Herzinsuffizienz - Medizinische Experten

10.07.2020
Dr. Claus  Puhlmann
Medizinischer Fachautor

Bei der Herzinsuffizienz ist das Herz nicht mehr in der Lage, den Körper ausreichend mit Blut zu versorgen. Typische Beschwerden der Herzschwäche  sind Atemnot und Ödeme sowie Leistungsminderung. Anhand der Symptome wird die Herzmuskelschwäche in die NYHA-Stadien I bis IV eingeteilt. Die Therapie erfolgt medikamentös und invasiv.

ICD-Codes für diese Krankheit: I11, I50

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Kurzübersicht:

  • Was ist Herzinsuffizienz? Eine Funktionsstörung des Herzens, so dass chronisch zu wenig Blut in den Organismus gepumpt wird.
  • Formen & Stadien: Eine Herzinsuffizienz kann sich langsam oder innerhalb weniger Stunden oder Tage entwickeln. Ausserdem kann nach linker oder rechter Herzhälfte als Ursache unterschieden werden. Eine Unterteilung in vier Stadien präzisiert, wie weit die Erkrankung bereits fortgeschritten ist.
  • Ursachen: Verschiedene Vorerkrankungen des Herzen führen letztlich zu einer Herzinsuffizienz, darunter die Koronare Herzkrankheit, Bluthochdruck, Herzklappenerkrankungen und weitere.
  • Symptome: Je nach Schweregrad zeigen sich unterschiedliche Beschwerden. Dazu gehören u. a. Husten, Atemnot und Wasseransammlungen in der Lunge.
  • Diagnose: Auf Verdacht können EKG, eine Blutuntersuchung, Röntgen sowie eine Echokardiographie Aufschluss bieten.
  • Behandlung: Die Erkrankung ist nicht heilbar, die Behandlung fokussiert sich daher auf die Symptomlinderung. Dazu kommen Medikamente zum Einsatz. Bei schweren Fällen kommen ein implantierbarer Kardioverter-Defibrillator oder ein Herzschrittmacher zum Einsatz; auch eine Herztransplantation kann notwendig sein.

Artikelübersicht

Was ist eine Herzinsuffizienz?

Bei der Herzinsuffizienz (Herzschwäche), liegt aufgrund verschiedener Ursachen eine Funktionsstörung des Herzens vor. Dadurch ist das Herz nicht mehr in der Lage, Blut ausreichend schnell oder stark durch die Blutgefässe in den Körper zu pumpen.

Einteilung der Herzinsuffizienz

Die Herzschwäche kann in verschiedene Formen unterteilt werden: Beginnt sie plötzlich innerhalb weniger Stunden oder Tage, liegt eine akute Herzschwäche vor. Von einer chronischen Herzinsuffizienz spricht man dagegen, wenn sich die Erkrankung über Monate oder gar Jahre entwickelt. In gewissem Mass kann der Körper die verminderte Leistung des Herzen bei einer chronischen Herzschwäche ausgleichen (kompensieren), zum Beispiel durch Verdickung der Herzwände und erhöhter Herzschlagfrequenz.

Patienten mit solch einer kompensierten Herzinsuffizienz haben häufig erst bei starker körperlicher Belastung Beschwerden. Dagegen treten bei der dekompensierten Herzschwäche bereits in Ruhe oder geringer körperlicher Belastung Symptome auf.

Ist für die Herzschwäche die linke Herzhälfte verantwortlich, besteht eine Linksherzinsuffizienz, bei der sich das Blut im Lungenkreislauf staut. Bei der Rechtsherzinsuffizienz ist die rechte Herzhälfte von der Störung betroffen, es kommt zu einem Blutstau im Körperkreislauf, und die globale Herzinsuffizienz zeigt Beschwerden beider Formen.

Es kann entweder eine verminderte Pumpfunktion des Herzmuskels vorliegen, dann besteht eine systolische Herzinsuffizienz (Herzmuskelschwäche), oder die Füllung des Herzens ist bei normaler Pumpleistung gestört (diastolische Herzinsuffizienz).

