Bandscheibendegenerationen

01.02.2021
Dr. rer. nat. Marcus Mau
Autor des Fachartikels

Die Bandscheiben liegen wie eine Art Pufferkissen zwischen den Wirbelkörpern und federn unter anderem die Stosswirkungen ab, welche täglich die Wirbelsäule belasten. In ihrem Inneren enthalten die Bandscheiben einen gallertigen Kern, der über die Jahrzehnte an Feuchtigkeit und Elastizität verliert. Abrieb und Belastungen – wie z. B. Übergewicht – verschleissen das Pufferkissen zusätzlich, sodass es langsam abbaut (degeneriert). Diesen Prozess nennen Experten Bandscheibendegeneration. Diese endet nicht selten im schmerzhaften Bandscheibenvorfall. Doch wie macht sich eine Bandscheibendegeneration überhaupt bemerkbar und was kann dann noch dagegen getan werden?

ICD-Codes für diese Krankheit: M51.3

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Artikelübersicht

Die Bandscheibendegeneration, auch als Bandscheibenverschleiss bezeichnet, geht vor allem mit der Abnutzung der Zwischenwirbelscheiben einher. Häufig betroffen sind die Bandscheiben der Halswirbelsäule (HWS) sowie der Bereich der Lendenwirbelsäule (LWS). Meist bleibt nur die symptomatische Schmerzbehandlung, in einigen Fällen kann jedoch auch eine Operation notwendig werden.

Ursachen der Bandscheibendegeneration

Obgleich krankhafte Veränderungen (z. B. Wirbelbrüche oder Wirbelsäulenverkrümmungen) an der Wirbelsäule die Bandscheibendegeneration fördern können, ist insbesondere das Altern eine Hauptursache der Erkrankung. Mit zunehmendem Alter verlieren die Bandscheiben ihre Fähigkeit, Wasser einzulagern und werden dadurch weniger elastisch und flachen ab. Es kommt in der Folge zur Höhenabnahme der Bandscheibe und diese bekommt leichter Risse.

Mangelnde körperliche Bewegung sowie das in der Bevölkerung weit verbreitete Übergewicht belasten die Bandscheiben zusätzlich und beschleunigen die Bandscheibendegeneration. Ebenso schädlich ist die dauerhafte Druckbelastung der Wirbelsäule beispielsweise beim Lastenheben oder durch Fehler beim Tragen von schweren Gegenständen.

Welche Symptome macht eine Bandscheibendegeneration?

Meist verläuft die Bandscheibendegeneration schleichend, sodass anfangs gar keine Symptome auftreten. Je nach Lage und Ausmass des Bandscheibenverschleisses kann es jedoch im weiteren Verlauf zu sehr unterschiedlichen Symptomen kommen. In der Regel führt die Erkrankung in den meisten Fälle zu Schmerzen, die bis in Bauch oder Brust ausstrahlen können. Darüber hinaus treten Schmerzen nicht selten beim Husten, Niesen oder Pressen auf. 

Eine sehr häufige Verlaufsform des Bandscheibenverschleisses ist der Bandscheibenvorfall. Dieses Akutereignis tritt ein, wenn die Bandscheibe über längere Zeit so sehr gedrückt wird, dass der Gallertkern über die Wirbelkörper hinausragt und beginnt, auf die Nervenwurzeln zu drücken. Ärzte sprechen dann von der sogenannten Protrusion, einer Vorwölbung der entsprechenden Bandscheibe. In der Folge treten neben Schmerzen auch darauf zurückgehende Stimmungsschwankungen auf. Ebenfalls fördert die Schmerzsymptomatik eine Schonhaltung und weitere Bewegungseinschränkungen, welche andere Gelenke schädigen können.

Je nach Ausmass der Bandscheibendegeneration sind mitunter Nerven und Blutgefässe beeinträchtigt, wodurch es zu Sensibilitätsstörungen, Durchblutungsstörungen oder Empfindungseinschränkungen bis hin zu Lähmungen kommen kann. 

Diagnose „Bandscheibendegeneration“

An die Schmerzanamnese schliesst sich in der Regel beim Orthopäden eine körperliche Untersuchung an. Bei Sensibilitätsstörungen kann es unter Umständen notwendig sein, einen Facharzt für Neurologie hinzuzuziehen. 

Besteht der Verdacht – z. B. auf Bandscheibenvorfall – wird eine Bildgebung nötig. Im Röntgenbild ist die Wirbelkörperstruktur sichtbar und Veränderungen an den Zwischenwirbelscheiben werden indirekt anhand der Abstände zwischen den Wirbeln erkannt. 

Die Magnetresonanztomographie (MRT) wird hingegen eingesetzt, wenn es darum geht, die Weichgewebeanteile der Bandscheibendegeneration sichtbar machen zu wollen. Dazu gehören beispielsweise die Bandscheibe selbst, angrenzende Nerven und Blutgefässe sowie eine detaillierte Darstellung des Wirbelkanals.

Wie wird die Bandscheibendegeneration behandelt?

