Die zerebrale (lat.: cerebrum = Gehirn) Ischämie (griech.: ischaimia = Blut zurückhalten) zählt zu den Hirndurchblutungsstörungen und wird auch als Hirninfarkt oder Hirnschlag bezeichnet. Sie gilt als häufigste Variante eines Schlaganfalls und basiert auf einer zu geringen Durchblutung des Gehirns, die plötzlich in Erscheinung tritt. Die Langzeitfolgen dieser verminderten arteriellen Blutzufuhr sind oftmals gravierend und bemessen sich an der Schwere des Vorfalls sowie der Dauer, die zwischen dem Ereignis und dem Beginn der Behandlung lag.
ICD-Codes für diese Krankheit: I67.88

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Ursachen für eine zerebrale Ischämie

Nahezu 85 Prozent aller Schlaganfälle werden durch einen solchen Gefässverschluss ausgelöst. Die verbleibenden 15 Prozent manifestieren sich in Form des hämorrhagischen (blutenden) Schlaganfalls, der auch Hirnblutung genannt wird. Hier ist ein geplatztes Gefäss der Auslöser für den Vorfall.

Wenn Sie mit einer zerebralen Ischämie konfrontiert sind, so sind die zentralen Ursachen entweder eine Thrombose oder eine Embolie. Bei der Thrombose hat sich in einem Gefäss des Gehirns ein sogenannter Thrombus (Blutpfropf) gebildet, der es verschliesst. Hierfür sind Ablagerungen innerhalb des Gefässes verantwortlich, die in der Regel auf eine Arteriosklerose (Schlagader-Verhärtung) zurückgehen.

Durch den Verschluss wird das im Gehirn befindliche Gewebe nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgt. Eine eingeschränkte Funktionalität ist die Folge. Wenn der Zustand fortdauert, sterben die zugehörigen Nerven und das Gewebe ab.

Bei einer Embolie (Gefässverschluss) besteht ein Blutgerinnsel, das sich ausserhalb des Gehirns gebildet hat, beispielsweise im Herzen. Von dort aus gelangt der Thrombus über den Blutkreislauf ins Gehirn und verursacht den Verschluss eines Blutgefässes. Der Grund für die Verstopfung im Hirnbereich sind die Arterien, die umso dünner werden, je näher sie am Gehirn liegen.

Blutversorgende Hirngefässe

Die Versorgung Ihres Gehirns mit Blut ist lebensnotwendig für dessen Gesundherhaltung und Funktionalität. Die Blutversorgung wird von zwei Arterienpaaren geregelt. Bereits zehn Sekunden ohne ausreichende Blutzufuhr resultieren in einer Bewusstlosigkeit. Nach etwa zwei bis drei Minuten folgt ein Absterben der Nervenzellen und eine dauerhafte Schädigung des Hirngewebes.

In der Hirnbasis treffen sich die beiden Arterienpaare zu einem ringförmig angeordneten Arterienkreis, der als Willis-Kreis (benannt nach dem Arzt Thomas Willis) bekannt ist. Von ihm gehen drei weitere grosse Arterien ab, die ebenfalls paarweise angeordnet sind.

Bei einer zerebralen Ischämie, die auf einen Gefässverschluss unterhalb des Willis-Kreises zurückgeht, sind die anderen Arterien in der Lage, Ihre Blutversorgung weitgehend zu gewährleisten. Ist der Verschluss hingegen oberhalb des Willis-Kreises in den Hirnarterien angesiedelt, ist ein Ausgleichen nicht mehr möglich, und eine Schädigung ist die Folge.

Symptome von Hirndurchblutungsstörungen

Die Symptome, die mit einer Minderdurchblutung des Gehirns einhergehen, fallen sehr unterschiedlich aus und sind häufig auch parallel möglich. Es kommt hierbei grundlegend auf das Areal an, das von einer reduzierten Sauerstoffzufuhr beeinträchtigt wird. Auch die Dauer, während der die Anzeichen wahrnehmbar sind, variiert und ist entweder fortdauernd oder vergeht wieder.

Die wesentlichen Symptome, die es zu erkennen und richtig einzuordnen gilt, sind:

  • Störungen des Sprachzentrums,
  • motorische Einschränkungen,
  • einseitige Taubheitsgefühle,
  • Verständnisstörungen,
  • Schwindel,
  • Beeinträchtigung des Sehens,
  • erhebliche Kopfschmerzen.

Wird dies bei Ihnen oder anderen Betroffenen bemerkt, ist umgehend die Rettungsstelle zu informieren. Sie kommen dann in die sogenannte Stroke Unit (Schlaganfallszentrum) eines Krankenhauses, die auf die Behandlung von Schlaganfällen spezialisiert ist und entsprechend zum Überleben und der Eingrenzung von Folgeschäden beträgt.

Diagnose von Hirndurchblutungsstörungen

Die Lebensrettung sowie die Folgen des Schlaganfalls hängen stark von der richtigen Diagnose ab. Je zeitnaher und korrekter die Diagnosestellung erfolgt, desto besser die Aussichten auf eine umfassende Linderung.

