Spondylopathie - Degenerative Wirbelsäulenerkrankungen

02.02.2021
Dr. rer. nat. Marcus Mau
Autor des Fachartikels

Die Spondylopathie umfasst als Begriff eine Vielzahl degenerativer Wirbelsäulenerkrankungen. Ursache für den Verschleiss der Wirbelkörper sind unter anderem altersbedingte Veränderungen, langjährige Fehlbelastungen der Wirbelsäule, Verletzungen sowie Entzündungsreaktionen. Spondylopathien entstehen prinzipiell in jedem Abschnitt der Wirbelsäule, bevorzugt jedoch an Stellen besonders starker Beanspruchung, wie z. B. in der Halswirbelsäule, im Brustwirbel- oder im Lendenwirbelbereich – ein Überblick zu wichtigen Spondylopathien und deren Diagnostik und Therapie.

ICD-Codes für diese Krankheit: M46

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Artikelübersicht

Der Verschleiss der Wirbelsäule (Spondylopathie)

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) listet die Spondylopathien unter den ICD10-Codes M45 bis M49 auf. Dabei werden unter dem Code M48 alle nicht genauer spezifizierten Spondylopathien erfasst. Im Wesentlichen gibt es vier verschiedene Formen der Spondylopathien, welche unterschieden werden:

  • Undifferenzierte Spondylopathien: Bei dieser Gruppe der Verschleisserkrankungen der Wirbelsäule ist die auslösende Ursache unbekannt. Darüber hinaus finden sich keine eindeutigen, krankheitsspezifischen Symptome.
  • Entzündliche Spondylopathien: Häufig sind die Veränderungen an den Wirbelkörpern durch entzündliche Prozesse verursacht. Akute Entzündungen, Infektionen, Immunreaktionen sowie Autoimmunerkrankungen sind hierbei Krankheitsauslöser. Als Spätfolgen treten in der Regel Veränderungen am Skelettsystem auf, wie z. B. die Verknöcherungen und Bewegungseinschränkungen beim Morbus Bechterew.
  • Neuropathische Spondylopathien entstehen meist als Folge von Infektionen, nach schweren Unfallschäden (Traumata) und bei Krebserkrankungen. Sie sind mit Empfindungsstörungen verbunden.
  • Axiale Spondylopathien: Diese Verschleisserkrankungen betreffen zumeist den unteren Rückenbereich, wie z. B. die Lendenwirbelsäule, und sind eine Folge chronisch-entzündlicher Prozesse. Die axiale Spondyloarthritis zählt zu den axialen Spondylopathien. Sie führt auf Grundlage chronischer Entzündungen zu Knochenveränderungen an den Wirbeln und betrifft vor allem bereits jüngere Patienten im Alter zwischen 20 und 30 Jahren.

Welche Ursachen haben Spondylopathien?

Obgleich gerade von den axialen Spondylopathien vornehmlich jüngere Menschen betroffen sind, zählen die meisten anderen Spondylopathien zu den „klassischen“ altersbedingten Erkrankungen. Im Alter zwischen 50 und 70 Jahren steigt das Risiko für Abnutzungserscheinungen an Gelenken, Wirbelsäule und deren Bandscheiben.

Im Alter nimmt die natürliche Elastizität der Zwischenwirbelscheiben (Bandscheiben) immer weiter ab. Sie werden dadurch flacher und verschleissen schneller. Am Ende reiben die Wirbelkörper gegeneinander, was Schmerzen verursacht. Oder aber, es kommt zu einem Bandscheibenvorfall

Verknöcherungen, Versteifungen und damit erhebliche Bewegungseinschränkungen treten ebenfalls auf. Die Wirbelsäule und mit ihr die Wirbelkörper verändern sich, versuchen sich den geänderten Belastungen durch einen Umbau anzupassen. Dadurch können das Rückenmark und die von ihm abzweigenden Nervenfasern beeinträchtigt sein, was zu Empfindungsstörungen, Lähmungserscheinungen und chronischen Schmerzzuständen führt. 

