Leistenpilz (Tinea inguinalis)

17.05.2018
Leading Medicine Guide Redaktion
Autor des Fachartikels
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Tinea inguinalis ist der medizinische Fachbegriff für eine von sogenannten Dermatophyten verursachte Pilzinfektion der Haut im Bereich der Oberschenkelinnenseite und des Unterbauchs in der Leistengegend. Die Erkrankung wird daher auch als Leistenpilz bezeichnet. Der Pilzbefall kann sich bis in die Region der äusseren Geschlechtsorgane ausdehnen. Häufig machen sich dann in der Leistenregion Beschwerden wie Hautrötungen und Juckreiz bis hin zu einem Gefühl des Brennens bemerkbar. Bei Patienten, die viel sitzen müssen, können Hautareale bis hin zum Gesäss betroffen sein.

ICD-Codes für diese Krankheit: B35.6

Artikelübersicht

Was ist eine Tinea inguinalis?

Bei einer Tinea inguinalis handelt es sich um eine Mykose, sprich Pilzinfektion, der Leistengegend. Umgangssprachlich wird sie auch als Leistenpilz bezeichnet. Der Leistenpilz betrifft Männer häufiger als Frauen. Auslöser der Infektion sind Fadenpilze, die ihren Lebensraum auf der Haut finden. Sie gehören zur Familie der Dermatophyten. Ihr altgriechischer Familienname kombiniert die Wörter für Haut (derma) und Pflanze (phyton) und gibt damit Hinweise auf die Lebensgewohnheiten der Pilze.

In der Medizin ist die Bezeichnung Tinea (lateinisch für Holzwurm, Motte) für alle Erkrankungen reserviert, die in die Gruppe der Dermatophytosen gehören. Tinea pedis bezeichnet den Fusspilz, Tinea manuum ist die Dermatophytose der Hand, Tinea capitis die der behaarten Kopfhaut. Tinea inguinalis (lat. inguen für Leiste/Unterleib) ist also die von Dermatophyten verursachte Pilzerkrankung der Leistengegend. Neben Dermatophytosen sind Kandidosen verbreitete Pilzinfektionen der Haut. Anders als Tinea gehen sie jedoch auf Hefepilze zurück.

Dermatophyten als Verursacher von Leistenpilz

Pilze bilden in der biologischen Einordnung neben vielzelligen Tieren und Pflanzen ein eigenes Reich. Sie sind als Eukaryonten Lebewesen, deren Zellen einen Zellkern besitzen, und sind aufgrund von Eigenheiten ihres Stoffwechsels mit Tieren näher verwandt als mit Pflanzen. Von mikroskopisch kleinen Einzellern wie Hefen bis zu Vielzellern wie Schimmel- und Ständerpilze umfasst die Familie eine Vielzahl von Lebensformen und trägt mit einem Viertel zur Biomasse der Erde bei. Grosse, in Wald und Wiese heimische Pilzarten, die als Delikatesse im Kochtopf landen, oder ihre giftigen Verwandten, die im Speiseplan nicht vorgesehen sein sollten, sind in der Minderzahl.

Ein Grossteil der Pilze lebt unterirdisch und fördert als wichtiger Symbiont das Wachstum von etwa 80 bis 90 Prozent aller Pflanzen. Als Nützlinge für den Menschen verfeinern Pilze Speisen und sind an unterschiedlichen Gärungsprozessen beispielsweise zur Herstellung von alkoholischen Getränken und Milchprodukten beteiligt. Als Schädlinge besiedeln sie die Haut oder das Körperinnere und können Vergiftungen, Allergien oder Infektionen hervorrufen. Zum Familienzweig der Störenfriede zählen aus menschlicher Perspektive auch die Dermatophyten, die unter anderem Tinea inguinalis verursachen.

Dermatophyten ernähren sich von Kohlenhydraten und Keratin. Weil Keratin wesentlicher Bestandteil der Hornschicht von Haut, Haaren und Nägeln ist, suchen sich Fadenpilze besonders gern die Oberfläche von Wirbeltieren als bevorzugten Tummelplatz aus. In der Familie der Dermatophyten ist Trichophyton rubrum der häufigste Erreger einer Mykose im Bereich der Leistenbeuge. Des Weiteren kommen die Pilzarten Epidermophyton floccosum, Trichophyton mentagrophytes und Trichophyton tonsurans als Verursacher von Tinea inguinalis infrage. Fadenpilze sind überall in der Natur anzutreffen. In ihrem Entwicklungsstadium als Sporen sind Pilze hochresistent gegen Klima und Wetter, hervorragend geschützt vor Austrocknung und in der Lage, lange Zeit ohne Nährstoffe zu überleben. Als Überdauerungsform harren sie im Erdboden oder in feuchten, öffentlich stark frequentierten Räumen wie Schwimmbädern, Duschen, Saunen oder Hotelzimmern. Darüber hinaus halten sie sich gern in Kleidung, Handtüchern, Kämmen, Decken und Fussmatten auf. In dieser Umgebung sind sie bis zu vier Jahre lang infektiös und versuchen von dort aus, in die Hornschicht von Haut, Haaren und Nägeln einzudringen.

