Bei der Rhizarthrose handelt es sich um einen Verschleiss des Daumensattelgelenkes. Vor allem Frauen im Alter von 50 bis 60 Jahren sind von der Rhizarthrose betroffen.
ICD-Codes für diese Krankheit: M18

Artikelübersicht

Empfohlene Spezialisten

Anatomie des Daumensattelgelenkes

Das Daumensattelgelenk setzt sich aus dem ersten Mittelhandknochen und dem grossem Vieleckbein (Os trapezium) zusammen. Letzteres hat ein sattelförmiges Aussehen, was dem Gelenk seinen Namen gab und die Bewegungen Beugung/Streckung, An-/Abspreizen und Drehung erlaubt, was ein Gegenüberstellen (Opponieren) des Daumens zu den anderen Fingern ermöglicht.

Die Gelenkflächenanteile weisen eine unterschiedliche Krümmung auf, weshalb bei grösseren Anstrengungen durch die Scherkräfte eine punktuelle Belastung des Gelenkes auftritt. Bei dem Umgreifen von Gegenständen wird teilweise eine grosse Kraft zwischen den Langfingern und dem Daumen aufgebaut, die auf das Daumensattelgelenk übertragen wird. Das weibliche Gelenk weist einen insgesamt flacheren Krümmungsradius auf.

Wie kommt es zur Rhizarthrose (Daumensattelgelenkarthrose)?

Wie in jedem Gelenk sind die Oberflächen der Knochen von einer Knorpelkappe überzogen, die ein reibungsarmes schmerzfreies Gleiten erst zulässt. Im Rahmen des Verschleissprozesses kommt es zum Abbau des Knorpels, so dass schliesslich Knochen auf Knochen reibt, was dann Schmerzen verursacht. Mit der Abnahme der Dicke der Knorpelkappe verschmälert sich auch der Gelenkspalt. Die Gelenkkapsel ist nicht mehr so straff und lässt ein grösseres Bewegungsspiel zu. Hierdurch kommt es zu einem Abgleiten des 1. Mittelhandknochens zur Speichenseite hin (Subluxation).

Was sind die Ursachen der Rhizarthrose?

Der grosse Bewegungsradius des Gelenkes macht den umfangreichen Einsatz des Daumens erst möglich, bedingt aber auch, dass über das Gelenk grosse Kräfte übertragen werden. Durch die Form des Gelenkes werden die Kräfte teilweise nur punktuell übergeleitet, was einen Gelenkverschleiss vorantreibt. Eine verminderte Straffheit der Gelenkkapselbänder stellt einen elementaren Faktor bei der Entstehung dar.

Als Ursache der Rhizarthrose werden aber auch genetische Faktoren diskutiert. So wird die Rhizarthrose bei Frauen häufiger als bei Männern beobachtet. Betroffen sind Frauen insbesondere nach den Wechseljahren. Diskutiert wird eine hormonell bedingte Laxizität des Bandapparates um das Sattelgelenk. In seltenen Fällen ist die Rhizarthrose Folge eines Bruches.

Welche Symptome treten bei der Rhizarthrose auf?

Je nach Ausprägungsgrad des Verschleisses werden die Schmerzen im Daumensattelgelenk zunächst nur bei bestimmten zum Teil kraftaufwändigen Bewegungen zum Beispiel beim Wringen eines Tuches oder Öffnen eines Schraubverschlusses, in Spätstadien dann bei jeder Bewegung und Belastung angegeben.

Charakteristischerweise verstärkt der Daumen-Zeigefinger-Griff die Schmerzen. Im Verlauf kommen Kraftverlust und Bewegungseinschränkungen hinzu.

Ab und zu fällt bei einer Röntgenuntersuchung der Hand eine Rhizarthrose auf, ohne dass der Betreffende jedoch über Schmerzen klagt. Das lässt den Schluss zu, dass nicht jeder Verschleiss unmittelbar schmerzhaft sein muss.

Wie wird eine Daumensattelgelenkarthrose diagnostiziert?

Die Diagnose der Rhizarthrose erfolgt mittels klinischer Untersuchung und Röntgenuntersuchung.

Klinische Untersuchung bei Verdacht auf Daumensattelgelenkarthrose

Anfangs kann man äusserlich keine Veränderung über dem Daumensattelgelenk erkennen. Bei ausgeprägten Veränderungen entwickelt sich eine Schwellung auf der Streckseite des Gelenkes. Hier lässt sich ein Druckschmerz auslösen. Die Streckung und die Opposition des Daumens verursacht Schmerzen. In einem Spätstadium der Rhizarthrose kommt es zu einer Adduktion und Innenrotation des Daumens, woraus sich eine Überstreckstellung im Daumengrundgelenk entwickelt.

