Das Patellaspitzensyndrom ist in der Hauptsache eine Erkrankung der Sportler. Aber auch Nicht-Sportler können bei Fehlbelastung des Knies ein Patellaspitzensyndrom entwickeln. Die Erkrankung verläuft in vier Stadien, wobei mit voranschreitender Entwicklung die Bewegungseinschränkungen zunehmen und auch die Schmerzen. Die Operation ist dennoch häufig das allerletzte Mittel, wenn andere Therapieansätze zuvor nicht zum Erfolg geführt haben.

ICD-Codes für diese Krankheit: M76.5

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Hintergrundinformationen

Das Patellaspitzensyndrom – auch „Springerknie“ genannt - verursacht Schmerzen am unteren Ende der Kniescheibe. Diese bemerken Betroffene beim Laufen und anderen sportlichen Aktivitäten.

Das Kniegelenk ist das Gelenk im menschlichen Körper, welches den grössten Belastungen unterliegt. Die Kniescheibe, in der Fachsprache als Patella bezeichnet, bildet gemeinsam mit dem Oberschenkelknochen und dem Schienbein den sogenannten knöchernen Gelenkkörper. Die Patellasehne verbindet das Schienbein mit dem unteren Ende der Kniescheibe. Die Hauptaufgabe dieser Patellasehne ist die Kraftübertragung vom Unter- auf den Oberschenkel. Vor allem bei sportlichen Aktivitäten ist sie somit einer dauerhaften Belastung ausgesetzt. Sie regelt die Druckverteilung im Kniegelenk. Sollte die Belastung beim Laufen fehlerhaft oder zu stark sein, führt dies zu starken Schmerzen bei den Betroffenen.

Patellaspitzensyndrom
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Verschiedene Schweregrade des Patellaspitzensyndroms

Gemäss einer medizinischen Definition aus dem Jahr 1978 wird das Patellaspitzensyndrom in vier verschiedene Schweregrade eingeteilt:

  • Bei Grad I haben Betroffene direkt nach dem Laufen Schmerzen an der Patellasehne.
  • Bei Grad II laufen sie schon mit Schmerzen los. Die Schmerzen lassen während des Laufens allmählich nach, machen sich aber danach in der vorherigen Intensität wieder bemerkbar.
  • Bei Grad III haben Betroffene dauerhafte Schmerzen, die sich sowohl im Sitzen als auch beim Laufen oder Gehen äussern.
  • Bei Grad IV ist die Patellasehne komplett gerissen, sodass es den Betroffenen nicht mehr möglich ist, das Kniegelenk ohne Hilfe zu strecken.

Welche Symptome verursacht das Patellaspitzensyndrom?

Bei starken Belastungen des Kniegelenks, wie etwa einem Marathonlauf oder Sprüngen, kann es zu Druckschmerzen unterhalb der Kniescheibe kommen. Abhängig vom jeweiligen Ausprägungsgrad machen sich die Beschwerden nur beim Aufwärmen bemerkbar und verschwinden bei steigender Belastung vorübergehend, bis sie nach der Trainingseinheit wieder zu spüren sind.

Bei ausgeprägten Schweregraden machen sich die Beschwerden während der gesamten Belastungssituationen bemerkbar. In besonders schweren Fällen können die Schmerzen an der Patellasehne dauerhaft (chronisch) bestehen. Bei einem Patellaspitzensyndrom verursacht das Strecken des Kniegelenks gegen einen Widerstand dann häufig Schmerzen.

Welche Ursachen kommen für das Auftreten des Patellaspitzensyndroms infrage?

Verursacht wird das Patellaspitzensyndrom durch eine Überlastung der Kniescheibensehne (Patellasehne) aufgrund von ungewohnten, wiederholten oder heftigen Zugbeanspruchungen. Es existieren sowohl innere als auch äussere Einflussfaktoren, die das sogenannte „Springerknie“ auslösen können.

Äussere Einflussfaktoren

Hierzu gehören die jeweiligen – meist sportlichen – Tätigkeiten, die häufig Auslöser der Beschwerden sind. Vor allem bei Sprungsportarten kommt es zu einer maximalen Zugbeanspruchung der Patellasehne, weshalb insbesondere Sportarten wie Basketball, Weit- oder Hochsprung sowie Volleyball als Auslöser für ein Patellaspitzensyndrom infrage kommen. Aus diesem Grund ist dieses Syndrom auch unter seinem umgangssprachlichen Namen „Springerknie“ bekannt.

Für das Patellaspitzensyndrom ist es von Bedeutung, wie heftig oder ungewohnt die Belastung für das Knie gewesen ist. So kann ein Patellaspitzensyndrom auch beim

  • Gewichtheben,
  • Tennisspielen,
  • Fahrradfahren oder
  • Joggen auf hartem Untergrund

auftreten.

Innere Einflussfaktoren

Ein Kniescheibenhochstand begünstigt ebenfalls das Auftreten eines Patellaspitzensyndroms wie eine angeborene Bandschwäche oder eine vermiderte Dehnbarkeit der Beinmuskulatur.

Wie lässt sich ein Patellaspitzensyndrom diagnostizieren?

Der Arzt wird sich zunächst nach den Sportgewohnheiten des Patienten erkundigen. So legen Sprungsportarten, Bodybuilding oder Joggen auf hartem Untergrund den Verdacht nahe, dass entsprechende Beschwerden auf ein Patellaspitzensyndrom zurückzuführen sind.

Die anschliessende körperliche Untersuchung zeigt häufig einen Druckschmerz über der Kniescheibenspitze. Ebenso charakteristisch ist es, wenn die Streckbewegung des Unterschenkels gegen einen Widerstand zu Schmerzen beim Patienten führt. Eher seltene Anzeichen für ein Patellaspitzensyndrom sind sichtbare Schwellungen oder Rötungen. Manche Betroffene berichten auch über Schmerzen nach längerem Sitzen, wie etwa nach längeren Autofahrten.

