Myelographie (Myelogramm)

16.09.2021
Leading Medicine Guide Redaktion
Autor des Fachartikels
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Bei der Myelographie handelt es sich um ein bildgebendes Untersuchungsverfahren, bei dem Kontrastmittel in den Wirbelkanal gespritzt und anschliessend eine Röntgenaufnahme gemacht wird. Die Untersuchung dient der Diagnose von krankhaften Veränderungen im Wirbelkanal und dem darin befindlichen Rückenmark. Im Folgenden finden Sie weitere Informationen zu diesem Diagnoseverfahren sowie Spezialisten für die Durchführung einer Myelographie.

Empfohlene Spezialisten für eine Myelographie

Artikelübersicht

Definition: Was ist eine Myelographie?

Die Myelografie ist eine Röntgenuntersuchung mit einem Kontrastmittel, die dazu dient, pathologische Veränderungen im Wirbelkanal und dem darin befindlichen Rückenmark festzustellen. Neben konventionellem Röntgen ist mit der Myelo-Computertomografie auch eine Kombination möglich. Veränderungen der Wirbelsäule und des Rückenmarks diagnostizieren Ärzte derzeit hauptsächlich mittels Magnetresonanztomografie, die im Gegensatz zur Myelografie ohne Punktion des Spinalkanals möglich ist. In einigen Bereichen ist jedoch weiterhin eine Myelografie erforderlich.

Die RARE MR-Myelographie (Rapid Acquisition with Enhanced Relaxation Myelography) ist eine MRT-Sequenz, bei der „wasserspezifische“ Bilder sehr schnell aufgenommen werden. Wie bei der konventionellen Myelografie mit Kontrastmittelinjektion können auch ohne Kontrastmittel Verengungen des Subarachnoidalraums (z. B. durch Tumoren) deutlich dargestellt werden.

Gründe für die Durchführung einer Myelographie

Die Myelografie kommt zum Einsatz, wenn transversale Bildgebungsverfahren, MRT und CT keine ausreichenden Informationen über die räumlichen und dynamischen Verhältnisse der Wirbelsäulenregion liefern können.

Um das Zusammenspiel der knöchernen Strukturen der Wirbelsäule, der Bandscheiben, des Rückenmarks und der von ihm ausgehenden Nerven zu verstehen, ist es oft wichtig, die Wirbelsäule dynamisch, also in Aktion, zu betrachten. Beim Beugen (Anteflexion) kann sich die Bandscheibe beispielsweise aus dem Bandscheibenraum in den Wirbelkanal wölben und dort einen Nerv einklemmen und sich gleichzeitig in aufrechter Position völlig unbemerkt verhalten.

Ausserdem muss nicht jeder Bandscheibenvorfall behandelt werden, es kommt immer darauf an, wie viel Freiraum zu den angrenzenden Nerven verbleibt.

Die miteinander verbundenen Wirbel bilden im Inneren die knöcherne Membran des Wirbelkanals. Sie enthält einen Duralsack, in dem sich das Rückenmark und die von ihm ausgehenden Nervenwurzeln befinden. Das Rückenmark ist von Liquor umgeben. Ohne Kontrastmittel ist der Inhalt des Spinalkanals auf einem Röntgenbild nicht zu sehen. Kommt es zu einer Verengung des Rückenmarks oder der Nervenwurzeln, beispielsweise durch einen Bandscheibenvorfall oder eine Verengung des knöchernen Wirbelkanals, kann dies zu Schmerzen und Lähmungen in den von den Nerven versorgten Bereichen führen. Das genaue Ausmass der Verengung oder Verschiebung des Rückenmarks lässt sich mittels Myelografie bestimmen.

Mit dem Aufkommen moderner nicht-invasiver transversaler Bildgebungsverfahren wie MRT und CT hat die Bedeutung der Myelografie abgenommen. Dennoch wird die Myelografie nach wie vor zur Lösung spezieller Probleme in der Neurochirurgie sowie in Fällen eingesetzt, in denen CT oder MRT nicht durchführbar sind. Grundsätzlich wurde die Myelografie hauptsächlich zur Diagnose von Neoplasien im Spinalkanal verwendet. Bei der Beurteilung sollte auf Lücken im Kontrastmittel geachtet werden.

Bei spinalen Wurzelkompressionssyndromen kann der Vorteil der dynamischen Bildgebung in der Myelografie genutzt werden, um Füllungsdefekte in sogenannten Wurzeltaschen zu erkennen. Daher kommt die Myelografie vor der Operation zum Einsatz, um offene Fragen zu klären, wenn MRT oder CT nicht oder nicht artefaktfrei durchgeführbar sind (z. B. bei Skoliose).

Nach Kontrastmittelinjektion und Myelografie ist auch eine Computertomografie möglich, um Bilder zusätzlicher Schichten mit Kontrastmitteleinbringung zu erhalten.

