Pilzinfektionen

03.07.2013
Leading Medicine Guide Redaktion
Autor des Fachartikels
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Pilzinfektionen – in der Medizin auch Mykosen genannt – sind Erkrankungen, die durch eine Infektion mit Pilzen hervorgerufen werden. Sie zählen weltweit zu den häufigsten Infektionskrankheiten. Je nach Lokalisation der Pilzinfektion kann dabei zwischen lokalen bzw. oberflächlichen Mykosen, die an der Haut, den Nägeln und den Schleimhäuten auftreten, und systemischen Mykosen, die sich im Inneren des Körpers abspielen, unterschieden werden. Mit den Dermatophyten, den Hefepilzen und den Schimmelpilzen gibt es drei verschiedene Erreger von Pilzinfektionen. Die Behandlung von Mykosen erfolgt mit sogenannten Antimykotika. Dabei handelt es sich um Antipilzmedikamente, die die Pilze abtöten bzw. in ihrem Wachstum hemmen sollen.
ICD-Codes für diese Krankheit: B35-B49

Artikelübersicht

Definition: Was sind Pilzinfektionen?

Bei Pilzinfektionen handelt es sich um Infektionskrankheiten, die durch bestimmte krankheitsauslösende Pilze hervorgerufen werden. In der Fachsprache werden derartige Pilzinfektionen auch als Mykosen bezeichnet. Unter diesem Oberbegriff lassen sich alle Erkrankungen zusammenfassen, die auf eine Infektion mit Pilzen zurückzuführen sind. Mykosen können dabei nach unterschiedlichen Gesichtspunkten eingeteilt werden. Am gebräuchlichsten ist die Unterteilung nach der Lokalisation, sprich dem Ort des Auftretens, der Pilzinfektion und nach der Art des Erregers.

Je nach Lokalisation der Pilzinfektion kann grundsätzlich zwischen zwei verschiedenen Arten von Mykosen unterschieden werden:

  • der lokalen bzw. oberflächlichen Mykose und
  • der systemischen Mykose.

Eine weitere gebräuchliche Einteilung von Pilzinfektionen stellt das sogenannte DHS-System nach Rieth dar, bei dem nach der Art des Erregers unterschieden wird. Nach dieser Klassifikation werden drei verschiedene Gruppen von krankheitsauslösenden Pilzen unterteilt:

  • die Dermatophyten,
  • die Hefepilze und
  • die Schimmelpilze.

Pilzinfektionen eingeteilt nach dem Ort des Auftretens

Die Einteilung in oberflächliche und systemische Mykosen grenzt die Pilzinfektionen anhand der Stelle ihres Auftretens ab.

Lokale bzw. oberflächliche Pilzinfektionen

Bei den lokalen Mykosen handelt es sich um oberflächliche Pilzinfektionen, die in der Regel auf ein Körperteil bzw. ein Gewebe beschränkt (topische Mykose) sind und oberflächlich an der Haut, den Hautanhangsgebilden und den Schleimhäuten auftreten. Sie werden daher auch als Pilzerkrankungen der Haut – auch Dermatomykosen genannt – bezeichnet. Verursacht werden sie meist durch Dermatophyten oder Hefepilze. Zu den häufigsten lokalen bzw. oberflächlichen Mykosen gehören dabei

Systemische Pilzinfektionen

Bei einer systemischen Pilzerkrankung kommt es über den Blutkreislauf zu einer Ausbreitung des Erregers im gesamten Organismus. Die Pilze befallen dann bestimmte innere Organe. Eine systemische Mykose tritt sehr selten auf, ist aber lebensbedrohend. Als Beispiele für systemische Pilzinfektionen sind diese Erkrankungen zu nennen:

Nahezu ausschliesslich Personen mit einem geschwächten Abwehrsystem erkranken an einer systemischen Pilzinfektion. Insbesondere Krebspatienten nach einer Chemotherapie, Patienten nach einer schweren Operation oder Transplantation sowie Personen, die unter einer HIV-Infektion leiden, sind der Gefahr von systemischen Mykosen ausgesetzt. Hefe- und Schimmelpilze verursachen diese Pilzinfektionen.

