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ICD-Codes für diese Krankheit: E05.0

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Definition: Was ist Morbus Basedow?

Das Krankheitsbild von Morbus Basedow wird häufig von einem Komplex aus drei Beschwerden geprägt, die charakteristisch für die Erkrankung sind. Dieses als Merseburger Trias bekannte Dreigespann besteht aus dem Kropf (Struma), dem Herzrasen (Tachykardie) und dem Hervortreten der Augen (Exophthalmus, "Glupschaugen"). Damit einher geht eine Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose), das heisst einer übermässigen Bildung von Schilddrüsenhormonen.

Morbus Basedow kann in jedem Alter auftreten. Zwischen dem 30. und 60. Lebensjahr gibt es ein erhöhtes Risiko, dass die Krankheit ausbricht. Ausserdem wird ein vermehrter Ausbruch in Phasen hormoneller Umstrukturierung des Körpers verzeichnet (Pubertät, Schwangerschaft, Wechseljahre). Bei einem Verhältnis von 6 zu 1 sind Frauen wesentlich häufiger von Morbus Basedow betroffen als Männer. Etwa 3 Prozent der Frauen und etwa 0,5 % der Männer entwickeln im Laufe ihres Lebens einen Morbus Basedow. Für den Ausbruch von Morbus Basedow gibt es eine genetische Veranlagung.

Was sind die Symptome von Morbus Basedow?

Die Merseburger Trias tritt bei etwa der Hälfte aller Patienten auf. Durch eine Vergrösserung der Schilddrüse entsteht der so genannte Kropf, der ab einer gewissen Grösse von aussen am Hals zu sehen ist. Im Rahmen einer Überfunktion der Schilddrüse wird der Stoffwechsel beschleunigt, sodass das Herz häufig nicht nachkommt und die Überlastung durch Herzrasen (Tachykardie) anzeigt. Der Exophthalmus ist eine Begleiterscheinung von Morbus Basedow, die jedoch eher als eigenständige Autoimmunerkrankung eingestuft und lediglich von einer Schilddrüsenüberfunktion begünstigt wird. Beim Exophthalmus tritt der Augapfel (Bulbus) sichtbar aus dem Auge hervor, während sich die Augenlider allmählich hinter diesen zurückziehen. Meistens kommt Exophthalmus auf beiden Seiten zur Ausprägung, es kann jedoch auch sein, dass nur ein Augapfel hervortritt.

Betroffene verlieren schneller Gewicht als andere Menschen. Es ist aber auch das Gegenteil möglich. Die Schilddrüsenüberfunktion bewirkt einen ständigen Heisshunger und eine gesteigerte Nahrungsaufnahme, die bei Menschen mit einem eher schwachen Stoffwechsel zu Übergewicht führt. In vielen Fällen kommt es zu Haarausfall. Die Muskulatur ist schwächer, die Transpiration (Schwitzen) ist erhöht. Durch den hohen Aufwand, den die Schilddrüse im Körper betreibt, sind die Betroffenen in ihrer physischen und psychischen Leistungsfähigkeit eingeschränkt.

Weitere typische Symptome sind:

  • Häufiger Stuhlgang/Durchfall
  • Tremor (Zittern)
  • Schlafprobleme
  • Atemnot
  • Bluthochdruck
  • Nervosität
  • Wärmeempfindlichkeit
  • Beeinträchtigungen der Fruchtbarkeit (Impotenz bei Männern, Unregelmässigkeiten im Zyklus bei Frauen)

Was sind die Ursachen von Morbus Basedow?

Studien an Zwillingen haben gezeigt, dass für den Morbus Basedow eine Anfälligkeit für die Krankheit in der Erbsubstanz, der DNA, zu einem hohen Prozentsatz angelegt ist. Auch konnte über die Analyse von Familienstammbäumen nachgewiesen werden, dass etwa 30 Prozent der Patienten mit Morbus Basedow Verwandte haben oder hatten, die ebenfalls an Morbus Basedow oder an Hashimoto-Thyreoiditis, eine spezielle Schilddrüsenentzündung, erkrankt sind. Zusätzlich können aber auch Umweltfaktoren daran beteiligt sein, dass die Krankheit ausbricht. So erhöhen vor allem psychischer Stress, Nikotinkonsum, übermässige Iodaufnahme mit der Nahrung oder Schwangerschaft das Risiko, an Morbus Basedow zu erkranken. Dagegen scheint die Einnahme von oralen Kontrazeptiva eher das Risiko zu senken.

