Tinea capitis (Kopfpilz)

17.05.2018
Leading Medicine Guide Redaktion
Autor des Fachartikels
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Extremer Haarausfall oder dichte Schuppen zählen zu den Beschwerden, die viele Menschen im Alltag belasten. Während sie bei den meisten Betroffenen lediglich ein kosmetisches Problem darstellen, können sie in anderen Fällen jedoch auch die ersten Anzeichen einer schwerwiegenden Infektion der Kopfhaut mit Hautpilzen sein, welche auch unter dem Fachbegriff Tinae capitis (vereinfacht Kopfpilz) bekannt ist und aufgrund ihrer hohen Ansteckungsgefahr umgehend behandelt werden sollte.

ICD-Codes für diese Krankheit: B35.0

Artikelübersicht

Definition: Was ist Tinae capitis?

Die Tinae capitis, welche vereinfacht auch als Kopfpilz bezeichnet wird, beschreibt eine Infektion der behaarten Kopfhaut. Dabei wird die Tinae capitis durch Hautpilze hervorgerufen, welche in der Fachsprache auch als sogenannte Dermatophyten bekannt sind. Tinae capitis ist potentiell ansteckend und sollte daher beim Auftreten erster Symptome umgehend behandelt werden. Vorkommen kann der Kopfpilz in verschiedenen Formen, wobei er sich jedoch in der Regel durch runde, schuppige sowie haarlose Bereiche auf der Kopfhaut äussert.

Häufig wird die Tinea capitis durch Tiere übertragen, welche die jeweiligen Erreger in ihrem Fell beherbergen. Innerhalb Europas sind es dabei vor allem Microsporum canis und unterschiedliche Arten des Trichophyton, welche die auslösenden Erreger eines Kopfpilzes darstellen. Aufgrund ihres noch schwachen Immunsystems, sind besonders häufig Kinder betroffen.

Trotz der Allgegenwärtigkeit von Pilzen in der Umwelt, kommen Pilzinfektionen allgemein gesehen relativ selten vor. Sollten jedoch Organe von einer Infektion betroffen sein, stellt die Haut das am meisten durch Pilzerkrankungen befallene Organ dar, wobei zu den Erkrankungen unter anderem auch der Kopfpilz gezählt wird.

Ursachen für Kopfpilz

Ein Kopfpilz ist auf verschiedene Arten von Erregern zurückzuführen, zu welchen unter anderem Microsporum canis, Trichophyton mentagrophytes oder Trichophyton verrucosum gezählt werden. In den meisten Fällen und besonders in den Gebieten Mitteleuropas ist jedoch hauptsächlich Microsporum canis für eine Infektion mit dem Kopfpilz verantwortlich. Microsporum canis wird dabei vor allem durch Tiere wie Hunde, Katzen oder Meerschweinchen übertragen, welche den Erreger häufig in ihrem Fell tragen. Jedoch sind bei diesen Tieren die klinischen Symptome des Kopfpilzes nicht immer offensichtlich zu erkennen, sodass sich vor allem Kinder beim Streicheln der Tiere leicht infizieren. Besonders wild streunende Hunde und Katzen in den Gebieten Südeuropas sind oft von einer Tinea capitis befallen.

Neben Tieren können jedoch auch kontaminierte Gegenstände die Erreger beherbergen. Hier sind es beispielsweise Autositze, Kopfstützen oder Kuscheltiere, welche Erreger einer Tinea capitis auf ihrer Oberfläche aufweisen. Ebenfalls ist eine Übertragung von Mensch zu Mensch möglich. Dabei sind es vorwiegend die Haare der Kinder, welche dem Erreger des Kopfpilzes eine optimale Angriffsfläche bieten, wenn die Kinder beim Spielen nah mit den Köpfen aneinander geraten.

Symptome der Tinea capitis

Ein Kopfpilz kann sich in unterschiedlichen Symptomen beim Betroffenen äussern, von denen allerdings keines eindeutig auf die jeweils verantwortliche Erregerart schliessen lässt. Tinea capitis ist jedoch immer mit einer gravierenden Veränderung der Hautoberfläche verbunden. Dabei kann ein Kopfpilz in Form einer sogenannten Tinea capitis superficialis auftreten, welche meist durch Microsporum canis hervorgerufen wird und sich auf der Kopfhaut durch die Ausbildung kreisförmig eingegrenzter Bereiche auszeichnet.

In diesen Bezirken sind keine Haare mehr vorhanden, da sich die Haarschäfte knapp über der Hautoberfläche ablösen, sodass lediglich feine Haarstoppel sichtbar werden. Zusätzlich dazu sind die runden Bereiche mit einer Vielzahl grauer und dichter Schuppen bedeckt. Die Anzahl der haarlosen Gebiete kann dabei von Patient zu Patient unterschiedlich sein. So können die Krankheitsherde des Kopfpilzes einzeln auftauchen oder in einer grösseren Anzahl vorhanden sein. Sollte die Tinea capitis superficialis jedoch durch sogenannte Trichophyton ausgelöst werden, kann häufig auch eine Entzündung als Symptom beobachtet werden. Dabei sind die hauptverantwortlichen Erregerarten des Kopfpilzes Trichophyton violaceum, Trichophyton tonsurans, Trichophyton mentagrophytes oder Trichophyton soudanense.