Klassifizierung von Pilzinfektionen nach Erregern

Mit dem DHS-System lassen sich die infektionsverursachenden Pilze in drei verschiedene Gruppen einteilen: Dermatophyten, für die auch die Bezeichnung Dermatophytosen verbreitet ist, sowie Hefe- und Schimmelpilze. Dabei unterscheiden sich diese Erreger deutlich hinsichtlich der Häufigkeit ihres Auftretens bei einer Pilzinfektion. Die Verteilung ergibt sich wie folgt:

  • Dermatophyten: Erreger für 70,5 Prozent aller Pilzinfektionen
  • Hefepilze: 24,4 Prozent
  • Schimmelpilze: 5,1 Prozent

Diese Einteilung der Erreger einer Pilzinfektion ist wichtig, um nach der Diagnose eine passende Behandlungsmethode festlegen zu können. Die verschiedenen Pilzgattungen unterscheiden sich im Hinblick auf ihre Ansteckungsfähigkeit sowie den Ort des Auftretens im menschlichen Körper. Darüber hinaus existieren Unterschiede hinsichtlich des Verlaufs, der durch verschiedene Erreger hervorgerufenen Pilzinfektion.

Dermatophyten

Dermatophyten sind Fadenpilze. Besonders häufig kommen diese Dermatophytengattungen vor:

  • Epidermophyton
  • Mikrosporum
  • Trichophyten

Dermatophyten befallen sowohl Personen, die ein geschwächtes Immunsystem haben, als auch Gesunde. Sie verursachen ausschliesslich oberflächliche Mykosen, sodass sie niemals das Körperinnere betreffen. Dermatophyten führen dementsprechend nur zu Erkrankungen der Haut, der Fuss- oder Fingernägel oder der Haare. Besonders häufig verursachen diese Erreger Fusspilz und Nagelpilz.

Hefepilze

Vielleicht haben Sie schon einmal die Bezeichnung Sprosspilze gehört, die häufig auf Hefepilze angewendet wird. Diese Benennung ist auf die Tatsache zurückzuführen, dass sich der Hefepilz durch eine Spaltung beziehungsweise einen Spross vermehrt. Zu den am weitesten verbreiteten Hefepilzen gehören:

  • Candida
  • Cryptococcus
  • Pityrospsorum

Menschen mit einer geschwächten Immunabwehr sind besonders häufig von einer Pilzinfektion mit Hefepilzen betroffen. Hefepilze können zu einer lokalen Mykose führen, die zumeist auf der Haut und an den Schleimhäuten auftritt, seltener kommt es zu einem Pilzbefall von Haaren und Nägeln. Doch auch eine systemische Mykose kann durch einen Hefepilz ausgelöst werden. Dann bewirkt er eine Erkrankung der inneren Organe. Häufig führen Hefepilze zu einer der folgenden Pilzinfektionen:

  • Candidose (vor allem im Mund- und Rachenraum)
  • Soor
  • Scheidenpilz

Schimmelpilze

Schimmelpilze gehören zu den Fadenpilzen. Bekannte Gattungen an Schimmelpilzen sind zum Beispiel Aspergillus und Mucor. Schimmelpilze befallen meist nur Personen, die ein geschwächtes Immunsystem haben. Dabei lösen sie in der Regel Erkrankungen der inneren Organe aus. So führt eine Aspergillose beispielsweise zu einer Pilzinfektion der Lunge. Wesentlich seltener sind Schimmelpilze die Verursacher von oberflächlichen Mykosen, die an der Haut, den Schleimhäuten oder an den Haaren auftreten.

So kommt es zu einer Pilzinfektion

Durch eine Schmierinfektion erfolgt eine Übertragung von Dermatophyten. Dabei unterscheiden Mediziner zwischen einer direkten und indirekten Schmierinfektion. Eine direkte Schmierinfektion setzt eine unmittelbare Berührung eines infizierten Menschen oder Tiers voraus. Wenn es zu einer Infektion durch den Kontakt mit einem durch Dermatophyten kontaminierten Gegenstand kommt, spricht man von einer indirekten Schmierinfektion.

Hefepilze und Schimmelpilze, die eine systemische Pilzinfektion auslösen, übertragen sich in der Regel durch das Einatmen von deren Sporen. Anschliessend breiten sich diese Sporen über das Blut im gesamten Organismus aus und führen zur Erkrankung von einem oder mehreren inneren Organen. Auch die Übertragung von Hefe- und Schimmelpilzen über das Essen von mit diesen Erregern kontaminierten Lebensmitteln ist möglich.

