PAVK - Symptome, Ursachen, Therapie | Finden Sie den richtigen Arzt

18.03.2021
Prof. Dr. med. Gerhard Rümenapf
Medizinischer Fachautor

Die periphere arterielle Verschlusskrankheit, kurz PAVK oder umgangssprachlich “Schaufensterkrankheit” genannt, ist eine chronische Gefässerkrankung. Durch eine Verengung oder einen Verschluss der Beinarterien kommt es dabei zu Durchblutungsstörungen in den Beinen. Typischerweise äussert sich die PAVK durch Schmerzen beim Gehen und eine Einschränkung der Gehfähigkeit. Hauptursache der Schaufensterkrankheit ist die Arterienverkalkung. 

Hier finden Sie alle Informationen über die Symptome, Ursachen, Diagnose und Therapie der PAVK sowie empfohlene PAVK-Spezialisten.

ICD-Codes für diese Krankheit: I70.2

Empfohlenen PAVK-Spezialisten

Kurzübersicht:

  • Was ist PAVK? Die periphere arterielle Verschlusskrankheit (“Schaufensterkrankheit”) ist eine chronische Gefässerkrankung, bei der es zu Durchblutungsstörungen in den Beinen kommt.
  • Ursachen: Zu 90 % ist Arteriosklerose die Ursache, also Gefässverkalkung, wodurch nicht mehr genug Blut durch die Beinarterien gelangen kann. Auch entzündliche Gefässerkrankungen können die Erkrankung auslösen.
  • Risikofaktoren: Es gelten die Risikofaktoren für Arteriosklerose, d. h. Rauchen, Diabetes, Bluthochdruck sowie erhöhte Blutfettwerte.
  • Symptome: Die Beschwerden nehmen im Verlauf weiter zu. Typisch sind Schmerzen beim Gehen, Kälte- und Schwächegefühl in den Beinen, Muskelschmerzen durch Belastung der Beine, später auch Absterben von Gewebe an den Zehen, Knöcheln und der Ferse.
  • Vier Stadien: Ab Stadium II machen sich Beschwerden bemerkbar, vor allem eine eingeschränkte Gehstrecke. In Stadium III treten auch Schmerzen in Ruhe auf. In Stadium IV kommt es zum Absterben von Gewebe.
  • Diagnose: Während der körperlichen Untersuchung tastet der untersuchende Arzt zunächst die Pulse in den Leisten, Kniekehlen und an den Knöcheln und dem Fussrücken beider Beine ab. Anschliessend untersucht er die Arterien mit einer Dopplersonde und führt eine Druckmessung an den Fussarterien durch (Dopplerdruckmessung) durch. Es folgt die Untersuchung mittels Farbduplexsonographie.
  • Behandlung: Je nach Stadium kommen verschiedene Ansätze in Betracht, darunter die Gabe von Medikamenten, Gehtraining, Gefässaufdehnung mit Stents sowie eine Gefäss-OP.
  • Zuständige Fachbereiche: Angiologie und Gefässchirurgie.

Artikelübersicht

Definition: Was ist PAVK?

Die periphere arterielle Verschlusskrankheit, kurz PAVK, ist eine chronische Gefässerkrankung. Aufgrund einer Verkalkung der Beinarterien kommt es dabei zu Durchblutungsstörungen und damit einem Sauduplexerstoffmangel in den Beinen. Die Folge sind Schmerzen beim Gehen und eine Einschränkung der Gehfähigkeit.

Betroffene sind nach einer bestimmten Gehschlastrecke gezwungen stehenzubleiben, bis die Schmerzen nachgelassen haben. Sie bleiben deshalb insbesondere beim Einkaufen in regelmässigen Abständen vor Schaufenstern stehen. Daraus entstand der umgangssprachliche Begriff "Schaufensterkrankheit".

Seniorin mit Schmerzen beim Gehen

Betroffene haben Schmerzen beim Gehen und müssen deshalb häufiger stehenbleiben © Viacheslav Iakobchuk | AdobeStock

Mediziner bezeichnen die PAVK auch als Claudicatio intermittens (lat. für "zeitweiliges Hinken"). Umgangssprachlich ist die Erkrankung ausserdem als Raucherbein bekannt, da das Rauchen ein wichtiger Risikofaktor ist.

Häufigkeit der PAVK

Bei der PAVK handelt es sich um eine weit verbreitete Gefässkrankheit. So leiden in Deutschland nach Angaben der Deutschen Gesellschaft für Angiologie (DGA) etwa 4,5 Millionen Menschen an der peripheren arteriellen Verschlusskrankheit. In der Altersgruppe der über 65-Jährigen sollen insgesamt etwa 20 Prozent von der Schaufensterkrankheit betroffen sein. Vor allem Raucher leiden besonders häufig an der PAVK.