In manchen Fällen kann das Kniegelenk jedoch komplett unauffällig sein. In diesem Fall lässt sich nur über die Krankengeschichte des Patienten eine Verdachtsdiagnose stellen.

Bildgebende Verfahren zur Diagnose

Bei der Sonografie (Ultraschall) handelt es sich um ein einfaches und für den Patienten schmerzloses Verfahren, um ein Springerknie zu diagnostizieren. Damit mögliche Veränderungen vom Arzt richtig eingeschätzt werden können, wird er stets die (vermeintlich) gesunde Gegenseite mit untersuchen. Typische Veränderungen bei einem Springerknie, die im Ultraschall erkennbar werden, sind beispielsweise: 

  • uneinheitliche Sehnenstrukturen,
  • Verdickungen der Sehnen sowie
  • unregelmässig begrenztes Sehnengleitgewebe.

Röntgenaufnahmen helfen beim Springerknie nicht weiter und dienen lediglich dem Zweck, andere Erkrankungen des Knies auszuschliessen.

Mithilfe der Magnetresonanztomografie (MRT) kann der Arzt die degenerierte Region indes sehr genau lokalisieren. Darüber hinaus ist das MRT für die Differenzialdiagnose hilfreich. So lässt sich unter anderem mithilfe eines MRTs oft bereits ausschliessen, ob die Beschwerden von einer Kniearthrose ausgelöst werden.

Wie erfolgt die Behandlung beim Patellaspitzensyndrom?

Sollte der Patient / die Patientin beim Laufen Schmerzen verspüren, so ist es sinnvoll, die Sporteinheit zu unterbrechen bzw. abzubrechen und sich ärztlich behandeln zu lassen. Die folgenden Verfahren stehen Ärzten und Patienten zur Behandlung des „Springerknies“ zur Verfügung:

Dehnen

Durch regelmässiges Dehnen der Oberschenkelmuskulatur lässt sich die Spannung an der Kniescheibe verringern. Mit einer heissen Rolle oder Kälteanwendungen wird zudem die Durchblutung im Sehnenansatzbereich verbessert, wodurch die Ernährung der Sehne über der Kniescheibe verbessert wird.

Physiotherapie

Eine physiotherapeutische Behandlung ist insbesondere während der Anfangsstadien noch möglich. Hierbei ist eine Therapie mit Stosswellen und Ultraschall sowie eine Elektrotherapie oder eine manuelle Therapie sinnvoll. Der Physiotherapeut / die Physiotherapeutin wird sich zunächst nach den Beschwerden des Patienten erkundigen und gemäss des Ausprägungsgrades der Erkrankung die geeigneten Therapieoptionen auswählen und darauf aufbauend einen individuellen Therapieplan erstellen.

Aquajogging

Aquajogging-Kurse sind eine gute Option bei einer bereits ausgeprägten Schmerzsymptomatik. Im Wasser wird die Schwere der Gliedmassen reduziert, und es lassen sich oftmals sogar Sprünge schmerzfrei durchführen.

Medikamentöse Behandlung

Um die Schmerzen während einer akuten Episode zu lindern, können handelsübliche Schmerzmittel helfen. Auf jeden Fall sollte zuvor aber der Arzt aufgesucht werden, allein um den Grund für das Auftreten der Schmerzen genau zu diagnostizieren. Darüber hinaus sind Schmerzmittel nicht zur Dauertherapie zu empfehlen.

Chirurgische Eingriffe als Behandlungsoption

Chirurgische Eingriffe sollten beim Patellaspitzensyndrom immer nur als letzte Möglichkeit dienen, um dem Patienten / der Patientin ein beschwerdefreies Leben zu ermöglichen bzw. seine sportliche Leistungsfähigkeit wiederherzustellen. Bei einem solchen operativen Eingriff wird zuerst die entzündete Fettschicht um die Patellasehne herum entfernt. Die entsprechenden Bereiche der Sehne werden hierbei herausgetrennt und abnorme Blutgefässe verödet. Der Eingriff kann entweder offen oder minimal-invasiv erfolgen sowie unter lokaler Betäubung oder Vollnarkose.

Wie lässt sich ein Patellaspitzensyndrom vorbeugen?

Dem Patellaspitzensyndrom lässt sich am besten durch ein regelmässiges Dehnen der Muskulatur nach dem Laufen vorbeugen. Hierdurch reduziert sich die Muskelspannung im Oberschenkel. Ausserdem sind ausführliches Aufwärmen vor dem Laufen sowie eine moderate Steigerung der Trainingsintensität im Trainingsverlauf elementar wichtig. Ebenso ist es von grosser Bedeutung, dem Körper zwischen den verschiedenen Trainingseinheiten ausreichend Zeit zur Regeneration zu erlauben – unabhängig davon, um welche Sportart es sich handelt.

Übergewichtige Personen sollten auch eine Gewichtsreduktion in Betracht ziehen. Die Belastung der Patellasehne sowie der Kniegelenke wird durch ein geringeres Körpergewicht geringer, sodass Beschwerden seltener – oder zumindest weniger stark –auftreten.

Quellen

  • aerztekammer-bw.de/20buerger/30patientenratgeber/n_s/patellaspitzensyndro.html
  • flexikon.doccheck.com/de/Patellaspitzensyndrom
  • Wolf R & Brechtel L. Schmerzen im vorderen Bereich des Kniegelenks. Deutsche Zeitschrift für Schmerzmedizin 2000; 51(10):343–344