Plazentainsuffizienz

14.04.2020
Prof. Dr. med. Markus Wallwiener
Medizinischer Fachautor
Eine Plazentainsuffizienz ist die eingeschränkte Funktion der Plazenta. Die Plazenta bezeichnet den Mutterkuchen, der sich während Ihrer Schwangerschaft in der Gebärmutter bildet und das ungeborene Kind mit Nährstoffen sowie Sauerstoff versorgt. Auch die Hormonbildung und das Fernhalten von Giftstoffen finden im Mutterkuchen statt. Die Plazenta stellt entsprechend eine Schranke dar im Sinne eines Filters, der den Embryo im Verlauf der Schwangerschaft schützt. Die Nabelschnur verbindet hierbei den Fötus mit der Plazenta. Finden Sie hier Informationen und ausgewählte Spezialisten!
ICD-Codes für diese Krankheit: O36, O43, P02

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Artikelübersicht

Definition Plazentainsuffizienz

Wenn die Durchblutung der Plazenta gestört ist, beziehungsweise der Mutterkuchen nur unzureichend funktioniert, liegt eine sogenannte Insuffizienz (Unzulänglichkeit, Schwäche) vor. Ihr ungeborenes Kind verfügt in diesem Fall nicht über eine ausreichende Versorgung mit Sauerstoff und Nährstoffen. Die unerkannte und unbehandelte Mangelversorgung und der damit einhergehende Sauerstoffmangel können mit schweren gesundheitlichen Folgen für ihr Baby verbunden sein.

Bei der Plazentainsuffizienz gibt es drei unterschiedliche Varianten, die jeweils auf verschiedenen Ursachen basieren.

  • akute Form (Entstehung binnen Minuten oder wenigen Stunden)
  • subakute Form (Bildung innerhalb einiger Tage)
  • chronische Form (Entwicklung im Verlauf von mehreren Wochen oder Monaten)

Symptome bei einer Plazentainsuffizienz

In den meisten Fällen stellt erst Ihr behandelnder Arzt im Verlauf der regulären Vorsorgeuntersuchungen fest, dass eine Plazentainsuffizienz vorliegt. Die Symptome zeigen sich in erster Linie bei Ihrem ungeborenen Kind. Bei einer ungenügend funktionierenden Plazenta ist der Fötus bei den Entwicklungsschritten häufig zu klein oder inaktiver als im Normalfall. Auch die Fruchtwassermenge ist häufig geringer im Vergleich zu einem gesunden Verlauf.

Viele schwangere Frauen stellen bei sich selbst keine Symptome fest. Dadurch besteht die Gefahr, von einer Plazentainsuffizienz nichts mitzubekommen. Häufige Symptome sind häufig ein Bluthochdruck oder ein Bluthochdruck in Verbindung mit einer vermehrten Eiweissausscheidung über den Urin (Präeklampsie). Haben Sie einen chronischen Erkrankungsverlauf, zeigt sich dies möglicherweise an einer eher geringen Gewichtszunahme und einem vergleichsweise kleinen Bauchumfang.

Eine akute Plazentainsuffizienz ist ein medizinischer Notfall und ist für Ihr Baby lebensbedrohlichEin möglicher Grund ist die plötzliche Ablösung der Plazenta von der Gebärmutterwand (vorzeitige Plazentalösung). Symptome sind hierbei stärkste Bauchschmerzen oder auch spontane Blutungen. Ein umgehender Arztbesuch ist entscheidend, um Ihren Fötus zu retten. Je nachdem, welchen Grund die akute Plazentainsuffizienz hat, ist eine notfallmässige Entbindung per Kaiserschnnitt (Not-Sectio) möglicherweise unvermeidbar. Unbehandelt ist das Leben des Babys erheblich gefährdet. Bei den langfristigen Folgeschäden des Kindes kommen Entwicklungsrückstände ebenso vor wie schwerste geistige und körperliche Behinderungen.

Ursachen der Erkrankung und Risikofaktoren

Die Gründe für die Entstehung einer Plazentainsuffizienz variieren erheblich und basieren häufig auf den damit verbundenen Risikofaktoren. Ursachen bei einem akuten Verlauf sind verschiedene Schwangerschaftserkrankungen, beispielsweise eine vorzeitige Plazentaablösung, Durchblutungsstörungen der Nabelschnur oder eine mütterliche Eklampsie (Krampfanfall). Eine weitere Möglichkeit ist das Vena-Cava-Kompressionssyndrom, bei dem das Kind Druck auf die untere Hohlvene ausübt und somit der Blutfluss zum Herzen der werdenden Mutter gestört wird.

