Makoplasty - Medizinische Experten

Wenn vom Makoplasty-Operationsverfahren die Rede ist und dabei das Stichwort Roboter fällt, liegt die Assoziation nahe, dass die Operation von einem Roboter ausgeführt wird. Dies ist nicht richtig. Die Robotertechnologie wirkt nur unterstützend, nach wie vor setzt das Verfahren erfahrene orthopädische Chirurgen voraus, die die Operation durchführen. Die Bewegungen des Operateurs werden im Operationsgebiet durch die interaktive Roboterarmtechnologie jedoch noch einmal kontrolliert und ggf. präzisiert. Diese Technologie stützt sich auf eine vorher angefertigte Computertomographie und ein chirurgisches Navigationssystem mit 3-D-Kamera.

Es werden so die erforderlichen sehr genauen Knochenschnitte für die Implantation der Endoprothesen am Kniegelenk gesetzt. Das Verfahren eignet sich sowohl für den vollständigen als auch für den teilweisen Ersatz eines degenerativ geschädigten Kniegelenks durch ein künstliches Gelenk. Bahnbrechend sind dabei vor allem die Berücksichtigung und Beibehaltung der durch die Bänder erzeugten individuellen Spannungsverhältnisse am Knie.

Im Falle einer fortgeschrittenen Hüftgelenksarthrose kann die Bearbeitung des Implantat-Bettes einer Hüftendoprothese sehr präzise mit speziellen Fräsen erfolgen. Bahnbrechend ist dabei vor allem die Berücksichtigung der Beckenbewegungen sowie der individuellen Knochenform.

Diese Einbeziehung individueller Parameter unterstützt eine bessere Funktion der Implantate und eine zügige Rekonvaleszenz mit weniger Beschwerden gegenüber herkömmlichen Operationsmethoden.

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Makoplasty - Weitere Informationen

Was ist eine Makoplasty?

Das Roboterarm-assistierte Operationsverfahren Makoplasty wurde von der US-amerikanischen Stryker Corporation mit Hauptsitz in Kalamazoo, Michigan, entwickelt. Das seit 1979 an der New Yorker Börse notierte Unternehmen zeichnet für das Gesamtverfahren verantwortlich einschliesslich der notwendigen Instrumente und Computerprogramme. Auch die technische Einweisung und Schulung der Orthopäden, die in ihrer Klinik Makoplasty anbieten können, liegt in der Hand von Stryker. Nach Übernahme des deutschen Implantatherstellers Leibinger ist das Unternehmen mit einer Zentrale in Deutschland vertreten und unterhält hier mehrere Produktionsstandorte. Zusätzlich wird jede Operation von einem Spezialisten der Firma für die Robotertechnologie (MAKO-Produkt-Spezialist) begleitet.

Das Verfahren kommt hauptsächlich für den Einsatz vollständiger, künstlicher Kniegelenke oder für den Teilersatz (Schlittenprothese) zur Anwendung. Auch beim Einsatz künstlicher Hüftgelenke leistet das System wertvolle Verbesserungen. Das Makoplasty-System besteht aus den drei Funktionseinheiten

  • Planungsstation,
  • chirurgisches Navigationssystem mit 3-D-Kamera und
  • Roboterarm mit Knocheninstrumenten.
Makoplasty

Drei Mako Roboterarme der Firma Stryker mit verschiedenen Erweiterungen, rechts Sägeaufsatz für künstliche Kniegelenke, in der Mitte Kugelfräse für die Präparation der Pfanne einer Hüftprothese und links feine Fräse für die hoch präzise Implantation von Schlittenprothesen. © Stryker

Bei einem Kniegelenksersatz besteht das Ziel darin, den Gelenkersatz so präzise zu platzieren, dass die Bänder-Spannungsverhältnisse am Knie, die Beinachse und Beweglichkeit optimal wieder hergestellt werden.

Bei einem Hüftgelenksersatz besteht das Ziel darin, den Gelenkersatz so präzise zu platzieren, dass das Bewegungsausmass, die Stabilität und die Beinlänge des Hüftgelenkes optimal wieder hergestellt werden.