Risikofaktoren für eine Pilzinfektion

Obwohl Pilze natürlicherweise überall in der Umgebung vorkommen, müssen Sie keine Angst haben, an einer schweren Pilzinfektion zu erkranken. Pilze finden sich zum Beispiel auf der Oberfläche der Haut, auf den Schleimhäuten und im Darm. Sie bilden einen Teil der körpereigenen Flora. Die Immunabwehr hat in der Regel keine Probleme, die meisten Pilze in Schach zu halten. Nur, wenn es zu einer gravierenden Schwächung des Abwehrsystems kommt, besteht die Gefahr, dass die Pilze eine schwere Erkrankung auslösen können. Von diesem Risiko sind insbesondere die folgenden Gruppen von abwehrgeschwächten Personen mit schweren oder chronischen Krankheiten betroffen:

  • Patienten nach einer schweren Operation, Chemotherapie oder Transplantation
  • Personen, die dauerhaft Medikamente nehmen müssen, die das Immunsystem beeinträchtigen, wie zum Beispiel Antibiotika oder Antidepressiva
  • an Diabetes, HIV oder Durchblutungsstörungen Erkrankte
  • stark übergewichtige Personen

Darüber hinaus existieren unabhängig von schweren Erkrankungen weitere Risikofaktoren, die zum Auftreten einer Pilzinfektion führen können. Insbesondere handelt es sich dabei um:

  • feuchtes und saures Hautklima, wie es durch starkes Schwitzen oder ein feucht-heisses Klima verursacht wird. Insbesondere in Körperfalten, wie zwischen den Zehen oder in den Achselhöhlen herrscht dieses Milieu.
  • geschädigte Haut, die den Pilzen die Überwindung der natürlichen Hautbarriere erleichtert
  • das Benutzen von öffentlichen Duschen, Saunas oder Schwimmerbädern
  • genetische Veranlagung

Diese Pilzinfektionen treten am häufigsten auf

Während oberflächlich Mykosen weltweit sehr häufig auftreten, kommt es zu systemischen Pilzinfektionen nur äusserst selten. Dagegen sind Fusspilz und Nagelpilz echte Volkskrankheiten. Hierzulande leiden nach seriösen Schätzungen etwa 30 Prozent oder ein Drittel der Bevölkerung unter Fusspilz. Jeder sechste Deutsche beziehungsweise 16 Prozent haben Nagelpilz. Noch häufiger tritt der Scheidenpilz auf, mehr als Dreiviertel aller deutschen Frauen bekommt diese Erkrankung mindestens einmal im Leben.

Ursachen und Symptome von Fusspilz

Diese Hautinfektion hat den lateinischen Namen Tinea pedis, häufig wird sie von Medizinern auch als Interdigitalmykose bezeichnet. Oft tritt dieser Pilzinfektion chronisch auf. Dabei wird die Fusshaut meistens von Dermatophyten befallen. Aber auch Schimmel- oder Hefepilze können Fusspilz auslösen. Der Tinea pedis zeigt sich in der Regel in den Zwischenräumen zwischen den einzelnen Zehen oder auch auf der Fusssohle. Erst wenn die Pilzinfektion bereits weit fortgeschritten ist, kommt es zu einem Befall des Fussrückens.

Wenn Sie Fusspilz haben, bemerken Sie dies in der Regel an einem starken Juckreiz zwischen Ihren Zehen. Dieser hält lange an und geht in der Regel mit einer Rotfärbung der betroffenen Hautregionen einher. Ausserdem kommt es verstärkt zur Schuppenbildung in diesem Hautbereich. Des Weiteren zeigen sich häufig kleine Pusteln oder Blasen, die sich entzünden. Die infizierten Hautstellen riechen oft unangenehm und verursachen Schmerzen. Sie sollten einen Fusspilz unverzüglich behandeln. Ansonsten besteht die Gefahr, dass sich aus dieser Pilzinfektion Nagelpilz entwickelt.

Ursachen und Symptome von Nagelpilz

Als Nagelpilz – auch Tinea unguium, Nagelmykose oder Onchomykose genannt – wird die oftmals chronische Pilzinfektion der Zehen- oder Fingernägel bezeichnet. Erreger von Nagelpilz sind meist Dermatophyten. In seltenen Fällen kann ein Nagelpilz aber auch von Hefe- oder Schimmelpilzen verursacht werden. Ein Nagelpilz der Zehennägel ist meist die Folge eines unbehandelten Fusspilzes und tritt insgesamt häufiger auf als ein Nagelpilz der Fingernägel.