Bei der subakuten Plazentainsuffizienz und noch mehr bei der chronischen Plazentainsuffizienz verläuft die Schädigung langsamer, erfordert jedoch ebenso eine medizinische Behandlung. Hier sind mehrere auslösende Grunderkrankungen bei Ihnen denkbar, etwa Diabetes, ein Nierenleiden, Bluthochdruck oder Präeklampsie. Darüber hinaus gilt der Konsum von Nikotin, Alkohol und Drogen als relevanter Risikofaktor.

Untersuchungsmethoden und Diagnostik

Grundsätzlich ist die Teilnahme an den regelmässigen Vorsorgeuntersuchungen während der Schwangerschaft wesentlich. Hier lässt sich am besten zeitnah erkennen, ob eine ungenügende Plazentafunktion vorliegt. Ihr behandelnder Gynäkologe befragt sie zunächst zu Ihrem Befinden und eventuellen Vorerkrankungen und nimmt eine Untersuchung per Ultraschall vor. Er stellt hier anhand der Grösse Ihres Kindes im Verhältnis zur Schwangerschaftswoche den Entwicklungsverlauf fest.

Ein deutlich zu kleines Baby ist ein erster Hinweis auf eine unzureichende Nährstoffversorgung. Auch eine geringe Grösse oder ungewöhnliche Form des Mutterkuchens sind Hinweise auf eine Plazentainsuffizienz. Ergänzend zur Diagnose führt Ihr Arzt ein CTG (Kardiotokografie) durch. Dies ist eine Untersuchung, bei der Ihr Gynäkologe oder Spezialist für Geburtshilfe Ihre Wehentätigkeit und die Herzschlagfrequenz des Fötus erfasst. Im Bedarfsfall kommen weitere bildgebende Verfahren in Betracht.

Möglichkeiten der Behandlung

Bei einem akuten Verlauf führt der Arzt Notfallmassnahmen durch, meist in Form einer frühen Geburtseinleitung, häufig per Kaiserschnitt. In einem weniger akuten Fall ist eine stationäre Aufnahme im Krankenhaus zur Überwachung und regelmässigen Kontrolle möglich, zusätzlich soll sich die Schwangere körperlich schonen. Bei einem chronischen Verlauf erstellt Ihr Arzt, ein Facharzt für Gynäkologie und Geburtshilfe, einen Geburtsplan mit Ihnen. Dieser enthält die jeweiligen Massnahmen bei konkreten Anzeichen einer Verschlechterung.

Grundsätzlich lässt sich die Plazentainsuffizienz als solche nicht behandeln. Therapeutische Massnahmen beziehen sich auf die ursächlichen Erkrankungen. Diese behandelt Ihr Arzt, um Risiken zu minimieren. Körperliche Schonung und ein gesunder Lebensstil sind zusätzlich sinnvoll.

Verlauf der Erkrankung und Prognose

Der Krankheitsverlauf ist nicht einheitlich, sondern hängt vom Schweregrad der Plazentainsuffizienz ab. Im Vergleich zu einer komplikationslosen Schwangerschaft besteht ein erhöhtes Risiko einer TotgeburtDie Grenze zur Lebensfähigkeit bei Frühgeborenen liegt bei der 25. Schwangerschaftswoche, somit spricht man in diesem Fall von einer extremen Frühgeburtlichkeit mit sehr hohen kindlichen Risiken. Gute Aussichten auf eine normale Entwicklung haben frühgeborene Kinder jenseits der 35. Schwangerschaftswoche.

Aufgrund der unzureichenden Nährstoffversorgung des Kindes bei einer Plazentainsuffizienz besteht in höherem Lebensalter ein deutliches Risiko für verschiedene Erkrankungen. Dazu zählen beispielsweise erhebliches Übergewicht (Adipositas), Diabetes, Arteriosklerose (Verkalkung der Gefässe) und Bluthochdruck.

Je früher die Diagnose und Behandlung bei einer Plazentainsuffizienz erfolgen, desto besser lassen sich Komplikationen verhindern. Leider ist eine Heilung nicht immer gewährleistet und im schlimmsten Fall kann es bis zu einem Versterben des Kindes im Mutterleib kommen. Sehr häufig sind jedoch ein Kaiserschnitt oder eine frühe Geburtseinleitung zum Schutz des Kindes möglich.

  • https://www.frauenaerzte-im-netz.de/schwangerschaft-geburt/infektionen-und-schwangerschaftsspezifische-erkrankungen/schwangerschaftserkrankungen-beschwerden/
  • https://flexikon.doccheck.com/de/Plazentainsuffizienz
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