Diagnose der Spondylopathien

Rückenschmerzen sind in der heutigen Büro-Gesellschaft zur Volkskrankheit geworden. Dass eine ernste degenerative Wirbelsäulen-Erkrankung dahinter stecken könnte, fällt deshalb nicht sofort auf. Spondylopathien werden nicht selten erst relativ spät und dann auch nur als Zufallsbefund auf dem Röntgenbild entdeckt.

Zu einer zielgerichteten Diagnostik gehört zuerst die Krankheitsgeschichte (Anamnese). Während dieses Erstgesprächs fällt bei einigen Rückenpatienen auf, dass sie durchaus einige Risikofaktoren für Spondylopathien mitbringen, wie beispielsweise:

  • Übergewicht,
  • Infektionen,
  • chronisch-entzündliche Erkrankungen,
  • oder vorausgegangene Wirbelsäulenverletzungen (Traumata).

In der anschliessenden körperlichen Untersuchung werden der Rücken und ebenso der Verlauf der Wirbelsäule genauer begutachtet. Hinzu kommen neurologische Tests, insofern Patienten von Empfindungsstörungen oder Lähmungen berichten.

Die Diagnose „Spondylopathie“ stellen die Fachärzte mithilfe der Bildgebung. Einen besonderen Stellenwert bei der Wirbelsäulendiagnostik besitzt das Röntgen. Allerdings sind nicht alle Veränderungen an Wirbelkörpern gut im Röntgenbild auszuwerten. Deshalb wird bei weitergehenden Fragen auch die Magnetresonanztomographie (MRT) eingesetzt.

Labortests sind zudem in der Lage, Rheumafaktoren und Entzündungsmarker aus dem Blut zu bestimmen. Diese spielen vor allem bei Infektionen, bei chronischen Entzündungen und bei Autoimmunerkrankungen eine Rolle.

Wie lassen sich Spondylopathien behandeln?

Spondylopathien haben sehr unterschiedliche Ursachen und danach sollte sich auch deren Behandlung richten. Die zugrundeliegende Grunderkrankung muss bekannt sein, um diese mit den richtigen Behandlungsverfahren ansprechen zu können.

Bei chronisch-entzündlichen oder infektionsbedingten Ursachen wird in der Regel erst einmal schmerz- und entzündungshemmend therapiert. Unterstützend verschreiben Ärzte schliesslich physiotherapeutische Massnahmen sowie eine Rückenschule, um die Haltung zu verbessern und die Muskulatur zu stärken.

Die Operation ist bei den Spondylopathien stets das letzte Mittel, wenn alle konventionellen Therapieoptionen ausgeschöpft wurden. In minimalinvasiver Technik operieren Orthopäden und Neurochirurgen gemeinsam, um mithilfe eines Endoskops, die Wirbelkörper zu korrigieren sowie Nervenendigungen zu veröden.

Welche Fachdisziplinen therapieren die Spondylopathien?

Sowohl Fachärztinnen und Fachärzte für Orthopädie als auch jene für Neurochirurgie behandeln Patienten mit Spondylopathien. Hinzu kommen Physiotherapeuten, um die Rückenmuskulatur wieder zu stärken. Die Nachsorge – z. B. nach einer notwendigen Operation – wird von zertifizierten Rehabilitationszentren übernommen.

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Die Qualitätssicherung des Leading Medicine Guide wird durch 10 Aufnahmekriterien sichergestellt. Jeder Arzt muss mindestens 7 davon erfüllen.

  • Mindestens 10 Jahre Operations- und Behandlungserfahrung
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  • Repräsentative Anzahl an Operationen, Behandlungen und Therapien
  • Herausragender Behandlungsschwerpunkt innerhalb des eigenen Fachbereiches
  • Engagiertes Mitglied einer führenden nationalen Fachgesellschaft
  • Leitende berufliche Position
  • Aktive Teilnahme an Fachveranstaltungen (z.B. Vorträge)
  • Aktiv in Forschung und Lehre
  • Ärzte- und Kollegenakzeptanz
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