Gründe, die für einen Ersatz des Knie- oder Hüftgelenks sprechen

Es gibt eine Reihe von objektiven und subjektiven Gründen, die für einen künstlichen Gelenkersatz sprechen. Letztlich können nur Sie als Patient die Entscheidung zugunsten der OP treffen. Die Entscheidung ist unabhängig davon, ob Sie die Vorteile des Makoplasty-Verfahrens nutzen wollen oder eine konventionelle OP vorziehen. Die Operation kann die Schmerzfreiheit und volle Funktion des Gelenkes wiederherstellen und zu einer deutlichen Verbesserung Ihrer Lebensqualität führen. Ihr Orthopäde kann Ihnen sagen, wie sich Ihr Gelenkleiden aufgrund objektiver Befunde wahrscheinlich weiter entwickeln wird. Er kann Sie über Behandlungs- und Operationsmöglichkeiten aufklären, Sie beraten und die Operation im optimalen Fall auch selbst durchführen.

Das Makoplasty-Verfahren im Vergleich zum konventionellen Knieersatz

Die Präzision, die mit dem Operationsverfahren Makoplasty aufgrund der Roboterassistenz erreicht wird, ist bereits beeindruckend. Es ist aber nicht das Alleinstellungsmerkmal für den Kniegelenkersatz mit Makoplasty gegenüber einer herkömmlichen OP. Das wichtigste Unterscheidungsmerkmal liegt in der Einbeziehung der individuellen Spannungsverhältnisse am Knie.

In der konventionellen Chirurgie wird die Knieendoprothese nach anatomischen Erfahrungen eingesetzt und anschliessend die Bänder so gut wie möglich an die neuen Knieverhältnisse angepasst. Im Gegensatz dazu werden im Makoplasty-Verfahren die individuelle Stabilität (Aufklappbarkeit) der Bänder gemessen und das neue Kniegelenk so per Computer platziert, dass die Spannungsverhältnisse nach der OP optimal und möglichst identisch sind zu den Verhältnissen vor der Kniearthrose. Das hat den Vorteil, dass Sie nach der Operation im Vergleich zur konventionellen OP einen zügigeren Heilungsprozess und eine bessere Funktion des Knieelenkes erwarten können. 

Das oberste Ziel besteht darin, die Patientenzufriedenheit nach dem künstlichen Kniegelenksersatz weiter zu steigern.

Das Makoplasty-Verfahren im Vergleich zum konventionellen Hüftersatz

Die Genauigkeit der Prothesenplatzierung, die mit der Makoplasty-Operationstechnik aufgrund der Roboterassistenz erreicht wird, ist bemerkenswert. Es ist aber nicht das Alleinstellungsmerkmal für den Hüftgelenkersatz mit Makoplasty gegenüber einer herkömmlichen OP. Das wichtigste Unterscheidungsmerkmal liegt in der Einbeziehung der individuellen Beckenbeweglichkeit und Knochenformen am Becken und Oberschenkel.

In der konventionellen Chirurgie wird die Hüftendoprothese nach anatomischen Erfahrungen anhand einer Planung auf zweidimensionalen Standard-Röntgenbildern eingesetzt und anschliessend die Gelenkfunktion und -stabilität im Operationssaal überprüft. Im Gegensatz dazu werden im Makoplasty-Verfahren dreidimensionale Informationen aus einer vorher angefertigten Computertomographie sowie die Beweglichkeit des Beckens (Beckenkippung im Sitzen und Stehen) berücksichtigt. Mit diesen Informationen kann das neue Hüftgelenk so per Computer platziert werden, dass die Beweglichkeit, Stabilität und Beinlänge nach der Implantation optimal sind. Das hat den Vorteil, dass Sie nach der Operation im Vergleich zur konventionellen OP einen zügigeren Heilungsprozess und eine bessere Funktion des Hüftgelenkes erwarten können.

Das oberste Ziel besteht darin, die ohnehin schon geringen Komplikationsmöglichkeiten des Hüftgelenksersatzes wie die Gefahr der Luxation (des Ausrenkens) weiter zu reduzieren.

Ablauf der Makoplasty-Operation erfolgt in der Praxis in drei Schritten

Das Gesamtverfahren Makoplasty besteht aus drei Schritten, wovon zwei unmittelbar vor der OP durchgeführt werden. Erst der dritte Schritt beinhaltet die eigentliche OP. Das Verfahren kommt bei vollständigem Hüft- oder Kniegelenkersatz (Hüft-TEP, Knie-TEP) oder auch bei einem Teilersatz des Kniegelenks wie bei der Schlittenprothese zum Einsatz.

