Schwindel ist ein häufiges Symptom, das auf verschiedenste Erkrankungen hinweisen kann. Die bekannteste und am weitesten verbreitete Form von Schwindel ist der benigne paroxysmale Lagerungsschwindel, kurz BPLS. Durch welche Symptome diese Erkrankung gekennzeichnet ist, wie sie das Leben der Betroffenen beeinträchtigt und welche Behandlungsmöglichkeiten infrage kommen, erfahren Sie in folgendem Ratgeber.

ICD-Codes für diese Krankheit: H81.1

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Definition: Was ist Lagerungsschwindel?

Bei Lagerungsschwindel leiden die Betroffenen unter wiederkehrenden Schwindelattacken, die immer dann auftreten, wenn der Patient seine Lage verändert – beispielsweise dann, wenn er sich hinlegt oder den Kopf dreht, hebt oder senkt. Besonders charakteristisch ist hier, dass der Schwindel mit einer kurzen Zeitverzögerung nach der Bewegung auftritt und im Schnitt 30 Sek, bis maximal 2 Minuten anhalten kann. Es handelt sich um eine harmlose Erkrankung, die den Alltag und die Lebensqualität jedoch stark beeinträchtigen kann. Umso wichtiger ist es daher, dass Betroffene lernen, mit den Symptomen zu leben und akute Schwindelattacken durch bestimmte Manöver zu lindern.

Typische Symptome bei Lagerungsschwindel

Wie der Name schon sagt, tritt Lagerungsschwindel bei einer Veränderung der Körperlage auf. In den meisten Fällen kommt es zu schubartigem Drehschwindel, der wenige Sekunden bis hin zu maximal 2 Minuten andauern kann. Lagerungsschwindel entsteht jedoch nur durch schnelle Lageänderungen, wie sie beispielsweise beim Drehen im Bett oder bei abrupten Kopfdrehungen üblich sind. Im Sitzen, im Liegen oder beim Laufen sind die Patienten schwindelfrei.

Wie andere Schwindelformen auch geht der Lagerungsschwindel häufig mit Begleitsymptomen wie Übelkeit, Erbrechen und durch die Bewegungen im Bett auch Schlafstörungen einher. Vor allem ältere Patienten haben zudem ein erhöhtes Sturzrisiko. Unbehandelter Lagerungsschwindel kann ausserdem zu einem Vermeidungsverhalten führen, was sich negativ auf die Körperhaltung auswirkt. Nicht zuletzt haben Betroffene, die nicht behandelt wurden, häufiger depressive Verstimmungen, sofern sie sich nicht rechtzeitig in die Hände eines Facharztes für Lagerungsschwindel begeben.

Wodurch wird Lagerungsschwindel verursacht?

Im Innenohr befinden sich kleine Kristalle, die die Schwerkraft an den Sinneszellen verstärken, die sogenannten Otholiten (Ohrensteine). Unter bestimmten Umständen können sie sich von ihrem ursprünglichen Standort lösen und in den mit Flüssigkeit gefüllten Bogengang wandern. Bei Bewegungen des Kopfes geschieht nun Folgendes: Die Otholiten bewegen sich mit und senden Signale an das Gehirn. Dieses kann die eingehenden Informationen jedoch nicht mit denen der anderen Organe – etwa der Augen – vereinbaren: Es kommt zu Schwindelgefühlen und Gleichgewichtsstörungen.

Gleichgewichtsorgan im Innenohr

Das Gleichgewichtsorgan im Innenohr © Henrie - Adobe Stock.

Die Ablösung der Otholiten ist ein vollkommen natürlicher Alterungsprozess. Lagerungsschwindel tritt daher meist bei älteren Menschen zwischen dem 60. und 80. Lebensjahr auf. Frauen sind dabei häufiger betroffen als Männer. Des Weiteren wird die Entstehung des benignen paroxysmalen Lagerungsschwindels durch folgende Faktoren begünstigt:

  • Schädelhirntrauma/Kopfverletzungen
  • Entzündung des Innenohrs
  • Entzündung des Gleichgewichtsorgans
  • Operative Eingriffe am Kleinhirn
  • Migräne
  • Morbus Menière

Untersuchung & Diagnose: Was macht der Arzt?