Ablauf einer Myelographie

Die Untersuchung erfolgt im Sitzen oder in Seitenlage. Nach einer eventuellen Lokalanästhesie an der Punktionsstelle führt der Arzt eine dünne Hohlnadel in den Spinalkanal zwischen den beiden Lendenwirbeln ein. In dieser Höhe gibt es kein Rückenmark, sondern nur Nervenwurzeln. Der Arzt entnimmt mit einer Spritze durch eine Kanüle zunächst mehrere Milliliter Liquor cerebrospinalis (CSF), die im Labor untersucht werden. Dadurch wird auch die korrekte Position der Nadel sichergestellt. Anschliessend injiziert er durch die Hohlnadel ein Kontrastmittel in den Spinalkanal.

Der Patient wird dann mit dem Kopf nach unten gelegt, damit sich das Kontrastmittel auf die Brust- und Halswirbelsäule ausbreiten kann. Anschliessend erfolgt die Aufnahme von Röntgenbildern in verschiedenen Ebenen oder eine Serie von Querschnittsbildern (CT). Nach der Untersuchung muss sich der Patient mehrere Stunden hinlegen und bis zum Ende des Tages im Bett bleiben, da sonst die Druckänderung im Wirbelkanal zu starken Kopfschmerzen, Übelkeit und Erbrechen führen kann. Das Kontrastmittel wird innerhalb weniger Stunden vollständig mit dem Urin ausgeschieden.

Bei der Beurteilung der räumlichen Beziehung zwischen einzelnen Nervenwurzeln und der konvexen Bandscheibe ist die Myelografie in Kombination mit der Postmyelo-CT anderen gängigen bildgebenden Verfahren oft überlegen. Dank des starken Kontrastes können nach Injektion des Kontrastmittels die Nerven millimetergenau von den umgebenden Strukturen getrennt werden.

Patientenverhalten vor und nach der Myelographie

Die Untersuchung erfolgt in der Regel in einem Krankenhaus. Spätestens am Tag vor Ihrer geplanten Untersuchung erhalten Sie ein informatives Gespräch, in dem der Arzt das Vorgehen und mögliche Risiken (wie Nachblutungen, Nervenschädigungen, Infektionen und Liquorverlustsyndrom) mit Ihnen bespricht. Unverträglichkeiten (Allergien) mit Desinfektionsmitteln, jodhaltigen Kontrastmitteln und Pflastern müssen Sie vorab melden.

Für die Untersuchung müssen folgende Blutparameter bekannt sein:

  • Blutgerinnung: Thrombozytenzahl; PTT, INR-Wert
  • Schilddrüse: TSH

Laborwerte sollten nicht älter als vier Wochen sein und können bereits ambulant ermittelt werden. Möglicherweise müssen Sie einige Tage zuvor die Einnahme von Antikoagulanzien abbrechen. Nach der Myelografie sollten Sie auf Bettruhe für 6 Stunden und ausreichende Flüssigkeitszufuhr gachten. Eine Schwangerschaft muss ausgeschlossen werden.

Mögliche Komplikationen und Risiken einer Myelographie

Die Myelografie ist ein diagnostisches Verfahren mit geringem Risiko. Trotz grösster Sorgfalt können in einigen Fällen Komplikationen auftreten, die in der Regel leicht zu kontrollieren sind. Mögliche Beeinträchtigungen sind

  • Kopfschmerzen,
  • Übelkeit,
  • allergische Reaktionen,
  • Infektionen,
  • Blutungen,
  • sehr selten auch Rückenmarks- und Hirnhautentzündungen und
  • noch seltener Nervenschädigungen mit vorübergehendem oder dauerhaftem Funktionsverlust (Sinnesstörungen, Lähmungen).

Die ersten Kontrastmittel, die dem französischen Pathologen und Radiologen Jean Athanaz Sicard für die ersten Myelographen um 1922 zur Verfügung standen, waren ölbasiert und konnten vom Körper nicht aufgenommen werden. Wesentlich belastender als die Injektion eines Kontrastmittels war die Entfernung der öligen Flüssigkeit durch die nach der Untersuchung noch vorhandene Punktionskanüle. In vielen Fällen half dies nicht ganz. Einige Tropfen blieben ganz unten im Duralsack und verursachten Narben. Allerdings werden heute resorbierbare Kontrastmittel verwendet, bei denen dieses Problem nicht mehr auftritt.

Jedes Verfahren, das intakte Haut durchdringt, kann zu einer Infektion führen. Die Erreger von Eiter im Spinalkanal sind ein sehr ernstes Problem, eine eitrige Meningitis kann tödlich sein. Heute ist diese Komplikation jedoch äusserst selten. Nach einer Punktion des Duralsacks kommt es allerdings häufig zu einem Verlust von Liquor cerebrospinalis. Die Rückenmarksflüssigkeit fliesst ähnlich wie Wasser durch die Öffnung ab und erzeugt einen Unterdruck im Inneren des Schädels. Die Folge sind starke Kopfschmerzen (Postduralpunktionskopfschmerz).

Den offensichtlichen Vorteilen dieser Untersuchungsmethode gegenüber der MRT und der konventionellen Computertomografie stehen jedoch auch Nachteile gegenüber. Die Myelografie ist eine Röntgenuntersuchung und ein invasives Untersuchungsverfahren.

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