Die Hypercholesterinämie ist eine Stoffwechselerkrankung, bei der der Cholesterinspiegel im Blut erhöht ist. Ein erhöhter Cholesterinspiegel erhöht das Risiko krankhafter Veränderungen der Gefässe und kann unter anderem medikamentös mit sogenannten Statinen behandelt werden. Auch eine fettreduzierte Ernährung kann zur Senkung des Cholesterinspiegels beitragen.

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ICD-Codes für diese Krankheit: E78.0

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Definition: Cholesterin

Cholesterin, oder auch Cholesterol, ist eine lebenswichtige fettähnliche Substanz, die sowohl vom Körper selbst hauptsächlich in Leber und Darm produziert als auch, allerdings zu einem wesentlich geringeren Anteil, über die (tierische) Nahrung aufgenommen wird. Sie ist am Zellaufbau sowie bei der Synthese von Hormonen, Gallensäuren und Vitamin D beteiligt.

Erhöhte Cholesterinwerte als Risikofaktor für Gefässerkrankungen

Erhöhte Cholesterinwerte im Blut gelten als Risikofaktor für die Entstehung krankhafter Gefässveränderungen. Überschüssiges Cholesterin lagert sich an den Gefässwänden ab und ist so an der gefährlichen Plaquebildung (Atherosklerose) beteiligt, die die Gefässe zunehmend verschliesst und dadurch zu Herzinfarkt oder Schlaganfall führen kann.

Ursachen erhöhter Cholesterinwerte

Hohe Cholesterinspiegel werden auf ein Zusammenspiel ungünstiger Verhaltensweisen wie falsche Ernährung und mangelnde Bewegung oder auf oft genetisch bedingte Störungen des Cholesterinstoffwechsels (Hypercholesterinämien) zurückgeführt. Unabhängig davon steigt der Blutcholesterinspiegel mit zunehmendem Alter stetig an, weil die Leber die Fähigkeit zum Cholesterinabbau verliert.

Medikamente und fettreduzierte Ernährung zur Senkung des Cholesterinspiegels

Um Gefässerkrankungen vorzubeugen, werden seit mehreren Jahzehnten eine fettreduzierte Ernährung mit weitgehendem Verzicht auf cholesterinreiche Nahrungsmittel wie Fleisch, Hühnerei oder Milchprodukte sowie bei Cholesterinspiegeln über dem Richtwert der Einsatz cholesterinsenkender Medikamente (Statine) propagiert. Dieser Richtwert von maximal 200 mg / dl Cholesterin ist allerdings hinsichtlich seiner allgemeinen Gültigkeit in Fachkreisen genauso umstritten wie die Frage, ob zwischen einer cholesterinhaltigen Ernährung und der Entstehung arteriosklerotischer Prozesse ein kausaler Zusammenhang besteht. Die wissenschaftliche Studienlage ist nicht einmal hinsichtlich der Frage eindeutig, inwieweit Ernährungsgewohnheiten überhaupt Einfluss auf die Cholesterinwerte nehmen. Ungeachtet dessen führen cholesterinsenkende Medikamente nach wie vor die Liste der umsatzstärksten Präparate auf dem Pharmamarkt an. Das Thema Cholesterin berührt insofern nicht nur medizinisch-wissenschaftliche, sondern besonders auch wirtschaftliche Interessen.

Verhältnis von LDL-Cholesterin und HDL-Cholesterin

Damit es als wasserunlöslicher Stoff trotzdem vom Blut durch den Körper transportiert werden kann, ist Cholesterin an verschiedene Trägereiweisse (Lipoproteine) gebunden. Die wichtigsten sind HDL („highdensity lipoprotein“) und LDL („low density lipoprotein“). LDL sorgt für den Transport von Cholesterin zu den Zielorganen und -geweben. Überschüssiges Cholesterin wird von HDL zurück zur Leber befördert, wo es abgebaut wird. Daher gehen Mediziner mittlerweile davon aus, dass nicht so sehr der Wert des Gesamtcholesterins, sondern eher das Verhältnis von LDL-Cholesterin (LDL-C) zu HDL-Cholesterin (HDL-C) von Interesse ist.

