Endometriosediagnostik: Infos & Endometriose-Spezialisten

17.09.2021
Leading Medicine Guide Redaktion
Autor des Fachartikels
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Endometriose ist eine Erkrankung, die viele Frauen betrifft. Sie kann nicht nur starke Schmerzen verursachen, sondern auch eine Schwangerschaft erschweren. Hier finden Sie weiterführende Informationen sowie ausgewählte Spezialisten für Endometriosediagnostik und Zentren.

Empfohlene Spezialisten

Artikelübersicht

Was ist Endometriose?

Endometriose ist eine Erkrankung, die für betroffene Frauen häufig sehr schmerzhaft ist. Nach Angaben der Endometriose Vereinigung Deutschland sind weltweit schätzungsweise 200 Millionen Menschen betroffen.

Die Krankheit entsteht, wenn Gebärmutterschleimhaut-artige Zellen ausserhalb der Gebärmutter zu wachsen beginnen. Normalerweise wächst solches Gewebe nur innerhalb der Gebärmutter. In der Regel sind die Beckenhöhle und die Fortpflanzungsorgane betroffen. In einigen Fällen kann die Krankheit auch andere Bereiche wie das Rektum, die Eierstöcke oder den Darm erreichen.

Während des Menstruationszyklus verdickt sich das endometriumähnliche Gewebe. Vor der Menstruation wird es abgebaut, damit es den Körper während der Monatsblutung verlassen kann.

Bei einer Endometriose wächst diese Gewebeart jedoch ausserhalb der Gebärmutter. Es kann daher nicht auf die normale Weise abgebaut werden. Infolgedessen wird das Gewebe eingeklemmt, reizt das umliegende Gewebe und verursacht Narben und Verwachsungen.

Endometriose-Herde
Darstellung von Endometriose-Herden an Gebärmutter, Harnblase und Darm © TuMeggy | AdobeStock

Dies kann zu chronischen Schmerzen führen, die um die Zeit der Periode herum am schlimmsten sind.

Die Ursachen für eine Endometriose sind noch nicht umfassend geklärt. Möglicherweise spielen genetische Faktoren eine Rolle, da Endometriose in manchen Familien häufiger vorkommt.

Weitere Symptome der Endometriose sind:

  • Schmerzen beim Stuhlgang oder Wasserlassen, insbesondere während der Menstruation/Regel
  • Schmerzhafter Geschlechtsverkehr
  • Unfruchtbarkeit
  • Starke Blutungen während der Periode
  • Blutungen zwischen den Perioden
  • Schmerzen im unteren Rücken und im Unterleib kurz vor, während oder nach der Periode

Definition: Wie läuft die Endometriosediagnostik ab?

Zur Diagnose der Endometriose und anderer Erkrankungen, die Beckenschmerzen verursachen können, findet zunächst das Anamnesegespräch statt. Dabei wird Ihr Arzt Sie zunächst nach Ihren Symptomen befragen. Auch die Lokalisierung der Schmerzen sowie der Zeitpunkt, zu dem sie auftreten, ist für die Diagnose von Bedeutung.

Nach dem Gespräch folgt die körperliche Untersuchung sowie weitere Tests.

Abtasten des Beckens

Das Abtasten des Beckens ist eine gynäkologische Untersuchung. Der Arzt führt die Hand durch die Scheide in den Vaginaltrakt ein und tastet den Unterleibs- und Beckenbereich von innen auf Anomalien ab. Er achtet dabei beispielsweise auf Zysten an den Fortpflanzungsorganen oder Narben hinter der Gebärmutter.

Kleinere Endometrioseherde können oftmals nicht ertastet werden, es sei denn, sie haben bereits die Bildung einer Zyste verursacht.

Frau mit Unterleibschmerzen
Endometriose kann starke Unterleibschmerzen verursachen © georgpfluegl | AdobeStock

Ultraschall-Untersuchung

Die Ultraschall-Untersuchung ist ein wichtiges Mittel der Endometriosediagnostik. Bei dieser Untersuchung werden mithilfe von Hochfrequenz-Schallwellen Bilder aus dem Inneren des Körpers erzeugt.

Zur Aufnahme der Bilder wird ein Gerät, ein so genannter Schallkopf, entweder

  • gegen den Bauch gedrückt oder
  • in die Vagina eingeführt (transvaginaler Ultraschall).

Beide Arten ermöglichen einen optimalen Blick auf die inneren Geschlechtsorgane.

Mit einer Standard-Ultraschalluntersuchung kann Ihr Arzt nicht definitiv feststellen, ob Sie an Endometriose leiden. Er kann jedoch Zysten erkennen, die mit Endometriose in Verbindung stehen (Endometriome).

Magnetresonanztomographie (MRT)

Bei einer MRT werden mithilfe eines Magnetfelds und von Radiowellen detaillierte Bilder der Organe und des Gewebes im Körperinneren erstellt.

In manchen Fällen hilft eine MRT bei der Operationsplanung, da es dem Chirurgen detaillierte Informationen über die Lage und Grösse von Endometrioseherden liefert.

Vor und nach der Endometriose-Diagnose

Eine Endometriose-Untersuchung ist angeraten, wenn Sie unter einem oder mehreren der oben aufgelisteten Symptome leiden. Dazu gehören insbesondere starke Schmerzen während der Regelblutung.

Wenn Sie die Diagnose Endometriose erhalten haben, müssen Sie möglicherweise verschiedene Behandlungen ausprobieren, um die für Sie am besten geeignete zu finden.

