Bei der Chlamydien-Infektion handelt es sich um eine der häufigsten sexuell übertragbaren Erkrankungen (STD: sexually transmitted diseases) der Welt, die meist durch die Bakterienspezies Chlamydia trachomatis ausgelöst wird.

ICD-Codes für diese Krankheit: A56, A74

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Häufigkeit von Chlamydien-Infektionen

Je nach Altersgruppe sind weltweit bis zu zehn Prozent der Bevölkerung mit Chlamydien infiziert. Frauen und Männer können gleichermassen von einer Chlamydien-Infektion betroffen und Überträger der Bakterien sein. Junge Mädchen und Frauen sind jedoch anatomisch bedingt besonders gefährdet, sich durch ungeschützten Geschlechtsverkehr mit Chlamydien anzustecken, da sich der Muttermund besonders leicht infizieren lässt.

Schätzungen zufolge erkranken in Deutschland pro Jahr rund 300.000 Frauen neu an einer Chlamydien-Infektion.

Ursachen einer Chlamydien-Infektion

Ursächlicher Erreger der Chlamydien-Infektion sind die sogenannten Chlamydien. Diese Bakterien vermehren sich in den menschlichen Körperzellen und verursachen je nach Untergruppe verschiedene Krankheiten.

Der am häufigsten vorkommende Erreger ist dabei ein Bakterium namens Chlamydia trachomatis. Dieses Bakterium verursacht meist Erkrankungen im Genitalbereich und Entzündungen am Auge, die eine Erblindung zur Folge haben können.

Bei Chlamydia pneumoniae und Chlamydia psittaci handelt es sich um weitere Chlamydien-Untergruppen. Chlamydia pneumoniae kann Entzündungen der Bronchien und Nasennebenhöhlen sowie eine Lungenentzündung verursachen. Chlamydia psittaci ist für die sehr selten auftretende, einer schweren Lungenentzündung ähnelnde Papageienkrankheit verantwortlich.

Die Übertragung der Chlamydien von einer infizierten Person auf die andere erfolgt meist durch ungeschützten Geschlechtsverkehr. Das Risiko einer Chlamydien-Infektion ist deshalb bei Menschen mit häufig wechselnden Sexualpartnern, die beim Geschlechtsverkehr kein Kondom benutzen, besonders hoch.

Darüber hinaus ist es auch möglich, dass eine infizierte, schwangere Frau die Chlamydien während der Geburt auf ihr neugeborenes Kind überträgt.

Symptome einer Chlamydien-Infektion

Die ersten Beschwerden einer Chlamydien-Infektion äussern sich etwa ein bis drei Wochen nach der Ansteckung. Meist handelt es sich um:

  • Juckreiz
  • Schmerzen und Brennen beim Wasserlassen
  • eitriger Ausfluss im Genitalbereich

Häufig treten aber zunächst auch gar keine spürbaren Symptome auf. Deshalb wird eine Chlamydien-Infektion oft nicht erkannt und nicht behandelt. Dennoch können Betroffene die Erreger unwissentlich an ihre Geschlechtspartner übertragen.

Verschleppt sich die Krankheit, können schwere Entzündungen und Unfruchtbarkeit daraus folgen.

Folgen der Chlamydien-Erkrankung bei Männern

Bei infizierten Männern entzündet sich häufig die Harnröhre, die Prostata und der Nebenhoden. Ein starker Harndrang sowie ziehende Schmerzen in der Harnröhre sind Zeichen einer solchen Entzündung und müssen behandelt werden, um eine drohende Unfruchtbarkeit zu verhindern.

Folgen der Infektion bei Frauen

Bei Frauen kann eine Chlamydien-Infektion insbesondere eitrige Entzündungen der Gebärmutterschleimhaut, der Eierstöcke und der Eileiter zur Folge haben. Die Betroffene leidet dann unter Fieber, Durchfall und starken Bauchschmerzen.

Bleibt die Chlamydien-Infektion unbehandelt, können die Entzündungen eine Vernarbung und Verklebung der Eileiter hervorrufen, was Unfruchtbarkeit sowie ein hohes Risiko für Eileiterschwangerschaften verursachen kann. So schätzt man, dass in Deutschland rund 100.000 Frauen aufgrund einer Chlamydien-Infektion unfruchtbar sind.

Infizieren sich schwangere Frauen mit Chlamydien, steigt das Risiko auf einen vorzeitigen Fruchtblasensprung oder Früh- bzw. Fehlgeburten. Ausserdem können sie ihre neugeborenen Kinder während der Geburt mit Chlamydien anstecken.

Diagnose einer Chlamydien-Infektion

Um eine Chlamydien-Infektion zu diagnostizieren, entnimmt der Arzt im Rahmen einer körperlichen Untersuchung einen Abstrich sowie eine Urinprobe, die er anschliessend im Labor untersuchen lässt.

Laboruntersuchung von Urinproben und Abstrich-Material

Können im Urin und im Zellabstrich Antikörper gegen Chlamydien oder Partikel des Chlamydien-Erbgutes nachgewiesen werden, liegt mit hoher Wahrscheinlichkeit eine Chlamydien-Infektion vor. Mithilfe weiterer spezieller labortechnischer und molekularbiologischer Untersuchungen, wie etwa der Anzucht von Zellkulturen, lässt sich anschliessend die Diagnose einer Chlamydien-Infektion sichern.

Therapie einer Chlamydieninfektion

Die Behandlung einer Chlamydien-Infektion erfolgt meist durch die Gabe der Antibiotika Makrolide, Tetracycline, Doxycyclin oder Azithromycin. Schwangere Frauen mit einer Chlamydien-Infektion werden meist mit den Antibiotika Erythromycin, Amoxicillin oder Josamycin behandelt. Je nach Präparat müssen Betroffene das Antibiotikum einmalig oder über einen Zeitraum von bis zu zwei Wochen einnehmen.

Bis zum Anschlagen der Antibiotika-Behandlung sollte der Patient ausserdem mindestens eine Woche lang auf Geschlechtsverkehr verzichten, um seinen Partner nicht anzustecken. Dennoch sollte sich der Partner ebenfalls untersuchen lassen, weil er bereits angesteckt sein kann und sich so die Infektion erneut ausbreiten kann.

Zur Kontrolle sollte drei Wochen nach Ende der Antiobiotika-Therapie mithilfe einer Laboruntersuchung sichergestellt werden, dass die Behandlung der Chlamydien-Infektion tatsächlich erfolgreich war.

Prognose und Heilungsaussichten einer Chlamydien-Infektion

Sofern die Chlamydien-Infektion rechtzeitig entdeckt und mit Antibiotika behandelt wird, ist die Prognose in der Regel sehr gut. Die Chlamydien-Infektion heilt dann meist ohne bleibende Schäden zu hinterlassen aus. Nur, wenn die Infektion unbehandelt bleibt oder zu spät behandelt wird, kann es zu Folgeschäden wie Unfruchtbarkeit kommen.

Vorsorge durch regelmässige Chlamydien-Tests

Da sich in Deutschland pro Jahr rund 300.000 Frauen neu mit Chlamydien infizieren und etwa 100.000 Frauen aufgrund einer Chlamydien-Infektion unfruchtbar sind, ist es für Frauen ratsam, einmal jährlich beim Frauenarzt einen Chlamydien-Test durchführen zu lassen. Die Kosten für einen solchen Chlamydien-Test werden derzeit bei sexuell aktiven Frauen bis zum 25. Lebensjahr von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen.