei eine wichtige Rolle.

Gliome werden wie die meisten anderen Hirntumore durch Operation, Bestrahlung und/oder Chemotherapie behandelt:

  • Operation: Ziel einer Operation zur Behandlung von Gliomen ist es, eine vollständige Resektion durchzuführen. Bei WHO-Grad I ist dies in einigen Fällen möglich, und auch bei WHO-Grad II bis IV gab es bereits einige Erfolge. Problematisch bei dieser Behandlungsart ist in vielen Fällen aber die Lage des Glioms: oftmals ist eine makroskopisch vollständige Entfernung nicht möglich, ohne dabei Folgeschäden zu riskieren. Bei Gliomen bestimmt die Resektion daher oftmals die Prognose.
  • Bestrahlung: Insbesondere postoperative Bestrahlungen verbessern die Prognose in den meisten Fällen erheblich. Der Zeitpunkt, wann mit der Strahlentherapie (RT) begonnen werden sollte, richtet sich nach WHO-Grad des Tumors sowie nach weiteren Risikofaktoren.
  • Chemotherapie: Auch ist eine medikamentöse Tumortherapie möglich. Hierbei werden (wie bei der Bestrahlung) neben den Tumorzellen auch gesunde Zellen erfasst, weshalb oftmals Nebenwirkungen entstehen.

Risiken und Prognose

Die schlussendliche Prognose bei einem Gliom-Patienten hängt neben der Behandlung, dem Allgemeinzustand und dem Alter auch von der Art und dem Umfang des Glioms ab. Es gilt häufig, dass jüngere und gesündere Patienten die besten Chancen haben. Gliome geben in der Realität oftmals einen ungünstigen Krankheitsverlauf vor, weshalb eine Erkrankung mit einem hohen Risiko einhergeht. Daher ist es besonders wichtig, eine frühzeitige Diagnose zu stellen und mit der Behandlung zu beginnen, bevor das Tumorwachstum weit fortgeschritten ist.

Quellen:

  • https://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/030-099l_S2k_Gliome_2015-06-abgelaufen.pdf
  • https://www.aerzteblatt.de/archiv/79090/Die-Gliome-des-Erwachsenen
  • https://www.onkopedia.com/de/onkopedia/guidelines/gliome-im-erwachsenenalter/@@guideline/html/index.html
  • https://flexikon.doccheck.com/de/Gliom
  • https://www.krebsgesellschaft.de/onko-internetportal/basis-informationen-krebs/krebsarten/hirntumor/ependymom.html
  • https://www.hirntumorhilfe.de/hirntumor/tumorarten/
  • https://www.aerzteblatt.de/archiv/197934/Behandlung-von-Gliomen-im-Erwachsenenalter