Gefässverengung als Folge erhöhter Cholesterinwerte

Gefährlich sind zu hohe Werte von LDL-Cholesterin. Falls es in grösseren Mengen als benötigt vorhanden ist, nehmen Fresszellen im Blut das LDL-C auf und lagern sich an den Gefässwänden ab. Über längere Zeit können sich die Gefässe immer mehr verengen, und die Blutversorgung ist gefährdet. Es droht dann vor allem ein Verschluss der Herzkranzgefässe (koronare Herzkrankheit) mit der Folge schmerzhafter Angina- Pectoris-Anfälle oder gar eines Herzinfarkts. Je höher dagegen der HDL-C-Wert, desto grösser der Schutz vor Arteriosklerose, denn HDL führt überschüssiges Cholesterin sogar dann einem Abbau durch die Leber zu, wenn es sich bereits an den Gefässwänden abgelagert hat.

Das angestrebte Verhältnis von HDL- zu LDL-C beträgt 1:2. Bei einem Verhältnis kleiner als 1:4 sollten Massnahmen zur Senkung des Cholesterinspiegels eingeleitet werden. Ausser dem Cholesterin sind für die arteriosklerotischen Prozesse auch die Triglyceride (Neutralfette) mitverantwortlich. Sie sind Hauptbestandteil der über die Nahrung aufgenommenen Fette und werden als Energiespeicher in Körperdepots eingelagert. Dabei werden sie ebenfalls von LDL transportiert. Überschüssige Triglyceride reichern sich in den LDL-Komplexen an und machen diese noch gefährlicher für die Gefässwände.

Diagnose und Beurteilung eines erhöhten Cholesterinspiegels

In der Regel verursachen ein hoher Cholesterinspiegel und eine beginnende Arteriosklerose noch keine Beschwerden. Deshalb sollte die Möglichkeit genutzt werden, im Rahmen der Vorsorgeuntersuchungen ab dem Alter von 35 Jahren die Blutfettwerte bestimmen zu lassen. Es ist dabei allerdings nicht sinnvoll, vorgegebene allgemeine Richtwerte allzu strikt zu interpretieren. Auch Blutcholesterinwerte jenseits von 200 mg / dl sind ohne gleichzeitiges Vorliegen anderer Risikofaktoren wie Bluthochdruck, Rauchen, Übergewicht oder Diabetes nicht von vornherein behandlungsbedürftig. Bei der Entscheidung, ob die gemessenen Blutfettwerte gesenkt werden sollten oder nicht, muss der Arzt immer die individuelle Gesamtsituation des Patienten mitberücksichtigen.

Behandlung eines erhöhten Cholesterinspiegels

Zur Behandlung gefährlich hoher Blutfettwerte ist es zunächst einmal wichtig, die Risikofaktoren auszuschliessen bzw. zu verringern, d.h. Übergewicht mit ausgewogener, abwechslungsreicher und kalorienverminderter Kost zu reduzieren, das Rauchen einzustellen und gegebenenfalls Diabetes und Bluthochdruck richtig zu behandeln. Zusätzlich wirkt sich ausreichende Bewegung immer günstig auf das HDL-LDLVerhältnis aus. Bereits durch diese Massnahmen sinkt der Cholesterinspiegel fast immer „von allein“ ein ganzes Stück. Sollte allerdings dadurch auch nach Monaten noch keine deutliche Verbesserung der Cholesterinwerte eingetreten sein oder liegt eine erblich bedingte Hypercholesterinämie vor, ist eine medikamentöse Therapie zu erwägen, die allerdings immer auf einer konsequenten Ernährungsumstellung und Gewichtsreduktion basieren muss.

Medikamentöse Behandlung eines erhöhten Cholesterinspiegels

Die verbreitetsten und wirkungsvollsten Medikamente zur Senkung der Cholesterinwerte sind die Cholesterinsyntheseenzymhemmer (Statine), die ein bestimmtes, für die Cholesterinproduktion in der Leber nötiges Enzym ausschalten. Statine reduzieren die LDLC-, aber auch die Triglyceridwerte und erhöhen den HDL-C-Spiegel. Hinsichtlich ihrer präventiven Wirksamkeit gegenüber Herzinfarkt sind Statine durchaus umstritten, nicht zuletzt wegen ihrer seltenen, aber schwer wiegenden Nebenwirkungen. Eine begonnene Statintherapie verursacht zudem hohe Kosten und muss über Jahre konsequent fortgesetzt werden.

Weitere häufig eingesetzte Medikamentengruppen sind Fibrate (senken den Triglyceridspiegel, erhöhen die HDL-C-Werte) sowie Substanzen, die die Aufnahme von Cholesterin im Darm unterdrücken, wie etwa Gallensäureaustauschharze und die pflanzlichen Phytosterole. Eine sehr wirkungsvolle Neuentwicklung stellen die Cholesterinabsorptionshemmer (z.B. Ezetemib) dar. Diese Substanzen hemmen ebenfalls im Darm die Aufnahme von Cholesterin ins Blut. Ihre Wirkungsweise ist noch weitgehend unklar. In Kombination mit Statinen eingesetzt erhöhen sie deren Wirksamkeit, sodass geringere Statindosen ausreichen. Helfen alle diese Medikamente nicht, extrem hohe Cholesterinwerte zu senken, so ist in Ausnahmefällen eine Blutwäsche (Apharese) nötig, bei der das LDL-C aus dem Blut gefiltert wird.

