Osteoporose ist eine häufige chronische Erkrankung, bei der sich die Knochendichte und die Knochenmasse über das normale Mass hinaus verringert - daher auch die deutsche Bezeichnung Knochenschwund. Als Folge davon nimmt die Knochenstabilität ab, die Knochen werden porös und brüchig. Die Gefahr für Knochenbrüche nimmt zu. Besonders Frauen zählen durch hormonelle Veränderungen in den Wechseljahren zur Risikogruppe für Osteoporose.

ICD-Codes für diese Krankheit: M80, M81, M82

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Häufigkeit der Osteoporose

Insbesondere bei Frauen ab etwa 45 Jahren und bei Männern ab etwa 55 Jahren nimmt die Knochendichte zunehmend ab, wobei Frauen häufiger betroffen sind als Männer. So haben bereits circa 15% der Frauen zwischen 50 und 60 Jahren eine postmenopausale Osteoporose und fast die Hälfte der Frauen über 70 Jahren eine Altersosteoporose.

Für eine gesunde und stabile Körperstatik baut sich das menschliche Skelettsystem aus rund 206 Knochen auf. Den Aufbau und das Zusammenspiel der Knochen vom kleinen Zeh bis zum Schädel zeigt das Video:

 

 

Ursachen und Risikofaktoren der Osteoporose

Während in jungen Jahren Knochen aufgebaut wird, beginnt mit etwa 30 Jahren bereits der normale (physiologische) Abbau von Knochenmasse. Gleichzeitig baut der Körper aber immer noch Knochen auf. Knochenaufbau und Knochenabbau werden durch verschiedene Faktoren im Körper - zum Beispiel durch Kortikosteroide, Östrogene und Jodothyronine - gesteuert. Bei Frauen kommt dieses Gleichgewicht ab etwa 40 bis 45 Jahren aufgrund des zunehmenden Mangels an Östrogenen aus den Fugen, der Knochensubstanzverlust nimmt nun über das normale Mass hinaus ab, es entwickelt sich eine Osteoporose. Etwa 90% aller Osteoporose-Erkrankungen sind auf diesen Östrogenmangel zurückzuführen (sog. primäre Osteoporose).

Neben dieser primären Osteoporose gibt es auch die sekundäre Osteoporose, die sich als Folge von anderen Erkrankungen, wie beispielsweise Magersucht oder chronische Darmerkrankungen, entwickelt. Hier liegt häufig ein Nährstoffmangel, meist an Kalzium und Vitamin D, zugrunde. Aber auch bestimmte Medikamente stellen Risikofaktoren dar, wie das Kortison, Blutverdünner, Schilddrüsenhormone und Immunsuppressiva oder Arzneimittel, die in der Therapie von Tumorerkrankungen, Depressionen, Diabetes und Epilepsie eingesetzt werden.

Als Risikofaktoren lassen sich neben dem Alter und Geschlecht damit auch manche Krankheiten, ein ungesunder Lebensstil (z.B. Vitamin-D-arme Ernährung, mangelhafte körperliche Bewegung, Alkoholkonsum, Rauchen, Untergewicht) und genetische Veranlagung identifizieren.

Osteoporose
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Symptome und Verlauf der Osteoporose

Osteoporose verursacht zunächst keine Beschwerden. Allerdings kommt es im weiteren Verlauf der Erkrankungen zu Knochenbrüchen, die ohne erkennbare Ursache auftreten. Diese Knochenbrüche werden deshalb auch Spontanbrüche genannt. Treten diese Knochenbrüche im Bereich der Wirbel (Wirbelbruch) auf, kommt es zu Rückenschmerzen, die häufig vom Patienten als Hexenschuss oder Ischiasschmerz fehlgedeutet werden.

Unbehandelt werden die Patienten durch den zunehmenden Knochenverlust und die Wirbelkörperbrüche kleiner, sie entwickeln einen Rundrücken und die Lendenwirbelsäule verkrümmt sich nach vorne. Um den daraus sich entwickelnden Schmerzen auszuweichen, nehmen die Patienten eine Schonhaltung ein, die dann in der Regel wiederum zu schmerzenden Muskelverspannungen führt. Die Lebensqualität nimmt mit fortgeschrittener Osteoporose durch die dauerhaften Schmerzen und die Bewegungseinschränkung ab.

Insbesondere im Alter kommt es vermehrt zu Stürzen mit einer erhöhten Gefahr von Knochenbrüchen und anderen Verletzungen, die eine weitere Behinderung für den Patienten bedeuten.

Diagnose der Osteoporose

Aufgrund der fehlenden Symptome zu Beginn wird eine anfängliche Osteoporose häufig nicht erkannt. Eine Osteoporose im Anfangsstadium lässt sich nur durch Messung der Knochendichte nachweisen. Die Knochendichte kann mithilfe der DXA-Methode zuverlässig bestimmt werden. Dies ist ein spezielles Röntgenverfahren, bei dem niedrig dosierte Röntgenstrahlen eingesetzt werden. Je nach Menge der Röntgenstrahlen, die durch den Knochen hindurchgehen, wird der sog. T-Wert bestimmt. Er gilt als Mass für die Knochendichte. So bedeutet ein T-Wert von -1,00 Normalwert, ein Wert von -1,01 bis -2,49 steht für Osteopenie (verringerte Knochendichte, aber ohne erhöhte Bruchgefahr) und ein Wert von -2,5 und kleiner bedeutet Osteoporose.