Klinisch lässt sich eine Rhizarthrose mit dem Grind-Test nachweisen. Hierbei übt der Untersucher eine Drehbewegung bei gleichzeitigem axialem Druck auf den Daumen aus. Bei einem Verschleissschaden löst dies einen Schmerz aus. Beim Drucktest nach Glickel wird vom Untersucher der Kopf des ersten Mittelhandknochens des Patienten in Streckstellung festgehalten, während mit dem anderen Daumen des Untersuchers ein Druck auf die Basis des ersten Mittelhandknochens ausgeübt wird. Im fortgeschrittenen Stadium der Rhizarthrose verursacht das Schmerzen.

Röntgenuntersuchung bei Verdacht auf Rhizarthrose

Beim Verdacht auf das Vorliegen einer Rhizarthrose erfolgt eine Röntgenuntersuchung des Gelenkes in 2 Ebenen. Die Verschleisserscheinungen werden nach einer Einteilung von Eaton und Littler (1985) in vier verschiedene Stadien unterteilt.

  1. normal erscheinendes Gelenk- und Gelenkspalterweiterung durch Ergussbildung
  2. zunehmende Verschleisszeichen mit Gelenkspaltverschmälerung und Knochenrandanbauten bis 2 mm
  3. zunehmende Verschleisszeichen mit Gelenkspaltverschmälerung und Knochenrandanbauten über 2 mm, gelenknahe Knochenzystenbildung, Subluxationsstellung nach radial (speichenwärts)
  4. Vollbild der Rhizarthrose mit unmittelbaren Kontakt der Gelenkflächen und unter Umständen Beteiligung der benachbarten Gelenke zwischen Kahnbein, grossem und kleinem Vieleckbein, Zunehmende Subluxationsstellung, destruierende Verformung des Vieleckbeins

Zusätzliche Diagnostik bei Verdacht auf Rhizarthrose

Im Einzelfall kann eine rheumatologische Zusatzuntersuchung oder eine Röntgenaufnahme unter Belastung nützlich sein. Als überflüssig gelten: Sonographie, Szintigraphie, CT und MRT.

Wie sieht die Therapie der Rhizarthrose aus?

Ziel der Behandlung ist es, Schmerzen zu lindern, die Bewegungseinschränkung zu verringern und die Kraftentwicklung zu stärken. Untersuchungen von Froimson (1970) und Pieron (1973) zu Folge kommt der Verschleiss bei 75 Prozent der Erkrankten in einem nicht operationsbedürftigen Zustand zum Stillstand. Bei den restlichen 25 Prozent sollte eine Operation durchgeführt werden.

Nicht-operative Therapie der Daumensattelgelenkarthrose

Wie bei der Behandlung der Arthrose anderer Gelenke können die bereits eingetretenen strukturellen Veränderungen nicht rückgängig gemacht, sondern höchstenfalls der Verschleissprozess verlangsamt werden. Die konservative Therapie der Rhizarthrose zielt vor allem auf eine Schmerzlinderung und weniger auf die Behandlung der Kraftlosigkeit und der Bewegungseinschränkung.