Nebenwirkungen der Behandlung eines erhöhten Cholesterinspiegels mit Statinen

Als gefährlichste Nebenwirkungen der Statine können Muskelschmerzen oder gar krankhafte Veränderungen der Muskulatur auftreten (toxische Myopathien), die in ihrer schwersten Ausprägung (Rhabdomyolyse) zu Lähmungen der Extremitäten, Nierenversagen und sogar zum Tod führen. Vor einigen Jahren musste deshalb das Bayer-Produkt Lipobay vom Markt genommen werden. Das Risiko myopathischer Nebenwirkungen steigt mit der cholesterinsenkenden Potenz der Präparate und ihrer Dosierung ebenfalls an. Da Cholesterin bei der fetalen Entwicklung eine entscheidende Rolle spielt, dürfen Schwangere keine Statine einnehmen. Neben diesen seltenen, schweren Komplikationen können Statine wie auch die anderen cholesterinsenkenden Medikamente eine ganze Reihe anderer Nebenwirkungen wie etwa Magen-Darm-Beschwerden, Kopfschmerzen, Schlafstörungen oder Hautreaktionen hervorrufen. Durch die individuell unterschiedliche Verträglichkeit der einzelnen Medikamente lassen sich dieser eher moderaten Nebenwirkungen im Einzelfall durch ein Ausweichen auf Ersatzpräparate ausschalten.

Vorbeugung eines erhöhte Cholesterinspiegels

Auch wenn zur Cholesterinhysterie kein Anlass besteht, ist eine ausgewogene Ernährung sicherlich alles andere als verkehrt – nicht nur, wenn es darum geht, Gefässerkrankungen vorzubeugen. Dabei muss und darf man auch auf Fette nicht gänzlich verzichten; sie sollten aber nicht mehr als 30 Prozent der Nahrung ausmachen. Gesättigte Fettsäuren, d.h. tierische Fette, im Übermass beeinflussen den Cholesterinspiegel negativ (senken HDL, erhöhen LDL). Besser sind pflanzliche Fette, also einfach ungesättigte Fettsäuren wie in Olivenöl und Rapsöl (erhöhen HDL, senken Gesamtcholesterin) und die mehrfach ungesättigten Fettsäuren wie in Sonnenblumenöl, Distelöl oder Walnussöl (senken Gesamtcholesterin). Aber auch diese Öle sollten nicht übermässig verwendet werden, da sie sehr kalorienhaltig sind und damit die Entstehung von Übergewicht fördern. Innereien, Eigelb, Butter, Käse, Schmalz, Sahne, aber auch fettes Fleisch und Wurst enthalten hohe Mengen an Cholesterin und sind bei schlechten Blutfettwerten oder Vorliegen von Risikofaktoren zu meiden. Die tägliche Zufuhr an Cholesterin über die Nahrung sollte 300 mg nicht überschreiten.

Zusammengefasst noch einmal die wichtigsten Elemente einer „herzgesunden“ Kost:

  • möglichst wenig tierische, dafür mehr pflanzliche Fette, vor allem einfach ungesättigte Fettsäuren (Oliven- / Rapsöl)
  • weniger als 300 mg Gesamtcholesterin / Tag
  • möglichst viele Ballaststoffe (>30g / Tag), – wenig Zucker und Zuckerhaltiges
  • wenig Alkohol
  • wenig salzen, lieber viele Kräuter / Gewürze einsetzen
  • viel Obst, Gemüse und Salat
  • viel trinken
  • sich Zeit zum Essen nehmen
Die Ernährung ist zwar ein sehr zentraler, aber letztlich nur einer von mehreren Bausteinen, auf denen eine wirksame Vorbeugung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen fusst. Sie muss eingebettet sein in ein umfassendes Konzept eines gesunden Lebensstils. Dazu zählt vor allem auch, ein Körperbewusstsein zu entwickeln und zu erkennen, wie es nicht nur auf lange Sicht, sondern ganz unmittelbar gut tut, sich viel zu bewegen, vernünftig zu essen, Alkohol nur in Massen zu geniessen und Nikotin ganz zu meiden.