Fibromuskuläre Dysplasie - Spezialisten und Informationen

29.04.2020
Prof. Dr. med. Kai Balzer
Autor des Fachartikels

Die Fibromuskuläre Dysplasie (abgekürzt FMD) beschreibt eine Krankheit aus der Gruppe der Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Genauer handelt es sich hierbei um eine nicht-entzündliche Arterienwanderkrankung. Dabei sind verschiedenen Wandschichten der betroffenen Arterie durch ein beschleunigtes Wachstum von Muskeln und Bindegewebe verdickt. Diese Arterienwandverdickung kann im gesamten Körper vorkommen. Gehäuft kommt sie in den Nierenarterien, in der Halsschlagader und in den Beckenarterien vor. Die Folge ist eine Verengung der betroffenen Arterie, medizinisch als Stenose bezeichnet, oder selten ein Gefässverschluss. Die Fibromuskuläre Dysplasie zählt laut ICD-Code I77.3 zu den Sonstigen Krankheiten der Arterien und Arteriolen.

ICD-Codes für diese Krankheit: I77.3

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Artikelübersicht

Symptome

Welche Symptome treten bei Fibromuskulärer Dysplasie häufig auf?

Der Grossteil der Patienten, die unter einer Fibromuskulären Dysplasie leiden, bemerken keine Symptome. Grundsätzlich ist es jedoch möglich, dass es zu Begleiterscheinungen von Gefässverengungen kommt. Zu diesen gehören Schmerzen an den betroffenen Bereichen, etwa Kopfschmerzen bei einer Stenose im Kopfbereich.

Betrifft eine Fibromuskuläre Dysplasie die Nierenarterien, werden die Nieren mangelhaft durchblutet. Das führt im weiteren Verlauf zu einem Bluthochdruck, der durch die Minderdurchblutung der Niere gesteuert wird (sogenannte renale Hypertonie).

Möglich ist auch die sogenannte Brustenge, Angina pectoris, abgekürzt AP. Diese beschreibt anfallartige Schmerzen im Brustbereich.

Je nach Auftrittsort der Gefässverengung sind weitere Symptome möglich. So kommt es etwa oft zu einem intermittierenden Hinken, wenn die Gefässe des Beckens oder der Beine betroffen sind.

Ursachen & Risikofaktoren

Die eigentliche Ursache der Fibromuskulären Dysplasie ist derzeit noch unbekannt. Mediziner gehen allerdings davon aus, dass eine genetische Vorbelastung eine Rolle spielt. Es wurde beobachtet, dass es gelegentlich zu familiär gehäuftem Aufkommen einer Fibromuskulären Dysplasie kommt.

Zudem soll das Rauchen ein Risikofaktor sein, der das Auftreten der Gefässerkrankung begünstigt. Auch stellte sich heraus, dass Personen, die bereits unter verschiedenen Erkrankungen des Bindegewebes leiden, ein erhöhtes Risiko für die Fibromuskuläre Dysplasie haben. Darunter fallen die Erkrankungen:

  • Ehlers-Danlos-Syndrom Typ 4
  • Neurofibromatose
  • hereditäre Nephritis (auch Alport-Syndrom genannt) und
  • die zystische Medianekrose

Eine erhöhte Häufigkeit der Erkrankung zeigt sich bei Frauen, die zwischen 30 und 50 Jahre alt sind. Aus diesem Grund gehen Forscher davon aus, dass hormonale Einflüsse ebenfalls eine Rolle bei der Fibromuskulären Dysplasie spielen. Grundsätzlich ist ein Auftreten der Krankheit aber in jedem Alter und bei beiden Geschlechtern möglich.

Untersuchung & Diagnose der Fibromuskulären Dysplasie

Die Diagnose der Fibromuskulären Dysplasie erfolgt grundsätzlich über Diagnosegeräte, die eine bildgebende Untersuchung der Gefässe erlauben.

Eine von diesen Methoden ist die Duplexsonographie, die eine spezielle Methode aus dem Bereich der Ultraschalluntersuchung (Sonographie) darstellt. Hierbei ist es dem Arzt möglich, den Blutfluss zu messen und darzustellen und so Veränderungen wahrzunehmen. Sie erfolgt ohne den Einsatz von Strahlung und ist daher bei allen Menschen anwendbar.