Senioren Raucher

Vor allem über 65-Jährige und Raucher sind häufig von PAVK betroffen © Hunor Kristo | AdobeStock

Ursachen und Risikofaktoren der PAVK

Die periphere arterielle Verschlusskrankheit entsteht durch eine Verengung (Stenose) oder einen Verschluss (Okklusion) der Beinarterien. Verantwortlich hierfür ist in etwa 90 Prozent der Fälle eine Gefässverkalkung, auch Arteriosklerose genannt. Die restlichen 10 Prozent der arteriellen Verschlusskrankheiten sind auf entzündliche Gefässerkrankungen zurückzuführen.

Wie eine Arteriosklerose und damit auch die periphere arterielle Verschlusskrankheit entsteht, zeigt das folgende Video: 

Zu den wichtigsten Risikofaktoren für die Entstehung einer Arteriosklerose und folglich auch der PAVK gehören

Symptome der Schaufensterkrankheit

Die Beschwerden hängen von der Ausprägung der Gefässverengung bzw. des Gefässverschlusses ab. Im Frühstadium der Erkrankung sind die Gefässverengungen der Arterien in den Beinen noch nicht so stark ausgeprägt, so dass die Schaufensterkrankheit zunächst keine Beschwerden verursacht. 

Erst wenn die Gefässverengungen soweit fortgeschritten sind, dass das Gewebe nicht mehr ausreichend mit Nährstoffen und Sauerstoff versorgt werden kann, treten Schmerzen und Beschwerden auf. Zu den typischen Symptomen der PAVK gehören:

  • Schmerzen beim Gehen, je nach Lokalisation der Gefässverengung entweder in den Waden, im Gesäss oder in den Oberschenkeln
  • zunehmende Einschränkung der Gehstrecke
  • später auch Schmerzen in den Füssen und Zehen im Ruhezustand
Schmerzen im Fuss

Schmerzen in den Waden sind typisch für die periphere arterielle Verschlusskrankheit © Satjawat | AdobeStock

Weitere häufige Symptome der Schaufensterkrankheit sind

  • ein Kälte- und Schwächegefühl in den Beinen,
  • eine Kälte und Blässe des betroffenen Beins sowie
  • Muskelschmerzen bei Belastung.

Im fortgeschrittenen Stadium kann es durch die fehlende Durchblutung auch zu schwerwiegenden Komplikationen wie Unterschenkelgeschwüren sowie einem Absterben des Gewebes an den Zehen, den Knöcheln und der Ferse kommen.

Da die Schaufensterkrankheit in den meisten Fällen durch Arteriosklerose verursacht wird, haben PAVK-Patienten zudem ein erhöhtes Risiko, einen Herzinfarkt oder Schlaganfall zu erleiden. Der Herzinfarkt ist die häufigste Todesursache bei PAVK-Patienten.

Schlaganfall

PAVK-Patienten haben ein erhöhtes Schlaganfall-Risiko © Alexandr Mitiuc | AdobeStock

Stadien der peripheren arteriellen Verschlusskrankheit

Je nach Schwere der Beschwerden unterscheiden Mediziner vier verschiedene Stadien der PAVK:

  • Im Stadium I liegen noch keine Beschwerden vor. Mediziner bezeichnen die Gefässerkrankung in diesem Stadium deshalb auch als asymptomatische PAVK.
  • Im Stadium II leiden Betroffene unter Beschwerden beim Gehen und einer eingeschränkten Gehstrecke.
  • Stadium III ist durch zusätzlich auftretende Ruheschmerzen gekennzeichnet.
  • Im Stadium IV stirbt das Gewebe ab, was auch als Nekrose oder Gangrän bezeichnet wird.

Ab Stadium III und IV besteht unmittelbare Amputationsgefahr.

Gangrän / Nekrose Fuss

Als schwerwiegende Komplikation kann es im letzten Stadium zum Absterben von Gewebe (Nekrose oder Gangrän genannt) in der unteren Extremität kommen © DOUGLAS | AdobeStock

Diagnose der PAVK

Beim Verdacht auf Schaufensterkrankheit kann der Arzt eine Reihe von Untersuchungen durchführen, um die Diagnose zu sichern. Hierzu gehören beispielsweise

  • die körperliche Untersuchung, bei der der Arzt die Pulse des betroffenen Beins abtastet, und
  • die Durchführung einer Dopplerdruckmessung (Duplexsonographie) mit einem speziellen Ultraschallgerät zur Bestimmung des sogenannten Knöchel-Arm-Index.

