Der Schlaganfall (Apoplex) ist eine akut auftretende Hirndurchblutungsstörung und die dritthäufigste Todesursache in Deutschland. Er ist ein medizinischer Notfall und muss schnellstmöglich behandelt werden. Durch eine gesunde Lebensführung, aber auch Früherkennungsuntersuchungen können viele Schlaganfälle verhindert werden. Sie sind schmerzfrei und risikoarm.

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Schlaganfallfrüherkennung minimiert das Risiko

Ein Schlaganfall entsteht meist infolge eines Blutgerinnsels, das ins Gehirn gewandert ist und dort eine Arterie verstopft. Ferner können geplatzte Blutgefässe zu Hirnblutungen führen und einen Schlaganfall verursachen. Begleitet wird der Schlaganfall von neurologischen Ausfällen, die unterschiedliche Ausprägungen haben können, wie z.B. Zittern oder Taubheitsgefühle. Manche sind nur vorübergehend, andere dauerhaft. Ein Schlaganfall verändert das Leben erheblich, denn ein Grossteil der Behinderungen von Patienten über 50 Jahre geht auf einen Schlaganfall zurück.

Schlaganfall verhindern durch Früherkennung

Durch einfache, aber konsequent durchgeführte Vorsorgemassnahmen könnten gut 50 % aller Schlaganfälle verhindert werden. Zur Früherkennung eines Schlaganfalls ist es wichtig, die ersten Anzeichen zu kennen. Besonders Risikogruppen sollten die Früherkennung von Schlaganfallrisiken in Anspruch nehmen. 

Diese Vorsorgeleistung wird von den meisten gesetzlichen Krankenkassen übernommen. Grossen Stellenwert hat die frühzeitige Erkennung von Veränderungen in den Blutgefässen, die das Gehirn versorgen. Besonderes Augenmerk legen Mediziner auch auf die Beseitigung von Risikofaktoren. Bei einer medizinischen Schlaganfallberatung (Vorsorge-Check up) können diese aufgedeckt werden.

Das sind die grössten Risikofaktoren für einen Schlaganfall:

  • Rauchen
  • hoher Blutdruck
  • Diabetes mellitus
  • Übergewicht
  • Arteriosklerose
  • Störungen des Fettstoffwechsels
  • höheres Alter (ab 50 Jahre)
  • familiäre Vorbelastung mit Schlaganfällen

Je mehr Risikofaktoren vorliegen, desto wichtiger ist ein Schlaganfall-Check. In vielen Fällen verstärkt sich das Schlaganfallrisiko durch allmähliche Verengung der Blutgefässe. Zerebrale Ischämie nennt man eine Minderdurchblutung des Gehirns mit Absterben von Nervenzellen. Diese kleinen Durchblutungsstörungen im Gehirn bleiben häufig unbemerkt. Auch die zunehmende Verengung der Gefässe kann der Betroffene selbst kaum erkennen. Werden die ersten Warnsymptome nicht registriert, schreitet die Gefässverengung voran. Ihre Früherkennung ist also Teil der aktiven Vorsorge und kann Leben retten.

Welche Untersuchungen gehören zur Schlaganfallvorsorge?

Bei Risikopatienten ist der Schlaganfall-Check mehr als empfehlenswert, denn er kann eine schwere Behinderung nach einem eingetretenen Schlaganfall vermeiden. Bei der Schlaganfallvorsorge werden die hirnversorgenden Arterien des Patienten vollständig untersucht. Das geschieht per Ultraschall (Dopplersonographie), mit der der behandelnde Arzt überprüft, ob eine Verengung der Gefässe vorliegt. Die Dopplersonographie ist eine Gefässanalyse und eine Kernleistung von Neurologen. Die Untersuchungsmethode gehört zu den IGel-Angeboten, ist also eine Wunschleistung, die die gesetzlichen Krankenkassen nicht übernehmen, sofern es sich um eine Vorsorgeuntersuchung handelt. Dient sie der Diagnose bei Verdacht auf Schlaganfall, werden die Kosten übernommen.

Schon jetzt kann man durch die Einnahme von blutverdünnenden Medikamenten Schlaganfällen vorbeugen. Eine weitere Möglichkeit ist die operative Gefässerweiterung, welche das Schlaganfallrisiko deutlich senkt. Bei Bedarf kann eine Hirnstromkurve Hinweise auf eventuelle Störungen der Hirnfunktion in bestimmten Regionen geben. Zur weiteren Diagnostik steht Ärzten auch die Kernspintomographie zur Verfügung. Sie stellt das Gehirn in dünnen Schichten dar, ist völlig schmerzfrei und arbeitet ohne Röntgenstrahlung. Die Untersuchung macht auch kleinste Veränderungen der Gehirnstrukturen sichtbar.

