Die Immunschwächekrankheit AIDS (acquired immuno deficiency syndrome = erworbenes Immunschwäche-Syndrom) ist die gefährlichste sexuell übertragbare Krankheit (STD: sexually transmitted disease) überhaupt, da sie auch etwa 25 Jahre nach ihrem ersten Auftreten nach wie vor unheilbar ist und zum Tode führt. Ausgelöst wird AIDS durch das Humane Immundefizienz-Virus (HIV), das insbesondere in den Körperflüssigkeiten (Blut,  Sperma, Scheidensekret) eines Infizierten hochkonzentriert vorkommt und in den meisten Fällen durch ungeschützten Geschlechtsverkehr, seltener auch durch nicht sterile Injektions- oder Tätowiernadeln, übertragen wird. Eine HIV-Infektion schädigt nach und nach das Abwehrsystem des Infizierten und geht im späten Stadium schliesslich in die tödlich verlaufende Krankheit AIDS über.

ICD-Codes für diese Krankheit: B22, B23, B24, Z21

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Weltweites Vorkommen von HIV-Infektionen und AIDS

Seit dem Auftreten der ersten AIDS-Fälle Anfang der achtziger Jahre haben sich die Immunschwächekrankheit AIDS und die auslösende HIV-Infektion zu einer globalen Pandemie entwickelt. So sind Schätzungen der Organisation UNAIDS (United Nations Programme on HIV/AIDS = Gemeinsames Programm der Vereinten Nationen zu HIV/AIDS) zufolge bisher 25 Millionen Menschen an AIDS gestorben; rund 33,4 Millionen Menschen sind derzeit weltweit mit HIV infiziert. Im Jahr 2008 starben rund zwei Millionen Menschen an AIDS; weitere 2,7 Millionen infizierten sich neu mit HIV. In Deutschland sind etwa 67.000 Menschen von einer HIV-Infektion betroffen; bei 11.300 von ihnen war die AIDS-Erkrankung im Jahr 2009 bereits ausgebrochen.

Ursachen von HIV-Infektion und AIDS

Die Immunschwächekrankheit AIDS wird durch das Humane Immundefizienz-Virus (HIV) verursacht und stellt das späte Stadium einer HIV-Infektion dar. Die Infektion mit HIV erfolgt durch direkten Kontakt mit den Körperflüssigkeiten eines bereits HIV-Infizierten, etwa mit Blut, Sperma, Scheiden- oder Analsekret, da hier die Konzentration der HI-Viren besonders hoch ist. Hierbei sind verschiedene Übertragungswege möglich, wobei sexuelle Kontakte in Deutschland den mit Abstand häufigsten Ansteckungsgrund darstellen. So gehen etwa 90 Prozent der HIV-Infektionen auf das Konto von ungeschütztem Geschlechtsverkehr mit einer HIV-infizierten Person.

In etwa 8 Prozent der Fälle erfolgt die Übertragung der HIV-Infektion durch den gemeinsamen Gebrauch von Injektionsnadeln und Spritzen – wenn sich etwa ein Drogenabhängiger mit einer kontaminierten Injektionsnadel, die zuvor ein HIV-Infizierter verwendet hat, Drogen in eine Vene spritzt.

Auch eine Übertragung des HI-Virus von einer HIV-infizierten, schwangeren Frau auf ihr ungeborenes Kind ist möglich. Da hier aber in der Regel vorbeugende Massnahmen getroffen werden, um eine Ansteckung des Kindes zu verhindern, werden inzwischen weniger als 1 Prozent der HIV-Infektionen durch eine Mutter-Kind-Übertragung während der Geburt verursacht.

Weitere mögliche, aber inzwischen eher seltene Übertragungswege einer HIV-Infektion sind Transfusionen von HIV-infiziertem Blut, Organtransplantationen oder bei Angehörigen medizinischer Berufe nicht desinfizierte medizinische Geräte oder Stiche mit einer infizierten Nadel.

Symptome und Krankheitsstadien einer HIV-Infektion

Die Krankheitsstadien einer HIV-Infektion bzw. AIDS-Erkrankung werden nach der „Center for Disease Control and Prevention“-Klassifikation von 1993 in drei Stadien unterteilt: Stadium A beschreibt die akute symptomatische Erstinfektion mit HIV sowie die anschliessende symptomfreie Latenzphase. Im Stadium B der HIV-Infektion treten die ersten (nicht AIDS-spezifischen) Krankheitszeichen einer gestörten Immunabwehr auf. Stadium C schliesslich bezeichnet den Ausbruch der AIDS-Erkrankung.

HIV-Infektion: Stadium A

Im Stadium A der HIV-Infektion kommt es bei der Hälfte der Betroffenen wenige Tage bis Wochen nach der Erstinfektion mit dem HI-Virus zur akuten HIV-Erkrankung. Diese sogenannte akute symptomatische HIV-Infektion äussert sich durch grippeähnliche Beschwerden wie

  • Fieber,
  • Kopf- und Halsschmerzen,
  • Abgeschlagenheit,
  • Müdigkeit,
  • Appetitlosigkeit,
  • geschwollene Lymphknoten sowie
  • Hautausschläge, die nach einigen Tagen bis Wochen wieder abklingen.

