Der Sichelfuss gehört zu den häufigsten Fehlstellungen, die bei Babys auftreten. Dabei ist der Vorderfuss sichelförmig eingedreht. Wie der Sichelfuss entsteht, wie die Diagnose erfolgt und welche Behandlungsmöglichkeiten Ihnen zur Verfügung stehen, wenn Ihr Kind betroffen ist: Hier erfahren Sie es.
ICD-Codes für diese Krankheit: Q66

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Was ist ein Sichelfuss und wie zeigt er sich?

Bei dieser Erkrankung nimmt der Fuss die Form einer Sichel an. Der Vorderfuss dreht sich dabei nach innen ein und die Zehen sind stark nach innen gebogen. Mediziner sprechen hier von einer sogenannten Adduktionsstellung (Adduktion bedeutet Heranziehen an den Körper). Häufig ist auch das Grundgelenk des grossen Zehs nach innen abgeknickt.

Diese Fehlstellung tritt häufig an beiden Füssen auf, ist aber in der Regel schmerzfrei. Die betroffenen Kinder können sich meist auch völlig normal bewegen. Es kommt jedoch vor, dass Kleinkinder mit einem Sichelfuss Probleme beim Laufenlernen haben, da sie die Füsse und Beine stark nach innen richten. Dies führt möglicherweise zu orthopädischen Problemen.

Die Ursache dieser Fussfehlstellung liegt bereits in der Schwangerschaft. Doch in den meisten Fällen reguliert sie sich von alleine. Falls dies nicht der Fall ist, gibt es verschiedene Behandlungsmethoden, die erfolgversprechend sind.

Was sind die Ursachen des Sichelfusses?

Für gewöhnlich entsteht der Sichelfuss bei Babys bereits im Mutterleib. Eine der Hauptursachen dafür ist Platzmangel. Die Gebärmutter (Uterus) ist relativ eng – in manchen Fällen kommt es so beim Ungeborenen zu einer Zwangshaltung. Diese führt mitunter zur Abknicken des Fusses.
So lässt sich erklären, warum viele Kinder die Fussfehlstellung bereits bei der Geburt zeigen. Frühgeborene sind aus diesem Grund vom Sichelfuss nur sehr selten betroffen: Sie verlassen die Gebärmutter bereits, bevor es zu einem solchen Platzmangel kommt.

Baby in Gebärmutter
Manchmal zu eng: das Baby im Mutterleib © poco_bw / Fotolia

Weitere Ursachen für den Sichelfuss sind:

  • genetische Faktoren (wenn beide Eltern die Erbmerkmale dafür tragen),
  • der Säugling liegt häufig in Bauchlage,
  • verkürzte Muskulatur am Innenfuss.

Liegen Babys oder Kleinkinder häufig auf dem Bauch, werden die Füsse ungünstig abgespreizt.
Die Zehen liegen auf dem Boden auf, wodurch die Vorderfüsse nach innen abknicken. So entsteht in einigen Fällen ein Sichelfuss nach der Geburt.

Mögliche Folgen von Sichelfüssen

Gewöhnlich verschwindet die Fussfehlstellung im Laufe der frühen Entwicklung von selbst. Ist dies nicht der Fall und es erfolgt keine Therapie des Sichelfusses, sind weitere Folgen möglich.
Neben Problemen mit dem Laufenlernen oder einem veränderten Gangbild kommt es mitunter zu diesen Auswirkungen:

  • der Mittelfuss versteift durch die Fehlstellung
  • die fehlerhafte Belastung führt zu Druckstellen (beispielsweise am Kniegelenk)
  • frühzeitiger Abbau von Knorpel und eine Schädigung der Knochen (Arthrose) ist möglich
  • besonders bei Erwachsenen: Schmerzen beim Laufen, Druckstellen

Wie wird ein Sichelfuss diagnostiziert?

Die Diagnose des Sichelfusses bei Kleinkindern erfolgt grundsätzlich bei der Allgemeinuntersuchung beim Arzt. Bei Babys wird der Kinderarzt bereits bei den obligatorischen U-Untersuchungen auf die Fehlstellung der Füsse aufmerksam. Typische Symptome wie der eingeknickte Mittelfuss und der gebogene grosse Zeh reichen meist zur Blickdiagnose aus.

Bei Kleinkindern liefert das typische Gangbild mit nach innen gedrehten Füssen und Beinen einen sicheren Hinweis darauf, dass ein Sichelfuss vorliegt.