Morbus Basedow ist eine Autoimmunerkrankung, das bedeutet, dass der Körper Antikörper gegen körpereigene Moleküle, nämlich den Rezeptor für TSH (Thyroidea-stimulierendes Hormon, Thyreotropin), bildet und dadurch der hochsensible Regelkreislauf für die Bildung der Schilddrüsenhormone Thyroxin (T4) und Triiodthyronin (T3) gestört ist

Bei einem gesunden Menschen bindet TSH, das in der Hypophyse im Gehirn ausgeschüttet wird, an den TSH-Rezeptor der Schilddrüsenzellen. In der Folge wird die Bildung der Schilddrüsenhormone T3 und T4 angeregt. Diese wiederum wirken indirekt hemmend auf die Bildung von TSH in der Hypophyse. Weniger TSH heisst nun wieder weniger Schilddrüsenhormone, dadurch wird allerdings wieder die Hemmung der TSH-Bildung verringert, weshalb wieder vermehrt TSH und infolgedessen mehr Schilddrüsenhormone gebildet werden.

Dieser fein dosierte Steuerungskreislauf wird gestört, wenn nun Antikörper, die normalerweise nur gegen körperfremde Substanzen, wie zum Beispiel Infektionserreger, gebildet werden, an den TSH-Rezeptor binden. Es kommt zu einer Entzündung der Schilddrüse. Dies bedeutet, dass der TSH-Rezeptor nun dauerhaft stimuliert wird und dadurch vermehrt die Schilddrüsenhormone T3 und T4 ausgeschüttet werden. Dies führt wie eben beschrieben zu einer Hemmung der TSH-Bildung im Gehirn. Da aber durch die Bindung des Antikörpers an den TSH-Rezeptor der Regelkreislaufs gestört ist, wird immer mehr T3 und T4 gebildet. Zusätzlich werden die Schilddrüsenzellen zum Wachstum angeregt. Dieser dauerhafte Wachstumsreiz resultiert in einer Vergrösserung der Schilddrüse und der Bildung eines Kropfes. Die vermehrt freigesetzten Schilddrüsenhormone bewirken dann die oben genannten Symptome.

Die Antikörper können jedoch auch in anderen Körperregionen Veränderungen verursachen. Im Auge kann eine endokrine Orbitopathie (hormonbedingte Augenhöhlenerkrankung) entstehen, die sich durch die typischen "Basedow-Glotzaugen" oder "Glupschaugen" (Exophthalmus) zeigt. Eine Entzündung des Bindegewebes am Unterschenkel wird prätibiales Myxödem genannt und ist ebenfalls als Folge einer übermässigen Bildung von Antikörpern gegen den TSH-Rezeptor bekannt.

Diagnose von Morbus Basedow

Die Diagnose Morbus Basedow kann nach einer eingehenden klinischen und Ultraschalluntersuchung (Sonographie) des Patienten sowie Laboruntersuchungen gestellt werden. Einige Symptome wie der Kropf oder der Exophthalmus können den behandelnden Arzt schon früh auf die richtige Spur bringen.

Im Rahmen der Laboruntersuchungen werden in der Regel zunächst TSH, Thyroxin (T4) und Triiodthyronin (T3) im Blutserum bestimmt. Auch zum Nachweis des die Krankheit auslösenden Antikörpers gegen den TSH-Rezeptor gibt es heute verlässliche Labortests. Ist der TSH-Wert normal, liegt vermutlich kein Morbus Basedow vor. Sind der TSH-Wert zu niedrig und gleichzeitig die T3- und T4-Werte zu hoch, liegt eine Schilddrüsenüberfunktion vor. Wenn nun noch der Antikörper gegen den TSH-Rezeptor nachgewiesen wird, kann die Diagnose Morbus Basedow gestellt werden.