Danach folgt eine beschwerdefreie Latenzphase – auch asymptomatische HIV-Infektion genannt – die mehrere Jahre bis Jahrzehnte dauern kann, im Durchschnitt aber zehn Jahre anhält. Dennoch vermehren sich die HI-Viren in dieser Zeit weiter und schädigen bzw. zerstören zunehmend bestimmte Zellen der Immunabwehr.

HIV-Infektion: Stadium B

Im Stadium B der HIV-Infektion treten vermehrt Beschwerden auf, die eine Folge des bereits stark angegriffenen Immunsystems sind. Da der Körper Bakterien, Viren und Pilze nicht mehr ausreichend bekämpfen kann, sind HIV-Patienten empfänglicher für Infektionen und Krankheiten, die auch bei Nicht-HIV-Infizierten auftreten können. Dazu gehören unter anderem

  • Pilzinfektionen im Mund- und Rachenraum oder im Genitalbereich,
  • Herpes-Infektionen,
  • wiederholte Fieberschübe,
  • Gürtelrose sowie
  • bakterielle Infektionen von Blutgefässen.

Weitere Beschwerden, die in diesem Stadium der HIV-Infektion auftreten können sind

  • chronische Durchfälle,
  • Nervenerkrankungen an Armen und Beinen und
  • anhaltende Lymphknotenschwellungen.

HIV-Infektion: Stadium C und AIDS

Im Stadium C der HIV-Infektion bricht die körpereigene Immunabwehr schliesslich komplett zusammen und es kommt zum Ausbruch der AIDS-Erkrankung. Der Körper kann sich in diesem Stadium der HIV-Infektion nicht mehr gegen Bakterien, Viren und Pilze zur Wehr setzen, was schwere – sogenannte opportunistische – Infektionen, Erkrankungen und Symptome zur Folge hat, die typisch für AIDS sind. Dazu gehören unter anderem

  • schwerer Gewichtsverlust,
  • lang andauernde Durchfälle,
  • Pilzerkrankungen,
  • Herpes-Infektionen,
  • Lungenentzündungen,
  • Virusinfektionen verschiedener Organe,
  • chronische Darminfektionen sowie
  • bösartige Lymphome und Tumore.

Viele dieser Infektionen würden bei gesunden Menschen meist harmlos verlaufen, sind jedoch für AIDS-Kranke lebensbedrohlich.

Diagnose einer HIV-Infektion

Die Diagnose einer HIV-Infektion erfolgt anhand einer Blut-Untersuchung, bei der das Blut auf Antikörper gegen das HI-Virus getestet wird. Sind im Blut Antikörper gegen HIV nachweisbar, ist davon auszugehen, das auch die HI-Viren selbst im Körper vorhanden sind. Der Betroffene ist also HIV-positiv.

Da es sechs bis zwölf Wochen dauern kann, bis der Körper Antikörper gegen HIV gebildet hat, ist ein solcher HIV-Test erst drei Monate nach der vermeintlichen HIV-Infektion wirklich aussagekräftig. Weist das untersuchte Blut nach drei bis sechs Monaten keine Antikörper gegen HIV auf, ist eine HIV-Infektion in der Regel mit Sicherheit auszuschliessen.

Therapie einer HIV-Infektion

Die Behandlung einer HIV-Infektion zielt vorrangig darauf ab, die Vermehrung und das Wachstum der HI-Viren zu hemmen und so den Übergang ins Stadium C, also die eigentliche AIDS-Erkrankung, so lange wie möglich hinauszuzögern. Die Therapie richtet sich also in erster Linie gegen das HI-Virus selbst. Ist die AIDS-Erkrankung jedoch bereits mit den typischen Begleiterkrankungen ausgebrochen, müssen auch diese behandelt werden.

Als Therapie gegen die HIV-Infektion kommt heutzutage die sogenannte hochaktive antiretrovirale Therapie (HAART) zum Einsatz, die meist durch die kombinierte Gabe von drei verschiedenen Medikamenten erfolgt. Als Medikamente gegen HIV stehen dabei insbesondere sogenannte Entry-Inhibitoren, Reverse-Transkriptase-Hemmer, Integrase-Hemmer und Protease-Hemmer zur Verfügung, die das Wachstum und die Vermehrung des HI-Virus in verschiedenen Lebensphasen hemmen.

Prognose und Heilungsaussichten bei einer HIV-Infektion und AIDS

Da seit dem ersten Auftreten von HIV-Infektionen und AIDS-Fällen in den achtziger Jahren zahlreiche neue Medikamente entwickelt wurden, hat sich die Prognose bei einer HIV-Infektion inzwischen erheblich verbessert. So kann mithilfe der antiretroviralen Therapie (HAART) der Ausbruch der AIDS-Erkrankung erheblich hinausgezögert, die Lebenserwartung und – qualität von HIV-Infizierten deutlich erhöht und die Anfälligkeit für opportunistische Infektionen stark reduziert werden. Heilbar ist eine HIV-Infektion bzw. AIDS zum heutigen Zeitpunkt jedoch nicht. Deshalb ist es nach wie vor sehr wichtig, einer HIV-Infektion durch den Gebrauch von einem Kondom beim Geschlechtsverkehr vorzubeugen.