Der Arzt hat zudem die Möglichkeit, das genaue Ausmass der Erkrankung mithilfe eines Röntgenbildes abzuklären.
Orthopäden testen zudem, ob der Sichelfuss sich passiv korrigieren lässt. Dafür halten sie den Fuss hinten fest und bewegen den gesamten Fuss langsam in die normale Stellung hinein. Dieser Test gibt dem Arzt Hinweise auf die beste weitere Behandlung.

Was können Eltern zur Unterstützung tun?

In vielen Fällen verschwindet der Sichelfuss mit der Zeit von selbst. Bei etwa 80 bis 90 Prozent der Patienten ist eine umfassende Therapie daher nicht nötigt. Eltern sollten dennoch einige Tipps beherzigen, um ihre Kinder zu unterstützen:

Baby Fussmassage
© PhotographyByMK / Fotolia

  • manuelle Korrektur: den Fuss mithilfe der Hände immer wieder in die normale Stellung bringen
  • den Fussrand sanft mit dem Finger streichen – so stellt der Fuss sich häufig von selbst in die physiologische (also normale) Position
  • Fussmassagen, beispielsweise regelmässig beim Wickeln
  • bei warmen Füssen mit Eiswürfeln vorsichtig Reize auslösen
  • Babys nicht zu lange oder zu oft auf den Bauch legen
  • bei Bauchlage Schaumstoffringe um die Beine legen

Schaumstoffringe werden einfach um die Oberschenkel gelegt, wenn das Baby auf dem Bauch liegt. Dies ist einerseits eine Möglichkeit, den Sichelfuss bei seiner Heilung zu unterstützen. Es ist aber auch eine Vorsichtsmassnahme: Eltern verhindern damit, dass ein Sichelfuss bei gesunden Babys überhaupt erst entsteht.

Wenn der Sichelfuss sich nicht selbst korrigiert: Behandlungsmöglichkeiten

Korrigiert die Fehlstellung sich nicht mit der Zeit von selbst, kommen verschiedene Therapien infrage. Eine davon sind korrigierende Gipsverbände, die der Arzt für wenige Wochen an den Oberschenkeln anbringt. Anschliessend erhalten die Babys sogenannte Lageschalen, die den Fuss nur noch in der Nacht korrigieren.

Bereits laufende Kleinkinder erhalten unterstützende Einlagen für die Schuhe. Diese umfassen die Fersen stützend und weisen einen erhöhten Innenrand auf, der die Fehlstellung ausgleicht. Auch Physiotherapie und Krankengymnastik sind sinnvoll. Sie stabilisieren den Fuss und stärken die Muskulatur.

Selten rät der Arzt zur Operation. Insbesondere bei Babys versuchen Mediziner, diese Option zu vermeiden. Zeigen andere Therapiemassnahmen jedoch keine Wirkung, ist eine Operation eine zuverlässige Behandlungsmethode. Eine Option ist dabei, die Ansatzsehne in der Grosszehe zu durchtrennen. Ausserdem hat der Chirurg die Möglichkeit, Gelenkkapseln im gesamten Fuss zu entfernen, um diesen leichter korrekt auszurichten. Anschliessend wird der Fuss mit Drähten stabilisiert.

Bei Erwachsenen entfernt der Arzt in einer Operation meist Knochenteile. So hat er die Möglichkeit, die Stellung des Fusses zu beeinflussen und eine normale Ausrichtung zu erreichen. 

Fazit: Mit etwas Hilfestellung korrigiert sich der Sichelfuss oft von allein

Sichelfüsse kommen also bei Kindern und Erwachsenen vor – wobei sich die Fehlstellung meist im Laufe der früheren Entwicklung von selbst korrigiert. Eltern haben viele Möglichkeiten, diese Selbstheilung zu unterstützen: Fussmassagen, gezielte Reize und die vermehrte Rücken- oder Seitenlage sind wichtige Tipps, die es zu befolgen gilt. Korrigiert die Fehlstellung sich nicht von selbst, kommen verschiedene Therapieansätze infrage. Von Physiotherapie über medizintechnische Hilfsmittel bis hin zu Operationen gibt es viele gute Optionen. Es ist wichtig, diese wahrzunehmen: Bleibt ein Sichelfuss über einen langen Zeitraum unbehandelt, führt er meist zu weiteren Schäden.