Eine Verengung in den Blutgefässen lässt sich ausserdem über eine computertomographische Angiographie (CTA)  darstellen. Von der CTA sprechen Mediziner, wenn es um ein radiologisches Verfahren geht, das der Darstellung von Gefässen (Venen und Arterien) per Computertomographie dient. 

Die Magnetresonanzangiographie (MRA) ist ein bildgebendes Verfahren, das die Darstellung von Arterien und Venen mittels Magnetresonanztomographie (MRT) erlaubt. 

Beide Verfahren helfen in der Detektion von Gefässeiengungen.

Besonders präzise gelingt die Diagnose mithilfe der digitalen Subtraktionsangiographie (DSA). Da bei der DAS die Arterie in der Leiste direkt punktiert werden muss, um mit einem Draht und einem Katheter zu dem Ort der Einengung zu gelangen, ist dies ein invasives Verfahren, welches daher nur eingesetzt wird, wenn die Einengung einer Korrektur durch z.B. eine Ballondilatation bedarf.

Behandlung der Fibromuskulären Dysplasie: Therapien und Spezialisten

Die Therapie der Fibromuskulären Dysplasie zielt grundsätzlich auf die Symptome ab, unter denen der Patient leidet. Sie ist ausserdem abhängig davon, wo genau im Organismus sich die Gefässveränderung befindet.

Sind keine Symptome vorhanden, ist eine Behandlung nicht erforderlich, es sollten aber lebenslange Kontrollen erfolgen. 

Eine medikamentöse Behandlung der Fibromuskulären Dysplasie ist je nach Art und Intensität der Beschwerden möglich. Sind beispielsweise die Halsgefässe betroffen, besteht möglicherweise die Gefahr einer Embolie. In dem Fall wird der behandelnde Arzt Präparate zur Thrombozytenaggregationshemmung verschreiben. Diese Mittel sollen verhindern, dass es zur Verklumpung der Blutplättchen kommt. Ein bekannter Wirkstoff dieser Gruppe ist ASS.

Kommt es zu Symptomen, ist in ausgewählten Fällen eine Angioplastie möglich. Bei diesem Eingriff versucht der Arzt, das betroffene Gefäss mittels Ballondilatation zu erweitern. Dabei nutzt der Mediziner einen Ballonkatheter, um die Arterie zu dehnen. Das Einsetzen eines Stents, also eines Implantats zur Offenhaltung des Gefässes, ist meistens nicht notwendig.

Bringen weder die medikamentöse Therapie noch die Ballondilatation den gewünschten Erfolg, kann eine Operation erforderlich sein. Hierbei wird das betroffene Gefässsegment entfernt und ersetzt, meist durch körpereigenes Material. Diese Operationen gehören in die Hand eines erfahrenen Gefässchirurgen.

Fachmediziner für Gefässerkrankungen wie die Fibromuskuläre Dysplasie sind Gefässspezialisten. Zu diesen zählen der Gefässchirurg und der Angiologe. Die Gefässchirurgie ist ein eigenständiger Bereich der Chirurgie, die Angiologie ist ein Teilbereich der Inneren Medizin.

Verlauf und Prognose

Die Fibromuskuläre Dysplasie verläuft in vielen Fällen ohne Symptome. Meist genügt daher eine regelmässige Beobachtung des Zustands, um eine Veränderung rechtzeitig zu erkennen. Patienten, bei denen eine Gefässerkrankung wie die Fibromuskuläre Dysplasie festgestellt wurde, sollten dringend mit dem Rauchen aufhören. Weiterhin ist zu empfehlen, weitere Risikofaktoren vom Arzt regelmässig kontrollieren zu lassen. So sollte ausgeschlossen werden, dass erhöhter oder niedriger Blutdruck vorliegt, es zu Fettstoffwechselstörungen oder Diabetes mellitus kommt. Diese wirken sich eventuell negativ auf den Krankheitsverlauf aus.

Ist es nötig, weitere Massnahmen durchführen zu lassen, zeigen diese in der Regel einen positiven Einfluss auf die Beschwerden. Hier ist die Vorstellung bei einem erfahrenen Gefässspezialisten erforderlich.

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