  • Ruhigstellung: Eine Ruhigstellung des Daumensattelgelenkes wird durch diverse unterstützende Daumenorthesen erreicht. Eine vollständige Ruhigstellung ist beim Arthrosegelenk nicht gewünscht und sinnvoll, da die per se verminderte Gelenkflüssigkeit nur durch Bewegung produziert wird und das Daumensattelgelenk bei Rhizarthrose somit weiter “austrocknen“ würde.
  • Wärmeanwendung: Während bei akutem Aufflammen der Schmerzen eine Kälteanwendung angebracht ist, sollte bei chronischen Schmerzenzuständen örtlich Wärme angewandt werden. Dies kann sowohl in Form von Schwefel- als auch in Form von Kies-, Paraffin- oder Rapssamenbädern im Rahmen von ergotherapeuthischen Massnahmen erfolgen. Sinnvoll ist anfangs auch in chronifiziertem Stadium die Lasertherapie und / oder die lasergestützte Hochdruckeistherapie zur Aktivierung lokaler Stoffwechselprozesse.
  • Bestrahlung: In 3 bis 4 Dosen wird eine direkte Röntgenbestrahlung des Daumensattelgelenkes vorgenommen. Sie wirkt entzündungshemmend, ist aber auf Grund der geringen Erfolgsrate und Strahlenbelastung für den Patienten umstritten. Eine andere Form der Strahlenbehandlung stellt die Radiosynovioorthese dar.
  • Radiosynoviorthese: Hierbei wird eine radioaktive Substanz (186 Rhenium) direkt in das Gelenk gespritzt. Die Substanz bewirkt eine „Verödung“ der Gelenkschleimhaut, was zu einer Schmerzlinderung und Rückgang der Schwellung führt. Die Wirkung tritt zum Teil erst 3 Monate nach der Injektion auf und hält durchschnittlich 2 Jahre an. Hiernach kann die Behandlung wiederholt werden. Nachteile der Therapie sind eine mögliche Infektion und die Verklebung der benachbarten Sehnen mit daraus resultierenden Bewegungseinschränkungen. Das Verfahren eignet sich insbesondere bei akuter Synovitis (Gelenkschleimhautentzündung) im Rahmen einer rheumatoiden Arthritis.
  • Einspritzung in das Gelenk: Entzündungshemmend wirkt auch Kortison. Dies kann zusammen mit einem örtlichen Betäubungsmittel direkt in das Daumensattelgelenk gespritzt werden. Da das Gelenk jedoch sehr klein ist, sollte die Einspritzung unter röntgenologischer Kontrolle erfolgen. Die Massnahme kann wiederholt werden. Auch Hyaluronsäureinjektionen sind erfolgsversprechend. Hyaluronsäure oder nach neuer Nomenklatur Hyaluronan stellt einen wichtigen Bestandteil des Bindegewebes dar und wirkt im Gelenk als “Schmierstoff“ auf Grund der hohen Viskosität und als Stossdämpfer. Der Vollständigkeit halber sollte an dieser Stelle auch die Möglichkeit der Eigenbluttherapie von Arthrosegelenken wie dem Daumensattelgelenk bei Rhizarthrose nicht unerwähnt bleiben. Auch wenn die Meinungen und der Stellenwert der Behandlung noch nicht ausreichend wissenschaftlich fundiert geklärt ist, hat diese Therapieform in der konservativen Therapie der beginnenden Rhizarthrose Ihren Stellenwert und Patienten profitieren bzgl. der Schmerzreduktion und des Fortschreitens der Arthrose sehr.

Operation der Rhizarthrose (Daumensattelgelenkarthrose)

Die operative Behandlung der Daumensattelgelenkarthrose wird seit den 70er Jahren propagiert. Unterschiedliche Konzepte stehen dem Operateur zur Verfügung. Grundsätzlich richtet sich Operationsmethode nach dem Stadium der Rhizarthrose.

Stadium I der Rhizarthrose:

Eine Schmerzverminderung kann mittels Durchtrennen kleiner rein schmerzleitenden Äste des Speichennervs, die zum Sattelgelenk ziehen, herbeigeführt werden. So bleibt zwar der Gelenkverschleiss erhalten, verursacht aber keine Schmerzen mehr. Die Durchtrennung der Schmerzfasern bewirkt aber keine dauerhafte Linderung. So kann bei einem Teil der Patienten nur eine vorübergehende Reduzierung der Schmerzen erreicht werden.

Stadium II-IV der Rhizarthrose:

Entfernung des grossen Vieleckbeines und Ersatz des Gelenkes durch Sehnenumleitung