Transitorisch Ischämische Attacke (TIA)

Zwar tritt ein Schlaganfall plötzlich auf, doch Mediziner konnten nachweisen, dass dem Schlaganfall bei einem Drittel aller Patienten eine transitorische ischämische Attacke (TIA) vorausgegangen ist. Bei der transitorisch ischämischen Attacke handelt es sich um eine vorübergehende Durchblutungsstörung im Gehirn. Auch sie ist ein medizinischer Notfall und sollte Betroffene schnell ins Krankenhaus, noch besser in eine Spezialklinik, führen. Die Attacke wird durch ein kleines Blutgerinnsel erzeugt, welches mit dem Blutfluss ins Gehirn gelangt und die Durchblutung einschränkt. Die Attacke dauert etwa eine halbe Stunde und zeigt die gleichen Symptome wie ein „richtiger“ Schlaganfall:

  • Sehen von Doppelbildern
  • plötzlicher Sehverlust auf einem Auge
  • Gangunsicherheit
  • Lähmungen oder Empfindungslosigkeit auf einer Körperseite
  • Lähmungen oder Empfindungslosigkeit der Extremitäten
  • Sprachstörungen
  • Ohrgeräusche
  • Schwindel oder Ohnmacht

Normalerweise verschwinden die Symptome spätestens nach einem Tag, so dass die Krankheit häufiger fehlerhaft diagnostiziert wird. Bleibt die TIA unbehandelt, tritt sie immer wieder auf (rezidiv). Als Vorbote eines drohenden Schlaganfalls muss sie ernst genommen werden, denn das Schlaganfallrisiko für die nächsten vier Wochen ist sehr hoch. Patienten mit diesen Symptomen sollten umgehend Ihren Arzt aufsuchen. Der veranlasst weitere Schritte beim Spezialisten (Neurologen).

Verbreitete Ursache: Arterienverkalkung der Halsschlagader

Häufig liegt den Schlaganfallanfall eine Verengung der Halsschlagader infolge von Ablagerungen zu Grunde (Karotisstenose). Die Arteriosklerose kommt vor allem im höheren Lebensalter vor, denn sie hat sich im Laufe vieler Jahre entwickelt. Sie ist ein Hauptrisiko für Schlaganfall. Die grössten Risikofaktoren der Arteriosklerose sind Rauchen, erhöhte Blutfette und Bluthochdruck. Die Diagnose erfolgt durch Duplexsonographie, Magnetresonanztomographie oder die CT-Angiografie. Bei vorhandener Symptomatik wird die Untersuchung der Halsschlagader von den Krankenkassen übernommen. Im Rahmen des Schlaganfall-Checks ist die Untersuchung der Halsschlagader eine Igel-Leistung, für die der Patient zwischen 50 und 100 € bezahlen muss.

Ist die Karotisstenose sehr ausgeprägt, empfiehlt sich eine Operation. Die Neurologen weiten das betroffene Gefäss oder bringen eine Gefässstütze, einen so genannten Stent, ein. Damit die Arteriosklerose nicht fortschreitet, müssen die Risikofaktoren behandelt werden. Patienten sollen zu mehr Bewegung angehalten werden, Übergewicht abbauen und sich gesund ernähren. Auch das Rauchen muss eingestellt werden. Leidet der Patient unter Stoffwechselerkrankungen, sind diese zu behandeln. Gegen Bluthochdruck werden meist Medikamente verabreicht. Bei Einhaltung der ärztlichen Empfehlungen ist die Prognose sehr gut.

Die Behandlung von Schlaganfallpatienten

Idealerweise erfolgt die Behandlung von Schlaganfallpatienten in einer Stroke Unit. Das ist eine auf die Schlaganfalltherapie ausgerichtete Krankenhausstation. Zwar stehen neurologische Symptome im Vordergrund, doch sind sich Ärzte heute darüber einig, dass für eine gute Prognose die allgemeinmedizinische Behandlung als Basis der Schlaganfallbehandlung ebenso wichtig ist. Dazu gehören regelmässige Blutdruckkontrolle, regelmässige EKGs und die Behandlung von Herzrhythmusstörungen mit Medikamenten. Eine intensive Zusammenarbeit mit dem behandelnden Internisten ist daher wünschenswert.

 

Zuletzt aktualisiert am 28.10.2019