Es existiert jedoch auch eine tiefgreifende Art des Kopfpilzes. Bei dieser Erscheinungsform, die auch unter der Bezeichnung Tinea capitis profunda bekannt ist, wird der Kopfpilz hauptsächlich durch den Trichophyton verrucosum verursacht, welcher sich ebenfalls in Entzündungsreaktionen äussert. Dabei leidet der Betroffene an eitrigen und stark entzündlichen Flächen auf der Kopfhaut, welche von Krustenbildungen begleitet werden. Ausserdem treten neben den Entzündungen häufig Kopfweh, Müdigkeit sowie leichtes Fieber als zusätzliche Symptome auf. Gegebenenfalls sind auch die Lymphknoten des Betroffenen an Hals und Nacken angeschwollen. Diese Form der Tinea capitis ist somit sehr schmerzhaft und kann ausserdem Narben an der Kopfhaut des Patienten entstehen lassen. In den meisten Fällen wird diese Kopfpilzform durch Rinder übertragen, kann aber auch von Gegenständen, die mit ihnen in Kontakt gekommen sind, weitergegeben werden.

Diagnose von Kopfpilz

Da viele Hauterkrankungen existieren, die ähnliche Symptome wie die Tinea capitis aufweisen, sind meist mehrere ärztliche Untersuchungen nötig, um einen Kopfpilz endgültig zu diagnostizieren. So zählen beispielsweise die Schuppenflechte, Ekzeme bei einer Neurodermitis oder ein chronisches Kontaktekzem zu den Hauterkrankungen, welche ähnliche Symptome aufweisen. Um das Vorliegen einer Tinea capitis zu bestätigen, lassen sich daher einige unterschiedliche Methoden festhalten, die zu einer sicheren Diagnose beitragen.

Eine Methode zur Feststellung eines Kopfpilzes ist beispielsweise die Verwendung eines sogenannten Nativpräparats. Dabei wird der Infektionsherd des möglichen Kopfpilzes mit Alkohol desinfiziert und einige Haarstoppel aus seinem Randbereich entfernt. Gegebenenfalls können auch bestehende Eiterkrusten mit einer Pinzette entnommen werden. Im Anschluss werden die zu untersuchenden Materialien auf einem Präparat mit einer TEAH-Lösung oder einer Kalilauge überzogen, bevor sie anschliessend für einen Zeitraum von etwa 5 bis 10 Minuten in einer feuchten Kammer aufgehoben werden. Daraufhin erfolgt eine mikroskopische Analyse des Präparats, welche gegebenenfalls Hyphen und Sporen anzeigt und somit eine Infektion mit einem Kopfpilz bestätigt.

Eine endgültige Aussage über die Erregerart ist jedoch erst mit einer im Anscfhluss durchgeführten Pilzkultur möglich, bei welcher im Labor aus den entnommenen Haaren eine Zucht des Pilzes entsteht. Je nach dem jeweils verdächtigten Erreger wird die Pilzkultur anschliessend bei Raumtemperatur zwischen drei und sechs Wochen im Labor verwahrt und wöchentlich kontrolliert. Um die gewachsene Pilzkultur schliesslich zuzuordnen, werden unter anderem das Wachstumsbild, die Wachstumsform sowie die Farbstoffbildung beurteilt.

Ausserdem ist als weitere Untersuchungsmethode der Tinea capitis das sogenannte Wood-Licht zu nennen. Dieses stellt eine UV-Lampe dar, welche eine Strahlung von 365nm abgibt. Ergibt sich bei der Bestrahlung mit dem ultravioletten Licht eine gelblich bis grünliche Fluoreszenz der Pilze, so spricht dies deutlich für eine Kopfpilzinfektion durch Microsporum canis.

Therapie der Tinea capitis

Die Behandlung eines Kopfpilzes unterscheidet sich je nach Art des Erregers und Alter des Patienten. So muss bei einer Kopfpilztherapie streng zwischen Kindern und Erwachsenen differenziert werden. Bei einem erwachsenen Patienten kommen neben dem Anti-Pilz-Mittel Griseofulvin auch die neueren Antimykotika wie Terbinafin, Itraconazol oder Fluconazol in der Behandlung eines Kopfpilzes zum Einsatz, da diese zur Therapie von Dermatomykosen wie beispielsweise der Tinea capitis gestattet sind. Sollte nach der oralen Behandlung bei Erwachsenen der Pilzbefund immer noch positiv sein, wird die Therapie für eine weitere Zeit fortgesetzt.