Die präzise Erfassung der knöchernen Strukturen des Knie- oder Hüftgelenkes

Im ersten Schritt wird eine Computertomographie (CT) des Knie- oder Hüftgelenkes angefertigt. Sie ist notwendig, um in einer dreidimensionalen Erfassung der knöchernen Strukturen des Knies / der Hüfte das künstliche Gelenk zunächst am Computerbildschirm optimal einzupassen. Die Daten bilden die Grundlage für die Führung der OP-Instrumente und sind wichtig für die Ermittlung der individuellen Anpassungen.

Bestimmung der individuellen Anpassungen durch Messung der Bandspannungsverhältnisse beim Kniegelenk oder durch Berücksichtigung der Beckenbeweglichkeit beim Hüftgelenk

Nach Anfertigung der Computertomographie werden im nächsten Schritt für das Knie – bereits unter Narkose – die individuellen Bandspannungen beim Beugen und Strecken des Knies gemessen bzw. für die Hüfte – noch ohne Narkose – auf speziellen Röntgenbildern die Beckenkippung im Stehen und Sitzen vermessen. Das ist wichtig für die Feinanpassung der Endoprothesen-Ausrichtung.

Die Feinanpassung selbst erfolgt am Monitor. Bereits geringe Verschiebungen und Drehungen des künstlichen Gelenkes haben Auswirkungen auf das Bewegungsausmass und die Spannungsverhältnisse am Knie oder die Gelenkstabilität der Hüfte. Erst nach Ermittlung der optimalen dreidimensionalen Position des Gelenkteils wird diese für die eigentliche Operation abgespeichert. 

Der dritte Schritt besteht in der eigentlichen OP

In der Roboterarm-assistierten OP erhält der erfahrene Chirurg beim Ansatz der Knochensäge bzw. Knochenfräse eine Rückmeldung über die „richtige“ Haltung des Instruments und damit über den richtigen Sitz der Prothese. Vor allem ermöglicht der Roboterarm die Position des jeweiligen Instrumentes mit einer Genauigkeit von unter ±0,5 Millimeter und ±1 Grad einzustellen. Die grossen Abbildungen am Computerbildschirm und die Rückmeldungen durch den Roboterarm ermöglichen es dem erfahrenen orthopädischen Chirurgen, die erforderlichen Knochenschnitte bzw. -fräsungen so zu setzen, dass keine sensiblen Strukturen wie Gefässe, Nerven, Muskeln oder Bänder berührt oder gar verletzt werden. Damit besteht auch ein zusätzlicher Vorteil bezüglich der Operationssicherheit.

Die Gestaltung der Nachsorge

Die Nachsorge nach einem Gelenkersatz mittels Makoplasty-Verfahren unterscheidet sich nicht grundlegend von Behandlungen und Übungen nach einem herkömmlichen Hüft- oder Kniegelenkersatz. Bewegung ohne starke Belastung ist sehr wichtig für einen zügigen Heilungsprozess. Ebenso fördern eine angenehme Umgebung und eine gesunde Ernährung mit natürlich belassenen und abwechslungsreichen Nahrungsmitteln den Heilungsprozess.

Risiken und Komplikationen des Makoplasty-Verfahrens

Die Operationsrisiken, die mit einer Makoplasty verbunden sind, sind extrem gering und entsprechen grundsätzlich denen eines konventionellen Gelenkersatzes.

Weiterhin müssen bei der Operation die Positionen der knöchernen Gelenkpartner gekennzeichnet werden. Dazu werden spezielle Marker-Pins im Knochen fixiert und meist zwei kleine zusätzliche Stichinzisionen (kleiner stichförmiger Hautschnitt) notwendig. Zusätzlich ist die Strahlenbelastung der Computertomographie (CT) zu erwähnen.

Wie bei jeder Operation besteht ein Infektionsrisiko, weil theoretisch während der OP-Entzündungskeime in die Wunde eingeschleppt werden könnten. Dieses Risiko wird durch entsprechende Hygienemassnahmen der Kliniken minimiert, erkundigen Sie sich entsprechend im Krankenhaus Ihrer Wahl.

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