Präeklampsie

14.04.2020
Prof. Dr. med. Markus Wallwiener
Medizinischer Fachautor
Unter einer Präeklampsie versteht man eine schwerwiegende Komplikation im Schwangerschaftsverlauf. Früher wurde die Präeklampsie auch als EPH-Gestose oder Schwangerschaftsvergiftung bezeichnet. Von diesen veralteten Bezeichnungen nimmt die Medizin heute jedoch Abstand, da sich die Vermutung, es handele sich bei einer Präeklampsie um eine Vergiftung des Körpers, nicht bestätigen liess.
ICD-Codes für diese Krankheit: O11, O14

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Was genau ist eine Präeklampsie?

Hauptmerkmale einer Präeklampsie sind zwei Dinge: zum einen Bluthochdruck und zum anderen ein gleichzeitiger Verlust von Eiweiss über den Urin, eine sogenannte Proteinurie.

Im schlimmsten Fall kann der Blutdruck bei einer Präeklampsie innerhalb eines kurzen Zeitraums vollkommen aus den Fugen geraten und lebensbedrohliche Ausmasse für die werdende Mutter sowie das ungeborene Kind annehmen. Daher ist es bei einer Präeklampsie wichtig, den Verlauf der Schwangerschaft möglichst engmaschig zu überwachen und unter Umständen die Geburt des Kindes frühzeitig einzuleiten. Daher ist eine Präeklampsie der häufigste Grund für eine Frühgeburt des Kindes.

Verschiedene Formen und Verlauf

Eine Präeklampsie kann verschiedene Verläufe und Formen annehmen. Betroffen von einer Präeklampsie sind weltweit zwischen fünf bis acht Prozent der Schwangeren. In Deutschland leiden etwa zwei von 100 Schwangeren unter einer Präeklampsie.

In der Medizin unterscheidet man zwischen zwei unterschiedlichen Formen der Präeklampsie:

Die frühe Präeklampsie, bei der die Erkrankung vor der 34. Schwangerschaftswoche auftritt und die späte Präeklampsie, bei der die Erkrankung nach der 37. Schwangerschaftswoche auftritt.

Während eine mild verlaufende Präeklampsie lediglich mit Ausscheidung von Eiweiss über den Urin sowie Bluthochdruck verbunden ist, zählen die Eklampsie sowie das HELLP-Syndrom zu den schweren Verlaufsformen.

Eklampsie

Wird eine Präeklampsie nicht therapiert, kann es zu Krampfanfällen kommen. Hiervon sind weniger als ein Prozent der Frauen, die unter einer schweren Präeklampsie leiden, betroffen.

Das Risiko für schwere Verlaufsformen besteht vor allem bei einer frühen Präeklampsie, insgesamt jedoch selten. Sollte die Präeklampsie erst im späteren Schwangerschaftsverlauf auftreten, nimmt sie beinahe immer einen milden Verlauf und schwerwiegende Komplikationen wie das HELLP-Syndrom oder eine Eklampsie sind nicht zu erwarten.

HELLP-Syndrom

Etwa eine oder zwei von zehn Frauen, die unter einer schweren Präeklampsie und Eklampsie leiden, sind vom HELLP-Syndrom betroffen. Der Name dieses Syndroms lässt sich aus dessen Hauptmerkmalen ableiten. So umfasst das HELLP-Syndrom eine Hämolyse (einen vermehrten Abbau von roten Blutkörperchen), erhöhte Werte von Leberenzymen (dieser Umstand deutet auf eine Schädigung der Leber hin) sowie eine sinkende Anzahl an Blutplättchen, was zu einer mangelhaften Gerinnungsfähigkeit des Blutes sowie einem stärkeren Blutungsrisiko während und nach der Entbindung führt.

Symptome der Präeklampsie

Zu den möglichen Symptomen einer Präeklampsie zählen unter anderem Schmerzen im Oberbauch, Bluthochdruck, starke innere Unruhe, grosse Ansammlungen von Wasser im Körper, eine schnelle Gewichtszunahme (teilweise mehr als ein Kilogramm pro Woche), Sehstörungen und starke Kopfschmerzen.

Diagnose einer Präeklampsie

Die Medizin spricht von einer Präeklampsie, wenn bei der Schwangeren

  • mehrfach ein Blutdruck von mehr als 140/90 oder
  • einmalig ein Blutdruck von mehr als 160/100 festgestellt wird.

Gleichzeitig müssen sich mehr als 0,3 Gramm Eiweiss in einer 24-Stunden-Urinprobe befunden haben.