Begünstigende Faktoren für Tinea inguinalis

Hautpilzerreger finden in warmer, feuchter und dunkler Umgebung ideale Wachstumsbedingungen. Hautfalten und Füsse in engen, luftundurchlässigen geschlossenen Schuhen sind Prädilektionsstellen für die Entwicklung von Dermatophyten, also Körperbereiche, in denen sich die Pilze bevorzugt aufhalten und vermehren. Weil nackte Füsse in pilzfreundlichen Umgebungen wie Schwimmbad und Sauna eher im direkten Kontakt mit den Erregern stehen, kommt eine Fuss- und/oder Nagelmykose viel häufiger vor als Tinea inguinalis. Allerdings kann eine zu spät erkannte oder nicht therapietreu behandelte Fusspilzinfektion in höhere Regionen wandern und auf die Leistengegend übergreifen. Inwieweit Dermatophyten überhaupt in der Inguinalregion Fuss fassen und sich dort ungestört ausbreiten können, hängt in hohem Mass vom körperlichen Allgemeinzustand, individuellen Lebensgewohnheiten und persönlichem Hygiene- und Gesundheitsbewusstsein ab. Eine Reihe von allgemeinen Faktoren ist dafür bekannt, die Entwicklung von Leistenpilz zu begünstigen.

  • Gesunde Haut ist durch die natürliche Hautflora geschützt. Eine Vielzahl nützlicher Mikroorganismen besiedelt die Hautoberfläche und übt eine abwehrende Funktion aus, indem sie ihren Lebensraum vollständig einnimmt und gegen schädliche Eindringlinge verteidigt. Zusätzlich ist die Haut durch eine dicht aufgebaute Hornschicht bedeckt, die für Keime undurchdringlich ist. Das sorgfältig abgestimmte Gleichgewicht der unterschiedlichen Schutzmechanismen ist empfindlich gegen Störungen. Erkrankungen, die auf das Immunsystem wirken, aber auch Pflegefehler können dazu beitragen, dass die Abwehrfähigkeit der Haut versagt und Pilzerreger eindringen können.
  • Zu den chronischen Erkrankungen mit Einfluss auf die Immunabwehr zählt Diabetes mellitus. Eine nicht ausreichend behandelte Zuckerkrankheit erhöht die Anfälligkeit gegenüber Bakterien und Pilzen. Mykosen machen sich in der Folge vor allem im Bereich der unteren Extremitäten breit.
  • Wenn Durchblutungsstörungen der äusseren Körperregionen wie die peripher-arterielle Verschlusskrankheit die Immunabwehr und die Regeneration der Haut stören, finden Pilze günstige Lebensbedingungen und verursachen häufig Mykosen der Füsse.
  • Kortison oder Medikamente, die beispielsweise während einer Krebstherapie die Immunabwehr unterdrücken, bieten Pilzerregern Möglichkeiten zu vermehrter Aktivität.
  • Hohes Übergewicht bei Adipositas kann zu ungünstigen klimatischen Bedingungen in Hautfalten führen, in denen sich Dermatophyten besonders wohlfühlen.
  • Unsaubere Toilettensitze, nicht ausreichend gereinigte Wäsche und intimer Körperkontakt sind mögliche Quellen für die Übertragung der Pilzerreger und für die Entwicklung einer Tinea inguinalis.

Krankheitsverlauf und Beschwerden bei Leistenpilz

Tinea inguinalis zeigt sich zunächst mit ein- oder beidseitigen roten Flecken auf der Innenseite der Oberschenkel. Wenn der Leistenpilz sich ausbreitet, wirken die Ränder befallener Hautareale leicht entzündlich und schuppig, während die Mitte zunehmend verblasst und eine bräunliche Färbung annimmt. Der Leistenpilz wird von Juckreiz begleitet, und Betroffene klagen häufig über ein brennendes Gefühl. Wird das Wachstum des Pilzes nicht eingedämmt, kann sich Tinea inguinalis auf weite Hautareale im äusseren Bereich der Geschlechtsorgane bis hin zum Gesäss ausbreiten.