Bei einer Pilzinfektion der Zehen- oder Fingernägel werden die Nagelplatte und damit auch die Schutzfunktion der Nägel zerstört. Ein typisches Kennzeichen für einen Nagelpilz sind Farbveränderungen der Nägel wie weissliche, gelbe oder braune Flecken im Nagel sowie weissliche oder gelbliche Verfärbungen am Nagelrand. Darüber hinaus geht ein Nagelpilz mit Verdickungen der Nagelplatte, einer Brüchigkeit der Nägel, einem entzündeten Nagelbett und Schmerzen beim Gehen bzw. Bewegen der Finger einher.

Ursachen und Symptome von Scheidenpilz

Mediziner bezeichnen die Pilzinfektion Scheidenpilz als Vaginalmykose. Diese besondere Form einer Schleimhautmykose tritt im Genitalbereich auf. Dabei kommt es zu einer Entzündung sowohl des äusseren als auch des inneren Genitalbereichs. In den meisten Fällen liegt einem Scheidenpilz die Infektion mit einem Hefepilz zugrunde. Besonders häufig tritt dabei der Hefepilz Candida albicans auf.

Eine Infektion mit Scheidenpilz macht sich durch starken Juckreiz im Genitalbereich bemerkbar. Ausserdem brennt die Scheide oder der äussere Genitalbereich sehr unangenehm. Darüber hinaus kommt es bei dieser Pilzinfektion häufig zu einem verstärkten Auftreten von Ausfluss. Auch Schwellungen und Rötungen im Intimbereich können ein Indikator für eine Infektion mit Scheidenpilz sein. Genauso können Ihnen der Geschlechtsverkehr oder das Wasserlassen Schmerzen bereiten, wenn Sie von dieser Pilzinfektion betroffen sind.

Andere oberflächliche Pilzinfektionen

Wesentlich seltener als Fusspilz, Scheidenpilz und Nagelpilz treten andere oberflächliche Mykosen auf, die Haut, die Hautanhangsgebilde sowie die Schleimhäute betreffen. Beispielhaft sollen in diesem Zusammenhang die folgenden Pilzinfektionen genannt werden:

So erfolgt die Diagnose einer Pilzinfektion

Um festzustellen, ob und gegebenenfalls unter welcher Art von oberflächlicher Pilzinfektion Sie leiden, ist eine Untersuchung in drei Schritten erforderlich. Nur auf diese Weise kann eine zweifelsfreie Diagnose gestellt werden, mit der die genaue Art der Pilzinfektion von Haut, Hautanhangsgebilde oder Schleimhäuten. Der Ablauf dieser Untersuchung gestaltet sich wie folgt:

  • Untersuchung des Patienten und Anamnesegespräch
  • Entnahme eines Nativpräparats zum Nachweis des Erregers
  • Anlegen einer Pilzkultur zur Bestimmung des Erregers

Untersuchung und Gespräch zur Anamnese

In der Regel führt der Hautarzt die Untersuchung des Patienten durch, wenn es um die Diagnose von Fuss- oder Nagelpilz geht. Mit dem Verdacht auf Scheidenpilz wenden sich betroffene Frauen an den Gynäkologen. Er nimmt eine körperliche Untersuchung vor. Dabei begutachtet er die Hautstellen genau, die von der Erkrankung betroffen sind. In der Regel fallen dem behandelnden Arzt die für eine Pilzinfektion typischen Symptome auf, wie zum Beispiel Schuppungen, Rötungen oder Verfärbungen. So kann er schon durch die Inaugenscheinnahme feststellen, ob der Patient an Fusspilz, Nagelpilz oder Scheidenpilz beziehungsweise einer anderen Form der Pilzinfektion erkrankt ist. Anschliessend findet das Anamnese-Gespräch statt. Unter Anamnese versteht man die Erfassung der Beschwerden und Leidensgeschichte des Patienten. Um eine Anamnese im Rahmen der Erkennung von Pilzinfektionen durchzuführen, befragt Sie der Arzt nach weiteren Beschwerden, unter denen Sie leiden. Dabei kann es sich zum Beispiel um Jucken, Brennen oder Schmerzen handeln. Durch die Befragung des Patienten versucht der behandelnde Arzt auch, Rückschlüsse auf die Ursachen der Pilzinfektion zu ziehen.