Viele sich ähnelnde Operationsmethoden wurden bei der Behandlung der Rhizarthrose durchgeführt. Die simpelste Methode stellt die alleinige Entfernung des grossen Vieleckbeines dar. Die „Wanderung“ des ersten Mittelhandknochens in die Lücke und schliesslich der Kontakt mit dem Kahnbein wurde zunächst als kritisch angesehen. Um diese Wanderung zu verhindern, wurden in einer weiteren Phase der Operationsentwicklung Platzhalter (z.B. Sehnenknäuel oder Rippenknorpel) in die Lücke eingebracht, die aber die Wanderung nicht zuverlässig verhindern konnten.
Das Ergebnis der Operation hängt wesentlich von der Intaktheit des Gelenkkapselapparates ab. Dies resultierte letztlich in einer anspruchsvollen, aber sehr erfolgreichen operativen Behandlung.
Zunächst wird das grosse Vieleckbein entfernt. Eine Unterarmsehne (M. flexor carpi radialis) wird der Länge nach halbiert, wobei der Sehnenansatz an der Basis des 2. Mittelhandknochens erhalten bleibt. Die halbierte Sehne wird dann nach einer Knochenbohrung durch die Basis des ersten Mittelhandknochens geführt, wo sie eingenäht wird. Reste der Sehne können dann in die Lücke zwischen Mittelhandknochen und Kahnbein eingefügt werden und dienen zusätzlich als Puffer. Die Sehnenumleitung ist deshalb so wichtig, weil sie ein natürliches Band, das vom 2. Mittelhandknochen in die Sattelgelenkkapsel einstrahlt und eine Schlüsselstellung bei der Fixierung des ersten Mittelhandknochens einnimmt, ersetzt.
Trotz der Fesselung des ersten Mittelhandknochens gleitet dieser im Laufe der Jahre immer mehr zu den Handwurzelknochen.
Der Vorteil des Verfahrens ist die gute und schmerzfreie Beweglichkeit. Es hat sich als der „goldene Standard“ etabliert, an dem sich andere Verfahren messen müssen. Sie wird auch als die Operationsmethode nach den Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Handchirurgie angesehen. Mittlerweile konnte in Langzeituntersuchungen kein Unterschied nachwiesen werden, ob ein Platzhalter verwendet wurde oder nicht. Letztlich ist für das funktionelle Ergebnis nach der Operation die „Wanderung“ des ersten Mittelhandknochens zu den Handwurzelknochen nicht entscheidend.
Nachbehandlung: Nach einer Phase der Ruhigstellung in einer Unterarmschiene mit Daumeneinschluss von zirka 4 bis 6 Wochen ist eine intensive krankengymnastische Übungsbehandlung notwendig.

Ersatz des Vieleckbeines (Daumensattelgelenkes) durch künstlichen Platzhalter

Auch bei diesem operativen Verfahren wird das grosse Vieleckbein entfernt. Anstelle des oben beschriebenen Sehnenknäuels wird, um ein Wandern des ersten Mittelhandknochens zu den Handwurzelknochen zu verhindern, ein künstlicher Platzhalter aus Kunststoff „Silastik“ in die Lücke eingebracht. Nach mehrjährigem erfolgreichem Einsatz wurde aber das Verrutschen und das Auftreten einer Entzündung der Gelenkkapsel mit dem Kunststoffimplantat in Verbindung gebracht, woraufhin der Kunststoffplatzhalter seine Bedeutung bei der Behandlung verloren hat.

Ersatz des Daumensattelgelenkes durch ein künstliches Gelenk

Ähnlich wie bei einem künstlichen Hüftgelenk kann auch das Sattelgelenk durch eine Miniprothese ersetzt werden. Nach anfänglich grosser Skepsis – auch durch die Fachgesellschaften – etabliert sich dieses Verfahren in der Hand des fachkundigen Operateurs (Handchirurgen) immer mehr zu einer sehr guten Alternative zu Verfahren mit Resektion des Vieleckbeins und ist auf dem besten Weg, diese Operationstechnik, aufgrund zunehmend sehr guter Ergebnisse in den letzten 10 – 15 Jahren, abzulösen.

Versteifung des Daumensattelgelenkes

Die Versteifung des Daumensattelgelenkes führt zur Schmerzfreiheit und nahezu vollem Erhalt der Kraft. Sie wird vor allem bei jungen schwer körperlich arbeitenden Patienten durchgeführt. Der Nachteil der Methode liegt darin, dass die Beweglichkeit des Daumens deutlich herabgesetzt wird und durch die operationsbedingte Verkürzung des ersten Strahles von 4 bis 5mm der Spitzgriff eingeschränkt ist. Um aber die gleichen Bewegungsmuster wie früher durchführen zu können, werden die benachbarten Gelenke verstärkt und über das eigentlich vorgesehene Ausmass beansprucht. Das führt zu einem vorzeitigen Verschleiss der Nachbargelenke. Betroffen sind hier vor allem das Gelenk zwischen grossem Vieleckbein und Kahnbein und das Daumengrundgelenk. Bevorzugt wird diese Methode bei jüngeren insbesondere handwerklich tätigen Patienten bei unfallbedingtem Verschleiss des Daumensattelgelenkes.

 

Zuletzt aktualisiert am 16.10.2019