Für an Kopfpilz erkrankte Kinder wiederum besteht in Deutschland derzeit ausschliesslich eine Erlaubnis für Griseofulvin. Sollte keine therapeutische Alternative bei sehr jungen Kindern unter einem Lebensjahr vorhanden sein, ist jedoch ebenfalls der Einsatz von Fluconazol während der Behandlung des Kopfpilzes gestattet.

Zusätzlich zu der systemischen Therapie muss jedoch immer auch eine lokale Behandlung beim Patienten stattfinden. Diese erfolgt beispielsweise mit Antimykotika wie Ciclopirox olamin, Terbinafin-Creme, Tolnaftat oder Tolciclat. Diese Arzneimittel werden näheren Kontaktpersonen zur Reduzierung der Infektionsgefahr mit einem Kopfpilz empfohlen und sind ebenfalls zur Reduzierung der Dauer der systemischen Behandlung der Tinea capitis notwendig. Wichtig ist es zudem, dass sich die lokale Therapie des Kopfpilzes nicht nur auf den befallenden Herd bezieht, sondern das gesamte Haar etwa eine Woche lang täglich mit dem Antimykotikum gepflegt wird. Ebenfalls sollte das Haar zwei Mal die Woche mit einem speziellen Haarshampoo gewaschen werden.

Zudem ist die infizierte Haarlänge des Betroffenen entscheidend für die Heilungszeit. So kann ein Schneiden oder eine Rasur der Haare die Therapiedauer einer Erkrankung mit einem Kopfpilz um einiges verkürzen. Allein durch eine Rasur wird die Infektionslast des Kopfpilzes stark reduziert, welche zu Therapiebeginn sowie nach 3 bis 4 Wochen erneut durchgeführt werden sollte. Wichtig für eine erfolgreiche Behandlung sind zudem zahlreiche Nachuntersuchungen, bei denen der Patient auf noch möglich vorhandene Erreger kontrolliert wird. Erst bei einem negativen Präparat sowie einer negativen Pilzkultur kann die Therapie der Tinea capitis endgültig für abgeschlossen erklärt werden.

Allgemein ist festzuhalten, dass die Heilung eines Kopfpilzes bei Erwachsenen schneller einsetzt als bei Kindern. So stellt sich innerhalb jüngerer Altersgruppen die Behandlung einer Tinea capitis als erheblich schwieriger heraus, da nicht für alle Antimykotika eine Verträglichkeit beim Patienten vorhanden sein muss.

Vorsichtsmassnahmen zur Vorbeugung von Kopfpilz

Da die Erreger der Tinea capitis sich an vielen Stellen der unmittelbaren Umgebung befinden können, sollte in bestimmten Situationen stets versucht werden, einer Infektion mit einem Kopfpilz gezielt vorzubeugen. So sollte wenn möglich darauf geachtet werden, keinen Kontakt zu Tieren mit einem auffälligen Aussehen und Symptomen, die denen einer Infektion mit Kopfpilzen ähnlich sind, aufzunehmen. Demnach ist der Umgang mit Hunden, Katzen oder ähnlichen Lebewesen zu meiden, wenn diese schuppenbedeckte, kreisförmige Flächen am Körper aufweisen. Besonders bei Reisen in südliche Gebiete sollte daher vor allem bei Kindern darauf geachtet werden, dass diese nicht mit streunenden Tieren in Berührung kommen.

Sollte bereits eine Infektion mit einem Kopfpilz vorliegen, ist es des Weiteren besonders wichtig, relativ schnell eine Therapie in die Wege zu leiten. Dadurch wird eine weitere Ausbreitung des Kopfpilzes vermieden und ebenfalls das Risiko einer Ansteckung von Kontaktpersonen mit dem Kopfpilz reduziert. Ausserdem sollten Gegenstände, die mit Kopf oder Haaren des Betroffenen in Kontakt kommen, heiss gewaschen werden, um eine erneute Ansteckung zu vermeiden. Zu diesen Gegenständen zählen in erster Linien Kleidungsstücke, Kopfbedeckungen oder Bettwäsche des Betroffenen. Auch eine gemeinsame Nutzung von Haarbürsten, Kleidungsstücken oder Handtüchern ist bei einem vorliegenden Fall von Tinea capitis zu umgehen.

Nach Beginn einer Therapie sollte des Weiteren umgehend eine Befreiung von Schule, Kindergarten oder der Arbeit beantragt werden. Während diese in der Regel einen Zeitraum von circa zwei Wochen beträgt, ist bei nässenden Entzündungsherden ein längerer Befreiungszeitraum vorgesehen. Sollte das eigene Haustier die Infektion verbreitet haben, ist dieses umgehend zur Behandlung in die Hände eines Tierarztes zu übergeben.

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