So erfolgt der Erregernachweis mithilfe eines Nativpräparats

Während Ihr Arzt Sie körperlich untersucht, entnimmt er in aller Regel auch ein Nativpräparat. Als Nativpräparat bezeichnen Mediziner ein frisches und nicht fixiertes Entnahmeteilchen aus dem menschlichen Körper. Im Falle der Diagnose einer Pilzinfektion dienen kleine Haut-, Nagel- oder Schuppenproben als Nativpräparat. Der behandelnde Arzt setzt das Präparat, nachdem er es entnommen hat, auf einen Objektträger. Dann betrachtet er es unter einem Vergrösserungsglas im Mikroskop. Hier kann er erkennen, ob Pilzelemente vorhanden sind. Allerdings ist es mit einem Nativpräparat nicht möglich, festzustellen, um welchen konkreten Erreger es sich handelt. Um diese Frage zu klären, ist die Anlage einer Pilzkultur unabdingbar.

Den Erreger der Mykose mithilfe einer Pilzkultur bestimmen

Um den Verursacher der Pilzinfektion genau klassifizieren zu können, züchtet man im Labor den Erreger in einer Pilzkultur an. Für diesen Zweck ist es erforderlich, dass im Labor eine Temperatur von 28 Grad beziehungsweise bei bestimmten Pilzen auch Raumtemperatur herrscht. Ausserdem muss der Pilz auf einem passenden Nährboden heranwachsen. Als Ausgangsmaterial für diese Pilzkultur dient das Nativpräparat, das Ihr behandelnder Arzt während der Untersuchung entnommen hat. Es dauert ungefähr drei bis vier Wochen, bis die Pilzkultur so weit gewachsen ist, um eine eindeutige Bestimmung des Erregers zu ermöglichen. Anschliessend lässt sich genau erkennen, ob der Pilz zu den Dermatophyten, den Schimmelpilzen oder den Hefepilzen gehört und um welchen Erreger es sich handelt. Auf diese Weise wird gewährleistet, dass Ihr Arzt eine Therapie auswählen kann, die mit Sicherheit den gewünschten Behandlungserfolg hat.

Die Behandlung einer Pilzinfektion mit Antipilzmitteln

Antimykotika, wie Antipilzmittel im medizinischen Fachjargon bezeichnet werden, bekämpfen Pilzinfektionen wirksam. Diese Medikamente besitzen entweder eine abtötende oder eine wachstumshemmende Wirkung. Antimykotika, die das Wachstum der Pilze hemmen, sind unter der Bezeichnung fungistatisch wirkende Antimykotika bekannt. Antipilzmittel, die ein völliges Abtöten der Pilze bewirken, werden als fungizid wirkende Antimykotika bezeichnet.

Darüber hinaus ist eine Unterscheidung hinsichtlich der Bandbreite der Wirkung von Antipilzmitteln zu treffen. Sogenannte Schmalspektrum-Antimykotika richten ihre Wirkung nur gegen eine begrenzte Anzahl von Erregern. Dagegen sind die sogenannten Breitband-Antimykotika in der Lage, eine grosse Zahl von unterschiedlichen Erregern einer Pilzinfektion zu bekämpfen. Damit der Arzt tatsächlich ein Antipilzmittel auswählen kann, das den Verursacher Ihrer Pilzinfektion unschädlich macht, ist dessen genaue Bestimmung mithilfe einer Pilzkultur im Labor regelmässig erforderlich.

Hinweis: Das Antipilzmittel, das der Arzt Ihnen nach der Bestimmung des Erregers der Pilzinfektion verschrieben hat, ist unbedingt entsprechend den ärztlichen Anweisungen einzunehmen. Insbesondere muss es über den vorgeschriebenen Zeitraum verwendet werden. Nur so stellen Sie sicher, dass die Infektion vollständig abheilt. Wenn Sie das Antipilzmittel vorzeitig absetzen, zum Beispiel weil keine Symptome mehr bemerkbar sind, setzen Sie den Heilungserfolg aufs Spiel. In diesem Fall besteht das Risiko, dass der noch in der betroffenen Körperregion befindliche restliche Erreger sich erneut vermehrt und es auf diese Weise zu einem Rückfall der Krankheit kommt.

Antimykotika zum Einnehmen oder zur äusserlichen Anwendung

Grundsätzlich lassen sich die Antipilzmittel in zwei verschiedene Klassen einteilen, in die topischen und systemischen Antimykotika. Topische Antipilzmittel bekämpfen die Erreger einer Pilzinfektion durch eine äusserliche Anwendung. Systemische Antipilzmittel werden dagegen innerlich eingenommen.