Stadien / Schweregrade der Herzschwäche

Die New York Heart Association (NYHA), eine amerikanische Gesellschaft, die sich mit Herzkrankheiten befasst, hat Kriterien entwickelt, anhand derer die Herzschwäche in Stadien / Schweregrade eingeteilt werden kann:

  • Im Stadium I bestehen keine Beschwerden (Atemnot und Schwäche) bei normaler körperlicher Belastung
  • Im Stadium II bestehen leichte Beschwerden (Atemnot und Schwäche) bei normaler körperlicher Belastung und Leistungsminderung
  • Im Stadium III besteht eine erhebliche Leistungsminderung bei gewöhnlicher körperlicher Belastung
  • Im Stadium IV besteht bereits in Ruhe Atemnot

Ursachen der Herzinsuffizienz

Ursachen sind Erkrankungen, die das Herz auf Dauer schädigen. Die häufigste Ursache ist die koronare Herzkrankheit (KHK) und als Folge davon der Herzinfarkt, bei der das Herz über verengte Herzkrankgefässe nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgt wird.

Bluthochdruck gehört ebenfalls zu den häufigen Ursachen. Hier muss das Herz eine höhere Leistung erbringen, was dem Körper auf Dauer nicht gelingt.

Weitere Ursachen können aber auch Herzklappenerkrankungen, Herzrhythmusstörungen und Herzmuskelentzündungen sowie einige andere Erkrankungen des Herzmuskels und der Lunge sein.

Symptome der Herzinsuffizienz

Die Beschwerden hängen vom Stadium sowie von der Ursache der Herzschwäche ab. So sind typische Beschwerden bei Linksherzinsuffizienz Husten und Atemnot sowie Wasseransammlungen (Ödemen) in der Lunge.

Bei der Rechtsherzinsuffizienz kommt es typischerweise zu Ödemen in den Geweben, insbesondere den Beinen und im Bauchraum, aber auch zu Atemnot. Im fortgeschrittenen Stadium treten Symptome wie schwere Atemnot bereits in Ruhe auf. Die Belastbarkeit ist vermindert, häufiges nächtliches Wasserlassen ist ebenfalls ein typisches Symptom.

Diagnose der Herzinsuffizienz

Aufgrund der Anamnese (Patientenbefragung) und der körperlichen Untersuchung hat der Arzt erste Hinweise auf eine bestehende Herzschwäche. Weiterführende Untersuchungen sind EKG, Blutdruckmessung, Bestimmung von Blutwerten, Röntgen-Untersuchung des Brustkorbs sowie Ultraschall-Untersuchung des Herzens.

Ruhe-EKG
Ruhe-EKG © Gennadiy Poznyakov / Fotolia

Therapie / Behandlung der Herzinsuffizienz

Da die Herzmuskelschwäche nicht heilbar ist, liegt das Ziel der Therapie darin, die Symptome zu lindern und Komplikationen vorzubeugen. Auch wenn der Patient keine Beschwerden hat, muss eine Herzinsuffizienz-Therapie eingeleitet werden. Die Behandlung hängt zum einen von der Ursache, zum anderen von der Schwere der Herzschwäche ab.

Welche Medikamente bei einer Herzschwäche gegeben werden, hängt von der zugrundeliegenden Erkrankung ab. So senken ACE-Hemmer den Blutdruck, Betablocker beugen Herzrhythmusstörungen vor, Diuretika fördern die Wasserausscheidung, und Digitalispräparate verbessern die Pumpkraft des Herzens.

Ein implantierbarer Kardioverter-Defibrillator (ICD) kann bei Patienten mit lebensbedrohlichen Herzrhythmusstörungen eingesetzt werden. Auch kann ein biventrikulärer Herzschrittmacher indiziert sein, um die Herzschwäche auszugleichen.
Wenn sich der Zustand trotz der medikamentösen und invasiven Herzinsuffizienz-Therapie weiter verschlechtert, kann eine Herztransplantation erforderlich werden.

Prognose der Herzinsuffizienz

Sofern die Herzmuskelschwäche auf die Behandlung anspricht und der Patient den Anweisungen des Arztes folgt und etwaige Risikofaktoren beispielsweise durch eine Änderung ihrer Lebensweise reduziert, ist die Prognose gut.

Welche Fachärzte und Spezialkliniken behandeln die Herzinsuffizienz?

Spezialisten für Herzinsuffizienz sind Fachärzte für Kardiologie (Herzkrankheiten). Für eine weiterführende Diagnose oder spezifische Therapie der Herzschwäche kann es erforderlich sein, weitere Spezialisten wie Radiologen oder Gefäss- und Herzchirurgen, ggf. Transplantationsmediziner hinzuzuziehen. Speziellen Kliniken für Herzinsuffizienz sind meist Kliniken für Kardiologie.

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