In der Stroke Unit wird zunächst abgeklärt, welcher Art und Ausprägung die Einschränkungen Ihrer Nervenfunktionen sind. Weiterhin erfolgt eine Kontrolle des Zustands der Gefässe und Gewebestrukturen im Gehirn, hier vor allem eine Überprüfung eventueller Schädigungen. Mittels Blutuntersuchung werden verschiedene Parameter erhoben, darunter der Gerinnungsfaktor oder auch der Blutzuckerwert.

Wesentlich ist das Feststellen der genauen Form des Schlaganfalls, um daraus resultierend die richtige Behandlung in die Wege zu leiten. Patienten mit einer zerebralen Ischämie bedürfen eines anderen Behandlungskonzeptes als jene, die mit einer Hirnblutung konfrontiert sind und häufig eine Operation am gerissenen Gefäss benötigen.

Risiken bei zerebralen Durchblutungsstörungen

Wenn eine zerebrale Ischämie nicht sehr zeitnah erkannt wird, ist die Aussicht auf Heilung äusserst gering. Ein ischämischer Schlaganfall ist grundsätzlich ein medizinischer Notfall und wird mit der entsprechenden Dringlichkeit eingestuft und behandelt. Die Prävention ist hier oberstes Gebot, denn ein Hirnschlag kommt in der Regel plötzlich, und nur selten werden Gefässschäden und Vorzeichen rechtzeitig erkannt.

Risiken, die eine Entstehung des Schlaganfalls begünstigen, sind vor allem:

  • Rauchen,
  • Übergewicht,
  • Bluthochdruck,
  • Diabetes mellitus,
  • chronischer Bewegungsmangel.

Spätestens wenn Sie körperliche Missempfindungen oder Gedächtnisstörungen bei sich wahrnehmen oder in Ihrem Umfeld erleben, ist eine ärztliche Abklärung sinnvoll. Eine frühzeitig erkannte Arteriosklerose beispielsweise ist durch eine Lebensstiländerung und Medikamente gut behandelbar und senkt so Ihr Schlaganfallsrisiko.

Behandlung von Hirndurchblutungsstörungen

Die für die Behandlung von Hirndurchblutungsstörungen zuständigen Fachärzte sind interdisziplinär verortet. Zunächst ist der Neurologe Spezialist für Hirn- und Nervenerkrankungen und damit primär zur Behandlung befugt. Der Internist (Innere Medizin) bringt seine Kompetenz im Bereich von Gefässerkrankungen mit, der Kardiologe ist für Herzerkrankungen und den Zusammenhang zwischen einem Gerinnsel im Herzen und dem Schlaganfall zuständig. Je nach präziser Diagnosestellung kommen weitere Fachrichtungen hinzu, darunter Gefässchirurgen und Radiologen.

Die ersten sechs Stunden nach dem erlittenen Schlaganfall sind wesentlich für die Heilungschancen. Innerhalb dieses Zeitrahmens ist häufig noch eine medikamentöse Therapie möglich. Das wichtigste Verfahren ist hier die sogenannte Lyse (griech.: lösen). Der Arzt verabreicht Injektionen, die das Gerinnsel auflösen. Bei einem weiteren Verfahren wird ein spezieller Stent-Retriever (Gitternetz) über einen Katheter über die Leistenarterie bis zur verschlossenen Arterie geführt. Das Gerinnsel bleibt im Gitternetz hängen und wird anschliessend beseitigt.

Wenn diese beiden Methoden nicht mehr greifen, dann dienen therapeutische Interventionen zu einer Verbesserung der Langzeitfolgen des Schlaganfalls. Dies ist für Sie in der Regel mit einer rehabilitativen Massnahme verbunden, in der eine Symptomrückbildung, beispielsweise bei Lähmungen, Sprach- und motorischen Störungen, angestrebt wird.

Fazit

Bei der zerebralen Ischämie sind Sie mit der häufigsten Form eines Schlaganfalls konfrontiert. Die Ursache ist eine akut auftretende Minderdurchblutung des Gehirns. Die auftretenden Symptome hängen davon ab, wo genau der Arzt die Durchblutungsstörung lokalisiert. Ein Schlaganfall ist ein medizinischer Notfall und muss zeitnah in einer Stroke Unit behandelt werden. Die Heilungs- und Genesungschancen hängen primär vom schnellen Therapiebeginn und der Schwere des Vorfalls ab.

Quellen

  • https://flexikon.doccheck.com/de/Hirninfarkt
  • https://www.amboss.com/de/wissen/Isch%25C3%25A4mischer_Schlaganfall
  • https://www2.medizin.uni-greifswald.de/neuro_ch/?id=429
  • https://reha-nach-schlaganfall.de/zerebrale-ischamie/
  • https://www.ratgeber-neuropsychologie.de/SHT/SHT1.html
  • https://www.msdmanuals.com/de-de/profi/neurologische-krankheiten/apoplex/isch%C3%A4mischer-insult