So bekämpfen topische Antipilzmittel wirksam Pilzinfektionen

Topische Antimykotika dienen ausschliesslich der lokalen, äusserlichen Anwendung. Sie tragen diese Antipilzmittel, die in Form von Salben, Cremes oder Nagellack erhältlich sind, auf die betroffenen Körperregionen entsprechend den Anweisungen des Arztes oder Apothekers auf. Diese oberflächliche Therapie ist bei einer Pilzinfektion der Haut, der Hautanhangsgebilde sowie der Schleimhäute üblich. Auf diese Weise erfolgt zum Beispiel die Behandlung von Fuss- oder Nagelpilz sowie von Scheidenpilz. Zu den am häufigsten eingesetzten topischen Antimykotika für die äussere Anwendung gehören:

  • Schmalspektrum-Antimykotika, insbesondere Tolnafat und Nystatin, das sich als sehr wirksam gegen Hefepilze erwiesen hat.
  • Breitspektrum-Antimykotika, zu denen Azole wie zum Beispiel Clotrimazol, Bifonazol – diese beiden können zusätzlich auch fungizid wirken –, Econazol, Miconazol sowie Ketoconazol zählen. Ausserdem verordnen Ärzte Amorolfin und Terbinafin als fungizid wirkende Breitsprektrumantimykotika.

Wenn der Arzt Ihnen zur Behandlung Ihrer Pilzinfektion ein topisches Antipilzmittel verordnet hat, brauchen Sie in der Regel keine schweren Nebenwirkungen zu befürchten. Bei den örtlich aufzutragenden Antimykotika beschränken sich die Nebenwirkungen, sofern welche auftreten, meist nur auf Reaktionen der Haut, wie z.B. Hautreizungen oder Ähnliches.

So erfolgt die Behandlung einer Pilzinfektion mit einer systemischen Therapie

Im Gegensatz zur topischen Behandlung von Pilzerkrankungen nehmen Sie bei einer systemischen Therapie das Antimykotikum ein. Auf diese Weise kann es sich über die Blutbahnen im gesamten Organismus verteilen und wirken. Diese systemischen Antipilzmittel sind vom Patienten entweder oral in Tablettenform einzunehmen, oder es erfolgt eine intravenöse Verabreichung durch Infusionen. Als Wirkstoffe für die systemische Pilztherapie kommen insbesondere Flucytosin, Terbinafin sowie Amphoterion B infrage.

Die systemische Behandlung einer Pilzinfektion ist immer dann angezeigt, wenn sich der Erreger im Inneren des Körpers ausgebreitet hat. Doch auch wenn bei Patienten, die unter einer oberflächlichen Pilzerkrankung leiden, eine längere Behandlung mit topischen Antipilzmitteln keine Heilung bewirkt hat, kommen systemische Antimykotika zum Einsatz. Darüber hinaus existieren unter anderem diese Indikationen, die eine Therapie mit systemischen Antipilzmitteln erforderlich machen:

  • betroffene Patienten vertragen die äusserlich anzuwendenden Antimykotika nicht
  • stark fortgeschrittene Pilzinfektionen mit Entzündungen
  • massive Hautveränderungen

Ihr behandelnder Arzt wägt den Nutzen und die Risiken einer systemischen Therapie zur Bekämpfung einer Pilzinfektion genau ab.

So beugen Sie einer Pilzerkrankung wirksam vor

Mit geeigneten Massnahmen und der Einhaltung von bestimmten Verhaltensregeln können Sie das Risiko für ein Auftreten einer Pilzinfektion verringern. Dabei geht es darum, eine Ansteckung mit einem Erreger von vorneherein zu vermeiden oder die Ausbreitung des Pilzes im Organismus zu verhindern. Dazu sollten Sie die Übertragungswege kennen, über die sich eine Pilzinfektion üblicherweise ausbreitet. Ausserdem ist es für eine effektive Vorbeugung unverzichtbar, über die wichtigsten Risikofaktoren Bescheid zu wissen, die eine Pilzinfektion begünstigen. Wer vermeiden möchte, an einer Pilzinfektion zu erkranken, sollte darüber hinaus Vorbeugemassnahmen und bestimmte Verhaltensregeln genau beachten. Wenn Sie sich an diese Grundsätze halten, lassen sich bereits bestehende Pilzinfektionen wirksam und innerhalb von kurzer Zeit behandeln, sodass in der Regel ein vollständiger Heilungserfolg eintritt. Ausserdem tragen Sie durch Ihr umsichtiges Verhalten dazu bei, dass die Pilzerkrankung nicht erneut ausbricht. In diesem Zusammenhang kommt den folgenden Massnahmen die grösste Bedeutung für die Vorbeugung einer Pilzinfektion zu:

