PSA-Test - Früherkennung und Kontrolle von Prostatakrebs

19.02.2020
Leading Medicine Guide Redaktion
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Der PSA-Wert ist Laborparameter zur Früherkennung und Verlaufskontrolle von Prostatakrebs. PSA steht für Prostataspezifisches Antigen und ist ein Protein (Eiweiss), das von den Zellen der Prostata gebildet wird. Dort mischt es sich mit der Samenflüssigkeit, um diese zu verflüssigen. Zeigt der PSA-Test erhöhte oder auffällige PSA-Werte, kann dies unter Umständen auf Prostatakrebs hinweisen.

Da PSA auch im Blut vorhanden ist, kann ein Test die Menge an PSA im Blut bestimmen. Das Testergebnis muss allerdings immer individuell von einem Prostata-Spezialisten aus den Bereichen Urologie oder Radioonkologie sowie von Prostatakrebsspezialisten interpretiert und mit weiterer Prostata-Diagnostik abgesichert werden, um eine eindeutige Diagnose zu erhalten. Daher wird der PSA-Test nicht standardmässig eingesetzt, sondern auf Patientenwunsch bzw. zur Nachkontrolle nach einer Prostatakrebs-Behandlung.

Empfohlene Spezialisten

Artikelübersicht

Die Prostata und häufige Prostata-Erkrankungen

Die Prostata, auch Vorsteherdrüse genannt, liegt tief im männlichen Becken, hat etwa die Grösse einer Kastanie und wiegt normalerweise ca. 20 Gramm. Neben Prostatakrebs zählen die gutartige Prostatavergrösserung (Prostatahyperplasie) und und die Prostataentzündung (Prostatitis) zu den häufigsten Prostata-Erkrankungen.

Prostatakrebs ist in Deutschland die am häufigsten auftretende Krebsart bei Männern. Jedes Jahr wird bei etwa 65.000 Männern diese Diagnose gestellt. Prostatakrebs ist allerdings gut behandelbar. Zur Früherkennung eines Prostatakarzinoms stehen dem vorsorgenden Arzt mehrere Verfahren zur Auswahl. Spezialisten für die Diagnose und Behandlung von Prostataerkrankungen sind Urologen, Andrologen und Radioonkologen.

Männliche Geschlechtsorgane - Anatomie
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Was ist ein PSA-Test?

Zur  gesetzlichen Krebsvorsorge für Männer gehört eine Tastuntersuchung der Prostata vom Enddarm aus. Der PSA-Test gehört dagegen zu freiwilligen Untersuchungsmethoden, wenn der Wunsch nach weiterer Prostata-Diagnostik besteht. Mit einer einfachen Blutprobe kann die PSA-Konzentration im Blutserum gemessen werden.

Da die Prostata auf Druck reagiert, ist es nicht sinnvoll, einen PSA-Test direkt im Anschluss an eine Prostata-Tastuntersuchung durchzuführen. Der dann ermittelte Wert könnte durch die Tastuntersuchung verfälscht sein.

Ob Radfahren die Ergebnisse eines PSA-Tests beeinflusst, ist nicht zweifelsfrei geklärt. Um sicherzugehen, dass nicht falsch positive Werte gemessen werden, wird allgemein empfohlen, in den 24 Stunden vor dem PSA-Test nicht Fahrrad zu fahren. Inwieweit Geschlechtsverkehr bzw. ein Samenerguss auf das Testergebnis einwirken, ist ebenfalls unklar. Der PSA-Wert im Blut kann also auf Grund verschiedener Faktoren schwanken.

Die Entnahme der Blutprobe für den PSA-Test ist harmlos und risikoarm. Männer, die sich für einen Bluttest zur Bestimmung des PSA-Werts entscheiden, sollten sich jedoch bewusst sein, dass der Arzt gegebenenfalls als weiteren Untersuchungsschritt eine Biopsie vorschlägt. Falls der Wert erhöht ist, muss auch mit psychischen Belastungen gerechnet werden: Das Abwarten, bis ein neuer Test zur Bestätigung oder Entkräftung des Verdachts durchgeführt werden kann, kann die Lebensfreude deutlich beeinträchtigen.

PSA-Test - Prostata-Diagnostik

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Wann wird ein PSA-Test eingesetzt?

Der Einsatz des PSA-Tests zur flächendendeckenden Früherkennung von Prostata-Krebs ist Deutschland und auch in den USA umstritten, weil nicht belegt ist, dass Männer, die ihn regelmässig durchführen lassen, länger oder besser leben und damit der Nutzen dieser Untersuchung zur Früherkennung nicht zweifelsfrei geklärt ist (vgl. Krebsinformationsdienst).