Neben der DXA-Methode gibt es noch zwei weitere Verfahren zur Knochendichtebestimmung: QCT (quantitative Computertomografie) und QUS (quantitativer Ultraschall). QCT ist allerdings nicht so genau wie die DXA-Methode, und bei QUS sind die Patienten zwar keiner Strahlung ausgesetzt, allerdings ist die Methode noch nicht ganz ausgereift.

Neben der Bestimmung der Knochendichte gehören zur Diagnostik noch die Anamnese (Erhebung der Krankengeschichte), die körperliche/klinische Untersuchung, die Blutuntersuchung und bei Verdacht auf Knochenbrüche auch bildgebende Verfahren (Röntgenuntersuchung).

Arztgespräch Osteoporose
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Behandlung der Osteoporose

Bei der Behandlung kann zwischen basistherapeutischen Massnahmen und spezifischen Medikamenten unterschieden werden. Die basistherapeutischen Massnahmen spielen eine sehr wichtige Rolle und bestehen aus Schmerzlinderung, ausreichender Bewegung bzw. konsequenter Anwendung einer Osteoporose-Gymnastik mit dem Ziel des Muskelaufbaus sowie der Sicherstellung einer ausreichenden Versorgung des Körpers mit Kalzium und Vitamin D.

Eine bereits vorhandene Osteoporose kann nicht rückgängig gemacht werden. Daher kommt der Vorbeugung und dem Stopp des Knochenabbaus besondere Bedeutung zu. Wichtig sind dabei kalziumreiche und ausgewogene Ernährung sowie regelmässige Bewegung. Insbesondere Kalzium senkt das Risiko für Knochenbrüche. Auch Vitamin-D-Präparate werden empfohlen.

Bei fortgeschrittener Osteoporose werden Medikamente eingesetzt, die den übermässigen Abbau des Knochens stoppen und die noch vorhandene Knochenmasse stärken sollen. Für die Hemmung des Knochenabbaus werden häufig Bisphosphonate eingesetzt, aber auch andere Medikamente sind zugelassen. Östrogene und Gestagene werden nur in Ausnahmefällen und vorübergehend verschrieben, z.B. bei starken Hitzewallungen und Schweissausbrüchen in den Wechseljahren.

Medikamentöse Therapie der Osteoporose

Die medikamentöse Therapie ist nicht nur von der Ausprägung der Osteoporose abhängig, sondern auch alters- und geschlechtsabhängig. Es gibt heutzutage einige sehr wirksame, gut verträgliche und sichere Arzneimittel zur Behandlung der Osteoporose. Meistens handelt es sich dabei um Tabletten, die wöchentlich oder monatlich eingenommen werden müssen, es gibt aber auch Präparate, die als Spritze oder Infusion in unterschiedlich langen Zeitabständen verabreicht werden.

Derzeit gibt es folgende Wirkstoffklassen zur Therapie der manifesten Osteoporose:

  • Bisphosphonate – reichert sich im Knochen an und hemmt den Abbau der Knochenmasse.
  • Strontiumranelat – verringert das Risiko, einen Knochenbruch an der Wirbelsäule oder der Hüfte zu erleiden. Der Wirkstoff hemmt den Knochenabbau und steigert gleichzeitig den Knochenaufbau. Heutzutage wird Strontiumranelat wegen eines ungünstigen Nebenwirkungsprofils kaum noch eingesetzt.
  • Raloxifen – gehört zur Gruppe der selektiven Estrogenrezeptormodulatoren (SERM) und verringert nicht nur den Knochenabbau, sondern auch den Verlust von Kalzium durch die Nieren, was zu einer Vermehrung von Kalzium im Körper führt. Raloxifen kann als Therapie und in der Vorbeugung von Knochenschwund in den Wechseljahren eingesetzt werden.
  • Teriparatid – ähnelt dem körpereigenen Parathormon (welches in der Nebenschilddrüse hergestellt wird) und wirkt anregend auf den Knochenaufbau. Es wird als Injektionslösung verabreicht, vor allem in der Therapie der Osteoporose in den Wechseljahren.
  • Denosumab – ist ein Antikörperpräparat, welches sehr gezielt in den Knochenstoffwechsel eingreift, da es die Reifung der knochenabbauenden Zellen (Osteoklasten) verhindert.

Vorbeugung der Osteoporose

Wichtig in der Vorbeugung einer Osteoporose sind eine kalziumreiche und ausgewogene Ernährung, regelmässige Bewegung und die Stärkung der Muskulatur, der Verzicht auf übermässigen Alkoholkonsum und Rauchen. Auch sollte Untergewicht vermieden werden. Ausserdem ist es wichtig, Medikamente, die Knochenschwund begünstigen können — z. B. Kortison- oder Schilddrüsenhormonpräparate — nur gezielt und nicht ohne ärztliche Überwachung anzuwenden.