  • konsequente Vermeidung einer Infektion mit den Erregern, die eine Pilzerkrankung bewirken
  • nachhaltige Stärkung Ihres Abwehrsystems
  • angemessene Körperhygiene
  • Auswahl der richtigen Kleidung

So vermeiden Sie eine Infektion mit Erregern von Pilzerkrankungen

Pilzinfektionen übertragen sich durch eine direkte oder indirekte Schmierinfektion. Es ist von entscheidender Bedeutung, dass Sie genau Bescheid wissen, wie die Übertragung des Erregers beziehungsweise die Infektion mit dem Pilz abläuft. Je besser Sie die Risikofaktoren und die Wege der Übertragung von Pilzinfektionen kennen, desto wirkungsvoller können Sie sich vor einer möglichen Ansteckung schützen.

Vorsicht in öffentlichen Einrichtungen ist angesagt

Ein feucht-warmes Milieu, wie es in Saunen, Schwimmbädern oder Gemeinschaftsduschen herrscht, begünstigt die Vermehrung von Pilzerregern ausserordentlich. Damit Sie sich an diesen Orten nicht mit dem Erreger einer Pilzinfektion anstecken, sollten Sie konsequent den Kontakt mit den Oberflächen vermeiden. Das bezieht sich insbesondere auf die Fussböden. Um dies zu gewährleisten, ist es sehr empfehlenswert, diese Flächen niemals barfuss zu betreten. Wer in diesen Einrichtungen, die von zahlreichen verschiedenen Menschen genutzt werden, stets Badeschlappen trägt, leistet damit einen wichtigen Beitrag zur Vermeidung einer Infektion.

Vorsichtsmassnahmen für die Benutzung von Handtüchern

Auch Handtücher, die Sie gemeinsam mit anderen nutzen, können ein möglicher Übertragungsweg für die Ansteckung mit einer Pilzerkrankung sein. Um diese Infektionsquelle auszuschliessen, sollte jede Person ihr Handtuch ausschliesslich selbst verwenden. Darüber hinaus ist es ratsam, die Handtücher in regelmässigen Abständen zu waschen.

Beachtung von Verhaltensregeln im Umgang mit Haustieren

Da Haustiere viele Erreger einer Pilzinfektion in sich tragen können, sind auch diesbezüglich bestimmte Verhaltensregeln einzuhalten. Insbesondere sollten Sie Ihr Haustier regelmässig beim Tierarzt vorstellen. So kann festgestellt werden, ob eine Infektion mit einem Pilzerreger vorliegt, um die gegebenenfalls erforderliche Behandlung einzuleiten.

Ein starkes Immunsystem als wirksamer Schutz vor Pilzinfektionen

Pilze sind Bestandteil der Flora, die den menschlichen Organismus besiedelt. Aus diesem Grund sitzen Pilze bei den meisten Menschen sowohl die Hautoberfläche als auch den Darm sowie die Schleimhäute, ohne dass es zu einer Pilzinfektion kommt. Die Pilzerreger haben nur dann die Chance, sich massenhaft auszubreiten und eine Pilzinfektion zu verursachen, wenn Ihr Abwehrsystem geschwächt ist oder Sie gesundheitlich beeinträchtigt sind. Aus diesen Tatsachen folgt unmittelbar, dass ein gut funktionierendes Immunsystem eine sehr wichtige Rolle bei der Vorbeugung von Pilzinfektionen spielt. Sie stärken Ihr körpereigenes Abwehrsystem nachhaltig, indem Sie einen gesunden Lebensstil pflegen. Dazu gehören insbesondere die folgenden Verhaltensweisen:

  • Gestalten Sie Ihre Ernährung so ausgewogen und abwechslungsreich wie möglich. Optimal ist der tägliche Verzehr von Obst und Gemüse in grösseren Mengen. Darüber hinaus sollten Sie darauf achten, dass Sie nicht zu viele Kohlenhydrate essen. Kohlenhydrate werden im Körper in Zucker umgewandelt, von dem sich wiederum einige Pilzarten ernähren.
  • Regelmässige Bewegung spielt eine wichtige Rolle für die Aufrechterhaltung eines guten Gesundheitszustandes.
  • Bei Bedarf kommen für die nachhaltige Stärkung des Immunsystems auch die Einnahmen von Präparaten infrage, die wertvolle Mineralien und Vitamine enthalten.