Ergibt der Knöchel-Arm-Index, dass der Blutdruck am Knöchel im Verhältnis zum Blutdruck am Arm stark erniedrigt ist, deutet dies auf eine Verengung der Beinarterien und damit ein Vorliegen der PAVK hin. Mit der Duplexsonographie kann der Untersucher die Arterien vom Becken bis zum Fuss untersuchen und dabei sowohl die Beschaffenheit der Gefässwand beurteilen, als auch den Blutfluss in der Arterie.

Dopplersonographie

Duplexsonographie der Beinarterien © New Africa | AdobeStock

Behandlung der Schaufensterkrankheit

Der Arzt wählt die Therapie abhängig vom Stadium der PAVK aus. Zunächst müssen alle Risikofaktoren ausgeschaltet werden. Dazu gehört der Verzicht auf Nikotin ebenso wie die Einstellung des Blutdrucks. Ein kontrolliertes Gehtraining kann die Beschwerden ebenfalls verbessern.

Für die Behandlung der PAVK stehen je nach Stadium der Gefässerkrankung verschiedene Therapiemethoden zur Verfügung, darunter unter anderem

  • die medikamentöse Behandlung mit Mitteln, die die Durchblutung in den Gefässen fördern,
  • strukturiertes Gehtraining, am besten in PAVK-Sportgruppen,
  • interventionelle Massnahmen wie die Gefässaufdehnung mit Stents sowie
  • operative Massnahmen wie die Bypass-OP.

Zur medikamentösen Therapie kann der Arzt Gerinnungshemmer oder Wirkstoffe wie Acetylsalicylsäure verordnen. Operative Massnahmen wie ein Gefässbypass führt der PAVK-Spezialist hingegen erst in späteren Erkrankungsstadien durch.

Wie eine Gefässaufdehnung mit Stents erfolgt, zeigt das folgende Video:

Prognose: Ist die Schaufensterkrankheit heilbar?

Eine fortgeschrittene Arteriosklerose und somit auch periphere arterielle Verschlusskrankheit ist nicht rückgängig zu machen. Bei einem frühzeitigen Beginn der Therapie lässt sich ein Fortschreiten der Erkrankung aber erheblich verlangsamen oder sogar ganz stoppen. Für eine gute Prognose ist vor allem die Mitarbeit des Patienten gefragt. Um die Risikofaktoren auszuschalten, sollten PAVK-Patienten unter anderem

  • auf das Rauchen verzichten,
  • auf ihre Blutzucker-, Blutdruck- und Cholesterinwerte achten,
  • sich gesund ernähren,
  • sich ausreichend bewegen
  • und ihr Gewicht reduzieren.

Welche Fachärzte und Spezialisten behandeln die PAVK?

Da die PAVK eine Erkrankung der Blutgefässe ist, übernehmen in der Regel Experten aus den medizinischen Fachbereichen Angiologie und Gefässchirurgie die Behandlung.

Spezialisten aus beiden Fachgebieten sind in der Lage, mit den oben beschriebenen Untersuchungsmethoden zu beurteilen, ob die Beschwerden von einer PAVK stammen, wo die Probleme liegen, und wie sich die Durchblutung am besten wiederherstellen lässt. Dabei hat der Gefässchirurg bezüglich der Behandlungsmethoden das grösste Spektrum, denn er beherrscht nicht nur die konservativen Behandlungsmethoden, er kann auch die endovaskulären Methoden (Ballonkatheter, Stent) und die offenen gefässchirurgischen Methoden anbieten.

Weitere Informationen zu diesen Behandlungsmethoden finden Sie hier.

Quellen

Quellen:

  • S3-Leitlinie zur Diagnostik, Therapie und Nachsorge der peripheren arteriellen Verschlusskrankheit, https://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/065-003m_S3_PAVK_periphere_arterielle_Verschlusskrankheitfinal-2015-11.pdf
  • https://www.dga-gefaessmedizin.de/de/patienten/arterielle-erkrankungen/pavk.html
  • http://www.deutsche-gefaessliga.de/index.php/gefaesserkrankungen/schaufensterkrankheit
  • https://www.diakonissen.de/diakonissen-stiftungs-krankenhaus-speyer/klinik-fuer-gefaesschirurgie/schwerpunkte/arterielle-verschlusskrankheit-pavk-der-beinschlagadern/
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