PSA-Test zur Kontrolle nach Prostatakrebs

Ist ein Mann dagegen bereits an einem Prostatakarzinom erkrankt, ist der PSA-Test ein Standardverfahren zur Verlaufskontrolle bei Prostatakrebs (Rezidivsuche). Wenn nach einer Prostatakrebs-Behandlung der PSA-Wert zunächst gesunken ist und dann wieder ansteigt, besteht der Verdacht, dass das Prostatakarzinom zurückgekehrt ist.

Bei Männern, die auf Grund gehäufter Fälle von Prostatakrebs in ihrem verwandtschaftlichen Umfeld ein erhöhtes Risiko für ein Prostatakarzinom haben, kann ein regelmässiger PSA-Test ab 40 Jahren sinnvoll sein. Dies sollte mit dem Arzt besprochen werden.

Was ist ein normaler PSA-Wert?

Der Normalbereich des PSA-Werts hängt vom Lebensalter des Patienten ab; mit steigendem Alter erhöht sich der Wert.

Steigt der PSA-Wert auf über zwei oder gar vier Nanogramm pro Milliliter (ng/ml) Blut an, sollte nach den Ursachen geforscht bzw. der Patient relativ engmaschig weiter kontrolliert werden.

Wass passiert bei erhöhtem PSA-Wert?

Ursache für einen erhöhten PSA-Wert können neben einem Karzinom auch vergleichsweise harmlose Entzündungen oder einfach eine stärkere Belastung der Beckenregion (z.B. durch Sport) sein. Um die Art der Erkrankung weiter einzugrenzen, kann das Verhältnis des so genannten freien PSA in Bezug zum insgesamt vorliegenden PSA untersucht werden (PSA-Quotient). Ist der Wert mehrmals und über einen längeren Zeitraum hinweg erhöht, sollte der Krebsverdacht mit Hilfe einer Gewebeentnahme (Biopsie) abgeklärt werden.

Wie aussagekräftig sind die Messergebnisse eines PSA-Tests?

Ein einmalig erhöhter PSA-Wert begründet noch keine Krebs-Diagnose. Wenn der PSA-Wert über mehrere Wochen oder Monate hinweg mehrfach erhöht war und auch die Tastuntersuchung Auffälligkeiten ergeben hat, sollte eine Gewebeprobe (Biopsie) entnommen werden. Unter dem Mikroskop ist erkennbar, ob es sich um Krebszellen handelt. Bei drei Vierteln aller Männer mit erhöhten PSA-Werten wird im Rahmen der Gewebeprobe kein Karzinom festgestellt.

Da ein Prostatakarzinom oft erst in hohem Alter auftritt und nicht immer Beschwerden verursacht, ist fraglich, ob der PSA-Test genügend Nutzen bringt, als dass es sich demgegenüber lohnt, Männer mit erhöhtem PSA-Werten zu beunruhigen. Und: Möglicherweise werden Männer zu Krebs-Patienten gemacht, obwohl sie keine Einschränkungen in ihrer Lebensqualität und keine Verkürzung ihrer Lebensdauer durch das Karzinom zu erleiden gehabt hätten.

Da einige besonders aggressive Prostatatumoren nur gering erhöhte PSA-Werte anzeigen, kommt es auch zu falsch negativen Ergebnissen. 15 Prozent der bösartigen Prostata-Tumoren gehen nicht mit erhöhten PSA-Werten einher (vgl. Prostata Hilfe Deutschland). Somit bedeutet ein niedriger PSA-Wert nicht unbedingt, dass ein Mann kein Prostatakarzinom hat.

Diese Bedenken und Überlegungen sind ursächlich dafür, dass es in Deutschland kein flächendeckendes Prostatakarzinomscreening mittels PSA-Probe gibt, obwohl der PSA-Test in der Früherkennung eines Prostatakarzinoms hilfreich sein kann.

  • Krebsinformationsdienst: https://www.krebsinformationsdienst.de/tumorarten/prostatakrebs/psa-test-frueherkennung.php
  • Prostata Hilfe Deutschland: https://prostata-hilfe-deutschland.de/faq-psa-wert/?gclid=EAIaIQobChMIstLA79DY5wIVmemaCh2oQQtbEAAYASAAEgK-_vD_BwE
  • S3-Leitlinie Prostatakarzinom: https://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/043-022OLl_S3_Prostatakarzinom_2019-06.pdf
  • Patienten-Leitlinie: Früherkennung von Prostatakrebs: https://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/043-022OLp1_S3_Prostatakarzinom_2018-04.pdf
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