Schäden an den Bandscheiben können konventionell nicht repariert werden. Daher beschränkt sich die Behandlung der Bandscheibendegeneration auf die Schmerztherapie. Dabei geht es allerdings keinesfalls nur darum, Schmerzmittel einzunehmen. Vielmehr soll über Verhaltensänderungen sowie eine physiotherapeutische Begleitung und Krankengymnastik ein Fortschreiten der Erkrankung verhindert werden.

Die Bandscheiben-Operation ist zumeist der letzte Schritt, wenn eine medikamentöse oder die physiotherapeutische Behandlung die Symptome nicht lindern können oder sich die Schmerzen bereits chronifiziert haben. Ebenso kann die Wirbelsäulenchirurgie bei einem lumbalen Bandscheibenvorfall (Prolaps) nötig werden, der vor allem im jüngeren Lebensalter – zwischen 30. und 50. Lebensjahr – und im Bereich der Lendenwirbelsäule auftritt.

Die Operation bietet dann zwei unterschiedliche Wege, die Symptome zu behandeln:

  • Zum einen gibt es den sogenannten Bandscheibenersatz mithilfe einer Bandscheibenprothese.
  • Zum anderen besteht die Möglichkeit, ganz auf die Bandscheibe im betroffenen Zwischenwirbelbereich zu verzichten und die Wirbelsäule dort stattdessen operativ zu versteifen (= Spondylodese).

Der Bandscheibenersatz

Eine Bandscheibenprothese dient vor allem dazu, die Versteifung der Wirbelsäule zu verhindern und so einen gewissen Grad an Beweglichkeit zu bewahren. Die Wirbelsäulenchirurgie zum Bandscheibenersatz kann heutzutage bereits minimalinvasiv erfolgen, sodass keine grossen Schnitte mehr nötig sind. Während des Eingriffes wird anstelle der körpereigenen Bandscheibe eine künstliche Bandscheibe eingesetzt, die in ihren Materialeigenschaften die Funktion der Bandscheiben in der Wirbelsäule „nachahmt“. Die natürliche Beweglichkeit kann dadurch selbstverständlich nicht zu 100% wieder hergestellt werden. Ohne Verhaltensänderung besteht zudem zumindest ein Restrisiko, dass die künstliche Bandscheibe sich verschiebt oder es an anderer Stelle in der Wirbelsäule zur weiteren Bandscheibendegeneration kommt.

Vorteile der Mikrochirurgie beim Bandscheibenersatz sind zum Beispiel:

  • Kleine Schnittgrössen für den Zugang (1,5–2 cm),
  • gute Ergebnisse der OP,
  • nur geringes Infektionsrisiko,
  • niedrige Komplikationsraten,
  • schnellere Mobilisierung der PatientInnen nach der OP. 

Der Nachteil besteht insbesondere darin, dass es nach der Operation notwendig ist, noch eine Zeitlang eine Infektionsprophylaxe sowie eine Thromboseprophylaxe durchzuführen, um Komplikationen durch Krankheitserreger oder Durchblutungsstörungen zu verhindern. 

Prognose und Vorbeugung bei Bandscheibendegeneration

Um den Bandscheibenverschleiss zu bremsen oder Schäden an weiteren Bandscheiben sowie an Gelenken zu verhindern, sollen Patienten möglichst ein Normalgewicht halten. Übergewicht und Bewegungsmangel fördern hingegen die Bandscheibendegeneration. 

Darüber hinaus sind schonende Sportarten wie Schwimmen, Radfahren oder Nordic Walking dazu geeignet, wieder etwas aktiver zu werden und dem Rücken ein wenig seiner Alltagsbelastungen zu nehmen.

Die Operation in weit fortgeschrittenen Fällen kann die natürliche Beweglichkeit der Wirbelsäule selbst bei Bandscheibenersatz nicht wieder herstellen. Jedoch führt sie gerade bei Patienten mit chronischen Rückenschmerzen infolge einer Bandscheibendegeneration zu einer höheren Lebensqualität. In 75–90% der Fälle kann durch die Operation eine Symptomverringerung bis hin zur Symptomfreiheit erreicht werden.

Wer behandelt eine Bandscheibendegeneration?

Je nachdem, wie ausgeprägt der Bandscheibenverschleiss bereits ist – z. B. bei Bandscheiben-Protrusion (Vorwölbung) oder bei einem Prolaps („Bandscheibenvorfall“) – und ob Nerven und Blutgefässe beeinträchtigt werden, behandeln Orthopäden und Neurologen gemeinsam dieses Erkrankungsbild.

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Die Qualitätssicherung des Leading Medicine Guide wird durch 10 Aufnahmekriterien sichergestellt. Jeder Arzt muss mindestens 7 davon erfüllen.

  • Mindestens 10 Jahre Operations- und Behandlungserfahrung
  • Beherrschung moderner diagnostischer und operativer Verfahren
  • Repräsentative Anzahl an Operationen, Behandlungen und Therapien
  • Herausragender Behandlungsschwerpunkt innerhalb des eigenen Fachbereiches
  • Engagiertes Mitglied einer führenden nationalen Fachgesellschaft
  • Leitende berufliche Position
  • Aktive Teilnahme an Fachveranstaltungen (z.B. Vorträge)
  • Aktiv in Forschung und Lehre
  • Ärzte- und Kollegenakzeptanz
  • evaluatives Qualitätsmanagement (z.B. Zertifizierung)
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