Bei wiederkehrenden Schwindelattacken empfiehlt es sich, einen Hals-Nasen-Ohren-Arzt aufzusuchen. Auch der Hausarzt kann erste Anlaufstelle sein – er überweist den Patienten bei Bedarf an einen HNO-Arzt oder an einen Neurologen. Zu Beginn der Untersuchung findet ein ausführliches Arzt-Patienten-Gespräch statt, Anamnese genannt. Bereits dieses Gespräch kann dem Arzt wichtige Hinweise auf die Ursache des Schwindels geben. Er führt anschliessend einen Hörtest durch und testet zudem das Gleichgewichts- und Hörorgan, um bestimmte Erkrankungen – beispielsweise einen Hörsturz – auszuschliessen.

Hegt er den Verdacht auf einen Lagerungsschwindel, kann er diesen z.B. durch die sogenannte Dix-Hallpike-Lagerungsprobe erhärten. Er bittet den Patienten, sich aufrecht auf die Untersuchungsliege zu setzen, den Kopf um 45 Grad zur Seite zu drehen und sich dann hinzulegen. Beim benignen paroxysmalen Lagerungsschwindel erleidet der Patient nun eine Schwindelattacke, häufig begleitet von unwillkürlichen, schnellen Augenbewegungen (Nystagmus). Der Schwindel lässt innerhalb von maximal zwei Minuten wieder nach.

Wie wird Lagerungsschwindel therapiert?

Eine Therapie mit Medikamenten oder ein operativer Eingriff kommen beim benignen paroxysmalen Lagerungsschwindel nicht infrage. Stattdessen erlernt der Patient Techniken, mit deren Hilfe er Schwindel vermeiden oder akute Schwindelattacken effektiv lindern kann. Eventuell erhält er vom Arzt auch Anweisungen, sogenannte Befreiungsmanöver durchzuführen (z.B. das Semont oder Eppley Manöver), um die Kristalle wieder in das richtige Organ (den Utrikulus) aus den Bogengängen zurück zu bewegen. Diese Manöver sind auch für Laien sehr leicht durchzuführen und in ca. 80 % der Fälle sind die Patienten nach der ersten Behandlung auch komplett beschwerdefrei. Bei einem Lagerungsschwindel geht es nicht um eine Gewöhnung, sondern man beseitigt durch diese Übungen die Ursache.

Es ist sehr einfach möglich, die Otholiten wieder an ihren Ursprungsort zurück zu befördern. Es gibt viele Möglichkeiten, um sie aus dem kritischen Bereich in den Bogengängen heraus und in eine Ruheposition zu bringen. Zu diesem Zweck wurden zwei Manöver entwickelt: das Eplay-Manöver und das Brandt-Daroff-Manöver.

Da bei der Durchführung der Manöver einige Hinweise zu beachten sind, sollten Patienten sich von ihrem HNO-Arzt oder von einem Physiotherapeuten gründlich in diese Übungen einweisen lassen, zum Beispiel im Zuge eines sogenannten Lagerungstrainings.

Verlauf und Prognose

Die Prognose bei Lagerungsschwindel ist gut, sofern sich der Patient auf die Behandlung einlässt und die vom Arzt verordneten Übungen konsequent durchführt. Der benigne paroxysmale Lagerungsschwindel kann sich damit vollständig zurückbilden. In vielen Fällen tritt er jedoch schubweise immer wieder auf. Der Betroffene kann die Schwindelattacken dann durch vorab erlernte Befreiungsmanöver effektiv lindern oder verkürzen.

Fazit

Obwohl Lagerungsschwindel in der Regel harmlos ist, sollten Betroffene die Symptome nicht einfach ignorieren, sondern zeitnah einen Facharzt aufsuchen. Da die Ursachen für Lagerungsschwindel im Ohr zu finden sind, ist neben dem Neurologen und vielen in dieser Technik versierten Hausärzten der Hals-Nasen-Ohren-Arzt der wichtigste Ansprechpartner. Erfahrene Ärzte wissen genau, worauf es bei der Diagnose und Behandlung des benignen paroxysmalen Lagerungsschwindels konkret ankommt und wie sie ihren Patienten schnell zu mehr Lebensqualität verhelfen können.

Zuletzt aktualisiert am 27.09.2019