Binge-Eating-Störung

Leading Medicine Guide Redaktion
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Patienten mit einer Binge-Eating-Störung leiden unter regelmässig auftretenden Essanfällen, während derer sie grosse Nahrungsmengen verzehren und das Gefühl haben, die Kontrolle über ihr Essverhalten zu verlieren. Sie greifen allerdings nicht regelmässig auf Massnahmen zur Gewichtsreduktion zurück und sind daher häufig adipös (fettleibig). Von einer Adipositas spricht man bei einem BMI von > 30,0 kg/m². Die Adipositas ist sehr weit verbreitet und nimmt weiter zu. An der schwersten Form der Adipositas (BMI > 40 kg/m², Grad 3, leiden zwischen 1 bis 1,2 Prozent der Menschen.

ICD-Codes für diese Krankheit: F50.3, F50.4

Artikelübersicht

Wie entsteht eine Binge-Eating-Störung (Esssucht)?

An der Entwicklung und Aufrechterhaltung der Binge-Eating-Störung sind vermutlich verschiedene psychosoziale und biologische Faktoren beteiligt wie

  • Überbewertung der äusseren Erscheinung
  • Unzufriedenheit mit der Figur
  • erhöhter BMI
  • niedriges Selbstwertgefühl
  • depressive Symptome
  • gering ausgeprägte soziale Unterstützung

Die Binge-Eating-Störung wird in der ICD-10 als atypische Bulimia nervosa (F 50.3) bzw. als Essattacken bei anderen psychischen Störungen (F 50.4) klassifiziert.

Behandlung der Binge-Eating-Störung

Sowohl für die Adipositas wie auch für die Binge-Eating-Störung ist in erster Linie eine diätetische Massnahme, Sport, Bewegungstherapie, Psychoedukation, manchmal auch chirurgische Massnahmen erforderlich. Als Psychotherapie ist eine modifizierte Verhaltenstherapie Mittel der Wahl. Dabei stehen das Wiedererlernen eines gesunden Ernährungsverhaltens und die Restrukturierung des Einkaufens, Kochens und Verzehrens von Nahrungsmitteln im Vordergrund.

Behandlungsziele bei der Binge-Eating-Störung

Behandlungsziele bei der Binge-Eating-Störung sind eine Normalisierung des Essverhaltens und des Körpergewichts sowie eine Verbesserung der Konflikt- und Beziehungsfähigkeit. Diese kann durch eine tiefenpsychologische Einzel- und Gruppenbehandlung erreicht werden, im Rahmen derer die Patienten mit Essstörungen sich intensiv mit ihren Schwierigkeiten, in Beziehungen eigene Bedürfnisse wahrzunehmen und zu äussern, sowie konflikthafte Situationen zu meistern, auseinandersetzen. Stehen ihnen bessere Möglichkeiten zur Konfliktlösung und Affektregulation zur Verfügung, müssen sie nicht mehr auf die Symptomatik zurückgreifen.

Zudem wird dem symptomatischen Essverhalten durch intensive praktische Unterstützung bei gemeinsamen Mahlzeiten entgegengewirkt, was allerdings nur im stationären oder teilstationären Behandlungsrahmen möglich ist.

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