Knick-Senkfuß (Plattfuß) - Statikproblem des Fußgewölbes

13.10.2020
Dr. med. Wolfram Wenz
Medizinischer Fachautor

Der Knick-Senk-Fuss ist eine veränderte Fussform, die im allgemeinen Sprachgebrauch oft auch als Plattfuss bezeichnet wird. Ursache sind häufig anlagebedingte Bindegewebs- oder Muskelschwächen.

ICD-Codes für diese Krankheit: M21.4, Q66.5

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Kurzübersicht:

  • Was ist ein Knick-Senkfuss? Eine auch als Plattfuss bezeichnete Fehlstellung des Fusses. Dadurch liegt die normalerweise gewölbte Fusssohle platt am Boden auf. Ein Knickfuss liegt vor, wenn das Bein oberhalb des Sprunggelenkes stärker nach aussen weist.
  • Ursachen: Häufig sind erblich bedingte Bindegewebs- oder Muskelschwächen ursächlich für die Fehlstellung. Bei älteren Kindern kann auch Übergewicht das Problem verursachen.
  • Symptome: Oft zeigen sich keine Beschwerden und bei Kindern zwischen dem 2. und 5. Lebensjahr ist ein leichter Knick-Senkfuss entwicklungsbedingt normal.
  • Diagnose: Die Erkrankung wird von einem Orthopäden oder Kinderarzt nach einer Untersuchung und Funktionsprüfung diagnostiziert. Dabei kann auch ein Fussabdruck angefertigt werden.
  • Behandlung: Die häufigste Form, der flexible, gering- bis mittelgradig ausgeprägte Plattfuss bei Kleinkindern, muss nicht behandelt werden. Bei schwereren Fällen wird auch Krankengymnastik, Schuheinlagen oder sogar eine OP (nach dem 8. Lebensjahr) angeordnet.
  • Prognose: Leichte Formen gleichen sich meistens während des Wachstums aus. Bei einer OP kann die Fehlstellung zumindest deutlich gebessert werden, so dass sich Beschwerden lindern.
  • Sport: Geeigneter Sport, der dem Betroffenen Spass macht und in vernünftigen Massen ausgeübt wird, ist zu empfehlen.

Artikelübersicht

Definition und Ursache des Knick-Senk-Fusses (Plattfuss)

Etwa um das erste Lebensjahr herum beginnt ein Kind mit ersten Steh- und Gehversuchen. Dies sieht immer etwas tollpatschig aus; bei einzelnen Kindern erkennt man jedoch eine veränderte Fussform, die man im allgemeinen Sprachgebrauch als 'Plattfuss', in der Fachsprache als Knick-Senk-Fuss bezeichnet. Veränderungen in der Fussanatomie gibt es verschiedene, wie die Grafik zeigt:

Fussfehlstellungen Plattfüsse
© Henrie / Fotolia

Der Knick bezeichnet eine im Vergleich zum Normalen verstärkte Abknickung der Ferse (von oben nach unten und von hinten betrachtet) zur Aussenseite des Fusses, die Senkung bezeichnet das Abflachen des normalerweise auf der Innenseite des Fusses vorhandenen Längsgewölbes.

Ursache sind häufig anlagebedingte Bindegewebs- oder Muskelschwächen. Besonders bei älteren Kindern kann das Übergewicht eine zusätzliche Rolle spielen; selten sind Lähmungen der Auslöser.

Symptome und Diagnose beim Plattfuss

Besonders bei kleinen Kindern ist die Abgrenzung von alterskorrelierten Normalbefunden manchmal schwierig, zumal der Plattfuss oft keine Beschwerden verursacht. Zwischen dem 2. und 5. Lebensjahr ist ein diskret ausgeprägter Knick-Senk-Fuss entwicklungsbedingt normal und braucht in der Regel nicht behandelt werden.

Die Fehlstellung ist meistens flexibel, d. h. die Fussform kann durch den Untersucher passiv beeinflusst werden; bei einem rigiden Knick-Senk-Fuss ist dies nicht mehr möglich.

Die Diagnose erfolgt durch den erfahrenen Untersucher (Facharzt für Orthopädie oder Kinderarzt) durch Inspektion und Funktionsprüfung, bei stark ausgeprägtem Befund auch radiologisch. Mit geeigneten Apparaten (Podoskop) kann in Fachpraxen auch der Fussabdruck dargestellt und beurteilt werden.

Behandlung des Knick-Senk-Fusses

Die häufigste Plattfuss-Form, der flexible, gering bis mittelgradig ausgeprägte Plattfuss des kleinen Kindes, erfordert meist keine spezielle Behandlung. Halbjährliche klinische Verlaufskontrollen genügen; das Kind soll viel barfuss gehen und zu spielerischen Übungen zur Stärkung der Fussmuskulatur motiviert werden (Zehenspitzenstand, Greifübungen mit den Zehen u. ä.). Bei schwereren Fällen kann eine krankengymnastische Mitbehandlung sinnvoll sein.

Einlagen sind nur bei schwerem Knick-Senk-Fuss indiziert. Sie müssen nach Gipsabdruck angefertigt und vom Orthopädietechniker in Absprache mit dem behandelnden Orthopäden hergestellt werden. Die Tragedauer soll nicht zu kurz gewählt werden und kann mehrere Jahre betragen. Ihre Notwendigkeit ist regelmässig vom Orthopäden zu überprüfen.

Füsse
© Elenathewise / Fotolia

Schwere Plattfuss-Formen können eine Indikation zur Operation begründen. Voraussetzungen hierfür sind die langfristige, vorausgegangene und erfolglose konservative Therapie, ein entsprechend ausgeprägter klinischer Befund und belastungsabhängige starke Schmerzen. Eine Vielzahl von Weichteileingriffen (etwa Sehnenverlagerungen) ist bekannt; gemeinsames Prinzip ist die Verbesserung des fussgewölbehebenden Muskelzuges.

Derartige Eingriffe sollten erst nach dem 8. Lebensjahr in Erwägung gezogen werden. Bei schwersten, vor allem rigiden Verläufen (vor allem bei neurologischen Grunderkrankungen wie infantiler Zerebralparese) können sogar Eingriffe am Fussskelett nötig sein (etwa Versteifungen mit Knochenkeilentnahme oder Einbringen von gewölbestützenden Implantaten).

Heilungsaussichten beim Plattfuss

Die häufigste Form des Plattfusses, die frühkindliche flexible Variante, hat eine gute Prognose. Die meisten Knick-Senk-Füsse bedürfen keiner speziellen Therapie, da sie sich bis zum Schulalter häufig durch das normale Wachstum wieder ausgleichen.

Die Resultate der operativen Verfahren sind umso besser, je sorgfältiger die strenge und individuelle Indikation zur Operation gestellt wurde. Bei schweren, anders nicht behandelbaren Plattfuss-Formen - etwa bei aufgrund einer Zerebralparese - kann zwar oft keine komplette physiologische Fussstellung wiederhergestellt werden, aber eine lohnende Verbesserung der Fehlstellung ist meistens zu erreichen, die zu einer Beschwerdelinderung bei den Betroffenen führt.

Sport beim Knick-Senk-Fuss

Besonders in Bezug auf den häufigen kindlichen Knick-Senk-Fuss ohne zugrundeliegende Zusatzerkrankungen gilt: Sport, in vernünftigen Belastungsgrenzen und mit Spass ausgeübt, wirkt sich positiv auf Koordination und Muskelkräftigung aus und kann grundsätzlich nur empfohlen werden.

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