Es gibt noch keine Heilung für Endometriose, und eine Operation bleibt die einzige Möglichkeit, überschüssiges Gewebe zu entfernen.

Bevor Ihr Arzt einen chirurgischen Eingriff empfiehlt, wird er Ihnen vermutlich zunächst zu konservativen Therapien raten. Auch nicht-chirurgische Behandlungen können die Symptome lindern.

Dazu gehören:

  • Antibabypille
  • Verhütungsspritze
  • Hormonelle Intrauterinpessare
  • Therapie mit Gonadotropin-Releasing-Hormon (Gn-RH)
  • Aromatasehemmer
  • Schmerzmittel wie nichtsteroidale Antirheumatika oder Paracetamol
  • Fruchtbarkeitsbehandlungen, falls ein Kinderwunsch besteht

Sie können auch alternative Behandlungsmethoden wie Hausmittel und Ernährungsumstellungen ausprobieren.

Wenn jedoch nichts zu helfen scheint, kann Ihr Arzt einen chirurgischen Eingriff vorschlagen, um verdrängtes Gewebe und Narben zu entfernen. Dieser Eingriff kann in der Regel laparoskopisch durchgeführt werden. Dieses Verfahren ist deutlich weniger invasiv als eine offene Operation.

Ein chirurgischer Eingriff kann die Symptome lindern und die Möglichkeit auf eine Schwangerschaft erhöhen. Die Endometriose und die Symptome können allerdings dennoch jederzeit wieder zurückkehren.

OP-Verfahren: Wie läuft eine Endometriose-OP ab?

In manchen Fällen wird der Eingriff laparoskopisch, d. h. im Rahmen einer Bauchspiegelung (Laparoskopie) durchgeführt.

Unter Vollnarkose setzt der Chirurg einen winzigen Einschnitt in der Nähe des Nabels. Durch den Einschnitt führt er ein schlankes Laparoskop (eine kleine Kamera) ein. Dadurch kann er sich das Innere des Bauchraums direkt ansehen. Der Chirurg sucht nun nach Anzeichen von Gebärmutterschleimhautgewebe ausserhalb der Gebärmutter.

Eine Laparoskopie kann Aufschluss über

  • Lage,
  • Ausmass und
  • Grösse der Gebärmutterschleimhautwucherungen
  • geben.

Der Chirurg kann dabei auch eine Gewebeprobe (Biopsie) für weitere Untersuchungen entnehmen.

Bei guter Operationsplanung lässt sich eine Endometriose schon während der Laparoskopie vollständig behandeln. Dadurch ist nur ein einziger Eingriff notwendig.

Laparoskopie bei einer Frau
Darstellung eines laparoskopischen Eingriffs © bilderzwerg | AdobeStock

Wenn Sie unter einem fortgeschrittenen Endometriose-Stadium leiden, lässt sich diese womöglich nicht mit einer Laparoskopie behandeln. In diesem Fall wird stattdessen eine Laparotomie durchgeführt. Darunter versteht man einen grösseren chirurgischen Eingriff mit einem grossen Schnitt in den Bauch.

Wie bei der Laparoskopie erhalten Sie ein Medikament, das Sie in Narkose versetzt. Ihr Arzt schneidet durch Haut und Muskelgewebe, um in den Bauch hinein zu sehen und das betroffene Gewebe zu entfernen.

Nach der Operation wird der Schnitt geschlossen und Sie werden in einen Aufwachraum gebracht. Sie müssen mindestens eine Nacht im Krankenhaus bleiben.

Nachsorge nach einer Endometriose-OP

Nach einer laparoskopischen Operation werden Sie sich schneller erholen als nach einer Laparotomie. Unabhängig von der Art des Eingriffs werden Ihre Aktivitäten in den ersten Tagen oder Wochen nach dem Eingriff eingeschränkt sein. Nach einer Laparoskopie können Sie sich bereits nach 1 bis 2 Tagen gut erholt fühlen. Dennoch benötigen Sie möglicherweise mehr Zeit, bevor Sie Ihre normalen Aktivitäten wieder aufnehmen können.

Es ist sehr wichtig, dass Sie mit Ihrem Arzt darüber sprechen, wann Sie wieder Aktivitäten wie Autofahren, Arbeiten und Sport ausüben können.

Wenn Sie die Anweisungen genau befolgen, kann dies zu einer reibungslosen Genesung beitragen.

Komplikationen und Prognose

Komplikationen bei Endometriose-Operationen sind äusserst selten, folgende Probleme können jedoch auftreten:

  • Infektionen im Beckenbereich
  • Unkontrollierte Blutungen, die einen grösseren Bauchschnitt (Laparotomie) erforderlich machen, um die Blutung zu stoppen
  • Bildung von Narbengewebe (Verwachsungen) nach der Operation
  • Beschädigung des Darms, der Blase oder der Harnleiter (die kleinen Röhren, die den Urin von den Nieren zur Blase leiten)

Endometriose ist eine chronische Erkrankung, die bislang nicht heilbar ist. Wir wissen noch nicht, was sie verursacht. Das bedeutet aber nicht, dass die Krankheit Ihr tägliches Leben beeinträchtigen muss.

Es gibt wirksame Behandlungen, um Schmerzen und Fruchtbarkeitsprobleme in den Griff zu bekommen, z. B.

  • Medikamente,
  • Hormontherapie und
  • Operationen.

Die Symptome der Endometriose bessern sich in der Regel nach der Menopause.

Quellen

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