Beim Diabetes mellitus Typ 1 handelt es sich um eine Erkrankung des Zuckerstoffwechsels. Er wird auch als insulinpflichtiger Diabetes mellitus bezeichnet. Dabei handelt es sich um eine Autoimmunkrankheit. Das bedeutet, dass das körpereigene Abwehrsystem sich aus bislang ungeklärten Gründen gegen die Insulin-produzierenden Zellen der Bauchspeicheldrüse richtet und diese zerstört. Hierdurch wird die Insulinproduktion beeinträchtigt. Im Laufe der Zeit kommt es dann zum vollständigen Ausfall der Insulinproduktion. Meist tritt diese Form des Diabetes bei Kindern oder jüngeren Menschen auf, kann aber auch zu jedem anderen Zeitpunkt, also auch bei älteren Personen auftreten. In Deutschland leben geschätzt rund 350.000 Menschen mit einem Typ-1-Diabetes.

ICD-Codes für diese Krankheit: E10

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Symptome von Diabetes mellitus Typ 1

Wenn ungefähr 80% der insulinproduzierenden Zellen der Bauchspeicheldrüse zerstört sind, reicht das noch vorhandene Insulin nicht mehr aus, um Zucker ausreichend zu verstoffwechseln. Innerhalb von Tagen bis Wochen treten dann die typischen Symptome eines Typ-1-Diabetes auf:

  • unstillbarer Durst
  • starke Harnproduktion
  • Gewichtsverlust
  • Erschöpfungszustände
  • häufige Infektionen

Bei zunehmender Stoffwechselentgleisung kann es zum Koma kommen. Auch Azetongeruch der Atemluft kann auf Diabetes Typ I hinweisen.

Main symptoms of diabetes-de

Ursachen und Risikofaktoren

Für die Entstehung der Erkrankung werden bisher viele mögliche Ursachen diskutiert – auch genetische, umwelt- und ernährungsbedingte Faktoren. Allerdings ist hier sehr vieles noch unklar und intensiver Gegenstand der Forschung.

Wie kommt es durch Insulinmangel zu einem erhöhten Blutzuckerspiegel im Blut?

Insulin ist ein Botenstoff, der von den Beta-Zellen in der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) gebildet und in den Blutkreislauf abgegeben wird. Insulin spielt bei der Regulation des Blutzuckers eine herausragende Rolle. Es ist das einzige Hormon des Körpers, welches den Blutzuckerspiegel absenkt.

Insulin steuert den Kohlenhydratstoffwechsel auf sehr komplexe Weise. Unter anderem wird nach der Nahrungsaufnahme die Aufnahme von Zucker aus dem Blut in das Muskel- und Fettgewebe ermöglicht. Weiterhin hemmt Insulin beispielsweise die Zuckerproduktion der Leber.

Verschiedene Hormone im Körper wirken den Effekten des Insulins auf den Kohlenhydratstoffwechsel entgegen. Hierzu gehören Glukagon, welches auch in der Bauchspeicheldrüse gebildet wird, die Stresshormone Adrenalin und Hydrocortison sowie das Wachstumshormon. Hierdurch wird in Situationen mit einem erhöhten Energiebedarf (z. B. Stress, Sport, Fieber) eine ausreichende Versorgung der Organe mit Zucker als Brennstoff gewährleistet. Wenn dieses feine Zusammenspiel der Hormone durch einen Ausfall der Insulinproduktion aus dem Gleichgewicht gerät, kommt es zu einer drastischen Erhöhung des Blutzuckerspiegels. In diesem Fall spricht man dann von Diabetes mellitus – der Zuckerkrankheit.

Wie kann man Diabetes mellitus feststellen?

Eindeutig kann die Diagnose eines Diabetes mellitus anhand deutlich erhöhter Nüchtern-Blutzuckerspiegel (bei wiederholter Messung) gestellt werden. Auch ein deutlich erhöhter HbA1c-Wert, der den Langzeitzuckerspiegel im Blut ausdrückt, kann Ausdruck eines Diabetes mellitus sein. Ebenso kann ein Zuckerbelastungstest (oraler Glukosetoleranztest) zur Diagnose eines Diabetes mellitus durchgeführt werden. Hierbei wird der Verlauf des Blutzuckerspiegels im Blut nach dem Trinken einer standardisierten Zuckerlösung gemessen.