Das Risiko für eine Präeklampsie lässt sich bei jeder Schwangeren bereits vor Auftreten der genannten Symptome exakt bestimmen, sofern der Test auf Präeklampsie zwischen der 12. und der 14. Schwangerschaftswoche durchgeführt wird.

Dieser Test wird auch als Präeklampsie-Screening bezeichnet und vom Frauenarzt durchgeführt. Zu diesem Screening zählen ein Ultraschall, eine Messung des Blutdrucks sowie ein Bluttest auf bestimmte Hormone. Hierdurch lässt sich die Gefahr einer Präeklampsie bereits vor einem Ausbruch erkennen und in mehr als 80 Prozent der Fälle verhindern. Jedoch ist hierfür der frühzeitige Test auf Präeklampsie bei einem Frauenarzt oder Spezialisten der Geburtshilfe unvermeidbar.

Ursachen für eine Präeklampsie

Bis heute konnten die exakten Ursachen für das Auftreten einer Präeklampsie nicht abschliessend erforscht werden. Somit ist es der Medizin bisher unklar, weshalb es überhaupt zum Ausbruch einer Präeklampsie kommen kann. Jedoch sind verschiedene Faktoren bekannt, die das Risiko erhöhen, eine Präeklampsie während der Schwangerschaft zu entwickeln. Hierzu zählen entweder ein sehr junges oder ein sehr hohes Alter der Schwangeren sowie ein bereits vorhandener Bluthochdruck vor der Schwangerschaft. Auch genetische Komponenten zählen zu den Risikofaktoren, wie etwa eine Präeklampsie bei der Grossmutter, der Mutter oder der Schwester. Ebenso zu den Risikofaktoren zählen Nierenerkrankungen, Übergewicht (Adipositas) oder Diabetes.

Sollte einer oder mehrere der genannten Faktoren auf die Schwangere zutreffen, steigt das Risiko, an einer Präeklampsie während der Schwangerschaft zu erkranken.

Wie lässt sich einer Präeklampsie vorbeugen?

Die Teilnahme am Screening gilt als beste Möglichkeit, um einer Präeklampsie vorzubeugen. Sollte das Screening ein erhöhtes Risiko für die Schwangere ergeben, an einer Präeklampsie zu erkranken, besteht die Behandlung unter anderem aus der Gabe von niedrigdosiertem Aspirin, das in der Regel bis zur 34. Schwangerschaftswoche eingenommen wird und spätestens bis zur 36. Schwangerschaftswoche wieder abgesetzt wird. Diese Behandlung muss vor der 20. Schwangerschaftswoche und noch vor dem Auftreten der ersten Symptome starten. Sollte dies der Fall sein, lässt sich der Ausbruch einer Präeklampsie in mehr als 80 Prozent der Fälle vermeiden.

Der einzige bisher bekannte Risikofaktor für eine Präeklampsie, auf den die Schwangere selbst Einfluss nehmen kann, ist Übergewicht. Aus diesem Grund ist es wichtig, dass Frauen vor und während ihrer Schwangerschaft auf eine gesunde Ernährung achten. Statt "Essen für Zwei" sollte der tatsächliche Kalorienbedarf der Schwangeren beachtet werden. Dieser Ratschlag hat natürlich unabhängig vom Thema Präeklampsie für jede Schwangere Gültigkeit und sollte entsprechend beherzigt werden.

Die Therapie bei einer Präeklampsie

Sollten Symptome einer Präeklampsie nach der 20. Schwangerschaftswoche auftreten, ist eine engmaschige Überwachung der Betroffenen während der gesamten Schwangerschaft wichtig. Dies kann stationär in einer Geburtsklinik oder ambulant durch den behandelnden Frauenarzt erfolgen.

Ziel dieser Therapie ist es, dem Kind zu ermöglichen, sich im Bauch der Mutter noch möglichst weit entwickeln zu können, wünschenswert bis zur abgeschlossenen Lungenreife ab der 35. Schwangerschaftswoche oder nach der 34. Schwangerschaftswoche.

Sollte der Blutdruck im Laufe der Schwangerschaft zu stark ansteigen, muss die Geburt vorzeitig eingeleitet werden.

  • https://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/015-018l_S2k_Diagnostik_Therapie_hypertensiver_Schwangerschaftserkrankungen_2019-07.pdf
  • https://www.frauenaerzte-im-netz.de/erkrankungen/schwangerschaftshochdruck-praeeklampsie/
  • https://www.msdmanuals.com/de-de/heim/gesundheitsprobleme-von-frauen/schwangerschaftskomplikationen/pr%C3%A4eklampsie-und-eklampsie
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