Nur wenn im Ultraschall grössere Knötchen zu erkennen sind, wird der Arzt vermutlich eine Schilddrüsenszintigrafie zur weiteren Abklärung veranlassen.

Ultraschalluntersuchung Schilddrüse

Wie wird Morbus Basedow behandelt?

Die Krankheit wird am Anfang der Therapie mit Thyreostatika behandelt. Diese Medikamente hemmen die Bildung der Schilddrüsenhormone, indem sie den Einbau von Iod unterbinden, und bringen den Stoffwechsel wieder in ein Gleichgewicht. Zusätzlich werden häufig Beta-Blocker eingesetzt, um die unnatürlich hohe Beanspruchung des Herz-Kreislauf-Systems zu entspannen. Wenn die T3- und T4-Spiegel bis auf normales Niveau gesenkt sind, sollte die Dosis der Thyreostatika reduziert werden. Um die Dosierung immer wieder individuell anzupassen, ist es wichtig, den Therapiefortschritt in regelmässigen Abständen zu kontrollieren.

Der Patient kann seine Heilung passiv vorantreiben, indem er auf sportliche Betätigungen verzichtet, sich vor Stress und psychischen Anstrengungen schützt und die Aufnahme von Jod deutlich einschränkt. Die Ernährung sollte so umgestellt werden, dass jodhaltige Produkte in Gänze umgangen werden. Ausserdem ist es besonders bei Menschen, die zur Fettleibigkeit neigen, notwendig, auf eine gesunde, ausgewogene Ernährung zu achten und den häufigen Heisshunger zu unterdrücken (z.B. durch eine ausreichende Flüssigkeitsaufnahme oder Meditation). Betroffene, die unter starkem Gewichtsverlust leiden, müssen hingegen auf eine reichhaltige Ernährung achten, mit der sie dem Gewichtsverlust entgegenwirken.

Die Krankheit Morbus Basedow ist stark rezidivierend, das heisst, sie kann immer wieder nach Besserung auftreten. Obwohl die medikamentöse Behandlungsmethode bei etwa der Hälfte aller Patienten anschlägt und die Symptome verschwinden, ist daher eine erneute Erkrankung möglich.

Patienten, bei denen die Therapie mit Thyreostatika nicht erfolgreich ist oder die Erkrankung wieder auftritt oder die unter starken Nebenwirkungen leiden, stehen zwei weitere Optionen zur Verfügung: die Radioiodtherapie und die operative Entfernung von Schilddrüsengewebe (Thyreoidektomie).

Bei der Radioiodtherapie muss der Patient radioaktives Iod einnehmen, das zielgenau die hormonproduzierenden Schilddrüsenzellen zum Absterben bringt. Bei bestehender Schwangerschaft oder Kinderwunsch in den nächsten 6 Monaten oder wenn die Patientin stillt, ist diese Therapieform nicht möglich.

In besonders schweren Fällen oder bei einem dramatischen Stadium der endokrinen Orbitopathie hilft nur noch eine Operation im Rahmen der endokrinen Chirurgie. Heutzutage wird in der Regel die komplette Entfernung der Schilddrüse angestrebt (totale Schilddrüsenresektion), da verbleibendes Schilddrüsengewebe wieder zu einer Schilddrüsenüberfunktion führen könnte.

Patienten, bei denen die Schilddrüse entfernt wurde oder die eine Radioiodtherapie erhalten haben, müssen ein Leben lang Schilddrüsenhormone einnehmen, da sie ansonsten eine Schilddrüsenunterfunktion entwickeln würden. Diese Therapie ist aber in der Regel gut verträglich.

Quellen

  • Deutsche Gesellschaft für Kinderheilkunde und Jugendmedizin; Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie (2011) Hyperthyreose. AWMF-Register Nr. 027/041
  • Kahaly GJ et al. (2018) 2018 European Thyroid Association Guideline for the Management of Graves’ Hyperthyroidism. Eur Thyroid J 2018;7:167–186
  • Schott M (2015) Morbus Basedow 2014: Alles wie bisher? Endokrinologie Informationen (Sonderheft): 10-14
  • Stiefelhagen P (2017) Rezidiv bei Morbus Basedow - Op, Radiatio oder Pharmaka? Ärzte Zeitung online vom 01.05.2017