Aufgrund der relativ raschen Manifestation der Erkrankung fallen Typ-1-Diabetiker meist durch stark erhöhte Blutzuckerspiegel auf. Oft haben die Patienten auch schon ausgeprägte Symptome, die auf die Erkrankung hindeuten. Zusätzlich zum erhöhten Blutzuckerspiegel finden sich bei Typ-1-Diabetikern auch sehr häufig spezifische Autoimmunmarker im Blut, weiterhin auch im Verhältnis zum Blutzucker niedrige Insulinspiegel bzw. Insulinspaltprodukte (sog. C-Peptid). Hierdurch lässt sich diese Erkrankung von anderen Diabetesformen abgrenzen, was für die Therapie wichtig ist.

Behandlung von Diabetes mellitus Typ 1

Das kurzfristige Behandlungsziel besteht beim Typ-1-Diabetes darin, Stoffwechselentgleisungen zu vermeiden und die damit verbundenen Symptome zu lindern. Dies bedeutet, dass sowohl starke Erhöhungen des Blutzuckerspiegels als auch „Unterzuckerungen“ vermieden werden sollen. Da beim Typ-1-Diabetes ein absoluter Insulinmangel besteht, geschieht die Behandlung durch die Verabreichung von Insulin, welches dem Patienten lebenslang zugeführt werden muss.

Dies erfolgt in der Regel durch Spritzen oder gelegentlich auch über eine Insulinpumpe. Darüber hinaus werden in Einzelfällen auch anderweitige Verfahren für die Insulintherapie (z. B. Inselzelltransplantation) eingesetzt.

Weiterhin wird an experimentellen Therapieverfahren („künstliches Inselzellorgan“) gearbeitet.

Das langfristige Ziel einer Insulintherapie besteht darin, Folgeerkrankungen (Schäden an Augen, Füssen, Nieren, Gefässen und Nerven) des Diabetes mellitus zu verhindern.
Für Patienten mit Diabetes Typ 1 spielt die Ernährung insofern eine Rolle, da die Menge und die Zeit des gespritzten Insulin dem Essen angepasst werden muss. Eine richtige und bewusste Ernährung ist deshalb ein lebenslanger Bestandteil der Diabetestherapie. Deshalb sollte die Ernährung abwechslungsreich und wohlschmeckend sein, damit sie auch konsequent durchgeführt wird.

Die Inselzelltransplantation

Die Inseltransplantation ist eine Therapieform zum "natürlichen" Ersatz der Insulinproduktion bei Diabetikern durch Übertragung von isolierten Insulin-produzierenden Zellen ("Inseln") aus einem Spenderorgan.

Wer kommt in Frage?

Patienten mit einem absoluten Insulinmangel (vorwiegend Typ 1 Diabetiker), die mit Insulingaben oder Insulinpumpe nicht hinreichend zu behandeln sind und unter häufigen und schweren Entgleisungen, insbesondere Unterzuckerungen, leiden.

Wie funktioniert die Isolation der Inseln und deren Transplantation?

Aus einem Spenderorgan werden die Inseln durch einen aufwendigen Verdauungsprozess isoliert und anschliessend aufgereinigt. Die nach strengen Kriterien (Reinheit, Sterilität, Funktion) geprüften Inseln werden dem Patienten über die Lebervene in die Leber eingeschwemmt, wo sie sich ansiedeln und die Insulinproduktion aufnehmen.

Was passiert nach der Transplantation?

Das Immunsystem des Empfängers erkennt die transplantierten Zellen als "fremd". Dies würde normalerweise eine Abstossung des Transplantats zur Folge haben. Um dies zu verhindern, müssen Insel-Empfänger immunsupprimierende Medikamente einnehmen. Das wichtigste Therapieziel der Inselzelltransplantation besteht im Wiedererlangen einer basalen körpereigenen Insulinproduktion, wodurch eine Stabilisierung des Glukosestoffwechsels erreicht werden kann. In manchen Fällen gelingt sogar eine Insulinunabhängigkeit für mehrere Jahre.