Medizinische Abklärung bei Tinea inguinalis

Wie jede Pilzerkrankung gibt auch Tinea inguinalis schon bei ersten Krankheitszeichen Anlass, aktiv zu werden und die Infektion rasch und entschlossen zu behandeln. Ist bei typischen Symptomen der Verdacht einen Leistenpilz nicht von der Hand zu weisen, bringt ein Besuch in der ärztlichen Praxis Klarheit über die Diagnose. Suchen Sie den Rat Ihres Arztes, insbesondere wenn Sie

  • schwanger sind – in der Schwangerschaft ist jede medizinische Massnahme ärztlich abzuklären
  • unter unklaren Beschwerden leiden, die Sie nur schwer zuordnen können und die nicht sicher auf Tinea inguinalis schliessen lassen
  • den Verdacht haben, an einer Pilzerkrankung zu leiden, den Krankheitsverlauf aber nicht aus eigener Erfahrung kennen
  • trotz Selbstbehandlung mit einem üblicherweise wirksamen Medikament den Eindruck haben, dass die Beschwerden nicht nachlassen und die Erkrankung sich nicht zurückzieht
  • längere Zeit unter Tinea inguinalis und anderen ausgedehnten Mykosen der Haut und der Nägel leiden. In diesem Fall klärt eine medizinische Untersuchung, ob eine genetische Veranlagung die Entstehung eines sogenannten Trichophyton-rubrum-Syndroms verursacht, das mit hartnäckigen und langwierigen Infektionsverläufen einhergeht.

Vermutet der Arzt einen Pilzbefall, sichert er den Befund in der Regel mit einem Erregernachweis. Ein Abstrich des befallenen Gewebes entnimmt Hautpartikel, aus denen im Labor eine Kultur angelegt wird. In der Probe enthaltene Pilzerreger werden auf speziellen Nährböden angezüchtet und später unter dem Mikroskop untersucht. Je nach Wachstumsgeschwindigkeit des Pilzes braucht eine Kultur zwischen ein und vier Wochen Entwicklungszeit, bis ein Befund erhoben werden kann. Eine laborgestützte Differenzialdiagnose

  • grenzt eine Mykose gegenüber bakteriellen Infektionen ab
  • unterscheidet Tinea inguinalis von einer Schuppenflechte, die sich ebenfalls gern in der Leistengegend breitmacht und ähnliche Symptome, wie der Leistenpilz verursacht
  • gibt Aufschluss darüber, welche Pilzerreger genau am Krankheitsgeschehen beteiligt sind, wenn der Verdacht einer Mykose sich erhärtet.

Anhand der Ergebnisse des Erregernachweises entscheidet der Arzt über das weitere therapeutische Vorgehen. Er legt fest, welcher Wirkstoff am besten geeignet ist, die Infektion zu bekämpfen, ob eine lokale Behandlung ausreicht oder ob Sie pilzbekämpfende Medikamente zusätzlich einnehmen müssen (systemische Therapie).

Lokale Therapie – erfolgreich gegen Leistenpilz mit Antimykotika

Ist der Befund einer Tinea inguinalis gesichert, steht einer Selbstbehandlung mit einem örtlich wirksamen Antimykotikum nichts im Wege. Zu den Medikamenten, die sich in der erfolgreichen Bekämpfung von Dermatophyten bewährt haben, gehören solche mit dem Wirkstoff Bifonazol. Die Behandlung des Pilzerregers bringt zuverlässigen Heilungserfolg, wenn ein Breitbandantimykotikum zum Einsatz kommt. Bifonazol ist ein Arzneistoff aus der Gruppe der Azole mit einer vielseitigen sowohl fungistatischen wie fungiziden Wirkung und entzündungshemmenden Eigenschaften. Optimal ist eine Creme, die

  • die Mykose umfassend bekämpft und gegen Dermatophyten, Hefe- und Schimmelpilze gleichermassen wirksam ist
  • das Wachstum des Pilzes stoppt, indem sie den Aufbau seiner Zellmembran schädigt und dadurch den Erreger abtötet
  • gegen bakterielle Keime wirkt, die am Ort des Pilzbefalls die Haut zusätzlich schädigen
  • entzündungshemmende Eigenschaften hat und schnell Begleiterscheinungen von Tinea inguinalis, wie Juckreiz und Brennen, lindert.

Cremes, die wasserfest sind, eignen sich besonders gut, da sie auch im Verbreitungsgebiet von Tinea inguinalis beim Sport und in der Freizeit haften bleiben. Der Behandlungserfolg hängt entscheidend von konsequenter Therapietreue ab. Setzen Sie das Anti-Pilz-Mittel nicht vorzeitig ab, auch wenn Ihre Beschwerden bei Leistenpilz schon nach den ersten Tagen der Anwendung nachlassen. Ein Antimykotikum muss meist über einen Zeitraum von zwei bis drei Wochen nach dem Abheilen der Infektion weiter aufgetragen werden, damit der Leistenpilz endgültig das Feld räumt und seine Aktivität nicht wieder aufnimmt. Beachten Sie für einen Therapieerfolg die Empfehlungen zur Anwendungshäufigkeit und -dauer von Ihrem Medikament genau und holen Sie den Rat Ihres Arztes oder Apothekers ein, wenn sich im Laufe der Behandlung Unsicherheiten einstellen.

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