Die Infektion mit Trichomonaden – auch Trichomoniasis genannt – ist eine weltweit vorkommende Infektionskrankheit, die zu den sexuell übertragbaren Erkrankungen (STDs: sexually transmitted diseases) gehört, da die Ansteckung meist durch ungeschützten Geschlechtsverkehr geschieht. Ausgelöst wird die Trichomonaden-Infektion durch den Parasiten Trichomonas vaginalis – ein einzelliges Geisseltierchen, das zu den sogenannten Protozoen (Urtierchen) gehört. Kommt es zu einer Infektion mit Trichomonaden, treten meist Entzündungen der Schleimhäute an den Geschlechtsorganen und Harnwegen auf.

ICD-Codes für diese Krankheit: A59

Artikelübersicht

Empfohlene Spezialisten

Häufigkeit der Trichomoniasis

Weltweit infizieren sich laut Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) jährlich rund 170 Millionen Menschen mit Trichomonaden. Die Trichomonaden-Infektion ist somit eine der am häufigsten vorkommenden Geschlechtskrankheiten. Männer sind dabei jedoch wesentlich seltener von Trichomonaden betroffen als Frauen, die mit 120 Millionen Fällen pro Jahr etwa 70 Prozent der Neuinfektionen mit Trichomonaden ausmachen. In Deutschland ist die Infektion mit Trichomonaden nicht meldepflichtig.

Ursachen einer Trichomonaden-Infektion

Ursächlicher Erreger der Infektion mit Trichomonaden ist ein Parasit namens Trichomonas vaginalis. Dieses etwa 25 µm lange und 15 µm breite, einzellige Geisseltierchen mit peitschenartigen Auswüchsen siedelt sich vorwiegend in den Geschlechtsorganen des Menschen, insbesondere der Vagina der Frau, an. Da die Trichomonaden verursachenden Parasiten eine möglichst feuchte Umgebung sowie einen mässig sauren oder neutralen pH-Wert bevorzugen, können sie vor allem in der Scheide und der Harnröhre der Frau lange überleben. Bei Männern tritt der Trichomonaden-Erreger hauptsächlich in den Harnwegen und der Prostata auf, weshalb er manchmal auch als Trichomonas urogenitalis bezeichnet wird.

Die Übertragung der Trichomonaden-Erreger erfolgt meist durch direkten Schleimhautkontakt mit einer infizierten Person bei ungeschütztem Geschlechtsverkehr. Personen, die bereits mit anderen Geschlechtskrankheiten wie Chlamydien, Syphilis oder HIV infiziert sind, haben dabei ein besonders hohes Risiko, sich mit Trichomonaden anzustecken. Eine Ansteckung mit Trichomonaden über die gemeinsame Benutzung von Handtüchern, ungechlortes Badewasser oder beim Saunabesuch ist zwar möglich, kommt aber eher selten vor.

Symptome einer Trichomonaden-Infektion

Vom Zeitpunkt der Ansteckung mit dem Trichomonaden-Erreger bis zum Auftreten der ersten Symptome vergehen in der Regel ein bis drei Wochen. Dann kommt es zu eitrigen Entzündungen der Schleimhäute an den Geschlechtsorganen und Harnwegen, die meist mit einem Juckreiz und Brennen im Genitalbereich sowie einem unangenehm riechenden Ausfluss einhergehen. Insbesondere Frauen sind von diesen charakteristischen Symptomen einer Infektion mit Trichomonaden betroffen.

Symptome einer Trichomonaden-Infektion bei der Frau

Bei Frauen führt eine Infektion mit Trichomonaden häufig zu Entzündungen der Scheide und der Harnröhre. Diese äussern sich in der Regel durch ein starkes Brennen, einen unangenehmen Juckreiz sowie Rötungen und Schwellungen im Bereich der Scheide. Hinzu kommen Schmerzen beim Wasserlassen und beim Geschlechtsverkehr, ein häufiger Harndrang und ein gelblich-grüner, schaumiger Ausfluss aus der Scheide, der unangenehm nach verdorbenem Fisch riecht. Ausserdem können bei der Frau auch leichte Unterbauchschmerzen auftreten.

Symptome einer Trichomonaden-Infektion beim Mann

Beim Mann nisten sich die Trichomonaden-Erreger meist in der Harnröhre, unter der Vorhaut und in der Prostata ein und verursachen dort eine Entzündung. Allerdings verläuft bei Männern die Infektion mit Trichomonaden sehr häufig ohne spürbare Symptome, weshalb Männer oft Überträger der Trichomonaden-Erreger sind, ohne etwas davon zu ahnen. Treten bei dem infizierten Mann dennoch Beschwerden auf, bestehen diese meist aus einem leichten Brennen beim Wasserlassen und beim Samenerguss, einem Juckreiz im Genitalbereich sowie einem eitrigen Ausfluss aus der Harnröhre.

Diagnose einer Trichomonaden-Infektion

Beim Verdacht auf eine Infektion mit Trichomonaden, sollten Betroffene unbedingt einen Arzt aufsuchen. Zuständig hierfür ist in der Regel der Facharzt für Haut- und Geschlechtskrankheiten oder der Urologe bzw. Gynäkologe, der dann zunächst eine urologische bzw. gynäkologische Untersuchung durchführt. Die Verdachtsdiagnose einer Infektion mit Trichomonaden kann dabei oft bereits anhand der charakteristischen Symptome gestellt werden.

Zusätzlich entnimmt der Arzt einen Abstrich vom Harnröhrensekret des Mannes bzw. dem Vaginalsekret der Frau und führt damit eine mikroskopische sowie labortechnische Untersuchung durch. Unter dem Mikroskop sind die Trichomonaden-Erreger dabei meist an ihrer birnenartigen Form, den Geisseln und ihrer zappelnden Bewegung erkennbar.

Therapie einer Trichomonaden-Infektion

Eine Infektion mit Trichomonaden wird meist mit speziellen Antibiotika behandelt. Zur Auswahl stehen hierbei unter anderem die Medikamente Metronidazol, Ornidazol, Tinidazol und Nimarazol. Diese nimmt man in der Regel über einen Zeitraum von einer Woche in Tablettenform ein. Um erneute gegenseitige Ansteckungen mit Trichomonaden zu verhindern, ist es zum einen wichtig, dass sich auch Partner mit behandeln lassen. Zum anderen sollte während der Trichomonaden-Therapie auf Geschlechtsverkehr verzichtet werden. Mithilfe eines Kontroll-Abstriches wird nach Abschluss der Antibiotika-Therapie nochmals überprüft, ob die Trichomonaden-Therapie auch erfolgreich war.

Prognose und Heilungsaussichten bei Trichomonaden

Sofern die Trichomonaden-Therapie konsequent durchgeführt wird, ist die Prognose bei einer Trichomonaden-Infektion mit einer Heilungsrate von 95 Prozent sehr gut. Da eine Immunität gegen die Trichomonaden-Erreger nach der erfolgreichen Behandlung nicht gegeben ist, sind jedoch erneute Ansteckungen mit Trichomonaden jederzeit möglich. Zu einem Übergang in ein chronisches Stadium und zu schweren Entzündungen der Geschlechtsorgane kommt es nur, wenn die Infektion mit Trichomonaden unbehandelt bleibt.