Angemessene Körperpflege und -hygiene sind unverzichtbar zur Vorbeugung gegen Pilzinfektionen

Achten Sie bei der täglichen Körperpflege in jedem Fall darauf, dass nicht ein zu feuchtes Hautmilieu entsteht. Denn ein feucht-warmes Milieu stellt die ideale Voraussetzung für die rasche Vermehrung von Pilzerregern dar. Besonders gross ist das Risiko in Körperregionen, in denen sich schnell viel Schweiss ansammeln kann. Insbesondere Hautfalten sind in dieser Hinsicht stark gefährdet. Auch zwischen Ihren Zehen und in der Leistengegend oder unter den Achseln kann leicht ein feucht-warmes Hautklima entstehen, das die Entstehung einer Pilzinfektion begünstigt.

Verhaltensregeln für die Körperhygiene und -pflege

Aus diesem Grund sollten Sie stets für eine ausreichende Luftzufuhr an diesen Körperstellen sorgen. Ausserdem ist es wichtig, dass Sie die Haut in diesen Regionen nach dem Duschen, Waschen oder Baden mit besonders viel Sorgfalt abtrocknen. Als genauso gefährlich wie zu feuchte Haut kann sich ein Austrocknen der Hautoberfläche erweisen. Trockene Haut bekommt leicht feine Risse. In diese können Pilzerreger eindringen und sich anschliessend weiter verbreiteten. Wenn Sie Ihre Haut mit einer milden Waschlotion säubern, vermeiden Sie zuverlässig eine starke Austrocknung der Hautoberfläche. Nach der Reinigung ist es empfehlenswert, Ihre Haut mit einer Körperlotion einzucremen, die ausreichend Feuchtigkeit beziehungsweise pflegende Fette spendet.

Weitere Tipps für die Körperpflege zur Vermeidung einer Pilzinfektion

Ausserdem sollten Sie es mit der Körperpflege nicht übertreiben. Insbesondere im weiblichen Genitalbereich besteht ansonsten das Risiko, dass Sie mit zu häufiger oder intensiver Reinigung die Scheidenflora aus ihrem natürlichen Gleichgewicht bringen. Dann ist das Auftreten einer Pilzinfektion durch eine starke Vermehrung der Pilzerreger nicht unwahrscheinlich. Um besonders häufig auftretenden Pilzerkrankungen Fusspilz und Nagelpilz vorzubeugen, ist auch die Inanspruchnahme einer professionellen Hand- und Fusspflege empfehlenswert.

Auch die richtige Kleidung ist wichtig

Generell gilt, das zur Vorbeugung von Pilzinfektionen der Haut atmungsaktive, luftdurchlässige Kleidung, in der man möglichst wenig schwitzt, getragen werden sollte. Zudem sollte die Kleidung Mit Kleidung, die atmungsaktiv und luftdurchlässig ist, beugen Sie wirksam einer Pilzinfektion vor. Ausserdem sollten Sie darauf achten, dass die Kleidungsstücke nicht zu übermässigem Schwitzen führen. Darüber hinaus helfen folgende Tipps, eine Pilzinfektion zu vermeiden:

  • Die eigene Kleidung sollte nicht mit anderen getauscht werden, um eine Übertragung von Pilzerregern auszuschliessen.
  • Schuhe aus luftdurchlässigem Material verhindern die Entstehung von Nagel- oder Fusspilz.
  • Bei Bedarf können Sie die Schuhe mit speziellem Spray desinfizieren.
  • Bevorzugen Sie Socken und Strümpfe aus Baumwolle und wechseln Sie diese täglich.
  • Tragen Sie Unterhosen aus Baumwolle, die Sie ebenfalls täglich wechseln, und vermeiden Sie das Tragen von zu engen Hosen.

Leitlinien der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft und der Deutschsprachigen Mykologischen Gesellschaft: Tinea der freien Haut: http://www.oegstd.at/res/013-002.pdf

Der Brockhaus Gesundheit, Krankheiten erkennen, verstehen und heilen. 6. Auflage, Herausgegeben von der Lexikonredaktion des Verlags F.A. Brockhaus, Mannheim. 2004.

MSD Manual, Handbuch Gesundheit. 2. Auflage, Herausgegeben von Mark H. Beers, M.D. et.al, Wilhelm Goldmann Verlag, München. 2005.

Lehnen, Jutta, Beratungspraxis Pilzinfektionen, Deutscher Apotheker Verlag. 2012.

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